harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 



Hitlist 1976
1
Ramones: Ramones
2
Genesis: Wind & wuthering
3
Camel: Moonmadness
4
Alan Parsons Project: Tales of mystery and imagination
5
Jon Anderson / Rainbow
6
Roxy Music / Heart
7
Classic Rock ^5

 

Hitlist 1976

So, '76 also...

Letztes Jahr wäre das schon 30 Jahre her gewesen. Puh!

Wenn mir jemand, als ich Jugendlicher war, gesagt hätte, ich würde mal Musik hören, die 30 Jahre alt ist, dann hätte ich ihn für bescheuert erklärt.

Als ich in den 80ern Interesse für Musik entwickelte, wäre es demzufolge um Songs aus den 50ern gegangen. Da gibt es heute auch ein paar, die ich ganz gut finde, trotzdem bin ich weit davon entfernt, mich da auszukennen.
In den 80ern gab's in der Familie einen Bekannten der Rock'n'roll aus den 60ern gut fand und für mich hörte sich schon das einfach nur komisch an.

Als ich meine erste Platte aus dem Jahr 1976 kaufte, war diese ungefähr 10 Jahre alt. Im Umkehrschluss kann man von Jugendlichen heute eigentlich nicht erwarten, dass sie Musik hören, die älter als 1995 ist. Aber bei dem Überangebot an kostenloser Musik haben die eh genug damit zu tun, aktuelle Platten zu hören.

An 1976 ist auch noch interessant, dass in diesem Jahr die ersten Punkplatten veröffentlicht wurden. Es ist also somit auch das Jahr, in dem man (außer 75) am deutlichsten erkennen/hören kann, was das war, was die Punks an althergebrachter Musik so scheisse fanden. Wobei ich ja inzwischen glaube, dieses Argument war teilweise auch vorgeschoben, um die eigenen kaum vorhandenen technischen Fähigkeiten in den Hintergrund zu stellen. Aber klar ist: dass Punk ein Ende mit der Vorstellung machte, man müsste unbedingt ein Supermusiker sein, um in einer Band spielen zu dürfen, war schon eine gute Sache.

Wenn ich dann in meiner Sammlung so rumgucke, dann fallen mir zuerst die Plattencover auf. Da gab es ganz schon viele schlechte davon in sechsundsiebzig.
Zum Beispiel:

UFO: No heavy petting
Uriah Heep: High and mighty

Links zeigen UFO unter dem neckischen Titel No heavy petting, wie man mit einer kruden Fotomontage völlig unglaubwürdig leere Schläuche zwischen Mensch und Affe verlegen kann. Wenigstens ist die Platte ganz gut. Aber nicht innovativ.
Rechts war 'nem Hobbybastler langweilig und er hat aus seiner alten Knarre ein Flugzeug gebaut, das natürlich aufgrund des Rückstoßes genau in die andere Richtung fliegen würde als man vom Bild denkt. Da sind also die Tragflächen verkehrt herum, dolle Show! Uriah Heep sind auf High and mighty (wieder ein zweideutiger Titel!) auch nicht innovativ, aber immerhin langweilen sie auch nicht nur und bei einigen Songs singt John Wetton.

Das war alles noch harmlos. Jetzt kommen die bösen Buben. Die wollen Jungfauen töten, oder nee, die wollen Jungfrauen vernichten, was auch auf andere Art als durch Töten denkbar wäre. Wie das gehen kann, wird deutlich illustriert auf ihrem Cover zu Virgin killer:

Scorpions: Virgin killer

Also, man kann's nicht so gut erkennen, aber im Vordergrund befindet sich eine an bestimmter Stelle zertrümmerte Glasscheibe. Dieses Cover wurde damals verboten und heute ist es immer noch nicht in Verwendung. Aus gutem Grund würde ich sagen! Ich finde sogar, die Eltern des Mädchens hätten auch nochmal 'ne Abmahnung verdient, dass sie ihre Tochter für sowas freigegeben haben.
Nur mal um das klarzustellen: die Band heißt Scorpions und ein ex-Bundeskanzler hat öffentlich erzählt, dass er die gut findet. Aber nun, is' ja auch üblich dass jeder Hinz und Kunz ohne auf Widersprüche zu stoßen, Rammmstein gut finden kann und die Onkelze auf seine Heckscheibe kleben und Stöhrkraft verehren und den Holocaust... ach sorry, jetzt übertreibe ich doch etwas. Da ist wieder die Polemik mit mir durchgegangen.
Öhm, ergänzend nochmal so: die nächste Scheibe der Scorpions hieß dann Taken by force!
Und die Scorpions selbst, die konnten natürlich garnichts für das Cover, das hat die böse Plattenfirma einfach ohne zu fragen gemacht! Selbst wenn das stimmt, kann man mal sehen wohin es führt, wenn man die Kontrolle abgibt. Im übrigen ist der Song Virgin killer inhaltlich ziemlich leer und faselt nur was davon, dass irgendwer 'n Virgin killer is' und der ist wohl ein Böser. Also, alles gar nicht so schlimm, gut und böse sind noch richtig herum verteilt. Aber mal ein provozierendes Cover, das schadet nie!

Somit haben wir hier eigentlich gerade rausgefunden, dass die Scorpions in Punkto Cover die ersten Punks des Jahres 76 waren! Denn das ist natürlich genau die Schublade Provokation, das hätten sich die Sex Pistols wahrscheinlich nicht getraut! Bei deren Bandnamen und den bisherigen Covern habe ich allerdings gerade noch ganz andere Assoziationen für eklige Cover, die bestimmt auch verboten worden wären.
Dass die Jungens aus Hannover doch keine Punks waren, sieht man dann am Ersatzcover, dass du hier betrachten kannst.
Schön finde ich vor allem die zwei jubelnden Fussballfans und den Klaus Meine mit seinem hypererotischen Hüftschwung
und der eleganten Dauerwellen- Fönfrisur.
Der einzige, der ganz vernünftig wirkt, ist Uli Roth (vorne links) und der sieht heute noch fast genauso aus, nur ein bisschen älter.
Um die Frage nach der Qualität der Platte zu beantworten habe ich zunächst ein ganz extrem faszinierendes Textbeispiel rausgesucht (siehe ganz unten) und dann erstmal alle Smashing Pumpkins-CDs durchgehört und erst danach diese hier. Hat aber auch nix geholfen, mein Fazit ist, dass die Scheibe nicht besonders gut ist. Natürlich ist sie besser als der ganze Kram, der danach kam
. Und ich muss zugeben, dass ich In trance vom Jahr davor ziemlich gut finde. Ich habe mir extra deswegen alle anderen Scorpions-Platten aus den 70ern gekauft und keine einzige kommt an In trance ran. Keine einzige von den anderen regt mich jemals zum Auflegen an (man beachte das "l" im vorletzten Wort). Und mit dem Ersatzcover weiss man dann doch wieder, warum es Punk gab.

Jedoch, es kommt noch dicker. Nicht was die kinderpornographischen Abbildungen angeht, ein Glück. Aber was die Rocker betrifft. Schaut euch mal diese Gesellen an:

Die hatten gerade Besuch von Außerirdischen. Oder wenigstens haben sie Drogen genommen, die ihnen das suggerieren. Und zu allem Unglück hatten sie auch noch ihre Instrumente dabei und haben in einer irren Session einen Brocken namens 2112 eingespielt. Auch fast Punk, wenn man dieses wenig variable Gitarrengeschrammel hört. Aber nee, genau genommen waren es wohl besagte Platte und eben das Outfit, die den Punk ganz heftig begünstigt haben. Rush sind schuld! Dabei finde ich die meistens sogar ganz gut.
Und wer das mit dem Outfit nicht glaubt, der kann auch nochmal bei 1977 gucken, was da noch so für lustig aussehende Typen im "Rockbusiness" damals rumliefen.

Und trotzdem war das immer noch nicht alles!
In den Top7 dieser Hitlist werden noch ein paar wahre Prachtstücke an verabscheuungswürdigen Dinosaurierrockern vorkommen! Und gleich beim Platz 7 beginne ich mit fünf Songs, die man unter die schlimme Überschrift "Classic rock" einordnen kann. Hilfe!
Allerdings wird's dabei und auch bei den weiteren Rängen dann mehr um die Musik gehen, als um irgendwelche künstlerischen oder modischen Verbrechen.
Und es soll ja sogar noch 1976 ein paar Altrocker gegeben haben, die cool waren. Und auch Jungspunde, die noch cooler waren!

... zum Abschluss noch das wichtige Textzitat:

In the night there is
A gentle voice of silence
So low and quiet
She'll catch me 'cos I've been longing.

I want to walk in your park
Cos I'm alone,
I want to walk in your heart
Where are you? I don't know ...

Scorpions "In your park"  


Stay alive and rock on,
Harvey
(26.5.07)

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Hitlist:
Hitlist: [hit-list] engl.-amerik.; ergibt sich aus hit und list

Hit:
Hit: [hit] engl.-amerik.; Schlag m; (Seiten)Hieb m; Glücksfall m; Treffer m; thea., (Musik-Bizz) Schlager: ein Song, der nicht zwingend gut sein muss, aber sehr populär ist.

List:
List: [list] engl.-amerik.; Liste f, Ver- zeichnis n; Auflistung: besonders Männer neigen dazu Ranglisten zu erstellen. Zum einen gibt es ihrem Fetisch einen gewissen wissenschaftlichen Anstrich, zum zweiten läßt sich herrlich darüber diskutieren.

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: