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Hitlist
 




Camel: Moonmadness
(1976/2002, 71:25)


Camel: Moonmadness
 

Super Platte von Camel mit einigen ihrer beliebtesten Songs.
Außerdem ein schönes Cover.

Letztens bei Jon Anderson sagte ich ja, dass mich dessen Platte an Der Dunkle Kristall erinnert. Bei diesem Cover geht mir das auch so. Die Gestalt dort im Mondlicht sieht auch ein bisschen aus wie die Wesen im Film.

Moonmadness reiht sich ganz gut in die Abfolge zwische Mirage und Rain dances ein. Ein bisschen weniger kantig als Mirage und ein bisschen weniger jazzig als Rain dances. The snow goose lasse ich hier mal aus, da die als Konzeptinstrumentalplatte aus der Reihe fällt.
Wundervoll ruhige Parts aber auch typisch 70er-mäßige rockige Improvisationen und Solos bilden hier eine schöne Mischung aus langen und kurzen Songs. Stilistisch wirken Camel gefestigt. Der Ungestüm der ersten Tage ist gezähmt und die Ziellosigkeit der 80er noch nicht zu spüren.

Ich möchte drei Songs hervorheben: zunächst Song within a song, das für mich eine Art Camel-Erkennungsmelodie ist. So klingen sie, typischer geht's nicht! Sehr schönes Lied obendrein.
Dann Spirit of the water, ein ruhiges kleines Stück, das live von Andy Latimer dem verstorbenen Pete Bardens gewidmet wurde und dabei einfach ergreifend und unheimlich traurig war. Seitdem verbinde ich diese Erinnerung mit dem Stück.
Last but not least natürlich Lunar sea, ein Longtrack mit ausufernden Gitarren und Keyboards, der wiederum seinem Titel absolut gerecht wird. Ich habe vor ein paar Monaten A fall of moondust von Arthur C. Clarke gelesen (keine Ahnung wie das in deutsch heißt) und finde, Lunar sea wäre der ideale Song als Hintergrundmusik, den man sogleich mitliefern könnte mit dem Buch.
Tatsächlich hat ja schon einmal ein Musiker eine ganze Platte zu Arthur C. Clarke gemacht und zwar Mike Oldfield mit The songs of distant earth (Buch mit gleichem Titel). Und das ist ihm hervorragend gelungen, finde ich. Übrigens eines der besten - wenn nicht sogar das beste - von Arthur C. Clarkes Büchern. Aber naja, das ist auch schwer zu sagen, es gibt so einige hervorragende (zum Beispiel Rendezvous with Rama aka Rendezvous mit 31/439; sehr toller deutscher Titel übrigens).

Die oben angegebene Spielzeit bezieht sich übrigens auf die remastered-CD, auf der noch fünf Bonustracks sind, darunter drei hervorragende Liveaufnahmen. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob davon auch welche auf der remastered CD von A live record sind, da ich jene bis heute nur auf LP habe. So für sich aber sehr lohnenswert und außerdem zum annehmbaren Preis erhältlich, diese CD.

Ich lese ja öfter dieses Interview-Magazin Galore. Die meisten Interviews da drin sind super interessant. Man bekommt Einblicke in Berufe, in Persönlichkeiten und es wird auch mal kritisch nachgefragt. Vor allem finde ich interessant, dass viele Menschen über 40, die dort Rede und Antwort stehen, einen überhaupt nicht linearen Lebenslauf haben. Oft haben die diverse Jobs ausprobiert oder Unternehmen gestartet und wieder in den Sand gesetzt, vielfach sind sie in mehreren Ländern zuhause gewesen und dennoch sind sie so erfolgreich und bekannt, dass sie in dem Heft auftauchen. Nicht immer kenne ich diese Menschen vorher bereits aber normalerweise ist es trotzdem interessant, die Unterhaltung mit ihnen zu lesen.
Dann schlage ich eine andere Zeitschrift auf und dort werden junge Leute (18-20) nach ihren Plänen für die Zukunft befragt. Und fast alle sagen, sie wollen "Karriere" machen und "eine Familie gründen" und die Vorstellungen hören sich oft sehr gradlinig an. Wie kann man denn mit 20 sagen, man möchte mal Kinder haben? Also ich hatte mir in diesem Alter über sowas überhaupt gar keine Gedanken gemacht und hätte da einfach keine Meinung zu gehabt. Aber mir ist sowieso völlig schleierhaft, wie man so eine Aussage tätigen kann, ohne den passenden Partner dafür zu haben. Das hat für mich dann die Qualität wie eine Aussage "ich will mir ein neues Auto kaufen", wenn man kein Geld hat. Möglich ist das und man wird die Karre wahrscheinlich lieben, aber es ist gefährlich bis verantwortungslos bzw. wenn man's eben nicht macht nur eine Spinnerei. Der Unterschied ist aber natürlich auch noch, dass Kinder nicht einfach wieder verkauft werden können und dass sie auch wesentlich weniger pflegeleicht sind als ein Auto. Im übrigen ist es für sie auch noch unschön und vielleicht ungünstig charakterformend wenn sie nur einen "Besitzer" haben.
Damit sind wir auch bei einem Thema bezüglich der nicht-linearen Lebensläufe, das ich weniger beeindruckend finde: sehr oft sind diese "Prominenten" zum zweiten oder dritten Mal verheiratet und haben Kinder mit mehreren Partnern. Ist es also doch so, dass die erfolgreichen Menschen ihr Privatleben "opfern"?
Als ich irgendwann mal lange nach dem Abi eine alte Mitschülerin wiedertraf, fragte die mich ganz erstaunt "wie, nichtmal irgendwann ein Kind in die Welt gesetzt?". Als wenn das so im Vorbeigehen irgendwie "passiert". Also wenn ich Kinder mit zwei verschiedenen Frauen hätte, das würde mich wohl echt belasten. Das ist ja ein dauernder Zwiespalt: um wen kümmert man sich jetzt, wie wird die Kohle verteilt und wann kann man nochmal was ohne Kinder unternehmen?
Kinners, Kinners is dat kompliziert.

So, Camel haben den letzten Takt getan, es ist spät inner Nacht und mir fällt auch nix mehr ein. Da ich momentan wenig Zeit habe (wie die nicht vorhandenen regelmäßigen Leser bereits bemerkt haben) wird's wohl erst wieder mit Julimusik weitergehen. Obwohl ich noch keinen Schimmer habe, welche das denn sein wird. Waren wieder nicht so die Jahrhundertplatten dabei bisher.
Nun, wem langweilig ist, der kann ja auch einfach irgendwas von den anderen fast 500 Platten/Songs hier bei Hitlist durchlesen, ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendjemand das bereits alles kennt (außer mir selber und ich vergesse auch schon alles und wiederhole mich).

Stay alive and rock on,
Harvey
(19.7.07)


Camel

(England)
Gegründet 1969 als
"The Brew"
Erste VÖ 1972 "Camel"-LP

Band 1976:
Andy Latimer: guit, voc, flute
Doug Ferguson: b, voc
Pete Bardens: keys, voc
Andy Ward: dr, voc


Link
Camel
Lady Fantasy
Rhayader
Rain dances
I can see your house from here
The single factor
Pressure points
Harbour of tears
Rajaz

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: