harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Maximaler Spaß


Ash: A life less ordinary
 

Ash: A life less ordinary
(Maxi, 14:12, 1997)

Fünf supergute Maxi-CDs gibt's diese Woche von mir.
Ich weiss, einige sind schwer zu kriegen, aber zur Not kommt man bei fast allen auch schon mit dem Titelsong gut zurecht.

Die erste Veröffentlichung von Ash mit Charlotte Hatherley an der Gitarre, inzwischen wieder ausgestiegen.
Ash finde ich gut. Allerdings sind es doch meistens ihre Singles, die mir gefallen. Bereits zwei komplette Studioalben von denen habe ich wieder aussortiert, weil sie mir insgesamt nicht so viel brachten. Dafür besitze ich ein paar Maxis und die Singles-Compilation. Und ich finde, dass man sie sich immer gut live angucken kann, macht Spaß.

Das hier: ist ein Filmdöschen, auf dem eine Glasscherbe liegt. Ich weiss, sieht mickrig aus. Aber als ich das Teil letztens aus meinem Mund zog, kam mir das riesig vor. Es hatte mich auch gut ins Zahnfleisch geschnitten und das Blut war gar nicht so schlimm, aber die nachfolgende Entzündung hat mich noch ein, zwei Wochen begleitet.
Jetzt kommt aber der Hammer: ich hab nicht versucht, meinen Spiegel zu essen und auch nicht die Bierflasche mit den Zähnen geöffnet, nein, ich hab' einfach 'n Brot zum Frühstück gegessen. Und da war die Scherbe drin.

Ich dachte dann, das kann doch nicht angehen! Da muss man doch was machen, wenn der Bäcker sowas in seine Backwaren reinmacht. Meine Erwartung war allerdings, dass, wenn ich mich beschweren würde, die entweder mir nicht glauben würden oder mir ein neues Brot geben, fertig. Und ich fand das ganz schön heftig, wenn da auf'm Backtisch Scherben rumliegen.
Da dachte ich, dass ich irgendwas tun muss. Also habe ich bei der Verbraucherzentrale angerufen und ihnen die Sache geschildert. Die meinten, da könnten sie nix zu sagen und da müsste man sich beim Gesundheitsamt melden. So hab ich dort angerufen. Und der sagte als erstes zu mir: "Wo war das? Name des Bäckers, Adresse? Jetzt, sofort!"
Ich wusste aber nicht, wie der heisst, geschweige denn die Adresse.

"Ja, also bitte, sie müssen doch wissen, wo sie das Brot gekauft haben."

Ich sagte, ja klar, aber da weiss ich doch nicht gleich die Adresse und ich wollte doch auch erstmal fragen, was man da so machen muss.
Er teilte mir mit, dass sie das Brot brauchen würden und untersuchen werden und dann natürlich die ADRESSE und dann würden sie das mal alles durchchecken und eventuell irgendwelche Schritte einleiten.
Er fragte mich, ob ich mich bei dem Bäcker beschwert hätte. Ich sagte, nein. Ja, warum nicht? Ich meinte, das hätte sowieso keinen Sinn.

Ja und ab da wurde ich behandelt, als hätte ich selbst was Böses getan. Der sagte doch glatt, meine Story sei unglaubwürdig und zwischen den Zeilen klang durch, dass ich hier wohl jemanden anschwärzen wollte, einfach so. Und dann musste ich mich rechtfertigen. Fuck, so eine scheisse.
Schließlich wurde mir gesagt, das könnte natürlich alles seinen Weg gehen, aber dann müsste ich das Brot vorbei bringen. Und die Scherbe. Und die Adresse sollte ich auch haben. Kein Problem. Aber - oho - der Verein ist nur bis 14 Uhr nachmittags zu erreichen und es ist immer sehr voll, man möge etwas Zeit mitbringen.
Tolle Kiste! Wie soll man das als Berufstätiger hinkriegen? Ich nehme mir mal frei, um da meine Scherbe abzugeben, klaro!

Na, im Endeffekt hab' ich das gelassen. Aber ich habe nie wieder bei dem Bäcker gekauft.

Der Ash Song A life less ordinary gehört zum gleichnamigen Film, welcher ganz witzig ist. Klar, die Geschichte ist ein bisschen flach: Entführer und Opfer verlieben sich. Aber die Darsteller Ewan McGregor und ... äh, wie heißt sie denn jetzt noch?... naja, ihr seht sie ja oben, kennt jeder. Jedenfalls sind die sympathisch und schauspielern gut und dazu ist der Film auch noch ganz lustig.

Nun mal zur Musik: el Musica numero uno ist ein typisches, flottes, melodisches Ash-Stück, das Laune macht. Ebenso die Bonustracks Where is our love going und Halloween. Obwohl das deutlich schrammelig ist und Großeltern im Punk hat, finde ich doch, dass diese Songs, wie auch einige andere von Ash, romantisch sind. Irgendwie schaffen die es, kuschelige Texte und nette Melodien so zu paaren, dass es trotz allen Rocks ein Lied für Zweisamkeit wird. Auch das hat mir an dieser Maxi gefallen.

Lied Nummer zwei heißt What deaner was talking about und ist eine Coverversion von Ween (!!), aber eins ihrer gradlinigeren Stücke. Klingt also gar nicht so anders als andere von Ash.
Sehr schöne Maxi!



Ash

(Nordirland)
1989 gegründet
1994 erste VÖ "Jack names the planets"-Single

1997 Besetzung:
Tim Wheeler: voc, guit
Rick McMurray: dr
Charlotte Hatherley: guit
Mark Hamilton: b


Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik:

Chumbawamba: Tubthumping
 

Chumbawamba: Tubthumping
(Maxi, 20:03, 1997)

Dieser Megahit von 93 war ziemlich nervig. Die Kombination von Drummachine, Trompeten und gerapptem Gesang konnte ich gar nicht ab.

Sie war allerdings so beliebt und so hartnäckig, dass ich's irgendwann nicht mehr so schlimm fand. Dazu kam, dass Chumbawamba mit tollen politischen Aktionen meine Aufmerksamkeit erregten. Heute hat der Song für mich Nostalgiewert, so ist er dann ganz witzig.
Viel besser ist aber der Song Farewell to the crown, bei dem die Oysterband sehr stark beteiligt ist. Und auch politisch! In meinen Augen ein noch viel besseres Tanzlied als Tubthumping. Obwohl mit Disco-Beat!
Naja, ansonsten gibt's auf dieser Maxi noch zwei Remixe von Tubthumping, super! Weg damit!
Und dann noch den Football song, der so einigermaßen zu ertragen ist, aber nur knapp.

Als dieser Hit für Chumbawamba 1997 erschien, hatte ich bereits ein oder zwei ihrer alten Platten gehört, die noch mehr Gitarren benutzen. Trotzdem fand ich die auch nicht gut, denn sie haben schon immer sehr stark auf Tanzbarkeit und moderne Rhythmen Wert gelegt.
Ich glaube, das war alles eine politische Strategie, so nach dem Motto, wenn die Leute dazu tanzen, dann machen sie auch mit bei unserer Revolution.
Hmm, wenn man heute so schaut, auf die Revolution einerseits und auf Chumbawamba andererseits, dann hat es wohl nicht ganz so geklappt.


Chumbawamba

(GB)
1980 gegründet
1985 erste VÖ "Revolution"-Single

1997 Besetzung:
Alice Nutter: voc
Boff: guit, voc, clarinet
Lou: voc, guit, keys
Mavis Dillan: b, tr, horn, voc
Harry: dr
Danbert Nobacon: voc, keys
Dunst: voc, perc, sax
Neil Ferguson: guit, keys, b


Anspieltipp:

Del Amitri: Not where it's up
 

Del Amitri: Not where its at
(Maxi, 15:16, 1997)

Titelsong ist super, was ich schon bei der Hitlist "Roots to branches" verkündet hatte.

Hier geht's tatsächlich mal vor allem um die B-Seiten. Davon gibt's drei und eine heißt Sleep instead of teardrops, ein schönes ruhiges Lied, das aber auf der deutschen Version von Some other suckers parade mit drauf ist.

Der eigentliche Hammer sind Spare pair of laces und Before the evening steals the afternoon. Beide Songs sind relativ langsam. Trotzdem natürlich sehr melodisch und mit ganz tollem Gesang und mit einer supergeilen Orgel (ersteres) bzw. genialem Klavier (zweiteres). Zudem sind sie textlich interessant. Im ersten nutzt ein älterer Mann ein junges Ding aus, im zweiten geht es um die Sehnsucht, vor dem Abend noch ein schnuckeliges Mädel kennen zu lernen.
Beide Texte sind sehr poetisch formuliert und dazu gibt's dann eben auch die sehnsüchtige, melancholische Del Amitri-Musik, da schmelze ich einfach dahin. Ich habe schon sehr, sehr oft diese Maxi reingelegt, nur um die beiden B-Seiten zu hören. Es sind für mich zwei von den absolut besten DA-Songs überhaupt und die besten ruhigen B-Seiten sowieso, zusammen mit In the frame, welches allerdings dann auch noch extrem traurig ist. (Eine Twisted B-Seite.)

Oh mann, ich könnte heulen bei diesen Songs. Ich kann diese Stimmung sowas von nachempfinden...

 

Del Amitri

(Schottland)
1982 gegründet
1983 erste VÖ "Sense sickness"- Single
seit 2003 inaktiv

1997 Besetzung:
Ashley Soan: dr
Jon McLaughlin: guit
Andy Alston: keys
Iain Harvie: guit, b
Justin Currie: voc, b, guit


Link
Waking hours
Change everything
Twisted
Some other suckers parade
Don't come home too soon
A terrible beauty
What is love for


Descendents: I'm the one
 

Descendents: I'm the one
(Maxi, 9:51, 1997)

Braucht man 'ne Maxi von den Descendents, wenn nur zwei neue Songs drauf sind? Vier Minuten?

Gute Frage und ihre letzte Maxi (zur letzten Platte) habe ich mir auch nicht gekauft. Jedoch was Everything sucks angeht, so hatte ich die komplette CD lange Zeit nicht und nur diese Maxi und die When I get old-Single, die ich beide günstig gekriegt habe. Und es sind auch echt die besten Songs, die auf diesen drauf sind!

Die Descendents habe ich 1997 kennen gelernt, als ich sie auf einem Festival sah und das extremstens genial war. Ich hab' gepogt wie 'n Blöder und das T-Shirt wurde mir zerrissen, egal. Hinterher war das eh total durchnässt. Als ich nach dem Konzert zum Auto kam, wo unser Bier lagerte, das man nicht mit aufs Gelände nehmen durfte, war der Carsten schon da und hatte die Descendents verpasst! Wir saßen denn da und haben erstmal einige Pils geschüttet (Mann, hatte ich Durst!) und währenddessen haben Metallica gespielt, die wir beim Auto noch ganz klein sehen und relativ laut hören konnten. Aber die interessierten uns gar nicht! Es waren so viele tollere dabei bei diesem Festival. Ich glaube, von der Musik her war es das beste, auf dem ich je war.

Naja, die Songs auf dieser Maxi sind jedenfalls alle super und ich hab' die ca. zwölftausendmal gehört, also da gibt's einfach nur die helle Freude bei diesen old-school-Cali-Punk-Songs. Und wie gesagt, die komplette CD löst das nicht aus bei mir, weil ich die erst viel später hatte.

 

Descendents

(USA)
1979 gegründet
1979 erste VÖ "Ride the wild"-Single

1997 Besetzung:
Milo Auckerman: voc
Bill Stevenson: dr
Stephen Egerton: guit
Karl Alvarez: b


Link
Wienerschnitzel

Anspieltipp:

Fish: Brother 52
 

Fish: Brother 52
(Maxi, 14:47, 1997)

Dies ist von der "großen" Platte mit Steve Wilson von Porcupine Tree. Der hat bei vielen Songs mitgeschrieben, auch bei Brother 52.

Aber außer ganz coolen Gitarren und etwas mehr Elektronik-Einsatz kann ich den Einfluss dieses Mannes nicht so ganz raushören. Immerhin ist Sunset on empires eine gute Scheibe.

Hier geht's speziell um die Single-Auskopplung, die neben dem Titeltrack noch zwei Remixe davon (gähn) und das Stück Do not walk outside this area beinhaltet. Letzteres ist ein guter, abgefahrener Song, der nicht sehr rockig ist, aber innovativ und anders ist und damit besser als die schlechteren Lieder des Longplayers. Wenn ich mir das so anhöre und auch Brother 52 selbst und dann den modernen Schriftzug "Fish" auf der Platte sehe, dann glaube ich, man hätte sehr viel mehr aus dieser guten Platte und den paar ganz extrem coolen Songs machen können.

Brother 52 ist als Single gut gewählt, klingt auch sehr, sehr modern und rockt zugleich echt fett. Dass auch mal wieder telefoniert wird, macht nichts und erinnert in diesem Fall auch nicht an alte Zeiten ("Don't get me your problems!"). Das Stück lebt von groovigem Bass und einer abgefuckten Schweineorgel nebenbei. Im Mittelteil gibt es noch 'n abgefahrenes Geigensolo. Klingt außer dem Gesang überhaupt nicht wie Fish, aber das ist gerade das moderne. Im Refrain dann eine schrammelige E-Gitarre und ansonsten ein fast-Sprechgesang von Fish, der einfach rockt, wenn er "tattoo, tattoo, tattoo, tattoo" skandiert. Warum ist sowas kein Dancefloorhammer geworden? Unverständlich!

Aber das dachte ich auch schon bei seiner neusten Version von Faith healer auf Raingods with zippos. Der Song geht dort sowas von ab! Und in Anbetracht der Tatsache, dass der echte Faith healer noch lange in den 80ern (und in seltenen Fällen in den 90ern) ein Renner in Rock-, Indie- und Hippie-Diskos war, hätte ich gedacht, dass dieses auf modern gemachte extrem nach vorne gehende Stück da die Tanzbeine in Schwingung bringt. Aber, wurde nicht ausgekoppelt, wurde nicht gespielt, Fish frustriert.

Was der bräuchte, wäre wohl ein Streetteam. Aber wer soll das machen, wenn die Fans alle über 30 sind?

Ja, ja, die Musik ist gut, die Welt ist schlecht, ich sage es ja.


Stay alive and rock on,
Harvey
(7.4.07)

 

Fish

(Schottland)
ex-Marillion
seit 1988 solo
1989 erste VÖ "State of mind" -7"

1997 Band:
Fish: voc
Steve Wilson: keys, guit, prg
Foss Patterson: org
Robin Boult: guit
Frank Usher: guit
Ewen Vernal: b
Dave Stewart: dr
Martyn Bennett: violin


Link
Vigil in a wilderness of mirrors
Vigil
Poets moon
Tongues
Hold your head up /Five years
Faith healer
Fields of crows
13th star