Nur ein kleiner Schritt für
die Menschheit,...
aber ein Siebenmeilenstampfer für den Harvey!
Yeah, bin im neuen Jahrtausend
angekommen!!
Es stellt sich ja immer
wieder die Frage: welches Jahr soll's als nächstes sein?
Und die ist schwer. Da überlege ich 'ne Weile, ja.
Natürlich wird die Auswahl
inzwischen kleiner. Aber das macht es nicht leichter. Als
letztes vorher war ich bei 1988.
Also danach eher nicht schon wieder 80er. Bieten sich also
an 1976, 1997, 98 oder eben 2000.
76 und die anderen 70er kommen auch noch, echt. Und ich freue
mich eigentlich auf jedes Jahr, aber diesmal wollte ich mal
ein bisschen näher an das hier und jetzt. Immerhin ist
2000 auch schon sechs Jahre her!
Damals war ich noch Student.
Als Student hat man 2 1/2 bis 3 Monate Semesterferien und
das zweimal im Jahr!
Ich habe in dieser Zeit aber nicht untätig rumgesessen,
sondern hatte immer etwas für die Uni zu tun. Da gab's
mehrere Praktika zum Beispiel und öfter mal musste ich
für Klausuren lernen, die ich vorher nicht geschafft
hatte und am Ende dieser "Vorlesungsfreienzeit"
nochmal nachholen musste.
Für 'ne Klausur habe ich normalerweise drei Wochen gelernt.
Natürlich nicht 40 Stunden die Woche, aber vielleicht
so 30-35. Praktikum war vielleicht zwei Wochen lang. Also
blieben noch mindestens fünf Wochen freie Zeit übrig.
Gearbeitet habe ich da nie. Zum einen kam ich auch so zurecht,
zum anderen war ich lieber arm als zu arbeiten.
Heute würde ich sagen,
dass ich viel zu wenig mit der Zeit als Student angefangen
habe. Ich habe noch nichtmal Hitlist gemacht, das begann erst
2001!
Man lernt halt, ein gemütliches
Leben zu führen. Alles mit Ruhe und Gelassenheit angehen,
ausgiebig in CD-Läden rumstehen und fast jeden Abend
fünf bis acht Stunden Party machen, so läuft das.
Und eigentlich finde ich, so sollte das auch bleiben.
Krieg ich allerdings nicht hin. Selbst wenn ich frei habe,
fühle ich mich gehetzt.
Letztes Wochenende bin ich
Samstag in meine alte Uni-Stadt gefahren, um einen Kumpel
zu besuchen.
Als erstes wollte ich mir ein neues CD-Regal kaufen. Das mache
ich immer, wenn ich da bin, denn ich habe mit dieser speziellen
Sorte Regal angefangen und ich kann ja nun nicht einfach ein
ganz anderes daneben stellen. Und ca. einmal im Jahr brauche
ich ein neues Regal.
Aber die waren gerade aus. Also bin ich unverrichteter Dinge
in die Stadt gefahren, um meinen alten Lieblings-CD-Laden
aufzusuchen.
Der ist in den letzten Jahren eher schlechter geworden, aber
diesmal hatte ich viel Spaß und habe reichlich CDs und
auch LPs mitgenommen. Etwas geärgert habe ich mich, dass
eine CD einen fetten Kratzer hatte (gebraucht). Zum Glück
hat mein CD-Player sich nicht beschwert. Noch dämlicher
war aber, dass die mir eine CD nicht verkauft haben, die ich
gerne gehabt hätte.
Eine kleine, dunkelhaarige Studentin stand hinter dem Verkauftresen
und machte spontan schonmal einen etwas langsamen Eindruck.
Vielleicht auch noch nicht so lange dabei. Jedenfalls dauerte
es Jahrhunderte, bis sie mal die Leute vor mir bedient hatte
und ich endlich meinen Stapel rüberschieben konnte. Zuhause
erst habe ich dann festgestellt, dass eine CD nicht dabei
war. Fuck! Hat die einfach vergessen, die rauszusuchen. Bezahlt
habe ich sie nämlich wenigstens nicht, sonst hätte
ich ja gleich gemerkt dass sie fehlt.
Naja, so'n Kram ist da allerdings früher auch schon passiert.
Da entdeckte ich zum Beispiel die Richies EP Don't
wanna know if you're lonely und die war mit 9,90 DM ausgezeichnet.
Denn sie ist ja aufgrund des normalen Jewelcases nicht sofort
als Maxi zu erkennen. Normalerweise kosteten Maxis in den
Laden höchstens 5,99.
Ich also hin und frage, ob die wirklich so teuer sein soll,
das sei nur 'ne Maxi und könnte ja wohl nicht sein. Kerl
hinter der Theke guckt sich das an, "hmm, weiss nicht...",
rennt zu seinem Kollegen und der weiss sofort 'ne Lösung!
"Da müssen wir den Chef fragen! Gegebenenfalls wird
die neu ausgezeichnet. Komm' nächste Woche nochmal wieder."
Nächste Woche war die CD unter "R" nicht zu
finden. Naja, ich dachte mir, vielleicht ging das doch nicht
so schnell und bin nochmal für 'ne Woche nach Hause gegangen.
Dann war die aber wieder nicht da. Also habe ich an der Theke
nachgefragt und die hatten die gar nicht im Computer und wussten
nichts von meiner vorherigen Preisanfrage. Toll, toll. So
sollte man mit den Kunden umgehen.
Wo ich doch den größten Teil meiner CD-Kohle dort
gelassen habe. Aber auch heute, da dieser Betrag einiges höher
ist als zu Studi-Zeiten, merken die sich in den Plattengeschäften
meine Fresse nie, selbst wenn ich alle drei Wochen da vorbei
schaue. Entweder sind die alle debil oder ich sehe so gewöhnlich
aus, dass man mich einfach nicht sieht.
Wahrscheinlich ist es letzteres.
"Ich bin unsichtbar" sang Farin
Urlaub und zwar in bezug auf Frauen. Bei mir stimmt das
wohl immer.
Wenn ich mich beim Bäcker anstelle und kurz darauf kommt
noch jemand anderes, dann wird dieser Jemand immer zuerst
bedient.
Wenn ich zu einer Gruppe von Bekannten trete, kann es sein
dass ich zehn Minuten außerhalb des Kreises stehen muss,
weil die Leute daneben mich nicht wahrnehmen, um mal etwas
Platz zu machen.
Wenn wir zu zweit ein Mädel treffen, das wir beide nur
flüchtig kennen und "hallo" sagen, dann schaut
sie zuerst den Kumpel an und unterhält sich mit ihm,
als hätte sie mich noch nie gesehen.
In dem besagten CD-Laden
habe ich mich sogar mal um 'nen Job beworben. Denn irgendwann
in meinem Studium versiegte die elterliche Geldquelle und
ich musste doch mal arbeiten gehen. "Ich such 'nen Job.
Wird bei euch vielleicht mal was frei?" fragte ich den
Kerl am Tresen. "Ich kenn dich gar nicht", sagte
er daraufhin.
Haha, toll, könnte sein dass ihr mich immer überseht!
Aber ich hab' das natürlich nicht gesagt, sondern ihn
nur fassungslos angestarrt. "Wieso kennen?".
Ja, es gäb da 'n ganze Menge Leute, die hier bekannt
seien und auch 'nen Job wollten. Die seien dann wohl eher
dran und so hätte das also auch keinen Sinn.
Ihr Arschlöcher, dachte ich mir. In dem anderen CD-Laden,
in dem ich gefragt hatte, hat man mir wenigstens gesagt, ich
könnte in ein, zwei Monaten ja nochmal fragen.
Alte Uni-Stadt. Abends mit
dem Kumpel los, um Erinnerungen aufzuwärmen und 'n paar
Getränke zu nehmen.
Erstmal sind wir zum derzeitigen "In"-Viertel gegangen,
das ich bisher nur flüchtig kannte. Gerade als wir uns
bei den vielen Kneipen orientieren wollten, fing es an brutal
zu schütten. Wir haben uns schnell unter die nächstbeste
Überdachung gesetzt und ein Bier bestellt. Nebendran
saßen zwei Studentinnen, die ganz nett aussahen. Die
gingen kurz darauf weg und setzten sich woanders hin.
Wir bemerkten dann, dass wir in einer Snob-Kneipe saßen.
Das Publikum sah nach Golfplatz und Segeljacht aus, von den
zwei Stutentinnen mal abgesehen. Schnell weiter.
Der nächste Laden war ganz traurig. Zwei Gestalten an
der Theke, sonst gähnende Leere. Also noch weiter in
eine frühere Stammkneipe.
Da auch nur drei Gestalten an der Theke, aber normal, so war's
da immer. Und die Bedienung war süß, nur leider
ca. 1,88m groß. Dort ganz übles billiges Pissbier
getrunken, 'n lecker Pizza gegessen und die Verstrahlten beobachtet,
die den ganzen Abend an der Theke Zeitung lesen oder gar nichts
machen.
Weiter ging's, jetzt mal in das frühere Szeneviertel.
Auf dem Weg noch 'n Bier von der Tanke. An dieser Tanke haben
wir früher reichlich Dosenbier gekauft, wenn die Punkbands
im Schuppen nebenan wiedermal bis um 12 auf sich warten ließen.
Wir hatten denn vor, alle Kneipen in der Szenegegend mal abzuklappern.
Wir sind allerdings nur bis zur ersten gekommen. Publikum
dort so 18 bis 25 Jahre alt. Hmm, möglicherweise war
das früher auch so. Man bekam zum Bier gleich noch 'nen
Kurzen dabei, genau das Verkehrte für meinen empfindlichen
Magen. Nach und nach meinten wir jedoch, dass das Bier alleine
nicht genug dröhnt und bestellten uns von alleine noch
'n paar Kurze.
Der Kumpel wollte eine 17jährige aufreißen und
tat's dann doch nicht. Ich guckte mir die Erstsemester nebenan
genauer an, die mit Nietengürteln und seltsamen Frisuren
einen auf "Rocker" machten, und fühlte mich
fehl am Platz.
Ich wollte Wodka. Das einzige, wozu mein Kollege sich überreden
ließ, war Wodka-Red Bull. Jetzt weiss ich endlich wie
Red Bull schmeckt. Extrem eklig.
Irgendwann machte der Laden zu. Um uns endlich loszuwerden,
gab der Wirt noch eine Tequila aus. Ich hatte vor Jahren nach
einer großen Göbelei geschworen, nie wieder Tequila
zu trinken und tat's trotzdem.
Mein Trinkkumpan wollte nach Hause, ich wollte 'n Bier.
Wir suchten eine Kneipe auf, von der man weiss dass sie immer
bis zum nächsten Morgen auf hat. Wir tranken noch 'n
Bier. Der Kumpel kam vom Klo und sagte, er hätte gerade
gekotzt. Er meinte, das sollte ich auch mal machen, wäre
gesünder.
Ich ging zum Klo, schob mir den Finger bis zum Anschlag in
den Hals und kotzte dann ebenfalls.
Danach war der Geschmack im Mund so übel, dass ich auch
nach Hause wollte.
Am nächsten Tag wachte ich um 10 mit hämmernden
Kopfschmerzen auf. Wenigstens war der Magen ok und ich konnte
frühstücken. Zitternd vor Restalkohol und Schlaflosigkeit
schleppte ich meine Tasche zum Wagen. "Geil, jetzt zweieinhalb
Stunden im Auto sitzen."
So ein Besuch bei alten Freunden macht Laune.
Im Jahr 2000 war sicher irgendwas
los, ich weiss aber spontan nicht sehr viel. Ich hatte mal
wieder einen ganzen Batzen Prüfungen und ich war im Sommer
im Urlaub, was aber nicht so wirklich der Hit war.
Musikmässig hab' ich
auch nicht viel aktuelle Musik gekauft oder gehört. Die
meisten Platten aus dem Jahr habe ich erst frühestens
2001 gekauft.
Konzerte habe ich nur erschreckend wenig gesehen. Fairport
Convention waren ganz groß. Ansonsten habe ich mit
Freundin vor'm Fernseher gehangen oder eben gelernt. Ganz
übel.
In meiner persönlichen
Jahreshitlist, die ich damals am 1.1. irgendwo aufgeschrieben
hatte, standen denn auch recht viele Platten von 99, die ich
erst mit Verspätung gekauft hatte, oder die eben Ende
99 erschienen waren. Die sind nun hier alle nicht dabei. Punk
habe ich auch im Jahr 2000 fast überhaupt nicht gehört.
Nichtsdestotrotz erwartet Euch eine bunte Mischung ganz unterschiedlicher
Stilrichtungen. Denn natürlich sind haufenweise geniale
Platten erschienen und ich habe auch inzwischen so viele davon,
dass die Wahl wieder eine Qual ist. Ich denke, dass ich nächste
Woche erstmal mit Einzelsongs beginne. Danach gibt's denn
neun tolle Longplayer. Und bis dahin fallen mir garantiert
auch noch 'n paar Stories aus dem Jahr ein!
... zum Abschluss noch das wichtige Textzitat:
He looks up at the sky... she looks down
at the ground,
Side by side in silence they wish for
different worlds,
She dreams him as a boy... and he loves
her as a girl,
And side by side in silence without a
single word... it's the loudest sound,
It's the loudest sound... it's the loudest
sound I ever heard.
Hitlist: [hit-list]
engl.-amerik.; ergibt sich aus hit und list
Hit:
Hit: [hit] engl.-amerik.;
Schlag m; (Seiten)Hieb m; Glücksfall
m; Treffer m; thea., (Musik-Bizz)
Schlager: ein Song, der nicht zwingend gut sein
muss, aber sehr populär ist.
List:
List:
[list] engl.-amerik.; Liste f, Ver-
zeichnis n; Auflistung: besonders Männer
neigen dazu Ranglisten zu erstellen. Zum einen gibt
es ihrem Fetisch einen gewissen wissenschaftlichen
Anstrich, zum zweiten läßt sich herrlich
darüber diskutieren.
Anspieltipp:
Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen
Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen-
erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der
statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen
Gesetzen.