harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 



Hitlist 2000
1
Tony Levin: Waters of eden
2
A Perfect Circle: Mer de Noms
3
Peter Gabriel: OVO - The millennium show
4
Transatlantic: SMPTE
5
K's Choice: Almost happy
6
Coldplay / U2
7
Morphine / Rage Against The Machine
8
Mixtape Seite 1

 

Hitlist 2000

Nur ein kleiner Schritt für die Menschheit,...
aber ein Siebenmeilenstampfer für den Harvey!

Yeah, bin im neuen Jahrtausend angekommen!!

Es stellt sich ja immer wieder die Frage: welches Jahr soll's als nächstes sein?
Und die ist schwer. Da überlege ich 'ne Weile, ja.

Natürlich wird die Auswahl inzwischen kleiner. Aber das macht es nicht leichter. Als letztes vorher war ich bei 1988. Also danach eher nicht schon wieder 80er. Bieten sich also an 1976, 1997, 98 oder eben 2000.
76 und die anderen 70er kommen auch noch, echt. Und ich freue mich eigentlich auf jedes Jahr, aber diesmal wollte ich mal ein bisschen näher an das hier und jetzt. Immerhin ist 2000 auch schon sechs Jahre her!

Damals war ich noch Student. Als Student hat man 2 1/2 bis 3 Monate Semesterferien und das zweimal im Jahr!
Ich habe in dieser Zeit aber nicht untätig rumgesessen, sondern hatte immer etwas für die Uni zu tun. Da gab's mehrere Praktika zum Beispiel und öfter mal musste ich für Klausuren lernen, die ich vorher nicht geschafft hatte und am Ende dieser "Vorlesungsfreienzeit" nochmal nachholen musste.
Für 'ne Klausur habe ich normalerweise drei Wochen gelernt. Natürlich nicht 40 Stunden die Woche, aber vielleicht so 30-35. Praktikum war vielleicht zwei Wochen lang. Also blieben noch mindestens fünf Wochen freie Zeit übrig.
Gearbeitet habe ich da nie. Zum einen kam ich auch so zurecht, zum anderen war ich lieber arm als zu arbeiten.

Heute würde ich sagen, dass ich viel zu wenig mit der Zeit als Student angefangen habe. Ich habe noch nichtmal Hitlist gemacht, das begann erst 2001!

Man lernt halt, ein gemütliches Leben zu führen. Alles mit Ruhe und Gelassenheit angehen, ausgiebig in CD-Läden rumstehen und fast jeden Abend fünf bis acht Stunden Party machen, so läuft das. Und eigentlich finde ich, so sollte das auch bleiben.
Krieg ich allerdings nicht hin. Selbst wenn ich frei habe, fühle ich mich gehetzt.

Letztes Wochenende bin ich Samstag in meine alte Uni-Stadt gefahren, um einen Kumpel zu besuchen.
Als erstes wollte ich mir ein neues CD-Regal kaufen. Das mache ich immer, wenn ich da bin, denn ich habe mit dieser speziellen Sorte Regal angefangen und ich kann ja nun nicht einfach ein ganz anderes daneben stellen. Und ca. einmal im Jahr brauche ich ein neues Regal.
Aber die waren gerade aus. Also bin ich unverrichteter Dinge in die Stadt gefahren, um meinen alten Lieblings-CD-Laden aufzusuchen.
Der ist in den letzten Jahren eher schlechter geworden, aber diesmal hatte ich viel Spaß und habe reichlich CDs und auch LPs mitgenommen. Etwas geärgert habe ich mich, dass eine CD einen fetten Kratzer hatte (gebraucht). Zum Glück hat mein CD-Player sich nicht beschwert. Noch dämlicher war aber, dass die mir eine CD nicht verkauft haben, die ich gerne gehabt hätte.
Eine kleine, dunkelhaarige Studentin stand hinter dem Verkauftresen und machte spontan schonmal einen etwas langsamen Eindruck. Vielleicht auch noch nicht so lange dabei. Jedenfalls dauerte es Jahrhunderte, bis sie mal die Leute vor mir bedient hatte und ich endlich meinen Stapel rüberschieben konnte. Zuhause erst habe ich dann festgestellt, dass eine CD nicht dabei war. Fuck! Hat die einfach vergessen, die rauszusuchen. Bezahlt habe ich sie nämlich wenigstens nicht, sonst hätte ich ja gleich gemerkt dass sie fehlt.
Naja, so'n Kram ist da allerdings früher auch schon passiert. Da entdeckte ich zum Beispiel die Richies EP Don't wanna know if you're lonely und die war mit 9,90 DM ausgezeichnet. Denn sie ist ja aufgrund des normalen Jewelcases nicht sofort als Maxi zu erkennen. Normalerweise kosteten Maxis in den Laden höchstens 5,99.
Ich also hin und frage, ob die wirklich so teuer sein soll, das sei nur 'ne Maxi und könnte ja wohl nicht sein. Kerl hinter der Theke guckt sich das an, "hmm, weiss nicht...", rennt zu seinem Kollegen und der weiss sofort 'ne Lösung!
"Da müssen wir den Chef fragen! Gegebenenfalls wird die neu ausgezeichnet. Komm' nächste Woche nochmal wieder."
Nächste Woche war die CD unter "R" nicht zu finden. Naja, ich dachte mir, vielleicht ging das doch nicht so schnell und bin nochmal für 'ne Woche nach Hause gegangen. Dann war die aber wieder nicht da. Also habe ich an der Theke nachgefragt und die hatten die gar nicht im Computer und wussten nichts von meiner vorherigen Preisanfrage. Toll, toll. So sollte man mit den Kunden umgehen.
Wo ich doch den größten Teil meiner CD-Kohle dort gelassen habe. Aber auch heute, da dieser Betrag einiges höher ist als zu Studi-Zeiten, merken die sich in den Plattengeschäften meine Fresse nie, selbst wenn ich alle drei Wochen da vorbei schaue. Entweder sind die alle debil oder ich sehe so gewöhnlich aus, dass man mich einfach nicht sieht.

Wahrscheinlich ist es letzteres. "Ich bin unsichtbar" sang Farin Urlaub und zwar in bezug auf Frauen. Bei mir stimmt das wohl immer.
Wenn ich mich beim Bäcker anstelle und kurz darauf kommt noch jemand anderes, dann wird dieser Jemand immer zuerst bedient.
Wenn ich zu einer Gruppe von Bekannten trete, kann es sein dass ich zehn Minuten außerhalb des Kreises stehen muss, weil die Leute daneben mich nicht wahrnehmen, um mal etwas Platz zu machen.
Wenn wir zu zweit ein Mädel treffen, das wir beide nur flüchtig kennen und "hallo" sagen, dann schaut sie zuerst den Kumpel an und unterhält sich mit ihm, als hätte sie mich noch nie gesehen.

In dem besagten CD-Laden habe ich mich sogar mal um 'nen Job beworben. Denn irgendwann in meinem Studium versiegte die elterliche Geldquelle und ich musste doch mal arbeiten gehen. "Ich such 'nen Job. Wird bei euch vielleicht mal was frei?" fragte ich den Kerl am Tresen. "Ich kenn dich gar nicht", sagte er daraufhin.
Haha, toll, könnte sein dass ihr mich immer überseht! Aber ich hab' das natürlich nicht gesagt, sondern ihn nur fassungslos angestarrt. "Wieso kennen?".
Ja, es gäb da 'n ganze Menge Leute, die hier bekannt seien und auch 'nen Job wollten. Die seien dann wohl eher dran und so hätte das also auch keinen Sinn.
Ihr Arschlöcher, dachte ich mir. In dem anderen CD-Laden, in dem ich gefragt hatte, hat man mir wenigstens gesagt, ich könnte in ein, zwei Monaten ja nochmal fragen.

Alte Uni-Stadt. Abends mit dem Kumpel los, um Erinnerungen aufzuwärmen und 'n paar Getränke zu nehmen.
Erstmal sind wir zum derzeitigen "In"-Viertel gegangen, das ich bisher nur flüchtig kannte. Gerade als wir uns bei den vielen Kneipen orientieren wollten, fing es an brutal zu schütten. Wir haben uns schnell unter die nächstbeste Überdachung gesetzt und ein Bier bestellt. Nebendran saßen zwei Studentinnen, die ganz nett aussahen. Die gingen kurz darauf weg und setzten sich woanders hin.
Wir bemerkten dann, dass wir in einer Snob-Kneipe saßen. Das Publikum sah nach Golfplatz und Segeljacht aus, von den zwei Stutentinnen mal abgesehen. Schnell weiter.
Der nächste Laden war ganz traurig. Zwei Gestalten an der Theke, sonst gähnende Leere. Also noch weiter in eine frühere Stammkneipe.
Da auch nur drei Gestalten an der Theke, aber normal, so war's da immer. Und die Bedienung war süß, nur leider ca. 1,88m groß. Dort ganz übles billiges Pissbier getrunken, 'n lecker Pizza gegessen und die Verstrahlten beobachtet, die den ganzen Abend an der Theke Zeitung lesen oder gar nichts machen.
Weiter ging's, jetzt mal in das frühere Szeneviertel. Auf dem Weg noch 'n Bier von der Tanke. An dieser Tanke haben wir früher reichlich Dosenbier gekauft, wenn die Punkbands im Schuppen nebenan wiedermal bis um 12 auf sich warten ließen.
Wir hatten denn vor, alle Kneipen in der Szenegegend mal abzuklappern. Wir sind allerdings nur bis zur ersten gekommen. Publikum dort so 18 bis 25 Jahre alt. Hmm, möglicherweise war das früher auch so. Man bekam zum Bier gleich noch 'nen Kurzen dabei, genau das Verkehrte für meinen empfindlichen Magen. Nach und nach meinten wir jedoch, dass das Bier alleine nicht genug dröhnt und bestellten uns von alleine noch 'n paar Kurze.
Der Kumpel wollte eine 17jährige aufreißen und tat's dann doch nicht. Ich guckte mir die Erstsemester nebenan genauer an, die mit Nietengürteln und seltsamen Frisuren einen auf "Rocker" machten, und fühlte mich fehl am Platz.
Ich wollte Wodka. Das einzige, wozu mein Kollege sich überreden ließ, war Wodka-Red Bull. Jetzt weiss ich endlich wie Red Bull schmeckt. Extrem eklig.
Irgendwann machte der Laden zu. Um uns endlich loszuwerden, gab der Wirt noch eine Tequila aus. Ich hatte vor Jahren nach einer großen Göbelei geschworen, nie wieder Tequila zu trinken und tat's trotzdem.
Mein Trinkkumpan wollte nach Hause, ich wollte 'n Bier.
Wir suchten eine Kneipe auf, von der man weiss dass sie immer bis zum nächsten Morgen auf hat. Wir tranken noch 'n Bier. Der Kumpel kam vom Klo und sagte, er hätte gerade gekotzt. Er meinte, das sollte ich auch mal machen, wäre gesünder.
Ich ging zum Klo, schob mir den Finger bis zum Anschlag in den Hals und kotzte dann ebenfalls.
Danach war der Geschmack im Mund so übel, dass ich auch nach Hause wollte.
Am nächsten Tag wachte ich um 10 mit hämmernden Kopfschmerzen auf. Wenigstens war der Magen ok und ich konnte frühstücken. Zitternd vor Restalkohol und Schlaflosigkeit schleppte ich meine Tasche zum Wagen. "Geil, jetzt zweieinhalb Stunden im Auto sitzen."
So ein Besuch bei alten Freunden macht Laune.

Im Jahr 2000 war sicher irgendwas los, ich weiss aber spontan nicht sehr viel. Ich hatte mal wieder einen ganzen Batzen Prüfungen und ich war im Sommer im Urlaub, was aber nicht so wirklich der Hit war.

Musikmässig hab' ich auch nicht viel aktuelle Musik gekauft oder gehört. Die meisten Platten aus dem Jahr habe ich erst frühestens 2001 gekauft.
Konzerte habe ich nur erschreckend wenig gesehen. Fairport Convention waren ganz groß. Ansonsten habe ich mit Freundin vor'm Fernseher gehangen oder eben gelernt. Ganz übel.

In meiner persönlichen Jahreshitlist, die ich damals am 1.1. irgendwo aufgeschrieben hatte, standen denn auch recht viele Platten von 99, die ich erst mit Verspätung gekauft hatte, oder die eben Ende 99 erschienen waren. Die sind nun hier alle nicht dabei. Punk habe ich auch im Jahr 2000 fast überhaupt nicht gehört.
Nichtsdestotrotz erwartet Euch eine bunte Mischung ganz unterschiedlicher Stilrichtungen. Denn natürlich sind haufenweise geniale Platten erschienen und ich habe auch inzwischen so viele davon, dass die Wahl wieder eine Qual ist. Ich denke, dass ich nächste Woche erstmal mit Einzelsongs beginne. Danach gibt's denn neun tolle Longplayer. Und bis dahin fallen mir garantiert auch noch 'n paar Stories aus dem Jahr ein!


... zum Abschluss noch das wichtige Textzitat:

He looks up at the sky... she looks down at the ground,
Side by side in silence they wish for different worlds,
She dreams him as a boy... and he loves her as a girl,
And side by side in silence without a single word... it's the loudest sound,
It's the loudest sound... it's the loudest sound I ever heard.

The Cure "The loudest sound"  


Stay alive and rock on,
Harvey
(12.8.06)

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Hitlist:
Hitlist: [hit-list] engl.-amerik.; ergibt sich aus hit und list

Hit:
Hit: [hit] engl.-amerik.; Schlag m; (Seiten)Hieb m; Glücksfall m; Treffer m; thea., (Musik-Bizz) Schlager: ein Song, der nicht zwingend gut sein muss, aber sehr populär ist.

List:
List: [list] engl.-amerik.; Liste f, Ver- zeichnis n; Auflistung: besonders Männer neigen dazu Ranglisten zu erstellen. Zum einen gibt es ihrem Fetisch einen gewissen wissenschaftlichen Anstrich, zum zweiten läßt sich herrlich darüber diskutieren.

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: