Nur wenige Songs, die ich 1988
gut fand, werden in dieser Hitlist vorkommen.
Zwar hörte ich schon länger
Musik von eigenen CDs und LPs, aber...
...ich war doch noch sehr
auf "Pop" aus den Charts eingespielt. Und ich kannte
kaum eine Gruppe genauer als zwei, drei Platten es schaffen
können.
Gerade zuvor war ich beim
Jahr 1992 und zwischen
beiden liegt ein Riesenunterschied.
Erstens von meiner persönlichen Entwicklung her, ebenso
jedoch was mein Musikinteresse betrifft.
So werden die meisten Platten auf den Rängen 1-8 solche
sein, die ich erst 1991
oder später kennen lernte.
Eine Ausnahme bilden Marillion,
die ich just '88 entdeckte und deren erste Anschaffung die
Doppel-Live-CD The
thieving magpie war.
Als ich vor einigen Jahren diese Website mit der Hitlist Live
and let live startete, war ich noch der Meinung, diese
Aufnahme gehöre zu den Top 10 der Livescheiben.
Heute würde sie vielleicht nicht mehr rein kommen.
Aber man könnte gerade
diese CD als Initialzündung sehen.
Alle meine Platten zuvor hatte ich ebenfalls sehr oft gehört,
insofern war Thieving magpie keine Besonderheit. Und
ich hatte auch fast alle selber ausgesucht und selber im Laden
eingekauft, selbst wenn es z.T. Geschenke waren.
Dass ich jedoch Platten oder CDs kaufte, von denen ich gar
kein Lied kannte (oder auch die schon älter als ein Jahr
waren), das war etwas Neues.
Hier wurden jene Bande mit bestimmten CDs gewoben, die noch
heute halten, und dies nicht aus Nostalgie, sondern weil die
Musik wirklich gut war und ist.
Trotzdem war ich damals weder ein Platten-Nerd, noch ein In-Teenager,
der die neusten Hits besaß. Noch einige Jahre lang sollte
die Musikliebe eine zartes Pflänzchen, das leicht zu
übersehen war, sein.
Denn ich hatte ja ein anderes
großes Nerd-Hobby, nämlich das Fantasy-Rollenspiel.
Und das beanspruchte nicht nur viel Zeit und einiges an Geld,
sondern sorgte auch dafür, dass mein Freundeskreis fast
ausschließlich aus männlichen, manchmal ebenfalls
etwas "seltsamen", Freunden bestand.
Aber wie das so ist, merkt
man das ja selber alles nicht so genau und es stört deshalb
auch nicht. Ich habe zum Beispiel überhaupt nicht mitbekommen,
dass Leute aus meiner Klasse öfter mal Geburtstagspartys
oder sowas veranstalteten, zu denen ich dann nicht eingeladen
wurde.
Ein gutes Jahr später wurde ich dann zum ersten Mal auch
eingeladen und bis dahin hatte ich meine vollständige
Abwehr gegen jegliche Art von Alkohol aufgegeben.
Daran sieht man: bist du nicht zufällig sowieso sehr
beliebt, so kannst du es dir nicht leisten, allgemein übliche
Verhaltensweisen abzulehnen.
Ich wiederhole nochmal: als Jugendlicher kannst du es dir
nicht leisten allgemein übliche Verhaltensweisen abzulehnen!
Oder du stehst halt mit deinen Freak-Freunden da und niemandem
sonst.
Pass dich an, du Sau, sonst gibt's Ärger!
Obwohl: in der Rollenspielgruppe wurde ab Ende 1987
auch immer wieder mal gesoffen und da war ich auch (oft) der
Einzige, der nicht mitmachen wollte. Und in dieser Runde wurde
denn auch noch heftig Gruppendruck auf mich ausgeübt,
kein Abend an dem man mich nicht sehr drängte, mitzutrinken.
So habe ich auch 1988 mein erstes Bier trinken müssen,
d.h. es war ein "Schmutz" (Bier mit Cola), weil
der Tino mir das ungefragt bestellte (und sogar bezahlte)
und ich meinte, das könne man nicht stehen lassen. Hat
auch richtig eklig geschmeckt.
Falls es mehr oder weniger
regelmäßige Leser dieser Seiten gibt, fragen die
sich jetzt vielleicht verwirrt, was denn hier los ist.
Denn im allgemeinen glorifiziere ich ja immer gerne die Sauferei
und erzähle davon, wie ich am Kotzen, Taumeln, Gröhlen
und Akkordtrinken war.
Aber diese Darstellung könnte gerade auch damit zusammen
hängen, dass ich die Trinkerei vorher so extrem abgelehnt
habe. Denn die Ablehnung war nicht selbstbestimmt, sondern
durch Indoktrination aus dem Elternhaus und der Schule zustande
gekommen.
Für mich war das in diesem Sinne eine Befreiung aus mir
aufgedrückten Regeln und meinem sehr starken Bedürfnis
Autoritäten blind zu folgen.
Und wer jetzt meint: "Dieser Rhetoriker, jetzt hat er
seine Sauferei als Emanzipation und Gesellschaftskritik ausgelegt!",
tja, der liegt genau richtig bis auf das "ausgelegt",
das ich lieber durch ein ernsthaftes "interpretiert"
ersetzt sehen würde.
Ich gehe noch weiter: mir hat der Alkohol sogar geholfen,
etwas von meiner Schüchternheit abzubauen. Denn dadurch,
dass die Hemmschwellen besoffen sinken, habe ich überhaupt
erst gemerkt, dass ich auch Sachen machen bzw. Kontakte knüpfen
kann, von denen ich es vorher nicht gedacht hätte. Und
danach ging das auch im Alltag besser.
Die Quintessenz ist also:
ich bin tatsächlich richtig stolz darauf, dass ich irgendwann
angefangen habe Alkohol zu trinken. Denn, und darauf lege
ich Wert, es war eben nicht der Gruppendruck der Freunde,
der dazu führte, sondern es war eine freie und sogar
sehr spontane Entscheidung, mit der auch niemand gerechnet
hatte. Das war allerdings erst 1989
(ich war schon 16!).
Ähnlich stolz bin ich
auch darauf, dass ich von einem Tag auf den nächsten
aufgehört habe, Süßigkeiten zu essen. Das
war, glaube ich, 1987. Vorher war ich regelrecht süchtig
nach jeglicher Art von Süßkram. Lakritze, Schokolade,
Bonbons, Schokoriegel, das wurde alles in Massen reingeschoben
(ich war trotzdem dünn!).
Und dann: Entscheidung und ab sofort gab es nix mehr davon.
Ich hab' auf's Eis beim Nachtisch verzichtet, ich habe mir
nie wieder in meinen Leben Nutella oder ähnliches aufs
Brot geschmiert und auch nur noch Kaugummi ohne Zucker gekaut
und sowas.
Und interessanterweise habe ich auch nie etwas vermisst in
den ersten Jahren. Das war nämlich eine rein mentale
Sache: Süßkram, da fiel bei mir die Klappe runter
im Kopf und das Thema war erledigt, da wurde nicht weiter
dran gedacht.
Seitdem bin ich auch hundertprozentig der Ansicht, dass jeder
(der nur will) sich das Rauchen abgewöhnen kann. Oder
auch sonstige komische Angewohnheiten.
Hier schliesst sich dann der Kreis zum Alkoholkonsum: ich
bestimme über mich selbst!
Ja klar, wenn man Alkoholiker
ist, mag das nicht mehr so funktionieren, aber das ist auch
'ne spezielle Situation.
Zu den Platten/CDs aus dem
Jahr 1988, die ich nicht in meiner Hitlist platzieren will,
aber mir bereits damals gekauft habe, zählen zum Beispiel
Latin Quarter mit Swimming against the stream
(gefiel mir schon damals nur so mittelprächtig), Victory
mit That's live (ebenso), Mike
+ The Mechanics mit Living years (seehr schlichtes
Album), der Soundtrack des Films Buster (wegen Phil
Collins), Eros Ramazotti mit Musica è
(garnicht so schlecht: zum Teil von internationalen Spitzenmusikern
eingespielt und mit 11minütigem komplexen Titelsong)
und Bonfire's Fire works (ganz schlimmer Teutonen-Hardrock).
Man sieht: das war eher der Mainstream. Selbst das zaghafte
Heavy-Interesse war noch nix Rebellisches. Im Jahr darauf
wurde dann zu Manowar und anderem abgebangt.
Ein großer Renner war
und ist dagegen Marillions B-Sides Themselves. Die
Scheibe wird hier aber keinen Platz abkriegen, da es "nur"
eine B-Seiten Complation ist. Aber wer sich für die guten
Marillion-B-Seiten aus der Fish-Zeit
interessiert und nicht gleich die ganze Maxi-CD-Box kaufen
will (und auch nicht alle Doppel-CDs der Originalalben), dem
sei diese Zusammenstellung empfohlen. Alles wichtige drauf,
insbesondere Grendel.
Ansonsten fällt mir
auf, dass ich von 88 noch recht viele LPs habe. Die CD hatte
sich zu dieser Zeit noch nicht vollständig durchgesetzt.
Außerdem gibt es ein paar Songs, die ich besonders toll
finde und bei denen die gesamte Platte nicht zu meinen Hits
gehört. Deswegen werde ich beim übernächsten
Mal (nächste Woche erstmal Musik aus dem März)
einzelne Songs vorstellen. Denn es ist tatsächlich so,
dass ich bei einigen Scheiben direkt den einen Übersong
benennen kann und die gar nicht erst hören muss. Deswegen
ist eine Songabteilung notwendig.
Und sonst so?
Hmm, keine Ahnung. War 88 noch was los?
Außer Nerd-Hobby und Musik habe ich wohl nur an Mädchen
und Sex gedacht und hatte dabei Komplexe.
Pubertät ist scheisse.
Verwirrung ohne Ende, geile Schnitten überall, man kann
sich gar nicht mehr konzentrieren.
Und Dr. Sommer meinte in der BRAVO (daran erinnere ich mich
noch genau), wenn man an die Tafel muss und zufällig
wegen allgemeiner Geilheit einen Ständer hat, ist es
auch nur natürlich und nicht weiter schlimm, wenn man
beim Anschreiben noch in die Hose ejakuliert.
DAS habe ich denn zum Glück nicht erlebt.
Ach ja, in diesem Jahr hat
mich eine Klassenkameradin umarmt!
Super toll, war allerdings 'ne große Ausnahme und nur
weil ich ihre vermisste Uhr wieder gefunden hatte. Ich persönlich
hätte das ja gerne wiederholt... aber hatte auch so viel
Angst vor ihr, dass ich ihre Umarmung nicht gerade erwiedert
habe, als sie sich auf mich stürzte.
Demütigend war dieses
Alter.
Andere Typen waren nur so umringt von Mädchen und erzählten
davon wie sie wild am Fummeln waren zuhause. Harvey hat sich
dann schnell vom Acker gemacht, weiter mit seinem Nerd-Kumpel
Rekorde im "Gehen um den Pausenhof" aufgestellt
und zuhause die Unterwäsche-Models im Quelle-Katalog
studiert.
Große Zeit.
Ich habe übrigens noch
einen Plan von der Sitzordnung meiner Klasse. Wir waren nur
19 Schüler insgesamt! Undenkbar heute: da sind 32 Schüler
in der Mittelstufe in einer Klasse!
Von den Jungs kamen fünf aus irgendwelchen Nachbardörfern
die mindestens 10km entfernt waren. Also nicht so einfach,
Freundschaften großer Intensität zu schließen.
Vielleicht sind die Bedingungen dafür bei 32 sogar besser.
Dafür halt ständige
Ablenkung durch Titten.
Ich weiss gar nicht, wie man heutzutage überhaupt noch
überleben kann als Junge in dem Alter. Denn neben Titten
unter besonders hautengen Oberteilen gibt's ja noch massenweise
extra sexy Bäuche, Schultern und Ausschnitte zu sehen.
Wahrscheinlich rettet die Jungs nur der Medien-Overkill, und
diese Dinge beeindrucken überhaupt nicht mehr.
Frauenbewegung war einmal,
heute geht's extrem darum, femdbestimmten Idealen zu entsprechen
und möglichst viele Typen zu finden, die einen ficken
wollen. Selbstachtung ist etwas für die Tonne!
In den Medien gab's sowas
früher (88 und in der Gegend) nur selten zu sehen, "in
echt" schon gelegentlich mal. Aber bis heute geht's mir
so, dass ich einen schön verpackten Körper optisch
besser finde als einen sehr offenherzigen.
Was soll das denn eigentlich, dass ihr Frauen uns ständig
aufzwingt, eure Brüste, Hintern und aufwändig bemalte
bzw. gezupfte Gesichter ansehen zu müssen?
Hallo?
Ich jedenfalls würde meistens doch lieber mal den Menschen
hinter der ganzen Haut und dem optischen Fake sehen.
... zum Abschluss noch das wichtige Textzitat:
Have you ever woke up, sweating in the
middle of the night?
You search the darkness and you're scrambling
for the light,
Have you ever walked down the street
heard bootsteps following you?
Don't worry my son, you've got the spook
squad looking after you.
He said all the best freaks are here
He said all the best freaks are here,
please stop staring at me.
Hitlist: [hit-list]
engl.-amerik.; ergibt sich aus hit und list
Hit:
Hit: [hit] engl.-amerik.;
Schlag m; (Seiten)Hieb m; Glücksfall
m; Treffer m; thea., (Musik-Bizz)
Schlager: ein Song, der nicht zwingend gut sein
muss, aber sehr populär ist.
List:
List:
[list] engl.-amerik.; Liste f, Ver-
zeichnis n; Auflistung: besonders Männer
neigen dazu Ranglisten zu erstellen. Zum einen gibt
es ihrem Fetisch einen gewissen wissenschaftlichen
Anstrich, zum zweiten läßt sich herrlich
darüber diskutieren.
Anspieltipp:
Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen
Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen-
erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der
statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen
Gesetzen.