harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 



Hitlist 1988
1
Danzig: Danzig
2
Bad Religion: Suffer
3
Fields Of The Nephilim: The nephilim
4
Big Country: Peace in our time
5
Abel Ganz: The dangers of strangers
6
Men They Couldn't Hang / Van Morrison & The Chieftains
7
Mudhoney / Pixies
8
Songs von Dead Can Dance, Melissa Etheridge, Lita Ford, Sisters Of Mercy, Soundgarden

 

Hitlist 1988

Nur wenige Songs, die ich 1988 gut fand, werden in dieser Hitlist vorkommen.

Zwar hörte ich schon länger Musik von eigenen CDs und LPs, aber...

...ich war doch noch sehr auf "Pop" aus den Charts eingespielt. Und ich kannte kaum eine Gruppe genauer als zwei, drei Platten es schaffen können.

Gerade zuvor war ich beim Jahr 1992 und zwischen beiden liegt ein Riesenunterschied.
Erstens von meiner persönlichen Entwicklung her, ebenso jedoch was mein Musikinteresse betrifft.
So werden die meisten Platten auf den Rängen 1-8 solche sein, die ich erst 1991 oder später kennen lernte.

Eine Ausnahme bilden Marillion, die ich just '88 entdeckte und deren erste Anschaffung die Doppel-Live-CD The thieving magpie war.
Als ich vor einigen Jahren diese Website mit der Hitlist Live and let live startete, war ich noch der Meinung, diese Aufnahme gehöre zu den Top 10 der Livescheiben.
Heute würde sie vielleicht nicht mehr rein kommen.

Aber man könnte gerade diese CD als Initialzündung sehen.
Alle meine Platten zuvor hatte ich ebenfalls sehr oft gehört, insofern war Thieving magpie keine Besonderheit. Und ich hatte auch fast alle selber ausgesucht und selber im Laden eingekauft, selbst wenn es z.T. Geschenke waren.
Dass ich jedoch Platten oder CDs kaufte, von denen ich gar kein Lied kannte (oder auch die schon älter als ein Jahr waren), das war etwas Neues.
Hier wurden jene Bande mit bestimmten CDs gewoben, die noch heute halten, und dies nicht aus Nostalgie, sondern weil die Musik wirklich gut war und ist.
Trotzdem war ich damals weder ein Platten-Nerd, noch ein In-Teenager, der die neusten Hits besaß. Noch einige Jahre lang sollte die Musikliebe eine zartes Pflänzchen, das leicht zu übersehen war, sein.

Denn ich hatte ja ein anderes großes Nerd-Hobby, nämlich das Fantasy-Rollenspiel. Und das beanspruchte nicht nur viel Zeit und einiges an Geld, sondern sorgte auch dafür, dass mein Freundeskreis fast ausschließlich aus männlichen, manchmal ebenfalls etwas "seltsamen", Freunden bestand.

Aber wie das so ist, merkt man das ja selber alles nicht so genau und es stört deshalb auch nicht. Ich habe zum Beispiel überhaupt nicht mitbekommen, dass Leute aus meiner Klasse öfter mal Geburtstagspartys oder sowas veranstalteten, zu denen ich dann nicht eingeladen wurde.
Ein gutes Jahr später wurde ich dann zum ersten Mal auch eingeladen und bis dahin hatte ich meine vollständige Abwehr gegen jegliche Art von Alkohol aufgegeben.
Daran sieht man: bist du nicht zufällig sowieso sehr beliebt, so kannst du es dir nicht leisten, allgemein übliche Verhaltensweisen abzulehnen.
Ich wiederhole nochmal: als Jugendlicher kannst du es dir nicht leisten allgemein übliche Verhaltensweisen abzulehnen!
Oder du stehst halt mit deinen Freak-Freunden da und niemandem sonst.
Pass dich an, du Sau, sonst gibt's Ärger!
Obwohl: in der Rollenspielgruppe wurde ab Ende 1987 auch immer wieder mal gesoffen und da war ich auch (oft) der Einzige, der nicht mitmachen wollte. Und in dieser Runde wurde denn auch noch heftig Gruppendruck auf mich ausgeübt, kein Abend an dem man mich nicht sehr drängte, mitzutrinken.
So habe ich auch 1988 mein erstes Bier trinken müssen, d.h. es war ein "Schmutz" (Bier mit Cola), weil der Tino mir das ungefragt bestellte (und sogar bezahlte) und ich meinte, das könne man nicht stehen lassen. Hat auch richtig eklig geschmeckt.

Falls es mehr oder weniger regelmäßige Leser dieser Seiten gibt, fragen die sich jetzt vielleicht verwirrt, was denn hier los ist.
Denn im allgemeinen glorifiziere ich ja immer gerne die Sauferei und erzähle davon, wie ich am Kotzen, Taumeln, Gröhlen und Akkordtrinken war.
Aber diese Darstellung könnte gerade auch damit zusammen hängen, dass ich die Trinkerei vorher so extrem abgelehnt habe. Denn die Ablehnung war nicht selbstbestimmt, sondern durch Indoktrination aus dem Elternhaus und der Schule zustande gekommen.
Für mich war das in diesem Sinne eine Befreiung aus mir aufgedrückten Regeln und meinem sehr starken Bedürfnis Autoritäten blind zu folgen.
Und wer jetzt meint: "Dieser Rhetoriker, jetzt hat er seine Sauferei als Emanzipation und Gesellschaftskritik ausgelegt!", tja, der liegt genau richtig bis auf das "ausgelegt", das ich lieber durch ein ernsthaftes "interpretiert" ersetzt sehen würde.
Ich gehe noch weiter: mir hat der Alkohol sogar geholfen, etwas von meiner Schüchternheit abzubauen. Denn dadurch, dass die Hemmschwellen besoffen sinken, habe ich überhaupt erst gemerkt, dass ich auch Sachen machen bzw. Kontakte knüpfen kann, von denen ich es vorher nicht gedacht hätte. Und danach ging das auch im Alltag besser.

Die Quintessenz ist also: ich bin tatsächlich richtig stolz darauf, dass ich irgendwann angefangen habe Alkohol zu trinken. Denn, und darauf lege ich Wert, es war eben nicht der Gruppendruck der Freunde, der dazu führte, sondern es war eine freie und sogar sehr spontane Entscheidung, mit der auch niemand gerechnet hatte. Das war allerdings erst 1989 (ich war schon 16!).

Ähnlich stolz bin ich auch darauf, dass ich von einem Tag auf den nächsten aufgehört habe, Süßigkeiten zu essen. Das war, glaube ich, 1987. Vorher war ich regelrecht süchtig nach jeglicher Art von Süßkram. Lakritze, Schokolade, Bonbons, Schokoriegel, das wurde alles in Massen reingeschoben (ich war trotzdem dünn!).
Und dann: Entscheidung und ab sofort gab es nix mehr davon. Ich hab' auf's Eis beim Nachtisch verzichtet, ich habe mir nie wieder in meinen Leben Nutella oder ähnliches aufs Brot geschmiert und auch nur noch Kaugummi ohne Zucker gekaut und sowas.
Und interessanterweise habe ich auch nie etwas vermisst in den ersten Jahren. Das war nämlich eine rein mentale Sache: Süßkram, da fiel bei mir die Klappe runter im Kopf und das Thema war erledigt, da wurde nicht weiter dran gedacht.
Seitdem bin ich auch hundertprozentig der Ansicht, dass jeder (der nur will) sich das Rauchen abgewöhnen kann. Oder auch sonstige komische Angewohnheiten.
Hier schliesst sich dann der Kreis zum Alkoholkonsum: ich bestimme über mich selbst!

Ja klar, wenn man Alkoholiker ist, mag das nicht mehr so funktionieren, aber das ist auch 'ne spezielle Situation.

Zu den Platten/CDs aus dem Jahr 1988, die ich nicht in meiner Hitlist platzieren will, aber mir bereits damals gekauft habe, zählen zum Beispiel Latin Quarter mit Swimming against the stream (gefiel mir schon damals nur so mittelprächtig), Victory mit That's live (ebenso), Mike + The Mechanics mit Living years (seehr schlichtes Album), der Soundtrack des Films Buster (wegen Phil Collins), Eros Ramazotti mit Musica è (garnicht so schlecht: zum Teil von internationalen Spitzenmusikern eingespielt und mit 11minütigem komplexen Titelsong) und Bonfire's Fire works (ganz schlimmer Teutonen-Hardrock).
Man sieht: das war eher der Mainstream. Selbst das zaghafte Heavy-Interesse war noch nix Rebellisches. Im Jahr darauf wurde dann zu Manowar und anderem abgebangt.

Ein großer Renner war und ist dagegen Marillions B-Sides Themselves. Die Scheibe wird hier aber keinen Platz abkriegen, da es "nur" eine B-Seiten Complation ist. Aber wer sich für die guten Marillion-B-Seiten aus der Fish-Zeit interessiert und nicht gleich die ganze Maxi-CD-Box kaufen will (und auch nicht alle Doppel-CDs der Originalalben), dem sei diese Zusammenstellung empfohlen. Alles wichtige drauf, insbesondere Grendel.

Ansonsten fällt mir auf, dass ich von 88 noch recht viele LPs habe. Die CD hatte sich zu dieser Zeit noch nicht vollständig durchgesetzt.
Außerdem gibt es ein paar Songs, die ich besonders toll finde und bei denen die gesamte Platte nicht zu meinen Hits gehört. Deswegen werde ich beim übernächsten Mal (nächste Woche erstmal Musik aus dem März) einzelne Songs vorstellen. Denn es ist tatsächlich so, dass ich bei einigen Scheiben direkt den einen Übersong benennen kann und die gar nicht erst hören muss. Deswegen ist eine Songabteilung notwendig.

Und sonst so?
Hmm, keine Ahnung. War 88 noch was los?
Außer Nerd-Hobby und Musik habe ich wohl nur an Mädchen und Sex gedacht und hatte dabei Komplexe.

Pubertät ist scheisse. Verwirrung ohne Ende, geile Schnitten überall, man kann sich gar nicht mehr konzentrieren.
Und Dr. Sommer meinte in der BRAVO (daran erinnere ich mich noch genau), wenn man an die Tafel muss und zufällig wegen allgemeiner Geilheit einen Ständer hat, ist es auch nur natürlich und nicht weiter schlimm, wenn man beim Anschreiben noch in die Hose ejakuliert.
DAS habe ich denn zum Glück nicht erlebt.

Ach ja, in diesem Jahr hat mich eine Klassenkameradin umarmt!
Super toll, war allerdings 'ne große Ausnahme und nur weil ich ihre vermisste Uhr wieder gefunden hatte. Ich persönlich hätte das ja gerne wiederholt... aber hatte auch so viel Angst vor ihr, dass ich ihre Umarmung nicht gerade erwiedert habe, als sie sich auf mich stürzte.

Demütigend war dieses Alter.
Andere Typen waren nur so umringt von Mädchen und erzählten davon wie sie wild am Fummeln waren zuhause. Harvey hat sich dann schnell vom Acker gemacht, weiter mit seinem Nerd-Kumpel Rekorde im "Gehen um den Pausenhof" aufgestellt und zuhause die Unterwäsche-Models im Quelle-Katalog studiert.
Große Zeit.

Ich habe übrigens noch einen Plan von der Sitzordnung meiner Klasse. Wir waren nur 19 Schüler insgesamt! Undenkbar heute: da sind 32 Schüler in der Mittelstufe in einer Klasse!
Von den Jungs kamen fünf aus irgendwelchen Nachbardörfern die mindestens 10km entfernt waren. Also nicht so einfach, Freundschaften großer Intensität zu schließen. Vielleicht sind die Bedingungen dafür bei 32 sogar besser.

Dafür halt ständige Ablenkung durch Titten.
Ich weiss gar nicht, wie man heutzutage überhaupt noch überleben kann als Junge in dem Alter. Denn neben Titten unter besonders hautengen Oberteilen gibt's ja noch massenweise extra sexy Bäuche, Schultern und Ausschnitte zu sehen. Wahrscheinlich rettet die Jungs nur der Medien-Overkill, und diese Dinge beeindrucken überhaupt nicht mehr.

Frauenbewegung war einmal, heute geht's extrem darum, femdbestimmten Idealen zu entsprechen und möglichst viele Typen zu finden, die einen ficken wollen. Selbstachtung ist etwas für die Tonne!

In den Medien gab's sowas früher (88 und in der Gegend) nur selten zu sehen, "in echt" schon gelegentlich mal. Aber bis heute geht's mir so, dass ich einen schön verpackten Körper optisch besser finde als einen sehr offenherzigen.
Was soll das denn eigentlich, dass ihr Frauen uns ständig aufzwingt, eure Brüste, Hintern und aufwändig bemalte bzw. gezupfte Gesichter ansehen zu müssen?
Hallo?
Ich jedenfalls würde meistens doch lieber mal den Menschen hinter der ganzen Haut und dem optischen Fake sehen.


... zum Abschluss noch das wichtige Textzitat:

Have you ever woke up, sweating in the middle of the night?
You search the darkness and you're scrambling for the light,
Have you ever walked down the street
heard bootsteps following you?
Don't worry my son, you've got the spook squad looking after you.

He said all the best freaks are here
He said all the best freaks are here, please stop staring at me.

Marillion "Freaks"  


Stay alive and rock on,
Harvey
(26.3.06)

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Hitlist:
Hitlist: [hit-list] engl.-amerik.; ergibt sich aus hit und list

Hit:
Hit: [hit] engl.-amerik.; Schlag m; (Seiten)Hieb m; Glücksfall m; Treffer m; thea., (Musik-Bizz) Schlager: ein Song, der nicht zwingend gut sein muss, aber sehr populär ist.

List:
List: [list] engl.-amerik.; Liste f, Ver- zeichnis n; Auflistung: besonders Männer neigen dazu Ranglisten zu erstellen. Zum einen gibt es ihrem Fetisch einen gewissen wissenschaftlichen Anstrich, zum zweiten läßt sich herrlich darüber diskutieren.

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: