harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Platz 8 Hitlist 1988


Dead Can Dance: The serpent's egg
 

Dead Can Dance: Ullyses
(Song, 4:53, 1988, von "The serpent's egg")

Ein Song, der symbolisch für meine traurige, düstere Phase steht.
Aber supergut. Immer noch gern gehört.

Letztens hatte ich mal ein paar Tage frei. Ich war nicht weg und habe die Zeit zuhause verbracht.
Doch mein Leben ändert sich an solchen Tagen deutlich.
So sehr, dass es mir nicht mehr gelingt, die für ein geregeltes Leben üblichen Zeiten einzuhalten. Ich verpasse die frischen Brötchen, weil die schon alt sind, wenn ich sie mittags holen will. Ich verpasse Banken und Apotheken, denn die machen eine Mittagspause und schließen schon um 18:30. Verfickte Scheisse!
Dabei finde ich, dass ich ganz korrekte Schlaf- und Wachzeiten habe. Ich werde halt ab neun Uhr abends nochmal richtig aktiv und gehe denn so zwischen Eins und Drei ins Bett. Um Eins eigentlich nur, wenn ich weiss, dass ich am nächsten Tag wichtige Dinge erledigen muss. Und somit (sieben bis acht Stunden Schlaf) stehe ich denn zwischen acht und elf auf. Zehn ist ein guter Mittelwert.
Es gibt natürlich auch diese Abende, an denen ich stundenlang bei ebay rumsuche oder ewig lange Hitlist schreibe oder irgend 'nen Dreistundenfilm bis zum Ende gucken will, an denen es Vier oder Fünf wird. Das ist schon etwas seltsam, wenn ich merke, dass die ersten im Haus bereits aufstehen, wenn ich schlafen gehe. Aber ich denke mir: hey, ich hab ja frei! Do what you want!
Im Sommer wird's aber mit dem Schlafen schwierig, weil es schon hell wird um Fünf. Aber das ist ja nicht anders, wenn man nach einer langen Partynacht nach Hause kommt.
Nunja, also ca. 10 aus'm Bett. Frühstück usw., da bin ich um halb 12 einsatzbereit. Meine Nachbarn bereiten dann bereits ihr Mittagessen zu. Wenn jetzt noch was zu tun ist, z.B. die ganze Bude aufräumen oder zum Arzt oder komplizierter Klamotteneinkauf in der City, dann ist es fast sechs bis andere Sachen in Frage kommen.
Ja und dann wird's manchmal problematisch, wichtige Dinge noch zu erledigen. Von Ämtern mal ganz zu schweigen. Letztens war ich bei so'ner öffentlichen Stelle und da stand "Öffnungszeiten 7:30 bis 14:00". Ja klar, das sind immerhin sechseinhalb Stunden, aber wer kommt denn bitte in der Zeit bis zehn Uhr?? Hallo? Da haben die Mitarbeiter aber zweieinhalb laue Stunden.
Unflexibel sind diese scheiss Öffnungszeiten!

Auf der anderen Seite möchte ich auch die Diskotheken anpöbeln. Warum geht das in den Pissläden immer so spät los? Fuck, da muss ich bis ein Uhr wach bleiben, um überhaupt mal tanzende, coole Leute zu sehen und eventuell mitzumachen. Dann will ich nicht sofort wieder gehen. Also bleibe ich bis Drei, Vier, Fünf.
Nachdem am Abend um Neun mit der Pilsbierzufuhr losgelegt wurde, habe ich nicht nur verdammte sechs bis acht Stunden mit Abendgestaltung (Party!) verbracht, sondern bin auch noch hacke ohne Ende.

Wenn ich endlich mal mit der vermeintlichen Kreativität loslegen würde, könnte ich in dieser Zeit mindestens drei Seiten meiner supertollen Romane schreiben!
Auf der anderen Seite taugt das alles nichts ohne Lebenserfahrung. Also rocken ohne Ende und dann über die abgefahrenen Erlebnisse schreiben!
Aber... jetzt mal ernsthaft... Hitlist ist ja ein guter Test: INTERESSIERT DAS ÜBERHAUPT IRGENDJEMANDEN?
Klar, ich weiss, zweitausend Hits im Monat. Aber liest das auch jemand? Die suchen doch alle nur 'nen Song oder 'ne Musikmeinung.
Mein Scheiss-Ego-Gelaber ist Euch völlig egal!
Naja, aber Ihr habt auch Stuckard-Barre gekauft und der ist auch nicht so super originell und außerdem noch 'n kaputtes Arschloch. Also würdet ihr vielleicht ja auch 'n Buch vom netten Harvey kaufen, an dem mehr Straßendreck und weniger Selbstbeweihräucherung kleben und vor allem auch kein Sperma.
Denn damit Sperma mitten an den Büchern dran klebt, muss man ja reihenweise Frauen begatten und das mache ich nicht. "Made love to my pillow but it didn't feel right."
Immerhin liebe ich mich selbst. Da brauche ich kein Pillowteil.
Aber so die tollen Teenagergeschichten wie "Weitspritzen zu fünft" oder "Gabi flachlegen in zwei Wochen" kann ich nicht bieten. Da muss ich mir wohl was ausdenken.

Habe vor ein paar Monaten das Buch von Heinz Strunk gelesen: Fleisch ist mein Gemüse. Und da kann ich ja richtig stolz sein auf mein Leben, denn so langweilig, abgeschottet und keusch wie da berichtet war es nun auch nicht. Ausserdem war und bin ich zwar dem Pilsbier zugeneigt, aber es wird nicht täglich literweise runtergespült.
Ein Buch, das zum einen die harte Realität des Lebens eines Außenseiters zeigt und zum anderen auch klar macht, wie gut man es hatte.

Das ist doch mal ein Nikita von Elton John wert, oder?
Ich sagte letztens, 1988 wäre ich noch sehr Pop-orientiert gewesen. Davor gab es aber Jahre, in denen ich überhaupt nie auf den Gedanken gekommen wäre, Tonträger zu kaufen, denn es lief ja alles im Radio und ließ sich aufnehmen! Von 1982 bis 1985 wurde aufgenommen wie verrückt und leider ist alles heute verschollen.
Aber ich weiss noch, dass ich Nikita (1985) ganz gut fand. Besser noch war aber I'm still standing (1983), das gab's gerade zum Beginn der Pubertät, obwohl die noch länger auf sich warten ließ, aber rein zeitlich so. Ich habe denn später mal einige neuere und ältere Elton John-Platten gehört und fand sie alle ganz schlimm. Aber die beiden Songs, die haben Erinnerungswert.

So ist das Leben. Die Frage ist nur, ob der alte, ausgelaugte Körper da auf Dauer mitmacht beim Leben. Das beschissene ist ja, dass dieser sich am Wochenende nicht von der Woche erholen kann und will. Da kann ich die ganze Woche nur fünf bis sieben Stunden pennen und habe ein Defizit. Aber am WE bin ich so aufgedreht oder so besoffen, dass gar keine richtige Ruhe und kein gemütliches Ausschlafen möglich ist. Bis um 11 wache ich garantiert auf, auch wenn's Fünf war.
Also?
Ich brauch 'nen Job der nicht vor Zehn beginnt. Meinetwegen kann er auch bis abends gehen. Ich bin fit im Dunkeln.

A propos dunkel: da gibt's diesen Song von Dead Can Dance namens Ullyses und der war schon immer ein Hit bei mir.
Meine erste DCD Platte war Aion, die mir wegen der mittelalterlichen Klänge gefiel. Mein Kumpel damals hatte auch The serpent's egg und wir hörten sie auch ein paarmal. Aber mir klang das zu esoterisch.
Wenig später lieh ich mir die ganzen DCD-CDs aus'm CD-Verleih aus und merkte, wie genial sie alle sind. Esoterisch eigentlich weniger, ein bisschen vielleicht bei In the realm of a dying sun, wenn man so will. Jedenfalls kam ich zu der Auffassung, dass Serpents egg sogar die beste CD ist. Abgesehen allerdings von der erst später erschienenen Into the labyrinth.
Nun ist es aber eine CD, die ich über die Jahre immer nur mal gelegentlich gehört habe und die nicht so viele Erinnerungen birgt wie Aion. Daher kein Rangplatz für die gesamte Platte.
Weil ich aber immer ganz besonders begeistert von Ullyses war, dieses sogar mal als Untermalung einer Fernsehdoku gehört habe und es für's Rollenspiel als Background-Mucke einsetzte, soll dieser Song hier besonders erwähnt werden.

Mystischer Rhythmus, dann diese Synthies und der tiefe, monotone, nach Mönchsgesängen klingende Sprechgesang in fremder Sprache. Gänsehaut. Dann legt Brendan Perry mit seiner ausdrucksstarken Stimme los und verlagert das Geschehen vor dem inneren Auge von der düsteren Abtei ins nächtliche London der Renaissance. Oder auch die alten Grabhügel und verfallenden Häuschen vor den Toren der Stadt.
Ist das geil! Da muss ich erstmal 'nen Räucherstäbchen anzünden. Hab' letztens doch glatt die Duftrichtung Patchouli gefunden, mein Lieblingsduft.





Dead Can Dance

(Australien)
Gegründet 1981
Erste VÖ 1984 "Dead Can Dance" - Compilation

Besetzung 1988:
Lisa Gerrard: voc, keys, perc
Brendan Perry: voc, guit, perc, whistle, keys
Alison Harling: violin
Tony Gammage: trumpet
Rebecca Jackson: violin
Sarah Buckley: viola
Andrew Beesley: viola


Link
Toward the within

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik:

Melissa Etheridge: s.t.
 

Melissa Etheridge: Like the way I do
(Song, 5:25, 1988, von "Melissa Etheridge")

Melissa Etheridge interessiert mich eigentlich überhaupt gar nicht.
Die zugehörige LP finde ich auch nicht besonders gut.

Ich habe gelesen, dass sie erst danach in den Staaten richtig durchstartete und noch Mitte der 90er brutal viele Platten da verkauft hat. Irgendwie der weibliche Springsteen. Uähh...

Aber diesen einen Song, den finde ich richtig genial. Erstens ist es ein beliebtes Tanzlied, das auf Partys immer wieder zu hören ist. Das muss noch nicht gut sein, aber ich finde, man kann sehr gut dazu tanzen und es ist halt ein Rocksong.
Zudem einer, der Erinnerungen an die ersten Jugendpartys weckt, weil er da auch schon immer lief. Es gibt sehr, sehr wenige Songs, die auf Partys eine so lange Haltbarkeit haben. Und ich meine jetzt gute Partys und auch mit Leuten etwa meines Alters.

Auf Video habe ich noch einen Fernsehmitschnitt eines Konzertes von Melissa. Das ist gar nicht so schlecht. Sie hat ganz gute Musiker dabei (auch wenn wohl Waddy Wachtel nicht dabei war!) und kommt sympathisch rüber.
Der total coole Bass bei Like the way I do erfreut mich immer wieder. Ich erinnere mich noch genau, wie ich vor diversen Jahren dem Axel beim wilden Rumspringen während dieses Liedes auf 'ner Studiparty ins Ohr gebrüllt habe, wie geil das Basssolo doch sei. Der hat mich aber nur etwas verständnislos angeschaut. Wahrscheinlich dachte er (Alternative Rock-, Crossover- und Punk-Fan), das sei Scheisse.
Aber ich bleibe dabei, cooler Bass, engangierte Sängerin und gute Akustikgitarre, toll!

 

Melissa Etheridge

(USA)
Erste VÖ 1988 "Similar features" -Single

Band 1988:
Melissa Etheridge: voc, guit, piano
Kevin McCormick: b
Craig Krampf: dr
Waddy Wachtel: guit
Johnny Lee Schell: guit
Scott Thurston: keys
Wally Badarou: keys


Anspieltipp:

Lita Ford: Lita
 

Lita Ford: Close my eyes forever (with Ozzy Osbourne)
(Song, 4:42, 1988, von "Lita")

Schon wieder dieses Thema.
Also das Cover animiert mich überhaupt nicht zum Kauf der Platte.
Halt mir doch nicht die Titten ins Gesicht, ey!

Naja und die Frisur...
Lita Ford war damals auch auf der Top20 Kassette, die ich mit 'nem Kumpel als Radiosendung zusammen stellte. Der war ja gerade auf Hardrock gestoßen und hatte seine 10 Songs mit solcherlei Kram gefüllt. Unter anderen The last in line von Dio und Bon Jovi und eben auch Gotta let go von Lita Ford.
Nicht gerade ein sehr straighter Song und ich fand den auch nicht gut.
Später habe ich dann im Radio Kiss me deadly und Close my eyes forever gehört. Ich weiss nicht mehr, ob das in speziellen Heavy-Sendungen war. Jedenfalls fing ich 88/89 an, solche Radioshows anzuhören. Ich fand beide Songs damals ganz gut.

Viele Jahre später stolperte ich kurz hintereinander auf mehrere Tonträger von Lita. Erst einige LPs wie nämlich diese hier auch und dann ihre neue Live-CD im Jahr 2003, die mir direkt nach Erscheinen so billig angeboten wurde, dass ich zugreifen musste. Und nachdem ich die LP Lita eigentlich nur in Erinnerung an die alten Songs kaufte, muss ich jetzt sagen, dass die anderen Sachen mir auch gut gefielen.

Ich weiss, es ist Hardrock. Und ich finde Hardrock prinzipiell scheisse. Aber es gibt Ausnahmen!
Das ist gut. Es sollte für jede Regel Ausnahmen geben. Ich meine, Punk und Prog sind geil, aber manchmal auch zu geil. Dann brauche ich mal was schlichtes Hartes mit klaren Strukturen aber nicht zu viel Tempo. Allerdings muss man schon sagen, dass die Anzahl solcherart Tonträger in meiner Sammlung sehr gering ist. Würde ich mir auch niemals live ansehen.

Close my eyes forever ist extremstens toll. So was wie 'ne Heavy-Ballade, was ja ganz schön ätzend klingt. Aber hier ist es so, dass nicht nur Ozzys und Litas Gesang hervorragend harmonieren, sondern dass die Instrumentierung genau den Nerv des Textes trifft und damit wohlige bis traurige Schauer auslöst. Das wäre auch so'n Song, den man gut bei einer Beerdigung spielen könnte.
Die komischen Keyboards gegen Ende könnte man zwar auch rauslassen, aber dafür kommt auch noch 'n nettes Gitarrensolo. Und ich finde es auch eine große Ausnahme bei diesem Genre "Heavy-Ballade", dass da mal wirklich Gefühl und Intensität rüber kommt. Hier ist das der Fall und das liegt auch nicht daran, dass ich gerade Ozzy Osbourne so großartig finden würde. Sein Werk nach Black Sabbath interessiert mich ansich null.

 

Lita Ford

(USA)
ex-Runaways, seit 1979 solo
erste VÖ 1983 "out for blood"-LP

Band 1988:
Lita Ford: voc, guit
Donnie Nossov: b
Myron Grombacher: dr
David Ezrin: keys
+
Craig Krampf: dr


Sisters Of Mercy: Dominion
 

The Sisters Of Mercy: Emma
(Song, 6:10, 1988)

Dieses Cover ist allerdings noch schlimmer.
Eldritch dachte, er wär'n Rockstar. Total fertig der Typ.
Patricia Morrison will ich ja mal nix gegen sagen. Die spielt immerhin Bass und war mal beim "Gun Club".

Ihre Soloplatte Reflect on this von 94 ist übrigens auch ziemlich gut.
Der Song Emma ist von der Dominion-Maxi. Nachdem ich mir die ca. 1992 gekauft hatte, war ich sofort total begeistert von den Stück. Danach habe ich es noch auf diversen älteren live-Bootlegs aus der First and last and always-Zeit gehört. Passt auch zeitlich zum Song besser.

Dieses Stück reiht sich ein in die guten anderen B-Seiten, die seit 1984 erschienen sind und von denen es viele bis heute nicht auf CD gibt. Denn die Compilation Some girls wander by mistake beinhaltet nur alte Sachen VOR First and last and always. Ich würde eine B-Seiten Kollektion sofort kaufen. Da wären dann so gute Songs wie On the wire, Train, Body and soul, Poison door und vielleicht ein paar der Maxi-Versionen drauf. Sandstorm und Untitled, die noch auf der Dominion-Maxi sind, braucht man nicht unbedingt. Das sind eher so Saxofon-Übungen.

Supergeiler Bass mit mitreissendem Rhythmus, verzerrte aber sparsame Gitarre mit guten Solos, extrem tiefer Gesang mit ergreifendem Text... das macht diesen Song aus. Auch jetzt noch geht er in Mark und Blut. So muss das sein.
Stilistisch eher auf dem Stand von 1985, keine fetten Jim Steinman-Chöre wie bei Floodland und auch keine Streicher oder so'n Mumpitz. Pathos natürlich schon und Kreischen von Eldritch, aber hier kommt das gut. Als ich ihn (insgesamt zweimal) vor etlichen Jahren auf der Bühne keifen sah, wirkte das sowohl akustisch als auch optisch (s. Bild oben) eher albern.
Schade eigentlich, wenn man im Egowahn unabsichtlich auf das eigene Monument pinkelt. Und gerade über die Jahre bekommt das dann richtig viele, eklige Kloflecken. Bäh!

 

Sisters Of Mercy

(GB)
Gegründet 1980
Erste VÖ 1980 "The damage done" -Single

Besetzung 1988:
Andrew Eldritch: voc
Patricia Morrison: b
+
diverse Gastmusiker


Link
Body electric
First and last and always
Floodland
This corrosion

Anspieltipp:

Soundgarden: Ultramega OK
 

Soundgarden: Beyond the wheel
(Song, 4:20, 1988, von "Ultramega OK")

Soundgarden's Erste.
Nicht so optimal produziert und von leichter Ziellosigkeit der Akteure geprägt.

Was ja auch bei Louder than love beides noch so blieb.
Versteht mich nicht falsch, ich finde die alten Soundgarden-Sachen klasse. Aber sie reichen lange nicht an Badmotorfinger ran und Superunknown.

Ein Song, der aber doch ranreicht, ist Beyond the wheel. Gruseliger Einstieg, sich aufbauende Spannung, Chris Cornell's damalige Schreivocals und eine brutale düstere Leadgitarre zusammen mit zentnerschweren Bassläufen lassen hier die Boxen richtig heftig vibrieren (wenn's nur laut genug ist!).
Da kann man als Metalfreak abbangen wie Sau und trotzdem ist es irgendwie kein Metal. Könnte man auch als Stonerrock ansehen oder als Avantagarde-Metal, wegen der ungewöhnlich gestimmten Instrumente und einigen verrückten Effekten. In jedem Fall drei Verbeugungen vor Kim Thayil: du bringst es! Nach dem Solo am Ende bluten meine Ohren. Aber das ist gut so.
Schade eigentlich, dass der Mann sich zur Ruhe gesetzt hat. Cornell macht mit Audioslave weiter (gut so), Yamamoto und Shepherd machen sich eher rar (Truly, Wellwater Conspiracy mit guten Ansätzen), Matt Cameron bleibt uns bei Pearl Jam erhalten, aber Kim Thayil? Der macht wohl nix. Shit.

Wenn ich bei mir aus dem Küchenfenster schaue, sehe ich direkt in das Wohn- und Schlafzimmer eines Mädels. Die weigert sich, ihre Rollos zu benutzen. Das bedeutet, dass sie auch bei Dunkelheit draussen und kompletter Beleuchtung drinnen keine Gardine vorzieht und deswegen gut zu erkennen ist.
Schon wenige Wochen nach ihrem Einzug konnte ich von meinem Küchenstuhl aus mitansehen, wie diese Frau sich in ihrem Zimmer im Rampenlicht stehend auszog. Ich bin nun nicht gerade auf der Suche nach solcherlei optischen Reizen, aber wenn sie geboten werden, schaue ich nicht weg. Wahrscheinlich schaut auch noch die ganze direkte Nachbarschaft neben mir zu. Genug Opas mit Langeweile sind dabei.
Ich nenne sie die Exibitionismus-Frau. Das gibt's nämlich gar nicht, dass man nicht weiss, wie gut man in einem hell erleuchteten Zimmer nachts zu sehen ist.

Aber interessanter sind ganz andere Verhaltensweisen dieser Dame. Sie schaut nämlich gerne in den Spiegel. Passt ja zum Exi.
An einer Wand muss sich ein solcher befinden und nicht nur steht sie oft davor, wirft ihre Haare zurück, dreht den Körper in Schräg- und Querlagen und sieht sich an, sondern sie probiert auch Disko-Tanzschritte, laszive Kopfbewegungen und diese komischen Armbewegungen, die manche Leute beim Tanzen machen. Mit diesen Proben und vor allem auch dem Aussuchen und Anprobieren von Kleidungsstücken verbringt sie an Wochenenden fast mehr Zeit als ich mit Tonträgerstatistiken, also Stunden!!
Jetzt kann man sagen, jedem das Seine, was soll's?
Aber auf der anderen Seite kann ich sowas nun überhaupt nicht verstehen. Warum macht die sich so ausgiebig zurecht?? Was soll diese Tanzprobe, wo bleibt da das Spontane? Und dieses super zeigefreudige, das natürlich in der Disko auch zu sehen ist (schon alleine bei der knappen Kleidung) hatte ich letztens schon kritisiert. Fuck, wie ätzend!
Also rein sexuell finde ich Arschgewackel und wenig Kleidung und aufreizende Posen schon geil. Aber von der Einstellung her sind die sowas von scheisse. Mal abgesehen davon, dass diese Tussi mich sicher auch auf den ersten Blick scheisse finden würde.
Und dies sind alles so Dinge, die mir früher - auch 88 - gar nicht aufgefallen wären. Alles was aufreizend war, war damals das Größte. Dass ich auch auf das restliche Outfit Wert legte und mehr 'ne Partnerin als nur 'nen geilen Anblick suchte, das kam erst später. Kein Wunder, dass die Teenager-Schnitten nicht auf die gleichaltrigen Jungs stehen.

Bei Soundgarden dagegen lief's umgekehrt. Alle Schnitten wollten den heißen Chris Cornell mit seiner wilden Mähne. Und der zog sich auch immer halb aus! Als er dann seine Haare abschnitt, hatte er nur noch die Stimme, das Lächeln und den Grungerbart zu bieten. Immerhin. Aber viele waren trotzdem schwer enttäuscht.
Ich möchte nur nicht wissen, was diese Mädels heute so gut finden und wie ihre Partner aussehen. Das heisst, ich kann mir das schon vorstellen, aber man muss sich ja nicht mit jeder ernüchternden und harten Realität auseinander setzten.
Ich jedenfalls finde den Grunge-Look heute noch sehr gut. Und der Cornell sieht echt jetzt schlechter aus.
Davon abgesehen waren Soundgarden auch nie die extrem gute Liveband. Auf der Black hole sun-Maxi-CD ist eine Liveversion von Beyond the wheel und die ist im Vergleich echt schwach. Also lieber in Ultramega OK reinhören.


Stay alive and rock on,
Harvey
(11.4.06)

 

Soundgarden

(USA)
Gegründet 1985, erste VÖ "Nothing to say"-7" 1987
Aufgelöst 1997

Besetzung 1988:
Chris Cornell: voc
Kim Thayil: guit
Hiro Yamamoto: b
Matt Cameron: dr


Link
Temple Of The Dog
Superunknown