|
Abel Ganz: The dangers of strangers
|
|
(1988, 38:55)
|
|
|
|
Die zweite Platte von Abel Ganz, die richtig
begeistern kann. Auch diese ist erst nachträglich
auf CD erschienen (und momentan schwer zu bekommen)
und war zuvor ein Tape.
|
|
Hier macht denn auch DER
Alan Reed mit. Wer, Alan Reed?
Ja! Das ist der Sänger von Pallas.
Ursprünglich war er bei Abel Ganz tätig,
wurde dann abgeworben und macht hier nochmal 'nen Gastauftritt.
Schade eigentlich, dass Abel Ganz im Gegensatz zu Pallas
den Sprung in die Professionalität nicht taten bzw. schafften,
denn ich fand im Vergleich von beiden (was die alten Sachen
angeht) Abel Ganz immer besser.
The dangers of strangers
ist ausgereifter und besser produziert als Gullibles travels,
kommt in meiner persönlichen Rangliste aber trotzdem
knapp dahinter, einfach weil ich Gullibles travels
eher und länger kannte bzw. kenne und damit mehr Erinnerungen
verbinde. Gratuitous flash hat nur Demo-Charakter und
davon abgesehen gibt's nur noch eine Compilation von Abel
Ganz.
Herzstück dieser Platte
ist der zweiteilige Titelsong, der bereits zwei Jahre zuvor
in anderer Besetzung für einen Sampler aufgenommen und
hier nochmal etwas verändert wurde. Der ist wirklich
nur geil. Nach diesem Anfang muss man auch den Rest der Platte
mögen! Zur Orientierung: The dangers of strangers
bietet Retro-Prog in ähnlicher Variante wie Marillion
bei Script for a Jester's tear. Also verspielt, sehr
keyboardlastig und natürlich an Vorbildern wie Genesis
angelehnt. Aber wir haben bereits 1988
und für die Endachtziger war dies schon ungewöhnlich
und während andere Gruppen auf fetten Pomp-Pop oder Elektronik
setzten, machen Abel Ganz hier völlig unzeitgemäße
Musik für den Prog Puristen.
Dennoch ist der Song Rain
again (dreiteilig) relativ eingängig, viele Chöre
kommen vor und deutlich erkennbare Refrains. Hustler II
ist genau das, was der Name andeutet, nämlich eine Weiterführung
des sehr guten Songs The hustler von Gullibles travels.
Dann gibt's nur noch zwei weitere Stücke auf dieser CD.
Dreamtime verbindet einen poppigen Refrain mit sanften,
Spannung aufbauenden Parts. Mystisch mit Gänsehaut-Gesang
und dominierenden Keyboards ist dies ein zwar langsamer aber
ansonsten sehr typischer Abel Ganz-Song. Pick a
window, das letzte Stück, passt auch dazu. Hier gibt's
mehr Gitarren und vor allem einen sehr gut hörbaren Bass,
aber es ist ein Instrumentalsong, und schon von daher eher
proggig.
Auf jeden Fall eine sehr gute und kultige Platte, die ich
immer wieder gerne höre.
Zur Bandbesetzung sei gesagt,
dass leichte Zweifel angebracht sind. Im Booklet der CD steht
nichts, aber es sind immer nur drei Leute abgebildet. Ich
habe die Informationen zu Besetzung daher von der Website
von Gordon Mackie, welcher aber seinerseits nur Hugh Carter
zitiert wegen selbiger. Naja, besser wird's wohl niemand wissen,
in einigen Internet-Lexika stand auch völliger Blödsinn
über Abel Ganz drin.
Ich glaube nicht an Götter.
Folgerichtig glaube ich auch nicht an göttliche Fügungen,
Zeichen oder Weisungen. Aber letztes Wochenende hätte
ich als leichtgläubiger Mensch wahrscheinlich ein solches
bekommen (Zeichen, meine ich). Was das mir sagen sollte habe
ich zwar noch nicht ganz begriffen, aber vielleicht ergibt
sich die Interpretation noch, wenn ich es mal hier Revue passieren
lasse.
Es fing damit an, dass ich
mir noch 'ne Woche vorher eine CD der Donnas gekauft
habe und zwar Spend the night. Am Samstag habe ich
diese CD gehört und dabei bemerkt, dass noch 'n Video
drauf ist. Dieses Video habe ich am Sonntag angesehen. Außerdem
habe ich 'ne CD mit MP3s rausgesucht, auf der noch ein paar
andere Donnas-Platten waren und habe mir dann direkt
hintereinander drei weitere Scheiben von denen reingetan.
Da ging also gut der Rock'n'roll ab.
Kurz nach der letzten Donnas habe ich die Tagesschau
gesehen und dachte dann, dass ich wohl gerne zum Ausklang
des Abends noch 'nen Film sehen würde, aber meine DVDs
reizten gerade nicht. Also habe ich mal so durch die Sender
gezappt und auf einem kam ein Highschoolfilm mit Melissa
Joan Hart. Ich mag ja Highschoolfilme (wenn auch nicht
alle) und "Sabrina" ist ja auch ganz schnuckelig,
also habe ich weiter geschaut.
Jetzt kamen zwei Dinge auf einmal: erstens traten in diesem
Film zweimal die Donnas auf! Und zweitens war das fast
ein Remake meines allerliebsten Teenagerfilms überhaupt
Can't buy me love (auf DVD unter dem bescheuerten Titel
Boy rents girl erschienen).
Hab's selbst kaum geglaubt.
Aber die Musik in dem Film (der übrigens Drive me
crazy hieß) war eh ganz gut und die Donnas
rockten, sahen aber wie immer nach ihrer ersten oder zweiten
Platte ziemliche nach schäbbigen amerikanischen Tussen
mit Tonnen von Make-up und ohne Gehirn aus. Aber egal.
Na und die Ähnlichkeit zwischen beiden Filmen war auch
nur partiell, weil hier niemand den anderen bezahlt, sondern
sie ein Abkommen schließen. Außerdem sind die
Jugendcliquen bei Drive me crazy weniger doll verfeindet
(was wahrscheinlich realistischer ist), der Hauptdarsteller
ist nicht ganz so freakig, sondern ein bisschen alternativ
und rockig drauf (was mir sehr gut gefällt) und es gibt
ein Happy End! Ich liebe Happy Ends!
Ansonsten war die Message ähnlich: "Ändere
dich nicht, um anderen zu gefallen", aber auch "Überleg
mal genau, wer du eigentlich wirklich bist". Zusätzlich
aber natürlich noch, dass auch vermeintlich völlig
anders lebende Menschen als man selber ganz toll sein können.
Iss dat romantisch!
Hat nur leider nichts mit
dem beschissenen echten Leben zu tun.
Ich für meinen Teil hatte jedenfalls null Erfolg als
ich ein komischer Nerd war und die super angesagte In-Tussi
toll fand. Auch obwohl wir als Kinder mal Freunde waren (wie
in diesem Film ebenfalls).
Gut, aber das ist ja auch schon 'n halbes Leben her und vielleicht
sollte ich mal begreifen, dass ich nicht mehr 18 bin und die
Anführerin der Cheerleader schon aus diesem Grund heute
nicht mit mir ausgehen wird. Aber 'ne geschiedene Mutti (Sohn
acht Jahre) mit breiten Hüften und derselben Menge Makeup
wie die Donnas wird sich schon finden. Da gibt's reichlich
von und so wählerisch sind die auch nicht.
Dolle Show!
Wenigstens kann ich Realität
und Fiktion eindeutig auseinander halten. Andererseits wär's
vielleicht gar nicht so unangenehm wenn ich's nicht könnte.
Willst du die echte Scheisswelt oder die falsche Traumwelt?
Ist ja durchaus eine Überlegung wert, ich frag mal nach
den Bedingungen. Leider fürchte ich, dass es letzteres
nur mit 334-Monatsvertrag gibt und zusätzlichen Klauseln.
Auch kacke.
Stay alive and rock on,
Harvey
(27.5.06)
|