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Big Country: Peace in our time
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(1988, 66:02)
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Hier kommt die "Pop"-Platte von Big
Country!
Idealistisch, schnulzig, keyboardlastig und
dennoch eindeutig Big Country und richtig toll.
War aber auch meine erste von denen.
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Da ist man ja immer sehr
geneigt. Das ist die Magie des Ersten Mals.
So, jetzt aber mal endlich
meine Meinung zur WM.
Ich finde die WM spannend und gucke so viele Spiele wie möglich.
Außerdem ist das eine Gelegenheit, ordentlich Pilsbier
schon am Nachmittag zu trinken, ohne dabei negativ aufzufallen.
Super, ich vernichte also momentan so viel Bier wie selten.
Trotzdem oder deswegen wird das aber manchmal auch schwierig,
weil ich ja noch andere Sachen machen muss und mein normaler
Tagesablauf wird schon ziemlich aus der Bahn geworfen.
Da rannte ich also letztens
komplett auf 'ner anderen Bahn in die Post rein, weil man
mir so einen tollen orangenen Zettel in den Briefkasten geworfen
hatte, auf dem stand, da wäre ein Paket für mich.
Manchmal frage ich mich, warum der Paketbote überhaupt
noch rumfährt, weill ja eh alle (?) Leute bei der Arbeit
sind. Er schreibt tausend Zettel und die ganzen Völker
bilden dann ewiglange Schlangen in der Post, wo dort doch
eigentlich ganz andere Dinge erledigt werden sollen (nein,
ich meine nicht den großen dampfenden Haufen in das
überteuerte Pack-Set XXL).
Ich radelte also dahin, suchte länger nach 'ner Möglichkeit
mein Rad irgendwo anzuschließen, stellte mich letztlich
in die 15 Personen lange Schlange, während in dem ganzen
Amt drückende Hitze und genervte Stimmen die Atmosphäre
verspannten.
Irgendwann kam ich dran und reicht dem Postbeamten, der sich
nicht gerade beeilte - aber er war ja auch nicht auf der Flucht
- den Schein und der wollte erstmal meinen Ausweis sehen und
holte mir dann das Paket aus irgendwelchen dunklen Tiefen
des Postbunkers.
Dabei überlegte ich nochmnal und wusste echt nicht was
das wohl sein könnte. Meine Mama hätte wohl was
gesagt, meine Bestellungen bei ebay und amazon waren alle
schon angekommen und an einem Gewinnspiel hatte ich auch nicht
teilgenommen.
Dann kam der Onkel und überreichte mir ein großes,
meerblaues Plaket mit dem deutlich sichtbaren Logo einer Bank
darauf. Ich nahm es entgegen und verließ die Paketabholzentrale
wieder, nicht ohne mich ein wenig zu schämen, dass ich
da so ein blaues Riesenkuckucksei mit Kapitalistenwerbung
darauf von dannen trug.
Ich schaute es denn mal näher an und da stand: ein WM
Rucksack.
Ach du Kacke, dachte ich, da renne ich hier extra zur Post,
um mir son'n beklopptes Werbegeschenk abzuholen. Schiesse.
Wie ich später erfuhr,
hatte ich mir den Rucksack durch die unglaubliche Anzahl meiner
Transaktionen (sprich: erworbener Tonträger) verdient.
"Nein" sagen nicht erlaubt, freu dich gefälligst!
Und Grund zur Freude gab es wahrlich: schwarz mit deutlich
sichtbarem offiziellen WM-Logo lag er vor mir, geziert von
ebenso deutlich sichtbaren roten und gelben Bändern.
Aber die Freude war nur gespielt, als wenn ich mich mit diesem
Teil auf die Straße trauen würde!
Und welch eine Geldverschwendung: sicher nicht so ganz billig
so ein Fanartikel mit zusätzlichem Nutzwert. Trotzdem
hätte ich lieber noch 'ne CD bekommen. Und nächstes
Jahr wird's auch nicht mehr "in" sein, damit rumzulaufen,
höchstens peinlich. Vielleicht benutze ich ihn dann mal,
ganz in style.
Kurz darauf rannte ich noch
in einen großen bekannten Elektronikfachmarkt. Und was
mich da erwartete kam mir vor wie Karneval in Düsseldorf!
Die gesamte Verkäufertruppe hatte Deutschlandtrikots
an. Igitt!
Ja, ich mag die Insignien deutscher Nationalität nicht,
ich bin im Gegensatz zu ganz vielen anderen Menschen der Ansicht,
dass die deutsche Fahne nicht so oft wehen sollte, wie das
im Moment der Fall ist. Um mit Propaghandi zu sprechen:
"Stick the fuckin flag up your ass!!"
Nicht weil ich nicht für Deutschland wäre oder weil
ich den Leuten ihren Spaß verderben will, sondern einfach
weil diese naive Freude an deutscher Symbolik und der Stolz
auf's eigene Land genau den Dingen Vorschub leisten, die ich
absolut verachte: deutsche Blauhelme in aller Welt, Abgrenzung
gegenüber anderen Menschen, Verzerrung der Kriegschuld-
und Nazigeschichte.
Schon vor der WM war ein "Wunder von Bern" als Kinofilm
und diese Guido Knopp Doku's über arme vertriebene Deutsche
und geknechtete Frauen und Kinder viel wichtiger und interessanter
im öffentlichen Blick als die vielen dumpfen Gefolgsleute,
als die vielen unmenschlichen Anführer und die zahlreichen
gehorsam tötenden Soldaten. Das ist nicht der Umgang
mit der eigenen Geschichte, mit Leben und Tod, mit Ethik und
Moral, den ich für angemessen halte und genau deswegen
finde ich diese Fahnenschwenkerei und Hymnensingerei und vor
allem auch die Jugendlichen, die meinen es ginge nur um "den
Spaß am Fussball" so schlimm.
Als letzter Zusatz noch: ich habe mir diese Rede nicht ausgedacht,
weil tatsächlich gerade in den Medien darüber diskutiert
wird. Bereits bevor ich von dieser Diskussion gehört
hatte, wusste ich, da muss ich meinen Senf dazu geben.
Peace in our time
ist nicht nur irgendein Titel sondern ein Anliegen von BC
im Jahre 1988. Das ist gut.
Ansonsten ist der Sound hier noch mehr glattgebügelt
als auf The seer, die Keyboards sind lauter und alles
ist sehr gefällig.
Klingt ja nicht so gut und
absolut betrachtet ist diese CD (oben übrigens die Spielzeit
der Remaster Edition) wohl nicht unter den Top3 BC-Alben.
Obwohl es eindeutig BC ist!
Meine Liebe zu dieser CD
ist sehr tiefgründig darin begründet, dass es die
erste Platte der Band war, die ich kennen lernte, dass damals
sogar mal BC im Radio kam und dass wir verdammt oft
sehr gut gefeiert haben mit dieser Musik.
Im Freundeskreis war die Band so ab 1989
sehr beliebt und alle meine Kumpels hatten eine oder mehrere
CDs von ihnen. Ich kaufte mir als erstes Peace, dann
Steeltown und etwas später dann The crossing
und gerade die ersten beiden (die etwas poppiger sind als
Crossing) wurden bei der Abendunterhaltung andauernd
gehört. Da gab es gar keine Frage, ob jemand da Lust
drauf hatte, denn es war klar: Big Country wollten
alle immer gerne hören!
Ich habe auch an anderer
Stelle dazu schon einiges geschrieben und will mich nicht
wiederholen. Nur noch dieses: mit mehreren Leuten im elterlichen
Wohnzimmer zu Peace abzurocken war sehr geil und ist
ein Erlebnis, das leider nie wieder kommen wird. Weder existiert
dieses Wohnzimmer noch, weder werden wir in dieser Konstellation
nochmal zusammen kommen noch würden wir dann derart ausgelassen
und mit jugendlicher Begeisterungsfähigkeit alle rumspringen.
Noch ein paar Kommentare
zur Platte:
Vertreten sind alle Stimmungen. Eine der schönsten BC-Balladen:
Everything I need, ein Instrumentalstück: The
travellers, ein Rocker: King of emotion, einige
Hymnen: Broken heart, Peace in our time und dazu mal
wieder Lyrics aus dem Leben, die sich sehr gut in Stimmungen
von ganz normalen Menschen reinversetzen.
Ich empfehle diese CD allen
Menschen, die rockigere Töne im 80er Pop mögen,
die Big Country sowieso mögen oder die sich an
einen der genannten Songs mit Freude zurück erinnern.
Sicher insgesamt für die Rock- und Popgeschichte eher
vernachlässigbar diese Scheibe, jedoch für BC
wichtig (zur Selbstfindung) und für mich selber noch
mehr, ein All-time-Klassiker!
Stay alive and rock on,
Harvey
(26.6.06)
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