|
Fields Of The Nephilim: The nephilim
|
|
(1988, 55:48)
|
|
|
|
DIE Gothic-Rockplatte überhaupt.
Noch heute ein Monument und verantwortlich für
den legendären Ruf der "Fields".
|
|
Nun ist es zwar so, dass
die Band schon mit ihrem ersten Longplayer Dawnrazor
Aufsehen erregte, doch kritisch betrachtet handelte es sich
bei den Fields zu diesem Zeitpunkt eher um eine überbewertete
New Wave-Rockgruppe mit auffälligem Image.
Ich mag Dawnrazor zwar, aber die Platte ist weit davon
entfernt perfekt zu sein und wirklich düster ist sie
auch nicht.
Elizium dagegen, die dritte und letzte Scheibe der
ursprünglichen Fields Of The Nephilim ist enorm
vielschichtig und aus diesem Grund (und wegen der vielen Keyboards)
nicht weniger dem Art Rock verwandt als dem Gothic Rock.
Bei The nephilim sind
Keyboards nur für diverse Effekte verantwortlich. Grundsätzlich
dominiert hier die Gitarre und die dunkle Stimme Carl McCoys.
Zum Teil sogar ziemlich hart die erstere und auch wenn es
ruhigere Parts gibt, so sind es doch nicht die langen Instrumentalpassagen
wie auf Elizium.
Ich lernte die Fields 1991
kennen, als ich mich mit Leuten rumtrieb, von denen ein paar
Grufti-artig angehaucht waren.
The nephilim nahm ich mir zu diesem Zeitpunkt auf Kassette
auf und es sollte viele Jahre dauern, bis ich endlich die
CD kaufte. Bis dahin war die Kassette dann ziemlich durchgenudelt,
denn ich habe sie wirklich oft gehört.
Ca. ein Jahr später kaufte ich mir Dawnrazor und
nahm mir Elizium auf Tape auf. Doch The nephilim
blieb immer mein Favorit.
Das lag daran, dass ich so
oft zu der Liveversion von The watchman getanzt hatte,
dass wir ein ums andere Mal bei Kerzen und Räucherstäbchen
Moonchild gehört hatten (und das Röcheln
"Mooontschchiiild" nachgemacht hatten), dass ich
Celebrate auf eine Mixkassette überspielte und
dass ich bei Love under will träumte, meine Liebste
hätte mich nicht verlassen oder würde zu mir zurück
kehren.
Schließlich habe ich sogar mal den über neunminütigen
Brocken Last exit for the lost in einer Diskothek gehört
und erfuhr dabei, dass mein lustiger und ständig gut
aufgelegter Rollenspielkumpel Christian die FOTN ebenfalls
sehr gut fand.
Ich habe diese CD und die
Band dahinter - von der ich gar nicht mal so viel wusste -
verehrt. Ich war der Meinung, die Platte sei sowas wie der
"Theme song" zu meinem Leben. Ich habe mit Begeisterung
die Nachfolgeband Rubicon
gehört und live angesehen, auch wenn die weit weniger
düster waren. Ich habe mich nur noch schwarz angezogen.
Allerdings ohne eine Cowboyuniform, die fand ich schon immer
scheisse. Carl McCoy war zwar cool, aber ich hätte mir
kein Mehl auf die Klamotten geschüttet.
Der eine meiner Kumpels sah gerade McCoy als persönliches
Idol an. Er legte jede irgendwo zu lesende Aussage von diesem
auf die Goldwaage und zog sich Aleister Crawley und sowas
rein, weil McCoy meinte, das sei toll.
Wir haben zu dieser Zeit sogar ein paarmal nachts auf Friedhöfen
rumgehangen. Ist eigentlich auch nichts gegen zu sagen, wir
sind ja nicht auf Gräbern rumgetrampelt und haben keine
satanischen Rituale abgehalten, sondern nur dort gesessen
und das eigenartige Flair genossen. Ein bisschen unheimlich
war es auch, aber das sollte so. Wir haben auch überlegt,
ob es wohl sowas wie Geister geben könnte und ob man
die dann auf Friedhöfen eher sieht als anderswo.
Letztendlich war das mal wieder so eine Sturm-und-Drang Aktion,
bei der man sich als Jugendlicher selber ganz toll findet
und die später relativ sinnlos erscheint.
Zu jener Zeit war ich auch
der Meinung, Klamotten müssten möglichst schäbbig
aussehen. Alt, zerrissen, billig, schlabberig, das war alles
gut. Als meine Schwester mir erzählte, ihre total abgefahrenen
langhaarigen Freunde kauften immer ihre Hemden bei Woolworth,
weil das da so coole unmodische Teile gäbe, da bin ich
auch sofort in den Laden gerannt.
Leider war es so, dass ich alle Hemden die dort angeboten
wurden scheisse fand. Aber da sie ja nunmal cool sein sollten,
konnten sie ja nicht scheisse sein. Und da ich auch cool sein
wollte, konnte ich ja nicht ohne eines dieser Hemden nach
Hause kommen. Also kaufte ich mir dasjenige, das gerade noch
erträglich erschien. Es war ziemlich schlecht geschnitten
und in einem Khakiton.
Als ich das Hemd dann stolz meiner Schwester und meinen Freunden
präsentierte, waren die eher gelangweilt und die erwarteten
Lobpreisungen und Neidbekundungen blieben aus. Also ein voller
Griff ins Klo.
Aber jetzt war ich störrisch. Ich zog das Hemd an und
zwar immer wieder. Ich fand es zwar nicht so toll, aber ich
sagte mir jedesmal: "Harvey, das ist eines von diesen
coolen Woolworth-Hemden und du bist dafür extra in den
Laden gegangen, also ist es toll!"
Vor ein paar Wochen ging
ich meinen Kleiderschrank durch, um etwas Platz zu schaffen.
Da fand ich dieses Woolworth-Hemd. Ich hatte es das letzte
Mal im letzten Herbst angehabt. Nachdem ich es ca. 1991 gekauft
hatte. Das macht fast 15 Jahre Benutzung für das unschöne
und äußerst billige Coolnesshemd. Also ich würde
sagen, ich habe die langhaarigen Abgefahrenen um einige Längen
geschlagen.
Aber das ist kein Einzelfall.
Es gibt tatsächlich noch ein paar wenige andere Kleidungsstücke
hier, die ich bereits zu meiner Schulzeit getragen habe. Und
es sind viele Sachen dabei, die ich schon zehn Jahre habe.
Dagegen ist die Anzahl der Klamotten, die maximal ein Jahr
alt sind vernachlässigbar.
Ich gehe halt nicht gerne Kleidung kaufen. Ich kann mich auch
nie entscheiden und meistens finde ich pauschal alles scheisse.
Das verdeutlicht wieder mein Problem: mir fehlt die Freundin.
Denn diese würde mir bei der Klamottenauswahl helfen,
die könnte meine alten verwaschenen Gammelklamotten von
1990 nicht leiden und
dann würde ich mir neue kaufen. Oder vielleicht fände
sie sie auch cool und dann müsste ich sie nicht wegschmeissen,
sondern könnte sie guten Gewissens weiter anziehen. Aber
so, als Mann allein, da stehe ich völlig hilflos da.
An der Uni hab' ich mal ein
Mädel getroffen, die auch auf die Fields stand.
Naja, "getroffen" ist etwas übertrieben. Sie
hatte ein zeitlang 'ne Vorlesung im gleichen Hörsaal,
in dem ich anschließend zuhören sollte. Da sind
wir ein paarmal aneinander vorbei gelaufen und sie hatte einen
Fields-Aufnäher auf dem Rucksack. Für mich
war sie seitdem "die Fieldsfrau". Auf den Unipartys
habe ich immer nach ihr gesucht, in der (geringen und unbegründeten)
Hoffnung mal mit ihr in Kontakt zu kommen. Aber sie war nicht
da.
Wahrscheinlich eine von den vielen "Wochenendfahrern".
Es gab doch viele Leute, die haben irgendwo außerhalb
gelebt und dann quasi als "Job" studiert. Ich dagegen
habe das Studium gelebt.
Heute kennt die Fields
ja kaum mehr einer. Ist wohl nicht mehr zeitgemäß
solche Musik. Düstere Musik soll entweder rocken, dass
sich die Boxen wölben oder der Pathos soll raustriefen.
Bei The nephilim dagegen muss man erstmal zuhören.
Wenn man das tut, dann kann man versinken, ja sogar eventuell
(gruftig) tanzen!, und genau deswegen ist dies auch eine Platte
für die Ewigkeit.
Stay alive and rock on,
Harvey
(7.7.06)
|