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Platz 8 Hitlist 1992


Bad Religion: Generator
 

Bad Religion: Generator
(30:08, 1992)

"Generator" steht bei mir in der ewigen Hitliste der besten Bad Religion-Platten auf dem vierten Platz.
Davor die Legenden, danach nur noch Mittelmaß oder weniger.

Das bedeutet, dass Generator gerade den Übergang bildet. Die Platte ist nicht mehr so genial wie ihre Vorgänger aber auch noch nicht schlecht.
Vor allem für mich hat Generator besonderen Wert, denn 1992 sah ich die Band zum ersten Mal live und wurde zum richtigen "Fan".

Generator kaufte ich direkt mit dem Erscheinen. Die CD lief wochenlang mindestens alle paar Tage einmal. Das einzige Lied, das ich von Anfang an etwas öde fand, ist Only entertainment, der letzte Song der CD.

Um schon mal ein bisschen der Diskussion unten bei Offspring vorzugreifen, erzähle ich noch, was ich damals und auch heute an Punkmusik gut fand: zuerst die Energie!
Hohe Geschwindigkeit! Harte Sounds! Normale Menschen hören sowas nicht. Mama kriegt 'nen Schock! (Das trifft auch auf manchen Metal zu, aber wie ich schon an anderer Stelle zitierte: wenn man jung ist und rebellieren will, erfüllen sowohl Punk als auch Metal diese Funktion.)
Außerdem: die Texte. Es geht gegen bestehende Gesellschaftsstrukturen, da wird polemisiert und gemotzt und kein Blatt vor den Mund genommen. Natürlich gibt es auch völlig unpolitischen Punk, der dann bei den Texten keinen Blumentopf gewinnt. Auf der anderen Seite gewinnen gerade Bad Religion mehrere davon, wegen der sehr fundierten Beobachtungen und der gehobenen wissenschaftlichen Ausdrucksweise. Zumindest hat mich die früher sehr beeindruckt.
Zum Dritten: die grundsätzlich Message des D.I.Y.! Jeder kann Musik machen, jeder kann seine Meinung sagen, jeder kann Spaß haben! Do what you want! Basisdemokratie meine ich heute damit, früher dachte ich auch mal vielleicht Anarchie, wäre aber selber zu geordnet und regelkonform dafür gewesen.
Punkmusik und Punktexte kommen aus dem Leben, beschreiben oft einfache Dinge des Alltags, bringen es aber auf den Punkt. Du kannst es schaffen! Du bist wer! Lass dich nicht ankacken! Gute Messages.
Zu guterletzt ist es natürlich auch ein bisschen der "Style".
Und obwohl ich heute nicht (mehr) so rumlaufe, mag ich den noch immer besonders. Das ist halt was Eigenes und zum anderen auch wieder nicht, denn gerade viele US-Punkrocker sehen ganz normal aus. Prinzipiell ist alles erlaubt, obwohl natürlich lange Haare nicht so gern gesehen sind. Aber die Ramones, Hard-Ons, früher auch mal WIZO oder etwa Charlie Harper (UK Subs) mit Dreads haben vorgemacht, dass das kein Problem ist.
Sich nicht um Mode zu scheren, auch kaputte Klamotten noch zu tragen, dazu Lederjacken, Nieten, Buttons, Doc Martens oder Converse, das gefällt mir alles sehr gut! Warum mir das besser gefällt als ein (ebenfalls non-konformer) Metal-Look? Vermutlich, weil's das punkige auf dem Land als ich groß wurde nicht gab, oder weil die Heavy's immer etwas dämlich waren. Wahrscheinlich auch, weil ich weniger zum "harter Kerl"-Typus tendiere, als zum "durchgeknallten Irren". Lieber Peace-Pogo als Blood-Mosh.
Leider haben ja ab 1991 nur wenige Menschen das so erkannt. Bei mir, meine ich, denn ich wurde oft als Metaller eingeordnet oder später als Gothic, oder - schlimm! - als "lieb", anstatt BÖSE und ABSTOSSEND.

Zum Start dieser CD rockt es gleich gut los: "Like a rock, like a planet, like a fucking atom bomb...". Ich liebe dieses Intro!
Bei Too much to ask erkennt man deutlich die Veränderung gegenüber früher: das Schlagzeug klingt wesentlich metallischer, der Bass steht mehr im Vordergrund, ansonsten genau so gut wie der old stuff, da sehr schnell und voll in die Fresse. Hey, sogar ein Gitarrensolo ist dabei! Ca. 8 Sekunden lang (max.). Aber, nun, der Song ist ja auch nur 2:40. Rechnen wir mal das Solo auf so einen schier endlosen siebenminütigen Song hoch, so ist es schon fast 30 Sekunden lang. Boah!
No direction klingt auch ein wenig ungewohnt, da das Schlagzeug zwar flott trabt, der Gesang jedoch eher gemächlich wirkt. Kommt für mich fast wie eine Ballade rüber. Und wieder sind die Gitarren relativ weit in den Hintergrund gemixt. Vielleicht war Mr Brett einfach auch immer so zu, dass es nicht anders ging?
Two babies in the dark ist im Prinzip eine geborene Single, ein echter Popsong, gar nicht soo hart und erst recht nicht schnell. Komisch, dass das kein Hit war damals. Die Welt war wohl noch nicht bereit. Ich mochte das Stück schon immer sehr gerne. Vor allen die Backgroundchöre sind hier exquisit!
Heaven is falling besticht wieder mal durch einen besonders ausgefeilten Text. Da sind Metaphern drin, die ich überhaupt nicht verstehe. Aber toll.
Atomic garden ist auch ein Oberhit. Schon wieder ungewöhnlich, durch diese ... Keyboards?... und den heftigen Schlagzeugsound. Das schöne bei dieser Platte ist, dass die neuen Einflüsse den Songs gut tun. Auf den späteren Platten waren dann weniger nette neue Einflüsse als übertriebene Selbstkopie das Dauerthema. Bei The gray race kamen mir Bad Religion wie ein alter Kaugummi vor, auf dem man schon Stunden herum gekaut hat, und der echt nach nix mehr schmeckt und nur noch zäh ist.
The answer gefällt mir auch vom Text her sehr gut. Massenweise religiöse Anspielungen und Kritik auf dieser Platte! Da wird man dem Namen gerecht. Außerdem bei diesem Song ein sehr schöner Refrain und eine ausgiebige "aahaahh--aahaahh"-Passage. Und - verdammte Hacke ich glaub's ja gar nicht! - das Solo ist mindestens 15 Sekunden lang! Gezz wirds aber 'n bisken viel Jungens.
Fertile crescent baut hauptsächlich auf einen wilden Gitarrenlauf auf und ist wieder ein "fast song". Aber gut.

Also, die ist doch noch ziemlich gut diese Platte. Zwar hat sie nicht solchen Legendenstatus, aber wenn man den kleinen Neuerungen aufgeschlossen gegenüber steht, kann man das Album nur empfehlen!





Bad Religion

(USA)
Gegründet 1980
Erste VÖ 1980 "Bad Religion"-EP

Besetzung 1992:
Greg Graffin: voc
Mr. Brett: guit
Jay Bentley: b
Greg Hetson: guit
Bobby Schayer: dr


Link
Fuck armageddon...
Suffer
1000 more fools
Hate yourself
No control
Against the grain
Modern man
American jesus

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik:

The Offspring: Ignition
 

The Offspring: Ignition
(37:30, 1992)

Tja, ob hier schon gezündet wurde, kann bezweifelt werden. Ich glaube eher, der "Smash"-Hit war auch die "Ignition".

Ok, keiner wird gezwungen .

Man darf auch NICHT grinsen, bei diesen tollen Wortwitzen.

Ich habe Generator und Ignition hier auf den achten Platz gesetzt, da es beides Scheiben sind, die mir sehr viel bedeuten, die ich aber heute nicht mehr so oft höre. Sie bedeuten mir viel, weil sie für mich die Zeit 92/93 und mein damaliges Lebensgefühl widerspiegeln, jedenfalls zum Teil.
Und ohne Erinnerungen und Lebensgefühl, bleibt da noch etwas bei dieser Platte?
Ja, natürlich. Obwohl es "Punk" ist.

Kürzlich schrieb mir jemand, Metal sei viel besser als Punk. Wahrscheinlich, weil ich hier öfter mal über Metal läster und Punk lobe.

Zur Untermauerung der oben genannten Behauptung sollten folgende Argumente dienen:
- relativ wenig Abwechslung wie Breaks, Tempowechsel, Dramatik in den Punk-Songs
- damit zusammen hängend hätten die Lieder keine Seele, da die Dramaturgie, d.h. das Auf und Ab von Stimmungen, kaum vorhanden sei
- es gibt selten Soli
- Punk "rockt" nicht, ist zu soft, z.B. auch wegen der häufigen Verwendung nur einer Gitarre
- die Musiker sind schlecht und deswegen haben die Songs auch keinen Tiefgang
Schlussfolgerung: der 80er Metal ist eine Verbesserung des Punk der 70er

Ich fange mal mit der Schlussfolgerung an, die absolut lachhaft ist.
70er Punkrock war etwas ganz Neues, das allenfalls in Protopunkbands wie den MC5, den Stooges oder den New York Dolls Vorläufer hatte. Ansonsten waren die Einflüsse Pop und Rock'n'roll.
Diese Musik wandte sich absichtlich gegen die "Rockdinosaurier", was zu der Zeit zum Beispiel auch Black Sabbath, Deep Purple oder Rush waren, um mal ein paar der etwas heavigeren Bands zu nennen.
Der Metal, der Anfang der 80er aufkam, war zwar eine Reaktion auf Punk, aber was da weiter entwickelt wurde, war der Hardrock der besagten Dinosaurier. Die Hochzeit des NWOBHM und seiner Seitenwellen dauerte etwa acht Jahre (Saxon's 88er Destiny blieb gerade so in den Top 50 hängen, das Ende war in Sicht). Seitdem ist Metal eine Nische für Fans. Wie allen Randerscheinungen wirft auch diese hin und wieder mal einen Hit ab und besitzt ein paar Vorzeigevertreter, die sehr bekannt sind. Und natürlich ist die Bekanntheit des Genres wechselhaft und wird manchmal von kurzfristigen Strömungen wie New Metal oder Metalcore ein wenig gepusht.
Punk war auch eine zeitlich begrenzte Sache, so für ca. vier bis fünf Jahre. Trotzdem hat es auch Punk seitdem immer gegeben und kurzfristige Erscheinungen wie der Nirvana-Boom und Pop-Punk Anfang und Mitte der 90er traten auch hier auf. Vertreter, die bekannter und schon lange dabei sind gibt es weniger, was wahrscheinlich an der unkommerziellen Ausrichtung vieler Bands und dem exzessiven Lebensstil mancher Musiker liegt. Bekannteste Langzeitband sind sicherlich die Ramones, andere namhafte noch heute tätige Vertreter wären zum Beispiel Exploited, DOA und eventuell Bad Religion (seit 1980 dabei, siehe oben).

Die weiteren Argumente sind gar keine.
Klar ist Punk nicht so super abwechslungsreich. Und viele Musiker sind nicht so gut (es gibt aber Gegenbeispiele!).
Dass es nicht rockt, stimmt nicht. Ende der 70er war das, was Punk machte, irrsinniger Krach und rockte wie Hölle. Aber natürlich klingt das auf Platte manchmal etwas kläglich, weil super wenig Geld in der Produktion steckte. Und außerdem sind wir heute ganz andere Sachen gewöhnt. Für spätere Punkmusik mit fetten Gitarren und auch mit Macho-Attitüde, höre man sich mal NY-Hardcore an. Da geht's dann auch schon in die Richtung, in der Unterschiede zwischen Punk und Metal verschwinden.

Aber man kann die Argumente ganz einfach mit der Frage wegfegen, welchen Sinn und Zweck Musik überhaupt hat. Denn zu allererst ist Musik keine Kopfsache, bei der es um einen ausgefeilten Songaufbau oder technische Fertigkeiten geht, sondern eine emotionale Sache, die irgendwo im Hörer eine Resonanz treffen will.
Und das ist mit jeder Art von Musik grundsätzlich möglich und für jeden individuell verschieden. Deshalb ist eine Beurteilung der Musik anhand ihrer "Fakten" kompletter Unsinn. Mir gefällt Musik, die meine Stimmungen trifft, das ist das Entscheidende.

Mit den oben aufgeschriebenen Argumenten kann man auch 75% aller Folk-, Pop- und 80er Songs als minderwertig abtun, ebenso wie die meisten Hardrock- und AOR-Bands. Ich dagegen mag - wie schon öfter mal artikuliert - Popsongs. Es kann super sein, ein einfaches Strophe-Refrain-Strophe-Refrain Muster mit einer schönen Melodie und ohne jedes Solo zu hören! Manchmal ist das sogar gut, obwohl man die Gitarren kaum wahrnehmen kann!

Zur CD: sie ist besser produziert als ihr Vorgänger, aber weniger poppig als der Nachfolger. Einflüsse wie Ska sind hier noch nicht zu hören. Dafür ist eindeutig ein eigener Stil vorhanden, der sich aus dem was man auf ihrem Erstling gehört hat, entwickelt hat. Die klingen (auch heute noch, wenn auch weniger als hier) irgendwie anders als andere Poppunkbands. Ich glaube es liegt an der Gitarrenarbeit und dem Sound.

Bis zum etwas langsameren Song Dirty magic kickt die Platte extrem. Ich erinnere mich noch gut, wie ich die ein ums andere Mal voll aufgedreht angehört habe, nachdem ich sie auf'm Konzert gekauft hatte (noch vor Smash) und gerade bei den ersten Liedern wild rumgesprungen bin. Damals haben mich auch die Texte angesprochen, aus denen sowohl viel Wut als auch Depression spricht. Wenn man mit der Welt nicht so recht klar kommt, findet man hier Identifikationsmöglichkeiten. Aber manchmal wird es auch politischer, bei LAPD zum Beispiel.

Ich glaube, so mit ein paar Jahren Abstand gefällt mir Ignition sogar am besten von allen Offspring-Scheiben, die ich so kenne!
Alles andere was ich von denen erwähnenswert finde, habe ich auch schon vorgestellt, also bin ich mit der Band jetzt durch! Vorerst jedenfalls kann man hier nix mehr über The Offspring erwarten!


Stay alive and rock on,
Harvey
(15.1.06)

 

The Offspring

(USA)
Gegründet 1984
Erste VÖ 1987 "I'll be waiting"-Single

Besetzung 1992:
Dexter Holland: voc
Noodles: guit
Greg K: b
Ron Welty: dr


Link
The offspring
Smash
The kids aren't alright

Anspieltipp: