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The Offspring: Ignition
(37:30, 1992)
Tja, ob hier schon gezündet wurde, kann bezweifelt
werden. Ich glaube eher, der "Smash"-Hit
war auch die "Ignition".
Ok, keiner wird gezwungen .
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Man darf auch NICHT grinsen,
bei diesen tollen Wortwitzen.
Ich habe Generator
und Ignition hier auf den achten Platz gesetzt, da
es beides Scheiben sind, die mir sehr viel bedeuten, die ich
aber heute nicht mehr so oft höre. Sie bedeuten mir viel,
weil sie für mich die Zeit 92/93
und mein damaliges Lebensgefühl widerspiegeln, jedenfalls
zum Teil.
Und ohne Erinnerungen und Lebensgefühl, bleibt da noch
etwas bei dieser Platte?
Ja, natürlich. Obwohl es "Punk" ist.
Kürzlich schrieb mir
jemand, Metal sei viel besser als Punk. Wahrscheinlich, weil
ich hier öfter mal über Metal läster und Punk
lobe.
Zur Untermauerung der oben genannten Behauptung sollten folgende
Argumente dienen:
- relativ wenig Abwechslung wie Breaks, Tempowechsel, Dramatik
in den Punk-Songs
- damit zusammen hängend hätten die Lieder keine
Seele, da die Dramaturgie, d.h. das Auf und Ab von Stimmungen,
kaum vorhanden sei
- es gibt selten Soli
- Punk "rockt" nicht, ist zu soft, z.B. auch wegen
der häufigen Verwendung nur einer Gitarre
- die Musiker sind schlecht und deswegen haben die Songs auch
keinen Tiefgang
Schlussfolgerung: der 80er Metal ist eine Verbesserung des
Punk der 70er
Ich fange mal mit der Schlussfolgerung
an, die absolut lachhaft ist.
70er Punkrock war etwas ganz Neues, das allenfalls in Protopunkbands
wie den MC5, den Stooges oder den New York
Dolls Vorläufer hatte. Ansonsten waren die Einflüsse
Pop und Rock'n'roll.
Diese Musik wandte sich absichtlich gegen die "Rockdinosaurier",
was zu der Zeit zum Beispiel auch Black Sabbath, Deep
Purple oder Rush waren, um mal ein paar der etwas
heavigeren Bands zu nennen.
Der Metal, der Anfang der 80er aufkam, war zwar eine Reaktion
auf Punk, aber was da weiter entwickelt wurde, war der Hardrock
der besagten Dinosaurier. Die Hochzeit des NWOBHM und seiner
Seitenwellen dauerte etwa acht Jahre (Saxon's 88er
Destiny blieb gerade so in den Top 50 hängen, das Ende
war in Sicht). Seitdem ist Metal eine Nische für Fans.
Wie allen Randerscheinungen wirft auch diese hin und wieder
mal einen Hit ab und besitzt ein paar Vorzeigevertreter, die
sehr bekannt sind. Und natürlich ist die Bekanntheit
des Genres wechselhaft und wird manchmal von kurzfristigen
Strömungen wie New Metal oder Metalcore ein wenig gepusht.
Punk war auch eine zeitlich begrenzte Sache, so für ca.
vier bis fünf Jahre. Trotzdem hat es auch Punk seitdem
immer gegeben und kurzfristige Erscheinungen wie der Nirvana-Boom
und Pop-Punk Anfang und Mitte der 90er traten auch hier auf.
Vertreter, die bekannter und schon lange dabei sind gibt es
weniger, was wahrscheinlich an der unkommerziellen Ausrichtung
vieler Bands und dem exzessiven Lebensstil mancher Musiker
liegt. Bekannteste Langzeitband sind sicherlich die Ramones,
andere namhafte noch heute tätige Vertreter wären
zum Beispiel Exploited, DOA
und eventuell Bad Religion (seit 1980
dabei, siehe oben).
Die weiteren Argumente sind
gar keine.
Klar ist Punk nicht so super abwechslungsreich. Und viele
Musiker sind nicht so gut (es gibt aber Gegenbeispiele!).
Dass es nicht rockt, stimmt nicht. Ende der 70er war das,
was Punk machte, irrsinniger Krach und rockte wie Hölle.
Aber natürlich klingt das auf Platte manchmal etwas kläglich,
weil super wenig Geld in der Produktion steckte. Und außerdem
sind wir heute ganz andere Sachen gewöhnt. Für spätere
Punkmusik mit fetten Gitarren und auch mit Macho-Attitüde,
höre man sich mal NY-Hardcore an. Da geht's dann auch
schon in die Richtung, in der Unterschiede zwischen Punk und
Metal verschwinden.
Aber man kann die Argumente
ganz einfach mit der Frage wegfegen, welchen Sinn und Zweck
Musik überhaupt hat. Denn zu allererst ist Musik keine
Kopfsache, bei der es um einen ausgefeilten Songaufbau oder
technische Fertigkeiten geht, sondern eine emotionale Sache,
die irgendwo im Hörer eine Resonanz treffen will.
Und das ist mit jeder Art von Musik grundsätzlich möglich
und für jeden individuell verschieden. Deshalb ist eine
Beurteilung der Musik anhand ihrer "Fakten" kompletter
Unsinn. Mir gefällt Musik, die meine Stimmungen trifft,
das ist das Entscheidende.
Mit den oben aufgeschriebenen
Argumenten kann man auch 75% aller Folk-, Pop- und 80er Songs
als minderwertig abtun, ebenso wie die meisten Hardrock- und
AOR-Bands. Ich dagegen mag - wie schon öfter mal artikuliert
- Popsongs. Es kann super sein, ein einfaches Strophe-Refrain-Strophe-Refrain
Muster mit einer schönen Melodie und ohne jedes Solo
zu hören! Manchmal ist das sogar gut, obwohl man die
Gitarren kaum wahrnehmen kann!
Zur CD: sie ist besser produziert
als ihr Vorgänger, aber weniger poppig als der Nachfolger.
Einflüsse wie Ska sind hier noch nicht zu hören.
Dafür ist eindeutig ein eigener Stil vorhanden, der sich
aus dem was man auf ihrem Erstling gehört hat, entwickelt
hat. Die klingen (auch heute noch, wenn auch weniger als hier)
irgendwie anders als andere Poppunkbands. Ich glaube es liegt
an der Gitarrenarbeit und dem Sound.
Bis zum etwas langsameren
Song Dirty magic kickt die Platte extrem. Ich erinnere
mich noch gut, wie ich die ein ums andere Mal voll aufgedreht
angehört habe, nachdem ich sie auf'm Konzert gekauft
hatte (noch vor Smash) und gerade bei den ersten Liedern
wild rumgesprungen bin. Damals haben mich auch die Texte angesprochen,
aus denen sowohl viel Wut als auch Depression spricht. Wenn
man mit der Welt nicht so recht klar kommt, findet man hier
Identifikationsmöglichkeiten. Aber manchmal wird es auch
politischer, bei LAPD zum Beispiel.
Ich glaube, so mit ein paar
Jahren Abstand gefällt mir Ignition sogar am besten
von allen Offspring-Scheiben, die ich so kenne!
Alles andere was ich von denen erwähnenswert finde, habe
ich auch schon vorgestellt, also bin ich mit der Band jetzt
durch! Vorerst jedenfalls kann man hier nix mehr über
The Offspring erwarten!
Stay alive and rock on,
Harvey
(15.1.06)
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