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Hitlist
 




W.A.S.P.: The crimson idol
(1992, 58:09)


WASP: The crimson idol
 

Im Gegensatz zu anderen WASP-Platten ist dieses eine durchaus intelligente und musikalisch sehr abwechslungsreiche Scheibe.

Ein Konzeptalbum mit progressiven und ruhigeren Passagen, insgesamt aber natürlich trotzdem dem 80er Metal zuzuordnen.

Allerdings von der Produktion her eher ruppig und rotzig, nicht so glattgebügelt wie man das in den 80ern oft hatte, und mit einem altmodischen Drumsound. Es gibt auch wenig elektronische Effekte oder Synthies zu hören, kaum Pathos, dafür viel Rock und eine enge Verwebung von Musik und Texten.

Wie ich überhaupt auf WASP gekommen bin, habe ich schon bei deren Live-CD (Link rechts) erläutert.
Andere Platten der Gruppe werde ich wohl auch nicht vorstellen, denn die restlichen drei, die ich kenne, sind doch eher langweiliger Durchschnittsmetal. Aber, naja, wer weiss, die haben ja noch 'n paar mehr.

Nachdem meine Schwester und ich ca. 1991 die Live-CD auf Tape aufgenommen hatten, kaufte sie sich das Jahr darauf deren neuste The crimson idol. Für mich wurde diese dann zu einer der letzten Metal-CDs, die ich richtig gut fand, denn danach kamen ja bei mir eher Punk und Gothic. Aber 92 habe ich WASP wirklich oft gehört und das schöne an der CD ist eben auch, dass sie mit der Zeit nicht schlechter wurde. Auch heute ist das noch eine sehr geniale Platte.
Schade vielleicht ein bisschen, dass aus Promotiongründen WASP auch weiterhin als blutige Schockband dargestellt wurden. Ich hatte mal die Picture-Single von der Auskopplung Chainsaw Charlie und da sah man doch tatsächlich Fleischberge, die wohl wie Leichenteile aussehen sollten. Das ist natürlich total albern.

Wenn mich heute jemand fragt "Was sind denn deine Lieblingsgruppen?", dann ist das für mich die schwerste Frage, die es gibt.
Soll ich da etwa meine Langzeitfavoriten nennen, von denen ich alle CDs habe, die's aber eventuell seit Jahren nicht mehr gibt, oder die wenigstens nur alle 10 Jahre mal 'n Album machen?
Oder soll ich da meine aktuellen heavy rotation-Bands nennen, die ich aber zum Teil soo gut gar nicht kenne, von denen ich manchmal nur eine von vielen CDs habe?
Und dann die Genres. Lege ich los und sage Genesis, Yes, King Crimson, dann hält man mich für 'n Hardcore-70er-Proggie (falls man überhaupt was darüber weiss).
Nehme ich die Ramones, UK Subs und Misfits bin ich 'n Old School-Punk-Fan.
Und eine Mischung versteht auch keiner.
Überhaupt: viele der Gruppen, die da bei mir in Frage kommen, kennt eh der "Normalbürger" nicht, also könnte ich gleich lauter erfundene Bandnamen aufzählen.
Also zum Teufel, was mache ich da?
Meistens ist meine Antwort sowas wie "ach, Lieblingsbands habe ich so direkt nicht" oder "kann man gar nicht so genau sagen" oder "das ändert sich ständig" oder "das sind zu viele, um sie aufzuzählen" was natürlich alles total unbefriedigend für den Fragesteller ist. Der denkt dann nur, dass ich mich nicht traue das auszusprechen oder einfach keinen Plan habe.
Das kommt natürlich auch daher, dass niemand vermutet, dass ich hier tausende Tonträger rumstehen habe. Selbst wenn ich sage, dass ich musikbegeistert bin oder viele CDs habe, dann denkt sich fast jeder dabei so 200 Stück oder halt die Festplatte voller gesichtsloser MP3s über die man nix weiss.

1992 und 93 antwortete ich auf die Frage nach meinen Lieblinsggruppen schneller und sicherer. Denn ich kannte viel weniger, hatte tatsächlich noch unter 200 CDs und was ich momentan kurzfristig super fand war für mich so wichtig, dass es problemlos zur Lieblingsband wurde.
Ende 92 habe ich im Zillo eine "Kontaktanzeige" aufgegeben, mit dem Ziel Brieffreundinnen kennen zu lernen und in der Hoffnung, dass ich möglicherweise auch mal eine davon richtig kennen lernen würde.
Das Zillo war zu der Zeit noch keine reine Gothic/Wave-Zeitschrift, sondern befasste sich gleichberechtigt mit Indie/Punk-Musik.
Der Text dieser Anzeige war absolut haarsträubend aus heutiger Sicht. Vor allem bestand er in einer Aufzählung besagter "Lieblinsggruppen", die dann doch recht unterschiedlich waren. WASP kamen als einzige Metal-Kapelle dabei vor.
Auf die Anzeige meldeten sich 12 oder 13 Mädels. Jungs waren keine dabei, obwohl ich nicht explizit nur Frauen angesprochen hatte.
Ich antwortete ca. acht davon und führte mit allen diesen dann eine zeitlang einen Briefkontakt. Dabei stellte sich ziemlich schnell heraus, dass ich mit einigen keine gemeinsame Ebene finden konnte und aus lauter Pflichtgefühl schrieb ich denen trotzdem noch 'ne Weile.
Ein Mädel, das ein bisschen jünger als ich war, sah das wohl eher umgekehrt und hat mich ziemlich abgezogen, indem ich ihr häufiger selbst aufgenommene Tapes schickte, auf das Versprechen hin, im Gegenzug auch von ihr welche zu bekommen. Doch sie brach den Kontakt ab, als noch mindestens zwei Kassetten von ihrer Seite ausstanden. Jetzt mag man denken "wie 2 CD Rohlinge, vernachlässigbar", doch die Kassetten kosteten damals DM 3.- pro Stück plus das höhere Porto. Ich hatte (die Miete und Bahntickets abgerechnet) 570.- DM im Monat zum leben, also gerade mal 280 Euro. Klar, das Leben war etwas billiger damals, aber diese DM 3.- für eine Kassette waren etwas mit dem ich rechnen musste, das nicht so einfach unter den Tisch fallen konnte.

Von den anderen Mädels habe ich heute noch fünf in Erinnerung, zu denen der Kontakt besonders lange gehalten hat und die ich sehr nett fand. Zwei davon beendeten die Schreiberei von selbst ab, bei den drei anderen war ich das.
Dabei wollte die eine mich sogar besuchen. Aber ich hatte Angst davor. Nicht nur diese fremde Frau zu treffen, sondern auch vor den drei bis vier Tagen in meinem 12qm Wohnheimzimmer. In diesem Zimmer standen (schon vorher) ein hässliches Bett, ein noch hässlicherer Schreibtisch, ein Tischchen, ein Riesenschrank und es gab ein Waschbecken. Dazu Linoleum-Fußboden, hellgelbe Wände und orange Fensterrahmen. Neben dem Bett war gerade noch ein schmaler Streifen frei, in den sich hin und wieder mal ein Kumpel mit seiner Luftmatratze legte.
Wenn ich eine 50qm Wohnung gehabt hätte, wäre das vielleicht etwas anderes gewesen. Als sie darauf beharrte, mich zu besuchen, da brach ich den Kontakt ab.

Aber trotzdem waren diese Brieffreundschaften eine gute Sache. Klar, am Anfang mit neun Brieffreundinnen, kam ich mit dem Schreiben kaum hinterher und das hatte etwas von Arbeit. Bei den weniger sympathischen hat es mich manchmal auch an die Briefe an Omas und Tanten erinnert, die ich als Kind immer schreiben musste. Ich wurde zu jedem Geburtstag (von denen) und nach jedem Geburtstag (von mir) genötigt, einen ganzen Strauss von Briefen an die Verwandtschaft zu schreiben und das quälte sich immer übelst. "Ich weiss nicht, was ich schreiben soll", habe ich oft gedacht und auch gesagt als Kind.
Davon abgesehen machte es aber bei den meisten Schnitten aus dem Zillo viel Spaß und durch die z.T. sehr offene Kommunikation verlor ich einige Berührungsängste mit dem weiblichen Geschlecht. Außerdem schrieben mir die Mädels öfter ich sei witzig oder sehe gut aus oder wäre sonst irgendwie toll, was dem Selbstbewusstsein natürlich gut tat.

Jedenfalls reagierte keine auf meine WASP-Erwähnung. Meistens fanden die zwar ein, zwei meiner Bands ganz gut, aber im wesentlichen hatten sie auf andere Teile meiner seltsamen Anzeige geantwortet. Da stand noch sowas wie "ich mag Räucherstäbchen" oder "mir ist langweilig".

An The crimson idol gefällt mir vor allem der epische Songaufbau, die hymnischen Passagen und der häufige Einsatz der Akustikgitarre. Außerdem hat die Sache einfach Tiefe. Es steckt eine Seele in Musik und Story und wie es sich für ein Konzeptalbum gehört, bildet sie ein großes Ganzes, das sich gut ineinandern fügt, obwohl die Songs z.T. recht unterschiedlich sind.
Seit 1998 gibt es auch eine Neuedition der CD mit einer zusätzlichen zweiten CD, die die damaligen B-Seiten enthält. Das sind ein paar Livetracks aus Donington 1992, die man nicht unbedingt braucht, ein paar Akustik-Versionen, die mir ganz gut gefallen und drei neue Songs, die ganz nett sind. Darunter die Led Zeppelin-Coverversion When the levee breaks, welches ja vor gut einem Jahr erneut von A Perfect Circle gecovert wurde. Wundert mich ein wenig, dass das so beliebt ist, aber ich bin auch kein Zeppelin-Fan.
Jo, soweit zur Platte.

Dieser Tage war ich zum ersten Mal bei einem Konzert, das ich auf jeden Fall sehen wollte, aber dann nicht sehen durfte.
War ausverkauft. Ist mir zwar schon genau einmal passiert, dass keiner mehr eingelassen wurde (das war bei einem Konzert von EA 80 und den Boxhamsters), aber da wurde zwanzig Minuten später die ganze Meute (mindestens 50 Leute) doch noch reingelassen.
Diesmal ging's um die Abschiedstour von Oma Hans und ich hab' den weiten Weg umsonst gemacht.
Ich hätte natürlich früher da sein können, aber erstens wollte ich die Vorband nicht sehen und zweitens war ich alleine und da ist es immer so langweilig ewig rumzustehen, bis es mal losgeht. Deswegen komme ich da gerne mal etwas später.
Dieser Misserfolg wird mich aber nicht davon abhalten, das auch weiterhin so zu machen. Die Quote ist immer noch sehr gut, denn ansonsten kam ich immer rein.
Oh, da fällt mir noch ein Konzert ein, bei dem niemand mehr rein durfte. Da spielten die New Bomb Turks. Aber zum Glück fanden wir noch jemanden, der Karten zu verkaufen hatte.
Ein einziges Mal bin ich unverrichteter Dinge wieder gegangen, weil der Eintritt zu teuer war. Das war bei den Masters Of Reality und die sollten so ca. DM 25.- kosten. Klingt jetzt nicht so viel, doch da wo die spielten, lagen die Eintrittspreise normalerweise bei höchstens 15 Mark. Deshalb waren wir geschockt. Außerdem waren wir eher arm als reich und haben denn mal ganz konsequent dem Laden den Rücken zugedreht und sind wieder nach Hause.
Ich schätze mal, wir haben ein sehr gutes Konzert verpasst für unsere Sparsamkeit.

Stay alive and rock on,
Harvey
(15.2.06)

 

 

WASP

(USA)
Gegründet 1983
Erste VÖ 1984 "Animal"-Single

Musiker 1992:
Blackie Lawless: voc, guit, b, keys
Stet Howland: dr
Frankie Banali: dr
Bob Kulick: guit


Link
Live... in the raw

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: