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Roger Waters: Amused to death
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(1992, 72:36)
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Das Cover diese CD zeigt, worum es geht:
der Affe schaut Fernsehen, aber in Wirklichkeit
beobachtet der Fernseher ihn.
Leider ist das Design dieses Covers nicht so
gelungen. Jedenfalls finde ich, dass man überhaupt
nichts erkennen kann.
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Amused to death ist
irgendwie so eine Art Konzeptplatte, denn thematisch dreht
sich alles um den oben genannten Ansatz und musikalisch ist
das auch sehr einheitlich, manche Songs gehen auch ineinander
über.
Erstmal noch zum Thema: das
ist natürlich ein altbekanntes Lieblingsthema von Roger
Waters: die Macht der Medien, die Dummheit der Menschen
und ihre Kriegslust. Kommt in ähnlicher Form schon auf
The wall und The final cut vor und ein bisschen
auch auf seinem vorherigen Soloalbum Radio KAOS.
Muss das also NOCHMAL Thema sein? Kann man sich wirklich fragen.
Aber, zumindest ist das alles hier sehr emotional und in sich
geschlossen gemacht. Die Texte gehen ans Eingemachte und die
unterschiedlichen Sänger sowie einige "Radioansagen"
sorgen dafür, dass die Message ankommt.
Außerdem sind die Themen
heute - 14 Jahre nach dieser Platte und 27 Jahre nach The
wall - immer noch aktuell.
Ein Blick in die Tageszeitung verdeutlicht, wie es um die
Welt im Kleinen bestellt ist:
Zum Punkt "Dummheit
der Menschen" oder anders ausgedrückt "was
es für Arschlöcher gibt" finde ich zum Beispiel
eine ganze Latte von schnuckeligen Verbrechen in meiner Wochenendausgabe:
Einem Menschen wurden sämtliche Reifen vom Auto abgeschraubt,
ein netter Mann hat in einem fremden Wald einfach diverse
Bäume abgeholzt, um diese zu verheizen, jemand hat reichlich
Geldautomaten von Banken zerstört, worüber sich
die Kunden der Bank natürlich besonders freuten, eine
Personen wurde totgefahren, der Fahrer beging Unfallflucht,
auf der Autobahn hat ein LKW-Fahrer nicht aufgepasst und seine
hochgefährliche Ladung verloren und damit stundenlange
Staus ausgelöst und einen Großeinsatz der Polizei
und es werden mal wieder tausende von Tieren einfach so getötet,
weil wir jetzt neben der Vogelgrippe auch noch die Schweinepest
haben.
Das wär doch auch mal schön für Menschen: du
bist krank? Schade, wir müssen dir den Kopf absäbeln,
damit du niemand weiteren ansteckst.
Ach ja, Gary Glitter hat ein Problem, denn so öffentlich
wie der das macht, möchte man nichtmal in Vietnam den
Missbrauch von Kindern haben. Ob ihm noch'n Land einfällt,
in dem er unentdeckt an kleinen Mädels rumfummeln kann?
Weiter geht's: Ein junges Mädchen war unerkannt schwanger
und hat direkt nach der Geburt das Baby getötet und ein
Jugendlicher hat seine Freundin mit 'ner Eisenstange vertrimmt.
Dazu gibt's natürlich noch den üblichen verworrenen
Betrugsskandal, bei dem unglaubliche Summen veruntreut wurden
unter Beteilligung von vielen, vielen Menschen und zum Schaden
von noch viel mehr Menschen. In einem zweiten solchen Fall
hat ein Manager mehrere Millionen in die eigene Tasche gesteckt
und kommt jetzt mit Bewährung davon. Übel, übel,
dann steht im Führungszeugnis, dass er vorbestraft ist!
Das weiss natürlich sowieso jeder. Ganz schlimm: der
arme Mann bekommt jetzt keinen neuen Job mehr!
Und ich wette, in einem halben Jahr hat der durch seine Connections
eben doch einen neuen Job und lebt wieder ein super Leben,
Strafe vergessen. Mag sein, dass er sowas nie wieder macht.
Genau genommen hat er's dem Kapital und den Bossen damit ja
so richtig gezeigt! Das nenn' ich Zivilcourage!
An anderer Stelle haben findige Menschen einfach 'ne Firma
mit vielen hochbezahlten Mitarbeitern erfunden und diese dann
krank gemeldet, um unsere Sozialabgaben für die zu kassieren.
Schlau aber auch ganz schön scheisse. Todesstrafe, würde
ich sagen!
Was haben wir da noch: in deutschen Schulen werden immer mehr
Prügeleien mit Handys gefilmt und ins Internet gestellt,
in Tschechien ist ein Tanker verunglückt und jetzt läuft
ein bisschen Öl die Elbe runter, 22 von 37 kontrollierten
Schwertransportern auf der Autobahn hatten gravierende Mängel
und ein Verrückter erzählt Leuten am Telephon er
hätte ihre Töchter entführt und würde
die gleich vergewaltigen. Auch nett.
Die beste Meldung war aber meiner Meinung nach, dass der Baden-Württembergische
Minister Willi Stächele (CDU) auf einer Autobahnraststätte
sein Frau vergessen hat und dies erst über 100km später
bemerkte. Bestimmt war er ganz heftig damit beschäftigt,
sich den Kopf über wichtige Politik zu zerbrechen. Oder
er fand seine Olle einfach scheisse und wollte mal 'nen Zeichen
setzen.
Von der Weltpolitik mit ihren Kriegen und religiösen
Sprengstoffen sehe ich jetzt mal ab, obwohl Roger Waters
diese natürlich viel eher meint, als die kleine Prügelei
nebenan.
Kommen wir zur Musik.
Diese ist im weiteren Sinne Stadionrock oder sowas. Denn sie
ist bombastisch, effektreich und sie möchte nicht weniger
als perfekt sein.
Es sind musikalisch deutlich Anklänge an die besagten
Pink Floyd-Scheiben zu erkennen,
aber mit etwas weniger Artrock als dort und mehr Pop. Nichtsdestotrotz
sind die Songs komplex und lang und abwechslungsreich. Wer
Waters' zwei Vorgängeralben kennt, kennt auch
in etwa die Marschrichtung, wobei dort die Lieder etwas kürzer
und weniger bombastisch waren und meiner Meinung nach auch
einfach nicht so gut.
Hier sind ein paar sehr geile Gitarren drauf, sehr viele Keyboards
und leider auch Tonnen von Backgroundsängerinnen, letztere
mag ich nicht so.
Ansonsten möchte ich die depressive Grundstimmung hervorheben.
Man bekommt wirklich den Eindruck, mit der Welt ginge es zuende.
Keine CD für fröhliche Stunden, sondern sehr intensiv
und traurig, eher zum genauen Hinhören. Manchen Leuten
mag das zu leidend sein und zu wenig optimistisch, aber ich
denke, solche Platten wie diese müssen auch sein. Man
muss ja deswegen nicht selber zum Dauerpessimisten werden.
Und wie gesagt: von den Backgroundtussen mal abgesehen bekommt
man hier ausgefeilten, tiefgründigen floydschen Poprock.
Man kann dies wiederum auch langweilig finden, doch dann hört
man wahrscheinlich auch sonst kein Pink Floyd. Für
mich dagegen ist diese Platte fesselnd, ein Meisterwerk geradezu,
weit besser als The final cut, das nur ein öder
Aufguss von The wall war.
Und deswegen warte ich auch immer noch, ob mal wieder eine
Rock-Soloplatte von Roger Waters kommt. Seine Live-CD
In the flesh und das darauf enthaltene neue Lied Each
small candle waren jedenfalls schon mal ganz groß.
Aber wir wissen, dass der Mann immer ewig braucht und deswegen
muss man sich vorerst noch mit diesen älteren Aufnahmen
begnügen.
Ich jedenfalls höre mir Amused to death gerne
noch das eine oder andere Mal an!
Anspieltipp: Three wishes, It's a miracle
Stay alive and rock on,
Harvey
(4.3.06)
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