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Jethro Tull: A little light music
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(1992, 77:38)
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Verdammt, sieht dieses Bild scheisse aus!
Was hat sich der Designer dabei bloß gedacht?
Ich glaube, diese CD legt man in 50% der Fälle
sofort wieder ins Regal, weil man diese grellen
Muster einfach nicht kaufen will.
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Davon abgesehen ist es aber
eine hervorragende Live-CD von Jethro Tull, meiner
Meinung nach sogar ihre beste.
Ich lese sehr oft großes Lob über deren ältere
Live-CD Bursting out und ich kann dieses nicht ganz
nachvollziehen. Vor allem weil die Soundqualität ziemlich
schlecht ist. Ich hab' schonmal gedacht, ob ich wohl eine
Raubkopie mit extra Rauschen habe?
Bei Tull ist das Tolle
live, dass die Songs in immer wieder neuen Versionen gespielt
werden. Und zu diesem Zweck werden auch alte Schätzchen,
die schon länger nicht mehr im Repertoire sind, gerne
mal wieder gervor geholt.
1992 waren sie auf Akustik-Tour. Und
sie hatten keinen echten Keyboarder mit! Nun meine ich, dass
ich sie in dieser Besetzung nicht gesehen habe, es muss also
bereits die Tour nach der Catfish rising-Tour gewesen
sein. On the road forever.
Das wurde mir wahrscheinlich
etwas zu viel, jedes Jahr Jethro Tull live. Heute nehme
ich das gerne mit, aber damals war es schwer die Kohle abzuzwacken
und außerdem verlagerten meine musikalischen Interessen
sich ja auch gerade.
Ich habe das nochmal aus meinen Notizen von damals rausgesucht.
Meine Lieblingsband nach der Hörhäufigkeit waren
Bad Religion, Die
Skeptiker, The Ramones,
Marillion und Yes.
Dabei hatte ich von denen ganz unterschiedlich viele Platten
oder CDs. Marillion zum Beispiel waren eindeutig im
Vorteil. Auf den weiteren Plätzen folgen dann die Bands,
von denen ich nicht so viele Sachen hatte und die mich erst
seit Neustem begeisterten - oder eben die Musik, von der ich
viel hatte, die aber auf dem absteigenden Ast war: Slime,
Big Country, Jethro Tull,
Sisters Of Mercy, L7,
The Misfits und Genesis.
Übrigens kein WASP dabei!
Für die Top-Ränge hat's dann doch noch nicht gereicht.
Ja, ich habe schon damals versucht, das Unvereinbare zu vereinbaren
mit dem Ergebnis, dass die eine Seite (Marillion-Fans)
fand, ich höre "komische" Musik und die andere
Seite (Punkrocker) meinte, ich sei uncool.
Ich WAR natürlich uncool. Gerade 18 geworden, total durcheinander
im Inneren und schüchtern wie 'ne ganze Selbsthilfegruppe
für Kontaktgestörte. Zwei Jahre vorher hatte ich
noch meine Schwester mit zum Klamotteneinkauf genommen, damit
sie mir sagte, was man tragen konnte. Als sie diese Misfits-LP
rumliegen hatte, die ich einfach mal auflegte, konnte ich
mich zwischen Schrecken und Staunen kaum entscheiden ob der
Musik. Später meinte ich, die Misfits seien toll
und sie sagte dazu "interessiert mich nicht mehr".
So war das mit dem Coolsein bei mir: immer zwei Schritte zu
spät dran.
A little light music
lernte ich zuerst von 'nem Kumpel kennen. Ich habe 92 überhaupt
nicht mitbekommen, dass sie veröffentlicht wurde. Liveplatten
fand ich auch nicht so spannend, Bursting out hatte
ich schon. Dagegen habe ich im Jahr danach Nightcap
natürlich brav gekauft und alle späteren Studioteile
auch.
Diese hier wurde fast widerwillig auf Kassette aufgenommen.
Dann erst entfaltete sie ihre Magie. Denn es ist eine ruhig
CD, Musik bei der man etwas Geduld braucht.
So startet die Sache zum
Beispiel mit der eher Blues-rockigen Nummer Someday the
sun won't shine for you. Das ist cool! Ich jedoch kannte
die ganz alten Sachen (vor Aqualung) von Tull
zu der Zeit noch überhaupt nicht.
Die meisten anderen Songs sind ebenfalls sehr alt, zwei Stücke
gibt's von Catfish rising, davon abgesehen ist Under
wraps am neusten.
Dazu kommen dann ungewöhnliche fremde Lieder wie John
Barleycorn und Look into the sun und ebensolche
eigenen wie Nursie, One white duck und From a deadbeat
to an old greaser.
Ausgesprochen tolle Auswahl!
Und vor allem haben die Songs Seele, sie leben richtig bei
diesen Performances.
Dazu erfreut mich auch immer
das Gewitzel von Ian Anderson. Viele seiner Scherze
sind hier nicht rausgeschnitten worden, gerne von mir weiter
erzählt wurde der Teil über die Weihnachtszeit (Hä?
Im Booklet steht, die CD wäre im Mai aufgenommern worden!),
welche nicht "for heavy drinking, over-eating and casual
sex with farm animals" gedacht ist, sondern für
"oneness with the universe and Donovan".
Besonders gut zur Geltung
kommt bei dieser Instrumentierung auch Martin Barre's
Gitarrenfertigkeit, und zwar nicht beim lauten Abrocken, sondern
bei den wohlklingenden, unverzerrten Parts.
Davon abgesehen umfasst das Instrumentarium zwar nicht mehr
Geräte als das sonst bei Tull so üblich ist,
doch deren geballter Einsatz und das gleichzeitig (da nur
von vier Personen dargebotene) sehr abgespeckte Ergebnis sind
schon etwas Besonderes.
Meine Begeisterung für
diese CD und der häufige Hörgenuss derselben haben
allerdings einen Nachteil mitgebracht: bei der aktuellen Liveformation
fällt mir jedes Mal Andrew Giddings an seinen Tasten
negativ auf, weil die bei A little light music nur
ganz selten zu hören sind. Das Warme, Natürliche,
das bei der CD so sehr meinen Ohren schmeichelt, geht dann
verloren. Schade eigentlich. Aber damit muss ich wohl leben.
Stay alive and rock on,
Harvey
(16.3.06)
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