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O.S.T.: Singles
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(1992, 65:28)
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Ich liebe diesen Film!
Ich liebe die Musik dazu!
Wer mal einen Überblick sucht, was in
Sachen "Grunge" 1992 so los war, ist
mit dieser CD bestens bedient.
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Als ich ca. 21 war, entdeckte
ich den großen CD-Verleih in meinem Wohnort und lieh
mir fortan immer wieder CDs aus, um sie an einem Nachmittag
erst schnell zu hören und dann - bei Gefallen - auf Kassette
aufzunehmen. CD-Brenner gab es da noch nicht.
Das machten sehr viele Menschen zu der Zeit so. Es gab sogar
Leute, die überhaupt nur Kassetten hatten.
Die Plattenfirmen haben sich damals kaum darüber beschwert.
Dass so ein labberiges Magnetband mit einer digitalen CD nicht
mithalten konnte, war jedem klar.
Als die Brenner dann auf den Markt kamen, wurde den CD-Verleihern
verboten, ihr Sortiment zu erweitern und so gaben diese innerhalb
von ein paar Monaten auf.
Eine zeitlang lieh ich mir dann intensiv CDs aus der Bücherei
aus und nahm diese auf. Lange griff ich noch weiterhin auf
Tapes zurück, doch irgendwann konnte ich auch CDs brennen.
Die erste Brennerei fanden die Konzerne zwar nicht so optimal
aber noch nicht so schlimm. Immerhin kauften die Menschen
weiterhin eifrig CDs, denn man musste ja noch die ganzen alten
Vinylscheiben ersetzen und zum Brennen fand man nur selten
jemanden, der die passende CD besaß.
Dann kam das Internet dazu und veränderte so einiges.
Inzwischen kaufe ich persönlich mir so viele Originale,
dass ich schon rein zeitlich noch zusätzliche ausgeliehene
CDs überhaupt nicht mehr hören könnte bzw.
die vielen Kopien sich nur in Stapeln ansammeln würden.
Irgendwann gab mir mal jemand eine CD voll mit MP3s und ich
habe wirklich zwei Jahre gebraucht, um die alle zu hören.
Natürlich auch, weil die selbst gekauften Originale einfach
attraktiver sind.
Ich habe überlegt, wie
das denn wohl alles gelaufen wäre, wenn ich damals mit
21 stattdessen aus Tauschbörsen MP3s hätte runterladen
können (mal abgesehen davon, dass es ja auch viele legale
Songs im Netz gibt). Ich schätze mal, ich hätte
mir auch die Festplatte vollgeknallt mit gesichtsloser Musik,
die rein wegen ihrer Menge in Bedeutungslosigkeit untergegangen
wäre.
Hätte es mich trotzdem (mit etwas mehr Geld) irgendwann
gepackt, alles selbst kaufen zu wollen? Oder wäre ich
vielleicht ganz auf Musik in Datenform umgestiegen?
Ich kann es nicht wirklich sagen, aber ich merke auch, dass
ich es den jüngeren Menschen gar nicht verübeln
kann, wenn sie keine echten CDs mehr kaufen und die Musik
ihren Wert verliert.
Denn wer denkt als Jugendlicher denn schon groß über
sowas nach? Wer würde bewusst eine reine Vernunftentscheidung
treffen und Tauschbörsen nicht mehr nutzen?
Also müssen wohl doch
harte Gesetze her.
Auf der anderen Seite spiegelt
sich auch hier nur die Gesellschaft als Ganzes wider. Gesetze
zu umgehen ist selbst bei denen, die sie machen, an der Tagesordnung
und möglichst viel für möglichst wenig Geld
haben zu wollen ist üblich und wird von der Werbung eifrig
unterstützt.
"Schwarzfahren ist ok, solange man sich nicht erwischen
lässt."
"Die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu übertreten
ist ok, solange es nicht zu extrem wird."
"Fremdgehen kann schon mal vorkommen, solange es nicht
zur Regel wird."
Ist es verwunderlich, dass man mit solchen anerkannten Grundsätzen
auch mal eben ein paar frei verfügbare Musikdaten abgreift?
Ich glaube, das lässt
sich einfach überhaupt nicht mehr vermeiden. Auch mit
härteren Gesetzen wird man die Tauschbörsen nie
ganz verscheuchen können und dazu kommt, dass es ja zum
persönlichen Gebrauch oder als Geschenk weiterhin erlaubt
ist, Kopien anzufertigen.
Die Frage ist doch dann viel
weniger: "wie kann man den Kopierer abschrecken oder
bestrafen?", sondern: "wie kann man das legale Kaufen
der Originale attraktiver machen?"
Neben Plattformen für bezahlten Download, schönen
Verpackungen der CDs und Special Editions mit netten Extras
als mögliche Antworten denke ich, dass man auch wieder
zu Musik mit einer größeren Halbwertszeit kommen
muss.
Wenn ich nur noch Lieder gut finde (oder kenne!), die nach
drei Monaten keine Sau mehr interessieren und auch dem größten
Fan aufgrund ihrer Schlichtheit dann keinen Spaß mehr
machen, ist es auch nicht verwunderlich, dass ich lieber umsonst
an den kurzen Spaß kommen möchte.
Gut wäre natürlich auch für den Verkauf legaler
Musik, wenn das allgemeine Streben nach "immer mehr"
und die vielen, vielen weiteren kostspieligen Verlockungen,
denen Jugendliche so unterliegen, weniger werden würden.
80GB runtergeladene Musik? Wann soll man das denn hören?
Im Endeffekt sind die Firmen, die den Kids ständig neue
Handys, DVDs und genauso natürlich auch Schuhe, Hosen
usw. andrehen wollen sogar mit denen in vielerlei Formen verwoben,
die Musik verkaufen wollen. Also warum wundern sie sich denn?
Aber sie wundern sich auch
gar nicht. Sie machen eine große Show. Dieses scheiss
Gejammer über ständige Verluste, das geht mir richtig
auf die Nerven!
Wenn ihr's nicht gebacken kriegt, euren Kram zur eigenen Zufriedenheit
zu verkaufen, dann lasst es doch einfach!
Aber natürlich liegt solch ein Geheule auch voll im Trend.
Ach uns geht's allen so schlecht! Irgendwer ist ganz böse
und wir armen Leute können nix dagegen machen!
Die bescheuerte Musikindustrie soll mal endlich selbst Verantwortung
übernehmen und ihre eigenen Fehler einsehen!
Zwei Monate nach der Veröffentlichung
von Pearl Jams's Ten
kam der Soundtrack zu Singles auf den Markt. Man konnte
also bei der Zusammenstellung noch nicht wissen, dass man
ein echtes Zugpferd mit zwei unveröffentlichten Songs
am Start hatte.
Die beiden PJ Stücke
sind richtig gut. Sie passen zur ersten Platte, sind ein bisschen
schneller und rockiger vielleicht als viele der Songs von
Ten.
Dazu gibt's den Hit Would?
von Alice In Chains, meiner Meinung nach ihr bester
rockiger Songs.
Chris Cornell (heute
Audioslave) debütiert
als Solist und bringt dabei mehr Abwechslung und Spaß
mit als auf seiner späteren CD Euphoria morning.
Zwar auch recht akustisch dieser Song, aber voller Gefühl
und Tiefe.
Die beiden Stücke von
Paul Westerberg sind die eigentlichen "Theme-Songs"
des Films und im Gegensatz zu anderen Songs der CD ziemlich
fröhlich und eher von der Marke College-Rock als Grunge-Rock.
Trotzdem sehr gut. Noch heute muss ich mit dem Kopf schütteln,
wenn ich daran denke, dass mir mal eine Frau namens Tüte
sagte, die CD zu Singles sei super, nur die beiden
Stücke von Paul Westerberg wären total scheisse!
Mädel, du hast keine Ahnung!
Das Stück, welches ich
nicht so sehr mag, ist Battle of evermore von den Lovemongers.
Jene waren ein Projekt von Cameron Crowes Schnitte
Nancy Wilson (Heart) und die
wollte wohl auch mal mehr rocken und covert hier einen Song
von Led Zeppelin. Schlechte Voraussetzungen um von
mir gut gefunden zu werden, aber ich finde auch, Song und
Instrumentierung nerven.
Mother Love Bone sind
mit einem Stück ihrer LP dabei und es ist eines der besten,
ganz groß. Hier hört man die Anlagen für Temple
Of The Dog.
Soundgarden zelebrieren
das Birth ritual, ein sehr roher, aber für die
Badmotorfinger-Zeit nicht ungewöhnlicher Song,
der sonst als B-Seite zu finden ist. Rockt!
Mudhoney und die Screaming
Trees bieten solide wenn auch nicht überragende Seattle-Kost
und gehören auch einfach hier rein. Dagegen gehören
die Smashing Pumpkins aus Chicago mit dem ansonsten
unveröffentlichten Drown eher nicht hier rein,
doch gerade dieser großartige Song lässt erkennen,
dass da doch auch reichlich Grunge in ihren Adern floss.
Nicht schlecht aber sowohl
stilistisch als auch von der Produktion her etwas fehl am
Platze ist dann noch Jimi Hendrix mit einem Stück
von Are you experienced? Da Hendrix auch aus
Seattle kam, dachte man wohl, man könne den berühmtesten
Musiker der Stadt nicht auslassen. Naja...
Alles in allem eine super
Zusammenstellung, die ich mir seit 1992
unzählige Male angehört habe. Für mich außerdem
auch eine CD, die überhaupt erst das Interesse an dem
Genre weckte.
Hinzu kommt natürlich
der Film, den ich sicher auch schon achtmal gesehen habe.
Die Schauspieler sind gut (allen voran Bridget Fonda
und Matt Dillon), die Story ist sympathisch und es
gibt kleine Auftritte von Alice In Chains, Chris Cornell
und Pearl Jam. Alles bevor diese richtig groß
waren, denn wie gesagt, Ten kam nur kurz vorher raus,
Dirt kam ein paar Monate später und Soundgarden
waren mit Badmotorfinger noch nicht so richtig erfolgreich.
Was mir jetzt noch fehlt
ist die Version der Filmband von Mudhoneys Touch me, I'm
sick: Touch me, I'm dick! Auf dem Backcover gibt es sogar
eine ganze CD dieser Band Citizen Dick zu sehen mit
acht Songs, deren Design Soundgardens Louder than love
nachempfunden ist.
Doch leider ist dieser Song nicht veröffentlicht und
die anderen sieben gibt es wahrscheinlich gar nicht.
Ach ja, als weiterer Anhaltspunkt
für Leute, die Grunge-Rock im Querschnitt kennen lernen
wollen, sei noch der Soundtrack zur Doku Hype!
empfohlen.
Stay alive and rock on,
Harvey
(23.3.06)
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