harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 





Abel Ganz: Gullibles travels
 

Longtracks: Platz 13


Abel Ganz: The hustler
(Song, 8:09, von "Gullibles travels", 1985)

Ich krieg nix mehr gebacken und versiffe zusehends.
Während meine to-do Liste immer länger und länger wird, mutiert meine Wohnung zum stinkenden Loch.
Wenigstens schaffe ich es gerade noch, auf mich selbst zu achten, wenn man drei Wochen überfälligen Friseur als noch im Rahmen ansieht. Und natürlich, dass ich nur ca. einmal im Jahr neue Kleidung kaufe und dann auch nicht "genug". Somit renne ich meistens in alten, unmodischen und sich nach und nach auflösenden Teilen rum. Aber das stört mich nicht. Der Müll hier in der Bude stört mich aber schon.

Im Prinzip bin ich recht ordentlich, in normalem Maße. Aber momentan geht's mir so, dass ich morgens zur Arbeit gehe, irgendwann nachmittags wieder komme und erstmal super fertig bin. Dann hole ich das Mittagessen nach, allerdings oft nur eine kleine Portion, weil ich sonst danach überhaupt nicht mehr in die Pötte komme. Nach dem Essen mache ich noch ein bisschen Pause und wenn ich sehr müde bin lege ich mich dazu auch manchmal hin. Ich stelle dann den Wecker auf eine halbe Stunde später und nach der halben Stunde überhöre ich den entweder oder mache ihn einfach aus und penne noch zwei Stunden weiter. Dann muss ich noch etwas arbeiten und verbringe mit einer Unterbrechung durch das Abendbrot bis um neun (ohne Pennen) oder elf (mit Pennen) damit.
Wenn ich genug Schlaf bekommen will, habe ich dann noch maximal eine Stunde Zeit für irgendwas. Aber ich nehme mir meistens zwei Stunden (bin daher am nächsten Tag müde) und wenn ich nachmittags geschlafen habe, dann kann ich auch um 12 nicht einschlafen und liege noch wach rum und bin morgens noch müder. So geht das Montag bis Freitag und am Wochenende arbeite ich weniger, so dass meistens ein Tag frei bleibt. Ich nutze dann wenigstens einen Abend zum Party machen und bis fünf Uhr wegbleiben, so dass ich an dem freien Tag ziemlich fertig bin.
Und irgendwo soll ich da jetzt noch Staubsaugen, Wischen, Aufräumen, Geschirr abspülen, Müll runter bringen, Einkaufen und ähnlichen Kram unterbringen und Hitlist natürlich auch. Aber ich weiss einfach nicht wo!!
Geschweige denn, dass ich gerne mal ein Buch lesen, einen Film gucken, einfach nur ein Bier trinken und Musik nicht nur nebenbei hören möchte. Spocht hasse ich ja, also entfällt das, aber bei gutem Wetter könnte ich auch mal 'ne Radtour machen oder ganz simpel Sozialkontakte pflegen oder aufbauen. Aber geht alles nicht! Grosse scheisse.

Dauernd kiege ich Mahnungen für Rechnungen, weil ich's nicht hinbekomme, das Geld zu überweisen. Ich lebe seit Jahren ohne Versicherungen von denen viele Menschen behaupten sie wären unheimlich wichtig, weil ich weder Zeit aber auch erst recht keine Muße finde, um mich da zu informieren und sinnvoll auszuwählen.
Tonträger kaufen klappt noch, das hat aber auch eine sehr hohe Priorität.
Arztbesuche werden ewig rausgeschoben, Sonderangebote aus der Werbung verpasse ich immer und wenn mich jemand um einen Gefallen bittet (CD kopieren, etwas nachgucken, zurück rufen...) dann dauert's Wochen, bis ich wieder von mir hören lasse. Manche netten Menschen hätte ich gerne noch heute gekannt, aber da ich nie anrufe, ist der Kontakt abgebrochen. Gerade bei guten Freunden habe ich immer das Problem, dass Telefonate mindestens eine Stunde dauern. Und 23 Uhr ist zu spät, um irgendwo anzurufen.

Ich darf nicht motzen, ich habe mir das ausgesucht. Und ich bin einer der Glücklichen, die arbeiten dürfen, also Freude!

Deswegen sind auch einige Seiten hier bei Hitlist total veraltet. Nicht inhaltlich, denn ich ändere alte Texte nie, sondern was die Links zu weiteren Platten und die Fusszeile mit dem Copyright angeht.

Aber kommen wir mal zum Longustrack von Platz 13: die dazu gehörende CD habe ich auch bereits vorgestellt, siehe Link rechts.
Und ein epischer Song von dieser Platte ist The hustler.

Eingeleitet von hektischem Schlagzeug, leisen Keyboards, sehr effektvollen aber sparsamen Gitarren und dem nur schwer wahrnehmbaren Bass mag dieses Stück auf neue Hörer vielleicht erst abschreckend und wenig interessant wirken. Dann setzt der Gesang ein und die Stimmlage ist erstmal ungewöhnlich. Doch auch der Text wird hier eher runtergehechelt bis dann der Refrain zum ersten Mal kommt. Hier gibt's ein nettes Tastensolo und die Stimme zeigt diese ganz besonder Traurigkeit und Wehmut. Aber jetzt geht's erst richtig los.
Das anschliessende Gitarrensolo ist toll. Der folgende langsame Part steht in starkem Gegensatz zum Tempo des Anfangs, was aber sehr gut zum Text passt und dem Verlauf der Story (es geht um einen Betrüger im Wilden Westen). Ein kleiner leicht Reggae-artiger Teil mit Keyboards im Vordergrund verbindet den langsamen Abschnitt dann mit dem Schlussteil, in dem nochmal schön soliert werden darf.
Sehr proggig dieses Stück mit den typischen Ingredenzien verschiedener Themen und Tempos und einer kleinen Geschichte als Text.

Nun haben natürlich andere soetwas bereits vorher gemacht und herausragend anders oder innovativ ist dieser Song nicht. Aber was ihn für mich besonders macht ist natürlich der Kontext der gesamten Platte, die ich sehr oft gehört habe und mit der ich insgesamt ebenfalls wehmütige, traurige Gefühle verbinde. Der Hustler repräsentiert dieses besonders gut und ist zudem das einzige Stück von dieser Platte, das bei mir als Longtrack durchgeht.





Abel Ganz

(Schottland)
Gegründet 1980
Erste VÖ 1983 Tape "Gratuitous flash"

Besetzung 1985:
Paul Kelly: voc, guit
Gordon Mackie: b
Hew Montgomery: keys
Kenny Weir: dr


Link
Gullibles travels
The dangers of strangers

Anspieltipp:


Steve Howe: Beginnings
 


Shorttracks: Platz 12


Steve Howe: Ram
(1:53, Song, 1975, von "Beginnings")

Schon sehr früh kannte ich Steve Howe's zweite Soloplatte The Steve Howe Album. Ich konnte damit zunächst nicht viel anfangen, wegen der deutlichen Country-Einflüsse und wegen seines schwachen, hohen Stimmchens.
Später machte ich mich in den Wühlkisten auf die Suche nach allen LPs, die mir irgendwie interessant erschienen und stieß dabei auf seine erste Soloplatte. Er hatte sie in der Pause zwischen Relayer und Going for the one aufgenommen und auch auf ihr sind Country-Einflüsse zu hören, aber auch deutlich progressiv angehauchte Tracks und ein paar Akustiksongs.

Ram ist ein kleines, nettes Gitarrenstück, das auch öfter von Howe im Rahmen von Yes-Konzerten vorgetragen wurde. Es ist somit wahrscheinlich sein bekanntestes Solostück und ich habe es auch deshalb auf den 12. Platz gewählt. Aber natürlich auch, weil es gute Musik ist.
Der Song hat ein bisschen Western-Feeling, aber auch etwas Blues dabei und Steve Howe spielt hier mehrere Gitarren gleichzeitig, von denen auch nicht alle akustisch sind. Ausser etwas Percussion kommen sonst auch keine Instrumente vor. Hat ganz gut Tempo die Sache und macht Laune!

Mein Playlist von heute:
The Cure, Dead Can Dance, Dio, Andy Summers & Robert Fripp, Skids, VAST, Supertramp, For Absent Friends, Metallica

Metallica fand ich ja früher immer scheisse. Als ich Metal entdeckte, machten die noch heftigen Thrash, der nix für mich war. Später wurden sie populärer und ich fand Metal nicht mehr gut und die Typen sowieso unsympathisch. Erst als St. Anger rauskam, gefielen mir ein paar Songs und ich hörte mir (wieder) Sachen von denen an. Dabei merkte ich dann, dass es einige Songs gibt, die mir echt etwas bedeuten. Lustigerweise bedeuten sie mir aber erst jetzt etwas und in der Situation als ich sie früher hörte, gefielen sie mir nicht besonders. Aber man wurde eine zeitlang in den Diskos nur so zugedröhnt mit Metallica. Da konnte man in einen Indie-Club gehen oder in einen Laden mit aktuellem Pop, in beiden wurde etwas von der Band gespielt - wenn auch vielleicht nicht die gleichen Songs.
Jedenfalls habe ich bei manchen Liedern des schwarzen Albums wie etwa Nothing else matters oder The unforgiven meine ersten lang anhaltenden Küsse ausgetauscht und auf der anderen Seite ist mir One als geiler Longtrack (aber zu kurz für diese Hitlist!) mit heftig abbangen und -pogen in Erinnerung. Wobei ich da ja nicht mitgemacht habe. Normalerweise jedenfalls nicht, es sei denn ich war gerade mal hackestrulle dicht.
Von daher bewundere ich auch noch immer Mädels, die solche Musik hören und ich bin voll des Mitleids für die vielen Menschen, die bereits so früh jegliches Interesse an Musik eingestellt haben, dass sie solche nachträglichen Entdeckungen nicht mehr machen können.
Für mich absolut nicht nachvollziehbar, wie Musik nahezu null Stellenwert im Leben eines Menschen haben kann.



Steve Howe

(England)
Gitarrist von Yes, vorher bei Bodast und Tomorrow
erstee Solo-VÖ 1975 "Beginnings"-LP

Musiker 1975:
Steve Howe: guit, b, voc, mand, org, banjo
Alan white: dr
Patrick Moraz: org, piano
+
weitere Musiker


Link
Five per cent for nothing
Heart of the sunrise
Going for the one
Awaken
Drama
Anderson Bruford Wakeman Howe
Union

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik:


Pink Floyd: Wish you were here
 


Longtracks: Platz 12


Pink Floyd: Shine on you crazy diamond (part 1-5)
(13:30, Song, 1975, von "Wish you were here")

Ich hatte es bereits mal erwähnt: meine Mutter besaß als eine der wenigen brauchbaren Platten in ihrer nicht sehr umfangreichen Sammlung Wish you were here. Ich hörte sie mir mit 17 mal an und sie sprach nicht zu mir. Auch die ersten Durchläufe einiger anderer Scheiben bei Freunden konnten mich nicht begeistern, so dass ich der Meinung war, Pink Floyd seien langweilig.
The wall machte da eine Ausnahme, denn als ich diese zweifach-LP kennen lernte, fand ich sie direkt gut.

Erst später habe ich mir Wish you were here wieder vorgenommen. Und wenn ich mir heute diese langen und meditativen Instrumentalparts von Shine on you crazy diamond anhöre, dann finde ich das einfach nur genial. Ich höre hier Verbindungen zu den neueren oder einigen ganz alten Songs von Camel und auch Eloy. Aber es ist eindeutig 70er Musik: Orgeln ohne Ende, ausufernde Gitarrensolos... super! Auch das sonst vielfach ungeliebte Saxophon ist gut!

Oftmals wird Wish you were here als Nachschlag zu Dark side of the moon angesehen, doch für mich ist die Platte selbst der Höhepunkt. Natürlich, The wall finde ich mindestens ebenso gut. Aber zusammen sind das die überragenden Pink Floyd-Alben.

Bei Shine on... erinnere ich mich auch sehr gut, wie der Erwin und ich zusammen bei ihm im Zimmer sitzen, einen Wodka-O nach dem anderen einwerfen und über Musik, Menschen, Mädels diskutieren. Gibt es etwas besseres? Der Song schreit geradezu nach Wodka! Kann ja auch gerne mit Lemon sein.

Weitere sehr gute lange Pink Floyd-Songs: Atom heart mother (ebd., 23:41); Shine on you crazy diamond part 6-9 (Wish you were here, 12:22), Pigs (Animals, 17:04)



Pink Floyd

(England)
Gegründet 1966
Erste VÖ 1967 "Arnold Layne"-7"

Besetzung 1975:
David Gilmour: guit, voc
Richard Wright: keys
Roger Waters: b, voc
Nick Mason: dr


Link
Dark side of the moon
Wish you were here
The wall
Vera

Anspieltipp:


Skids: Charles
 


Shorttracks: Platz 11


Skids: Test tube babies
(2:03, Song, 1978, von "Charles"-EP)

Die allererste Single der Skids. Drei Songs sind drauf: Charles (Urversion), Reasons, Test tube babies.
Die letzten beiden sind auf der Scared to dance-CD als Bonus drauf, die Version von Charles findet sich auf der 2003 erschienenen EMI-Compilation Best of the Skids. Da gibt's auch noch ein paar anderweitig nicht (auf CD) veröffentlichte Stücke.

Das besondere an Test tube babies ist: es ist ein sehr schneller Song, der Partyfeeling verbreitet, hymnisch ist und daher zum Mitsingen anregt und ausserdem ganz lustig ist.
Ich hab' mir immer mal vorgestellt, den würde ich mit einer Band covern und wir würden ihn in deutsch singen: "Test, Test, ein, zwei, drei, Retortenbabies wird sind frei!"
Ist das geil oder ist das geil?



Skids

(Schottland)
Gegründet 1977
Erste VÖ 1978 "Charles"-EP

Besetzung 1978:
Richard Jobson: voc
Stuart Adamson: guit
Alexander: b
Tom Kellichan: dr


Link
Wide open
Scared to dance
The absolute game
Live - masquerade


Fields Of The Nephilim: Elizium
 


Longtracks: Platz 11


Fields Of The Nephilim: Sumerland
(11:08, Song, von "Elizium", 1990)

Ein Monstersong, der zwar an vielen Stellen schnell und rockend, sogar vielleicht ein bisschen funky klingt, aber der Intensität und Tiefe ohne Ende mitbringt.
Schon wieder komisch, aus Elizium ein Stück hervorzuheben, denn alle gehen ineinander über und es ist eine Art Konzeptalbum (s. Link).
Trotzdem ist Sumerland vom Aufbau und der Dichte her ein extrem guter Longtrack. Recht viele Keyboards sind hier dabei und massig Effekte, aber eben auch supergute Gitarren und Bässe, perkussive Drums und bösartig klingender, heiserer Gesang.

Ich hatte von den Fields die beiden anderen alten Scheiben vor dieser hier. Dennoch, sie wurde sehr, sehr häufig gehört und ich verbinde viel damit. Ich hatte sogar eine zeitlang ein großes Dawnrazor Poster an der Wand, ganz in Schwarz.

Mein intensivstes Erlebnis mit den Fields fand statt, als ich gerade im Auto The nephilim hörte. Und ich war komisch drauf und die Platte war so supergenial. Da bog ich dann von der größeren Straße ab - es war etwa drei Uhr nachts und stockdunkel - in ein kleines Waldstück. Dort stand der Nebel meterhoch, muss wohl im Herbst gewesen sein. Ich bin da rein gefahren, in den dunklen Wald, in den Nebel, und habe schliesslich den Motor und das Licht ausgestellt und nur da gesessen und die Fields gehört. Mitten im nachtschwarzen, nebligen Wald war ich denn völlig in andere Welten weggetreten und das ohne jede Art von Drogen!

Es gibt noch mehr so geniale lange Songs von den Fields, und zwar: Love under will (7:39) und Last exit for the lost (9:41, beide von The nephilim), sowie Submission (8:39, von Elizium)


Stay alive and rock on,
Harvey
(17.10.05)

 

Fields Of The Nephilim

(England)
Gegründet 1983
Erste VÖ 1985 "Burning the fields"-EP

Besetzung 1990:
Carl McCoy: voc
Paul Wright: guit
Nod Wright: dr
Tony Pettitt: b
Peter Yates: guit
+
Jon Carin: keys


Link
Blue water
The nephilim
Elizium
What starts, ends

Anspieltipp: