harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 





Misfits: Walk among us
 


Shorttracks: Platz 3


The Misfits

- Skulls (Song, 2:01, von "Walk among us", 1982)
- Last caress (Song, 1:57, von "Static age" bzw. "Beware", 1978/80)
- Demonomania (Song, 0:43, von "Earth A.D./Wolfsblood", 1983)
- Astro zombies (Song, 2:15, von "Walk among us", 1982)

Meine erste Misfits-CD war die Legacy of brutality. Und dies ist nun gerade weder eine reguläre Studioplatte, noch eine Zusammenstellung der größten Hits, sondern eher Static age-Reste von Danzig neu eingespielt. Sehr komisches Teil und heute eigentlich komplett überflüssig.

Davon waren meine Lieblingslieder Halloween und She und vielleicht noch Where eagles dare. Die stehen oben nicht dabei, denn obwohl sie toll sind, sind es nicht die besten kurzen Songs der Misfits.
Skulls besticht durch Härte und Geschwindigkeit, vor allem aber durch den unglaublich eingängigen Refrain, der mich immer geradezu zwingt, mitzusingen: "I want your skulls, I need your skulls..."
Genau diese Chöre und der ganze düstere Touch der dem Lied anhaftet (obwohl es ein lupenreiner Punksong ist), sind es, was diese neueren "Horrorpunk"-Bands versuchen, nachzuahmen. Aber es gibt bzw. gab nur einen Gott, nur die Misfits sind Gott.

Last caress hat ein bisschen mehr Rock'n'roll Einflüsse, ist ja auch älter. Ich habe es zum ersten Mal auf einem Bootleg gehört, der die alten Singles vereinte und auf dem man noch das Knistern der Platten mitbekam. Auch der Song ist sehr melodisch mit besonders tiefem Gesang und auch hier ist es wieder zum Teil der Text, der mich besonders begeistert. "Sweet lovely death, I am waiting for your breath, oh sweet death, one last caress" ist meine Lieblingszeile und ich stelle mir dabei immer vor, wie ich mit 'nem Holzruderboot den Hades überquere, umzüngelt von flammender Lava und Horden von Zombies. JA! Sowas stelle ich mir vor.
Man könnte den Song auch einfach auf meiner Beerdigung spielen, aber da passen dann vielleicht einige andere Textstellen nicht so. Außerdem gibt's dafür auch noch Going down to die von - schonwieder - Danzig als heißen Kandidaten.

Demonomania ist ein superschneller Hardcorekracher, bei dem man vor lauter Tempo kaum mit dem Mitsingen nachkommt. Das ist einfach direkt in die Fresse, zack! Und der Text ist hier völlig sinnleer, aber dafür finde ich den dann komisch: "Demonomania, my father was a wolf, demonomania, my mother was a whore".
Meine Vorstellung hierbei: nordische Wälder, Nacht, Sterne am Himmel, ein riesiger geisterhafter Dämon, der von Horden von Wölfen angeheult wird.

Bleibt noch als vierter No. 1 Song der Misfits Astro zombies.
Ach ja, ich sollte kurz nochmal erwähnen: die Misfits dürfen auf diesem dritten Platz gleich vier Songs statt nur einem liefern, weil bei ihnen über 30 Stücke auf meiner Liste der besonders genialen Kurzsongs waren. Und wer jetzt meint, das sei ja unfair, weil bei denen fast alle Stücke so kurz seien, dem halte ich entgegen: ist halt deren Genre und somit haben die Heimvorteil. Wenn ich mal 'ne Hitlist mit den besten Drei- oder Vierminütern mache, dann sind eben andere Bands so oft vertreten.
Astro zombies war jahrelang meine Song bei Aggressionen. Geht gut ab und der steht halt auch dafür wie scheisse die Menschheit ist: "Exterminate the whole human race!" Wie anderswo schon berichtet, habe ich das ja sogar mal öfter mit Edding auf Hörsaal-Tische geschrieben, boah wie revoluzzerhaft! Aber ich stehe manchmal auf flache Parolen. Fuck the system!

Im übrigen ist die Sarg-Box der Misfits rein optisch immer noch das tollste Teil in meiner inzwischen gar nicht mehr so kleinen CD-Boxen-Sammlung. OK, Velvet Underground mit dem Bananen-Motiv hat auch was und Peter Gabriels Xplora-CD-ROM hat ein künstlerisch ganz nettes Cover, aber so'n Sarch ist schon ziemlich cool.

Es gibt noch massenweise andere Misfits-Songs, die ich extremstens geil finde, 29 insgesamt. Diese stammen von den ersten Singles und den Platten Static age, Walk among us, Earth AD/Wolfsblood, American psycho und Famous monsters. Die meisten sind auch auf den Collections I & II zu finden.





The Misfits

(USA)
Gegründet 1977
Erste VÖ 1977 "Cough/Cool"-Single
1984-1994 aufgelöst

Besetzung 1978-83:
Glenn Danzig: voc
Jerry Only: b
+
diverse Drummer und Gitarristen


Link
Bullet
3 hits from hell
Walk among us
Evilive
Die die my darling
American psycho
Famous monsters

Anspieltipp:


King Crimson: Red
 


Longtracks: Platz 3

King Crimson: Starless
(12:18, Song, 1974, von "Red")

Das Ende des Jahres ist die Listenzeit und natürlich bin ich wieder schwer dabei, meine ultimativen Platten des vergangenen Jahres zusammen zu stellen. Wie immer ist das sauschwierig und ich werde wohl bis zum 31.12. brauchen, bevor die tollen Hits, die ich dann Anfang des neuen Jahres aufliste, fest stehen. Zur Erinnerung was letztes Jahr bei mir so musikmässig los was, empfehle ich nochmal meine Jahresabrechnung 2004.

Mein alter Kumpel Glenn hat nun sogar schon Anfang Dezember eine Vorauswahl seiner "Kandidaten" für die beste Platte veröffentlicht. Interessanterweise ist in seiner Liste nur eine einzige CD, die ich auch besitze, nämlich die letzte Idlewild. Und diese wird sicher nicht unter meinen Top-Platten sein, eher unter den Flops.
Ansonsten sind noch welche dabei, die ich mir nochmal zulegen wollte, nämlich die neue von Kate Bush und die Low. Davon abgesehen interessiert mich der meiste Kram gar nicht bzw. ich habe noch nie davon gehört. Ich bin wohl doch sehr Mainstream.

Eine Sache, die ich aber jetzt mal nachahmen will, ist die riesengroße allgemeine to-do Liste ebenfalls von seiner Seite (furia.com).

To-do Listen mache ich mir ja laufend, denn sonst verliere ich den Überblick und vergesse alles. Nur sind das natürlich kurzfristige to-do-Listen und die sind innerhalb von ein paar Tagen erledigt. Mal abgesehen von diversen Kleinigkeiten, die sich monatelang auf der Liste halten. Die riesengroße to-do Liste ist mehr so eine Art Lebensplanung, fast schon eine Wunschliste.
Ich schreibe nun mal spontan so eine Liste und nächste Woche sage ich euch dann, was inzwischen alles schon erledigt ist. In keiner bestimmten Reihenfolge:

- Hitlist wieder regelmäßiger machen
- den Abwasch regelmäßiger machen
- dem Götz einen NOFX-Mix aufnehmen
- dem Stephan die Hörbücher aufnehmen
- endlich auch die letzten Möbel zusammen bauen und mit Inhalt füllen
- alle Songs von Compilations und Zeitschriften (die toll sind) digitalisieren und mit ID3-Tags versehen und damit weitere zwanzig supergute Playlists machen
- mein Zettelchaos sortieren, ablegen und/oder in Akten abheften
- die Frau fürs Leben finden
- mehr Rocken
- mehr Konzerte besuchen
- mehr Putzen
- mehr Brettspiele spielen
- die alten Mixtapes in MP3 umwandeln
- die Dartscheibe und meine Nachttischlampe reparieren
- häufiger Klamotten kaufen, vor allem Socken
- mehr Bücher lesen, am besten mal drei Wochen lang fast nix anderes machen
- drei Wochen lang dauernd Video und DVD gucken, um den Berg alter Kassetten und neuer Discs aufzuarbeiten
- diverse LPs, 7inches, Maxis auf CD brennen
- meine irrsinnig vielen Spielbücher auch mal spielen/lesen
- die Stapel von ungehörten CDs endlich abarbeiten
- die ca. 100 Bands, die interessant sein könnten und die ich noch nicht kenne, mal antesten
- Compilations von allen meinen Lieblingsgruppen erstellen
- Götz mal wieder treffen
- nach Griechenland fahren und den Osten erkunden, z.B. die abgefahrenen Bergklöster dort
- endlich wieder ausgiebig Urlaub in Schottland machen
- weniger Stress haben, alles lockerer sehen
- Vorhänge und eine neue Lampe für die Küche kaufen und installieren
- mehr Flohmärkte besuchen
- Cover für gebrannte CDs einscannen/runterladen/ausdrucken
- ein klein wenig Sport treiben
- einen Twen-Roman schreiben und veröffentlichen
- eine umfangreiche Fantasy-Saga schreiben
- Dark Future- und Horror-Stories schreiben
- einen Plattenladen aufmachen
- mehr Freunde finden
- weniger angepasst sein
- Webseiten-Design RICHTIG lernen
- Betriebswirtschaft lernen, um den Laden nicht gleich vor die Wand zu fahren
- mit Guido ein paar Tage nach Amsterdam fahren
- den einzigen Plattenladen in meiner Stadt den ich noch nicht kenne besuchen
- mehr Orte und historische Stätten in meiner Gegend kennen lernen
- häufiger Ausflüge in die Natur machen
- mehr Radtouren machen
- einen Bass kaufen und die Bedienung lernen
- ein paar lustige Frisuren die ich noch nicht hatte ausprobieren
- im Sommer ein tolles Festival besuchen
- mehr im Internet surfen
- eine DSL-Flatrate kaufen und mehr legal downloaden
- mal wieder Plattenbörsen besuchen
- jung bleiben

Jo, das isses vorerst.
Und... IST DAS DENN ZUVIEL VERLANGT?
Ich finde nein. Wenn ich sterbe und habe diese Dinge nicht gemacht, dann wär's scheisse.

Ob ich allerdings Silvester um 12 diese Liste als meine Vorsätze für's neue Jahr übernehme, weiss ich nicht. Ist ja doch ein bisschen lang, dann krieg ich erstmal zwanzig Minuten nix zu trinken, weil ich am Runterbeten der Vorsätze bin.

Mit King Crimsons Red hatte ich zunächst ein paar Probleme. Ich hatte mir die Platte auf Kassette aufgenommen und fand sie schwer hörbar. Mein Zugang zur Zeit mit John Wetton war eigentlich Larks tongues in aspic. Doch nach und nach gefiel mit Red besser.
Die Starless and bible black, auf der im Prinzip eine andere Version des Songs Starless ist, sowie die Liveaufnahmen von John Wetton waren dann noch das Tüpfelchen auf dem "i". Und heute ist Starless mein liebster KC-Song.
Es gab allerdings noch eine ganze Menge Konkurrenten, siehe unten.

Schon dieser traurige Anfang ist grandios. Zu Mellotron-Klängen/Violine und coolem Bass hört man sehr wehmütige Gitarrentöne.
Das ist so ruhig, das es wesentlich mehr an die ersten Crimson-Platten erinnert, als an die beiden Vorgänger.
John Wetton setzt mit rauem Gesang ein, der unglaublich viel Emotion trägt, die dann von einem traurigen Saxofon noch vervielfacht wird. Seit ich dieses Lied kenne, weiss ich wo Jean-Michel Jarre das Saxofon-Solo auf seiner Platte Rendez-vous geklaut hat!
Bis dahin ist es ein sehr atmosphärisches, aber auch sehr wenig experimentelles Stück für KC-Verhältnisse. Doch dann kommt der lange Instrumentalpart, in dem die Instrumente, und dabei kommt jedes zu seinem Recht, ausgiebig improvisieren und eine sehr große Spannung erzeugen, die dann in wildem, verschrammeltem Rock ihre Auflösung findet.
Dabei wird das Thema vom Anfang immer wieder aufgegriffen und Wetton leistet wirklich großartiges am Bass!

Meine weiteren Lieblingslongtracks von King Crimson sind: Epitaph (8:48), The court of the crimson king (9:23, beide von In the court of the crimson king), Easy money (7:53), Larks' tongues in aspic pt. 1 (13:36, beide von Larks tongues in aspic), Fracture (11:14, von Starless and bible black), Providence (8:11, von Red).



King Crimson

(England)
Gegründet 1969
Erste VÖ 1969 "The court of the crimson king " Single

Besetzung 1974:
Robert Fripp: guit, org
John Wetton: b, voc
Bill Bruford: dr
+
David Cross: violin
Mel Collins: sax
Ian McDonald: sax


Link
Larks' tongues in aspic
USA
Exposure
Sleepless
Cage
Thrak

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik:


Ramones: Leave home
 


Shorttracks: Platz 2

Ramones

- Gimme gimme shock treatment (1:44, Song, 1977, von "Leave home")
- Blitzkrieg bop (2:14, Song, 1976, von "Ramones")
- I wanna be your boyfriend (2:16, Song, 1976, von "Ramones")
- Rockaway beach (2:06, Song, 1977, von "Rocket to russia")

Zu den Misfits und ihren vier Songs habe ich oben noch relativ viel gesagt. Allerdings gab's von dem alten Misfits-Kram auch nur drei Texte bisher von mir.
Bei den Ramones sieht das anders aus, wie die Linkliste rechts verdeutlicht. Ich werde mich deshalb etwas kürzer fassen. Meine Begeisterung für die Ramones kann man in den vielen Plattenvorstellungen nochmal genauer nachlesen.

Bei der Auswahl meiner vier absoluten Favoriten von den Ramones habe ich extra keine Coverversionen genommen. Dennoch sei gesagt, dass sie beim covern ganz groß waren. California sun oder Needles and pins etwa sind beide kurz und riesig, aber ich wollte nur Originale nehmen.

Gimme gimme shock treatment war seit meinem Erstkontakt mit den vier coolsten Typen wo gibt immer ein Lieblingssong von mir. Genau erklären kann ich das allerdings nicht. Ausser dass es sehr Ramones-typischer reduzierter wenig-Akkorde-Punk ist, weiss ich da keine weiteren Gründe.
Blitzkrieg bop ist so etwas wie ein Theme-Song für mich, quasi die Intromusik zu der Serie "Ramones rocken". Ein ehemaliger Kumpel von mir hatte mal 'ne Band, die sich wieder und wieder daran versucht hat, den Song so schnell wie möglich zu spielen. Schneller als die Ramones selber in der Livefassung haben sie es nie geschafft.
I wanna be your boyfriend ist ein grandioses Liebeslied. Einfache Worte, einfache Punkmusik und dennoch kommt alles rüber. Man merkt dabei, wie gut Joey darin war, etwas zarter zu singen und wie schön Pop doch ist.
Rockaway beach ist der Traum jedes Punkrockers: Sommer, Sonne, Strand, schnittige Mädels und dazu noch gute Rockmusik! Super Laune, Partystimmung, das assoziiere ich damit. Zwar später nicht so ein Dauerbrenner im Set der Band, aber auf It's alive und der Mania ein Riesenhit. (Auf Rocket to russia natürlich ebenso.)

Ursprünglich war ich der Meinung, die Ramones seien ganz bestimmt auf der Nummer Eins der besten Shortsongs. Als ich dann zunächst von jeder Gruppe nur einen Song gewählt habe und diese in eine Rangfolge brachte, landeten sie nur auf dem Zweiten. Die Band auf dem ersten Platz hat nur drei meiner liebsten kurzen Punksongs geschrieben, die Ramones dagegen 35. Trotzdem bin ich mir sicher, dass Ihr mir nächste Woche beipflichten werdet, dass die Nummer Eins ein absoluter Knaller ist!

Ich zähle jetzt nicht alle weiteren 31 Ramones-Songs auf, die (wie natürlich sowieso fast alle ihrer Lieder) super-supeer-toll sind. Nur der Hinweis, welche Longplayer bei diesen meinen Lieblingssongs vertreten sind: Ramones, Leave home, Rocket to russia, Road to ruin, Subterranean jungle, Halfway to sanity, Brain drain, Mondo bizarro, Adios amigos!



Ramones

(USA)
Gegründet 1974, aufgelöst 1996
Erste VÖ 1976 "Ramones"-LP

Besetzung 1976-8:
Joey Ramone: voc
Johnny Ramone: guit
Dee Dee Ramone: b
Tommy Ramone: dr


Link
Ramones
Leave home
Rocket to russia
It's alive
Road to ruin
7-11
Howling at the moon
Halfway to sanity
Brain drain
Loco live
Mondo bizarro
Acid eaters
I don't want to grow up
The family tree


Yes: Going for the one
 


Longtracks: Platz 2


Yes:

Awaken (15:38, Song, von "Going for the one", 1977)

Heart of the sunrise (Song, 11:32, von "Fragile", 1972)

Auch zu meinem Werdegang mit Yes habe ich schon einiges berichtet.
In den 80ern fand ich zunächst 90125 ganz toll, ebenso Big generator.
Als ich 1991 ein Konzert der Union-Tour besuchte und die ganzen uralten Yesstücke live erlebte, kannte ich keines davon.
Going for the one war die älteste Platte, die ich damals hatte. Aber gerade bei diesem Konzert haben sie Awaken oder eines der anderen nicht gespielt.
Das Konzert war total genial, trotzdem näherte ich mich den alten Sachen nur zögerlich.
Aus dieser ersten Zeit ist Awaken als mein liebster Longtrack übrig geblieben. Wie schon bei der Rezi der ganzen Platte (Link siehe rechts) geschrieben, ist mir heute zwar klar, dass die Keyboards hin und wieder doch etwas übertreiben und die Sache nicht mehr so cool ist, wie einige Platten davor. Trotzdem liebe ich die Songs noch immer und ich mochte auch schon immer die ruhigeren Seiten von Yes besonders. Awaken ist so ein Lied, das ich hören möchte, wenn ich verliebt bin. Aber natürlich nicht nur dann.

Nach dem besagten Konzert lieh ich mir vom Tino die Best-of-CD aus und nahm mir eine 100er Kassettenseite mit den besten ganz alten Songs auf. In die 50 Minuten passten gerade mal fünf Songs, obwohl einer davon Soon war. Hier hatte ich meinen ersten Kontakt mit der Studioversion von Heart of the sunrise. Ich fand den Song zunächst irgendwie seltsam, aber nicht direkt schlecht. Doch auch nach ein paar Tapedurchläufen konnte ich nicht viel mehr damit anfangen.
Ich lernte dann 1992 eine Plattensammler kennen, der ein paar Jahre älter war als ich und zudem schon arbeitete, also auch die Kohle für den Kauf zahlreicher Scheiben locker hatte. Dieser gefiel sich ganz gut in der Rolle, jüngeren, ärmeren Jungens seine Prachtstücke (man beachte den Plural!) zu zeigen und im Austausch für ein von mir aufgenommenes Radiokonzert von Fish wollte er mir einen Bootleg mit Marillion Demos von 1980-82 überspielen. Allerdings nur im Tausch! Was für ein Penner.
Jedenfalls hatte ich keine leeren Tapes mehr und gab ihm die Kassette mit dem Yes-Mix, da ich mit dem Kram eh wenig anfangen konnte. Dieses Tape habe ich noch heute und die Marillion-Demos sind toll. Und die alten Yes-LPs habe ich inzwischen alle auf CD.
Es dauerte allerdings noch 'ne Weile, bis ich mir die kaufte und somit auch Heart of the sunrise wieder entdeckte. Denn bei mir brach ja der Punk und Wave aus und da hatte ich erstmal keinen Bock mehr auf Yes.

Heart of the sunrise ist deswegen eines der besten frühen Stücke, weil hier wirkliche abgefahrene Songstrukturen und Instrumentalpassagen zu einem trotzdem hörbaren und recht homogenen Ganzen verschmolzen werden. Jeder der Instrumentalisten kommt reichlich zu seinem Recht und bleibt dabei songdienlich. Gerade Steve Howe, Chris Squire und Bill Bruford leisten hier Unglaubliches. Dabei pendelt der Song zwischen ruhig und schnell und erlaubt es, immer wieder neue Facetten herauszuhören.
Und gerade da Yes auch lange Songs gemacht haben, die irgendwie gar nicht auf den Punkt kommen oder stellenweise doch etwas nerven, finde ich, dass Heart of the sunrise ihr Meisterstück ist. Natürlich könnte man stattdessen auch Close to the edge nehmen, doch das ist weniger abwechslungsreich und bei der Instrumentierung steht dort der Bass ein wenig vor den restlichen Geräten, was hier nicht der Fall ist.

Ganz groß und auch ganz lang weiterhin: Into the lens (8:32), Machine messiah (10:27, beide von Drama), Roundabout (8:35, von Fragile), Hearts (7:43, von 90125), Endless dream (15:36, von Talk), Turn of the century (7:58, von Going for the one), Be the one (9:50), That that is (19:14, beide von Keys to ascension), Close to the edge (18:50), And you and I (10:09), Siberian khatru (8:57, alle drei von Close to the edge), Yours is no disgrace (9:26), Starship trooper (9:23), Perpetual change (alle drei von The Yes album).


Stay alive and rock on,
Harvey
(14.12.05)

 

Yes

(England)
Gegründet 1968
Erste VÖ 1969 "Sweetness" -Single

Besetzung 1972/77:
Jon Anderson: voc
Rick Wakeman: organ, keys, piano
Steve Howe: guit
Chris Squire: b, voc
Bill Bruford: dr (72)
Alan White: dr (77)


Link
Five per cent for nothing
Yessongs
Soon
Going for the one
Drama
90125
Anderson Bruford Wakeman Howe
Union
Keys to ascension 2

Anspieltipp: