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Longtracks: Platz 1
Genesis:
The musical box (Song, 10:31, von "Nursery cryme",
1971)
Supper's ready (Song, 22:58, von "Foxtrot",
1972)
One for the vine (Song, 10:00,
von "Wind & wuthering", 1977)
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Unterbewusst war mir schon
zu Anfang klar, dass der beste lange Song von Genesis
kommen würde.
Jetzt hatten die tatsächlich so viele gute lange Lieder,
dass ich ihnen sogar drei besondere Hits erlaubt habe. Und
jedes dieser Stücke ist nicht nur toll, sondern ich habe
auch ein sehr enge Beziehung dazu.
Ursprünglich herrschte
in meinem Freundeskreis ja die Meinung Genesis mit
Peter Gabriel am Gesang sollte
man lieber nicht hören. Das war Mitte der 80er und wir
konnten halt damit einfach nichts anfangen. Doch die zu dieser
Zeit recht erfolgreichen Neo-Progger von Marillion
und ein paar alte Yes-CDs
oder wahlweise vielleicht auch die ersten Soloscheiben von
Peter haben uns dann doch verleitet, die ganz alten
Sachen mal anzuhören.
Danach galt dann die Devise, dass ab Foxtrot alles
toll sei und die ersten drei Genesis-Platten Mist seien.
Ich hab das einfach mal geglaubt, ohne die selber gehört
zu haben.
Dann aber gab's im Fernsehen einen Film von einem Genesis-Auftritt
im Studio aus der Zeit von Foxtrot.
Seit ich diesen Auftritt auf Video hatte, wollte ich unbedingt
Twilight alehouse auf einem Tonträger haben! Hat
aber nie geklappt, bzw. war zu teuer, bis zum Erscheinen der
Archive Box.
Ausserdem kaufte ich mir "nur" ca. ein Jahr später
die Live-CD, die genau aus der gleichen Zeit stammt
(auch wenn Tracklist und Versionen ein klein wenig variieren).
Ein Jahr war gar nicht so lange, wenn man bedenkt, dass ich
damals immer so 30 CDs auf meiner Wunschliste hatte, aber
nur ein bis (allerhöchstens) drei pro Monat kaufte.
Bei dieser Liveperformance nun wurde ein Song aus der Zeit
vor Foxtrot gespielt, den ich zum Teil schon kannte:
The musical box. Und zwar ist auf Seconds out
die "closing section" des Songs, dort gesungen von
Phil Collins. Dieser Schlussteil
hatte mich schon immer begeistert.
Nun sah ich den Rest dazu und die Optik vervielfachte nochmal
das Erlebnis der Musik!
Ich habe diese Videoaufnahme in der Folgezeit verschiedensten
Freunden vorgeführt und alle mussten zugeben, dass das
mindestens ganz cool ist, wenn nicht sogar extrem genial.
Auch Kumpels, die mit Progressive Rock echt nichts anfangen
konnten.
Aber mal im Einzelnen: das Tolle an dem Stück Musical
box ist vor allem der Widerstreit von ruhigen, sehr harmonischen
Passagen und absolut wildem Abgerocke. In den ruhigen Momenten
brilliert zum Beispiel Tony Banks mit sanftem Klavier,
begleitet von Gabriels Flöte und einem ruhigen
aber deutlichen Bass. In den rockenden Momenten trommelt Collins
wie Berserker, Banks orgelt sich die Finger wund und
über allem thront das irrsinnige Gitarrenspiel von Steve
Hackett. An einigen Stellen wird der Song geradezu zersägt:
voller Verzerrer, sehr schnelles Spiel und schräge, teils
dissonante Tonfolgen.
Und wenn man die Leute dazu dann sieht: Hackett macht
den Hendrix aber sitzt die ganze Zeit völlig ruhig
auf einem Hocker! Boah, wenn der etwas mehr Showtalent gehabt
hätte, hätte er ein guter Gegenpart zum Frontmann
sein können. Banks ist auch kein Emerson
am Keyboard, er sieht eher aus wie das was er fast machen
wollte: Physik studieren. Aber Phil Collins im ärmellosen
Shirt mit Riesenkoteletten ist ein echter Schwerstarbeiten
am Schlagzeug. Aber er beherrscht auch die ruhigeren Parts
und sein Gesang setzt schon hier wichtige Akzente im Background.
Die Gallionsfigur ist natürlich Gabriel, der exzentrisch
und dennoch schüchtern am Mikrophon steht, mit dem Fuss
auf die Bassdrum einhämmert und mit den Händen das
Tambourin bearbeitet. Dabei fliegen die langen Haare hin und
her und man fühlt sich erinnert an Woodstock,
obwohl das schon ca. zwei Jahre her ist.
Einfach nur geil! Wie übrigens die ganze Nursery cryme!
Jedenfalls ist diesem ausiovisuellen erst spät gezündeten
Erlebnis zu verdanken, dass ich The musical box für
DEN Top-Song von Genesis halte.
Supper's ready dagegen
war schon etwas früher, nämlich Ende der 80er, ein
großer Favorit im Freundeskreis. Da konnte man trotz
vorheriger wilder Unterhaltung auch schon mal minutenlange
Stille wahrnehmen, weil alle bei dem Songs konzentriert am
mitrocken und innerlich abgehen waren. Noch eher kam es aber
dazu, dass gemeinsam an bestimmten Stellen mitgesungen wurde.
Sehr beliebt der zweite Teil ab "You, can't you see he's
fooled you all." Und natürlich ein gemeinschaftliches
"A flower?"
Sehr schön auch wenn der Chimpy mit Fistelstimme "Mum
diddley washing, Mum diddley washing" mitsang! Ich meine,
stellt euch vor, der Kerl ist ca. zwei Meter groß und
kräftig, könnte durchaus einen ordentlichen Türstehen
abgeben. Und dann singt der mit "no balls"-Stimme
verzückt die obigen Zeilen mit!
Dieser Song ist dermaßen angefüllt mit Wortspielen,
Metaphern, englischem Humor usw. dass man einfach gar nicht
alles vollständig verstehen kann. Trotzdem habe ich mal
vor Jahren versucht, ihn zu übersetzen und wen's interessiert,
der kann das Ergebnis hier nachlesen.
Ansonsten brauchten Genesis nach diesem Stück
eigentlich keine langen Songs mehr zu schreiben. Denn was
Komplexität und Abwechslungsreichtum angeht, ist Suppers
ready eindeutig das Meisterstück. Und wenn mir da
moderne Progbands mit 20-50minütigen Songs kommen, dann
reicht das alles nicht an dieses hier heran. Und die Überlänge
hilft da auch nicht mehr. Ich bin sowieso seit diesem Song
der Meinung, mehr als 25 Minuten sind auf keinen Fall nötig
um eine (auch musikalisch) spannende Geschichte zu erzählen.
Letztlich steht da oben noch
One for the vine. Auch ohne den Peter Gabriel
haben Genesis noch viele sehr gute lange Stücke
geschrieben. Wind & wuthering war meine erste CD
überhaupt und somit auch meine erste von Genesis.
Ich hatte zwar schon zwei oder drei LPs und auch noch zwei
Platten auf Tape, doch die hatten alle kein Lied mit einer
derartigen Intensität. Gegenüber früher war
One for the vine zwar etwas braver und weniger rockig,
aber es ist eine typische und besonders gelungene Banks-Glanzleistung
mit orchestralem Feeling. Ich mag dieses Klavierspiel einfach
ganz dolle gern! Wobei natürlich auch die sanfte Gitarre
daneben wichtig ist.
Auch der lange, recht eingängige Instrumentalpart in
der Mitte des Stückes, bei dem neben dem Klavier auch
wieder die Orgel ran muss, ist einfach der Hit.
One for the vine war auch schon kurz nach dem Kauf
der CD mein Lieblingssong davon, auch wenn ich alle anderen
auch gut fand. So oft habe ich das Lied gehört, dass
ich den Text bis auf ein paar kleine Unsicherheiten auswendig
kann! Obwohl der nicht gerade nur aus vier Zeilen besteht!
Natürlich ist das wie schon angedeutet ein im Vergleich
zu den anderen beiden Songs eher leicht verdauliches Stück.
"Nett" irgendwie, nicht so garstig wie Musical
box und nicht so vertrackt und monolithisch wie Supper.
Aber das sind eben verschiedene Facetten der Band, die sich
immer wieder verändert hat und nur einmal Stagnation
geboten hat.
Und ich glaube auch, dass jemand, der alle drei Songs nicht
kennt, dennoch die Ähnlichkeiten hören würde,
die erkennen lassen, dass es sich jeweils um die selbe Band
handelt.
Aber bei Wind & wuthering schliesst sich zum Beispiel
an One for the vine eine Single wie Your own special
way an, während bei Nursery cryme auch ein
sehr ruhiges For absent friends folgt, das aber überhaupt
nicht radiotauglich gewesen wäre.
Letztlich ist es nicht übertrieben,
wenn ich sage, dass mir wirklich etwas fehlen würde,
falls ich diese drei Songs und natürlich auch die dazu
gehörenden Longplayer nicht kennen würde! Denn sie
sind einfach nur großartig, phantastisch, überirdisch,
der reine Wahnsinn!
Ganz groß und auch
ganz lang weiterhin: Stagnation (8:50), The knife
(8:55, beide von Trespass), The return of the giant
hogweed (8:12), The fountain of salmacis (7:55,
beide von Nursery cryme), Get 'em out by friday (8:38,
von Foxtrot), Dancing with the moonlight knight (8:04),
Firth of fifth (9:37), The battle of Epping Forest
(11:48), The cinema show (11:05, alle von Selling
England by the pound), In the cage (8:14, von The lamb
lies down on broadway), Ripples (8:06, von A trick
of the tail), Eleventh earl of Mar (7:44, von Wind
& wuthering), Duke's travels (8:39, von Duke),
Home by the sea (11:15, von Mama), Tonight tonight
tonight (8:53), Domino (10:45, beide von Invisible
touch), Driving the last spike (10:08, von We can't
dance), Twilight alehouse (7:48, B-Seite).
Stay alive and rock on,
Harvey
(22.12.05)
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