harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Platz 7 Hitlist 1982


Asia
 

Asia: Asia
(44:24, 1982)

Mit dieser Platte konnten die netten Herren rechts endlich außer Ruhm und Ehre auch mal ordentlich Kohle einfahren.
Dafür gab's dann allerdings keinen Ruhm und keine Ehre mehr.

John Wetton war zuvor längere Zeit bei King Crimson und UK gewesen (und kürzere Zeit bei verschiedenen anderen Dinosaurier-Gruppen), Steve Howe kannte man von Yes, Geoff Downes hatte soeben mit Buggles Erfolg gehabt und Carl Palmer ist der Stöckeschwinger von Emerson, Lake & Palmer gewesen.

Also versammelte Rockprominenz hier und interessanterweise taten sie nicht, was oft in solchen Fällen passiert, nämlich ein seltsames Konglomerat völlig veralteter Ideen ihrer Ursprungsgruppen zu kreieren. Stattdessen wurde ein ausgesprochen mainstreamiger und unheimlich erfolgreicher melodischer Poprock draus. Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht.

Obwohl - 1982 habe ich in dieser Hinsicht gar nichts gedacht. Ich bekam nämlich zu der Zeit absolut nix mit von Asia. Als ich sie später kennen lernte, konnte ich mich nur sehr vage erinnern, Heat of the moment "irgendwo" schonmal gehört zu haben, doch das war's.

Wie genau die erste Asia-CD Eingang in meinen Freundeskreis fand, weiss ich nicht mehr. Sie war jedenfalls schon ein paar Jährchen alt und dann auf einmal da. Ich war 16 oder 17 und gemeinsam mit meinen Kumpels noch der Meinung, Genesis seien nur mit Phil Collins gut, die beste Platte von Yes sei 90125 und King Crimson wäre irgend'n abgedrehter Scheiss.
Wir liebten die Asia Platte! Sie lief dauernd und ich erinnere mich ganz genau, wie ich mich wie ein Entdecker fühlte, weil ich solch ein "unbekanntes" extrem geiles Werk kennen lernen durfte. Schnell kaufte ich mir die CD selber und auch gleich die zweite, die wir ebenso gut fanden. Nur die dritte interessierte uns nicht besonders und es dauerte lange, bis ich die auch hatte.

Auf der musikalischen Seite sind bei dieser Platte auf jeden Fall der gute Gesang von John Wetton, der ausgesprochen gelungene Chorgesang und die Steve-Howe-Gitarren hervorzuheben.
Die Keyboards allerdings stehen ziemlich weit im Vordergrund und tragen dick auf. Das ist schon deutlich 80er-mäßig. Zumal wir hier ausschließlich kurze Stücke zwischen drei und fünf Minuten haben, also kein Raum für ausufernde Instrumentalpassagen. Ich mag den Sound trotzdem noch heute, auch weil Asia hier auf jeden Fall rocken und nicht so weichgespült wie später klingen. Oder wie zum Beispiel Mr Mister, die musikalisch ein bisschen ähnlich gestrickt waren (mit Pat Mastelotto schon wieder eine Crimson-Connection).

Nachdem Asia einige Monate im Freundeskreis rauf und runter liefen, verschwanden sie langsam wieder in der Versenkung. Heute hört keiner von den Kumpels von damals noch diese CD, da bin ich sicher. Bei mir sieht es etwas anders aus, gelegentlich wird sie nochmal eingelegt. Allerdings eben nicht mehr so oft, dass es für einen der vorderen Plätze der Hitlist gereicht hätte.
Das weitere Schaffen von Asia habe ich später dann noch ein bisschen verfolgt. 1990 kam ihnen mit John Wetton der Sänger abhanden, nachdem sich vorher schon Steve Howe verabschiedet hatte. Ab da war Asia dann im Prinzip das Duo Downes & Payne, hatte weniger Ideen und wurde noch AOR-mäßiger. Die Platte Arena finde ich noch ganz nett und die Songs, die ich vom letztjährigen Album Silent nation gehört habe, waren auch ganz gut. Trotzdem war ich nicht gewillt meine Euros für die Scheibe hinzulegen.
Zwischendurch wurden auch noch tausende von Reste-Compilations und Liveplatten auf den Markt geworfen. Für die geringe kreative Beweglichkeit der Gruppe ganz schön viel Material.
Ganz aktuell gibt's dann eine CD von John Wetton und Geoff Downes zusammen, die ich mir auch mal anhören will, die aber noch nirgends zu finden war.

Auf einzelne Songs braucht man bei der Asia-CD eigentlich nicht einzugehen, denn alle sind Hits. Für heutige Verhältnisse geradezu unverständlich, dass nur drei Singles ausgekoppelt wurden. Dies waren neben Heat of the moment (der erfolgreichsten) noch Only time will tell und Sole survivor. Ich persönlich finde vielleicht von der Atmosphäre her noch Wildest dreams und Cutting it fine besonders gut.





Asia

(England)
Gegründet 1981, erste VÖ 1982 "Asia"-LP

Besetzung 1982:
John Wetton: voc, b
Steve Howe: guit
Geoff Downes: keys
Carl Palmer: dr


Anspieltipp:


Camel: The single factor
 

Camel: The single factor
(38:28, 1982)

Objektiv betrachtet hat diese Platte eine Menge großer Nachteile und das komische Cover ist nur einer davon.

Aber es geht hier ja nicht um Objektivität!
Im Gegenteil, meine persönlich Subjektivität steht ganz im Zentrum! Hey und ich finde die LP toll!

Leider habe ich sie immer noch nicht auf CD, denn als vor einigen Jahren alte Camel-Platten als Remasters mit Bonussongs neu herauskamen, stoppte ich alle CD-Käufe, um jeweils die neue Version abzuwarten. Allerdings war bei Moonmadness (bzw. der Liveplatte) Schluss und erst im letzten Jahr wurde vom anderen Ende Stationary traveller nachgeschoben. Seltsam.

The single factor hat mit der Asia-Scheibe gemeinsam, dass sie sehr poppig klingt und nur kurze Songs zu bieten hat. Außerdem sind auch hier eine große Anzahl an "Berühmtheiten" vertreten, wenn auch eine Nummer unbekanntere. So ist David Paton bei Pilot und dem Alan Parsons Project gewesen, Anthony Phillips war bei den beiden ersten Genesis-Platten dabei und bei den Backing Vocals tut sich noch Chris Rainbow hervor, auch vom APP bekannt. (Auf Tour gehörte zusätzlich noch deren Drummer Stuart Tosh dazu. Der Grund ist: als Andy Latimer diese Platte in mühseliger Kleinarbeit zusammen bastelte, waren Alan und seine Leute nebenan auch gerade am Aufnehmen.)

Die Unterschiede zu Asia sind aber weit augenfälliger: die Platte war ausgesprochen erfolglos, die Musik ist softer mit mehreren Instrumentalsongs und vor allem ist hier keine feste Band am Werk.
Auch das letzte Gründungsmitglied außer Andrew Latimer hatte Camel verlassen und die Songs wurden von ganz unterschiedlichen Musikern aufgenommen. Nachdem auf dem Vorgänger Nude keine richtigen Singles waren, stand Latimer außerdem unter deutlichem Druck der Plattenfirma, nun aber mal ein paar Hits zu produzieren. All dies trägt dazu bei, dass die LP wenig geschlossen, sondern eher zusammen gestückelt klingt. Besonders ideenreich und progressiv sind die Songs auch nicht.
Es verwundert mich aber, dass beispielsweise die Singles No easy answer und You are the one nicht erfolgreich waren, denn sie sind sehr eingängig, mit rundem Zusammenspiel von Gitarre, Bass, Keyboards, Schlagzeug und Mitsingrefrains. Dazu mal 'n kurzes Solo von Latimer und einige Teppiche, gewebt von den Keyboards. Alan Parsons war im selben Jahr mit der Platte Eye in the sky recht gut in den Charts. Und diese ist zwar technisch aufwändiger und hört sich mehr aus einem Guss an, musikalisch ist sie aber nicht so weit weg von The single factor. Wobei ich jene besser finde, da sie abwechslungsreicher ist und auch im Gesamtwerk der Band für sich steht. Beim APP dagegen gibt's so einige Platten die ganz ähnlich klingen. Verwechslungsgefahr.

Ich persönlich mag auch die schnulzige Ballade Heroes sehr, auch weil ich den Gesang von David Paton gut finde. Und die Instrumentalstücke (und Lullabye) sind zwar keine großartigen Besonderheiten, aber sie sind stimmungsvoll und entspannend, mal abgesehen vom eher schnellen Sasquatch, das aber einer meiner Lieblingssongs ist, weil es auch auf Pressure points auftaucht. Dazu ist aber zu sagen, dass die Liveversion deutlich kraftvoller und daher auch besser ist, als diese Studioversion.
Von Seite 2 fallen mir noch besonders ins Ohr: Erstens Camelogue, das Andy Latimers Unsicherheit über den Weg der Band ausdrückt und ein nettes Stück Gitarrenmusik mit schönen Melodien ist. Dieses zeigt auch schon ein bisschen den Weg in den 90ern auf: etwas ausgebaut könnte ich mir das Lied auch auf einer späteren Platte vorstellen. Zweitens A hearts desire, das wiederum nichts besonderes ist, aber trotzdem ein angenehmes, ruhiges Lied.


Stay alive and rock on,
Harvey
(18.6.05)

 

Camel

(England)
Gegründet 1969 als
"The Brew"
Erste VÖ 1972 "Camel"-LP

Musiker 1982:
Andy Latimer: guit, voc, piano, keys, b, organ
David Paton: b, voc
Graham Jarvis: dr
Anthony Phillips: piano, organ, guit, keys
+
diverse Gäste


Link
Camel
Lady Fantasy
Rhayader
Moonmadness
Raindances
I can see your house from here
Pressure points
Harbour of tears
Rajaz

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: