Misfits: Walk among us
(24:55, 1982)
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Misfits: Evilive
(13:04/23:41, 1982)
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Zwei supergeniale Smasher
von den Misfits im Jahr 1982!
Hey, die hätte man auch höher plazieren können.
Bei mir aber nicht und warum, das erläutere ich mal.
Als ich die Misfits
entdeckt hatte, wollte ich Platten von denen. (Über die
Entdeckung habe ich schonmal anderswo geschrieben.)
Und das war scheisse schwierig. Ich kaufte mir also Legacy
of brutality, wo noch nichtmal dabei stand, von wann die
Songs waren! Von dieser CD waren meine Favoriten Where
eagles dare und Helloween. Das inzwischen erhältliche
aber früher nicht erschienene erste Album Static age
finde ich zwar ganz gut, aber es sind nicht die Misfits
wie ich sie damals am besten fand.
Ich konnte das beurteilen, weil ich mir auch einen Bootleg
kaufte, auf dem sich Demos befanden (später alle in der
Box) und da waren eben auch Songs von Walk among
us drauf. Aber der Sound war Müll, ich suchte also
weiter. Selbst die erste Collection war damals kaum
zu kriegen.
Ich fand denn beim CD-Verleih Wolfblood/Earth AD und
die knallt zwar richtig rein, stellt aber auch nicht meine
Lieblingsphase der Misfits dar.
Und denn kriegte ich die
Platte oben rechts für DM 9.- second hand. Geil! Das
ist die deutsche 12", von der Länge her eine EP.
Vorher war sie bereits in den USA als 7" erschienen und
hatte mehrere andere Cover. Heute gibt's eine CD dazu mit
ganz neuem Cover und die CD enthält ein paar Songs mehr,
so dass man auf die unglaubliche Spielzeit von fast 24 Minuten
kommt.
Eigentlich 'ne Frechheit, zumal selbst die Misfits
keine derart kurzen Konzerte gegeben haben.
Ich habe die lange Version als CD in der Sarg-Box und finde
es sehr, sehr ärgerlich, dass da der Sound versaut wurde!
Auf meiner CD ist der ganze Mittelteil der Livesongs (also
gerade die "neuen" gegenüber der LP) am Fiepen,
dass es total nervt. Ich nehme aber an, dass das auf der Einzel-CD
aus dem Handel korrigiert ist.
So höre ich also noch häufiger mein Vinyl, weil
die CD so scheisse klingt.
Trotzdem habe ich die Platte nicht so oft gehört, wie
sie es verdient hätte, eben weil es nervt, alle sechs
Minuten gleich wieder umzudrehen.
Meine Suche war damit noch
nicht beendet. Als nächstes legte ich mir einen Bootleg
zu, der eine Single- und EP-Zusammenstellung war, so ähnlich
wie die 12 hits from hell. Und da waren nun sehr geile
Songs drauf und zwar auch 'n paar von Walk among us.
Kurz darauf kam die Box raus, die ich mir selber als
Belohnung für irgend'ne Prüfung schenkte.
Ärgerlich war nun, dass zwar die beiden Collections
und Legacy of brutality und Evilive und Earth
AD und Static age und viele Demos in der Box sind,
aber eben NICHT Walk among us. Und auch fast keine
der Versionen von Walk among us. Meistens macht das
nicht so viel, wenn man halt nur den Song will. Es sind ja
zu den meisten Stücken sogar mehrere Versionen vorhanden,
also pfeif' ich auf die spezielle Walk among us-Version.
Aber: All hell breaks loose gibt's nur auf diese CD
in der Studioversion und ebenso gibt's nur auf Walk among
us die Liveversion von Mommy, can I go out and kill
tonight? Und das macht denn schon einen Unterschied.
Trotzdem war ich lange bockig und hatte Walk among us
eben nicht.
Das sind also die Gründe,
weshalb nur Platz 6 für diese Platten.
Nu aber mal zu Musik!
Geboten wird schneller Punkrock im Kellersound mit Horrortexten.
Fast alle Songtitel stammen von B-Movies aus den Genres Horror
und Science-Fiction. Dazu passt das abgefahrene Cover.
Hymnisch, melodisch, kultig und hundert Prozent nach vorne
geht's hier zur Sache.
Man merkt den Songs an, dass die nicht alle zur selben Zeit
aufgenommen wurden und dass sie auch nicht zur selben Zeit
geschrieben wurden. Aber das erhöht den Punkrock-Faktor
noch. Devils whorehouse klingt für mich wie ein
Vorgriff auf Samhain, Braineaters ist ein Scherz
(aber ein guter!) und Violent world könnte das
einzige etwas(!) langweiligere Lied sein.
Der Rest sind dann nur die absoluten Hämmer, Songs die
die Misfits repräsentieren: 20 eyes, Night
of the living dead oder meine persönlichen Renner
Skulls und Astro zombies.
Bei Evilive gilt das im Prinzip genauso, der Sound
ist einheitlicher, dafür sind die Instrumente nicht gestimmt
oder kaputt oder werden nicht fehlerfrei bedient, aber hey!,
das muss so!
Zu einem Großteil der Songs von Walk among us
kommen dort (ich rede jetzt von der langen Evilive-Version)
noch vier Klassiker: Horror business (...Horror
business... echo), London dungeon, Horror hotel
und Ghoul's night out. Gerade die letzten beiden gehen
so richtig ab!
Auch drauf ist We are 138 mit Henry Rollins.
Wenn ich also jetzt mal alle
Misfits "Longplayer" vergleiche, auch die
Compilations, dann ist Walk among us eindeutig die
beste davon. Und noch besser und auch fairer wäre es,
wenn man sie mit Evilive koppeln würde. Sind immerhin
beide von '82 und wären zusammen 48 Minuten.
Die kurze Version von Evilive wurde mal mit Earth
AD auf eine CD gepresst (aber ohne Studio-Mommy),
aber die wird man nur selten finden.
Jedenfalls - beide Scheiben animieren sofort zum wilden Pogo.
Besser geht's nicht!
Allerdings ist mir gar nicht
nach Pogo und Party zumute im Moment. Hab schon wieder 'nen
Moralischen.
Manchmal denke ich, ich lebe nur aufgrund meiner Vergangenheit.
Ich denke zwar nicht ständig über diese nach, aber
mir scheint, mein Handeln und auch meine Vorstellung von der
Zukunft sind ganz stark beeinflusst von der Vergangenheit.
Ich war immer recht zielstrebig
und lasse auch nicht locker, wenn ich mich auf dem Weg zu
einem Ziel befinde. Doch die Auswahl dieser Ziele, wie geschieht
die? Das ist eben die große Frage und ich meine, diese
Auswahl trifft meine Vergangenheit. Dabei sollte man natürlich
meinen, dass Ziele, die ja in der Zukunft liegen, von nach
vorne gerichteten Gedanken oder wenigstens von der Gegenwart
ausgesucht werden sollten.
Stagnation ist nicht gut,
doch so wie ich das beschreibe, ist mein Leben genau das.
Wenn die Zukunft schon in der Vergangenheit vorgezeichnet
wurde, dann ist keine Spontaneität da, keine Ideen, nichts
Neues.
Und in gewisser Hinsicht bin ich auch konservativ, mag einmal
eingespielte Abläufe, bin wenig spontan und weiche eben
nicht vom Weg ab, auch wenn ich gar nicht mehr sicher bin,
warum ich diesem Weg überhaupt folge.
Ist ja auch ganz praktisch,
wenn man ohne groß zu denken sein Ding durchzieht. Da
erspart man sich Zweifel und so seltsame Sinnkrisen, wie sie
von mir dann gleich an dieser Stelle in die Welt hinaus posaunt
werden. Psychologisch gesehen ist völlig klar, warum
man für seine geistige Gesundheit dem typischen spießigen
Lebenslauf von Schule (brav sein), Ausbildung (erfolgreich
sein), Arbeit (dafür leben), Heirat (macht man so), Kinder
(sind manchmal niedlich), Häuschen bauen (Erfolg muss
sichtbar sein) und schließlich Rente (gezz bin ich durch
mit'n Leben) folgen sollte. Keine Zweifel. Alles klar. So
läuft's.
Wären wir ein Volk von
zig Millionen Individualisten, die sich immer hinterfragen,
die 'nen kreativen Beruf wollen und dann machen, was sie selbst
wollen, dann würde ja das Chaos ausbrechen. Gerade Deutschland,
gerade die Deutschen, könnten damit gar nicht fertig
werden. Hier im Land der Zettelberge und Antragsformulare,
wo man lernt, höflich und unauffällig zu sein, da
wäre das unvorstellbar.
Manche anderen Nationen scheinen da eine Mentalität zu
haben, die viel stärker in diese Richtung geht. Aber
natürlich ist der bürgerliche Lebenslauf dort nur
anders ausgeformt.
Was für mich bleibt,
ist trotzdem die Tatsache, dass ich zu wenig selbst Gestalter
meines Lebens bin und zu viel von alten, unbedachten oder
notgedrungenen Entscheidungen gelenkt werde.
Und in der Rückschau ist es zumindest momentan mal wieder
so, dass ich immer nur die guten Dinge, die heute nicht mehr
sind und die früher ausgelassenen Gelegenheiten sehe.
Man liest oftmals irgendwelche Interviews, in denen die Befragten
sagen müssen, ob sie im Nachhinein etwas an ihrem Leben
ändern würden. Und oft sagen die "ich bereue
nix!". Und wenn man mich das bei guter Laune fragen würde,
sage ich auch spontan "nein", denn mir gehts ja
ganz gut und ich hab keine größere Fehler oder
so gemacht bisher.
Aber wenn ich mal genauer nachdenke, dann könnte ich
immer direkt anfügen, dass ich vieles nochmal neu erleben
bzw. "leben" würde mit meiner heutigen Erfahrung,
wenn ich es denn könnte.
Aber das geht natürlich nicht. Und es scheint mir, als
suche ich vielfach danach, dann eben heute so ähnliche
Momente und Situationen herbeizuführen wie diese, die
ich gerne mit mehr Lebenserfahrung wiederholen würde.
Vielleicht mache ich deshalb
einige für mein Alter untypische Dinge, weil ich versuche,
Situationen aus Jugend und Twens neu zu erleben. Und es ist
auch wieder klar, dass das scheitern muss.
Man kann die Vergangenheit nicht zurück zaubern und man
kann auch nicht so tun, als wäre man wieder 18. Ein paar
Jährchen sind ja machbar. Als ich 28 war, meinten manche
Leute, ich würde wie 24 wirken. Fein, das ist ok.
Mit den Jahren wird die Spanne, die man in seinem gelebten
Alter gegenüber dem wirklichen Alter zurückliegen
kann vielleicht etwas größer. Aber zehn Jahre wird
sie nie überschreiten, denke ich (und das ist schon viel!).
Gerade bei so soliden Typen wie mir. Bin ja kein Rockstar.
Aber weil die resultierenden
Verhaltensweisen nicht zu wirklicher Befriedigung des "Korrekturbedürfnisses"
der Vergangenheit führen können, kann ich im Endeffekt
eigentlich nur so unzufrieden wie ich auch vorher war da wieder
heraus kommen. Und möglicherweise führt es sogar
dazu, dass ich in einigen Jahren diese Zeit wieder als nicht
richtig ausgenutzt betrachte, weil ich jetzt ja immer noch
an der Zeit davor hänge.
Andererseits ist es eine
Sache, sich das so hier zu überlegen und eine andere,
irgendwelche Konsequenzen daraus zu ziehen.
Fakt ist, dass die wichtigen Lebensdinge wie Umgang mit Freunden,
Beziehung zum Weibsvolk und Berufswahl ganz deutlich in der
Kindheit in Bahnen gelenkt wurden. Und auch wenn ich inzwischen
ein ganz anderer Kerl bin als mit 10, 15 oder 20 (was auch
z.T. wieder ein Problem ist, weil ich mich sehr stark verändert
habe), so kann ich in manchen Sachen einfach nicht aus meiner
Haut. Ganz deutliches Beispiel ist diese Seite hier: den Listenfanatismus
hatte ich auch schon als Kind und ich habe auch damals über
die Listen geschrieben, allerdings war das überwiegend
irreales, erfundenes Zeug, diesmal sind's ja immerhin wirklich
existierende Platten.
Die beste Lösung ist
wahrscheinlich mal wieder ein Kompromiss. Zum einen die besagten
alten Kellerleichen aufspüren und sich mit Absicht dran
machen, sie zu bearbeiten und zum zweiten einfach zu diesen
Eigenschaften zu stehen und sich gut zu finden wie man ist.
Oberflächlich betrachtet finde ich mich auch ziemlich
gut, so wie ich bin. Als Jugendlicher habe ich echt öfter
vor dem Spiegel gestanden und versucht mir ganz stark einzureden,
dass ich 'n toller Typ bin und alles kann, was ich will. Sobald
ich dann das Badezimmer verließ, ging dieses Feeling
aber schnell wieder weg und spätestens wenn ich das Haus
verließ, waren Komplexe in Wagenladungen wieder da.
Da bin ich dann in der Stadt dem Mädel, in das ich gerade
verknallt war zufällig (!) über den Weg gelaufen
und konnte nur in hastigem Schritt an ihr vorbei rennen, das
"Hallo" so leise gemurmelt, dass sie es kaum vernehmen
konnte. Und die war nicht völlig unbekannt, sondern seit
Jahren in meiner Klasse!
Das läuft heute nicht
mehr so (obwohl: diese Situation habe ich auch schon lange
nicht erlebt), aber wenn ich eben etwas genauer nachdenke
und sehe, wie ich in manchen Dingen von so uralter Scheisse
bestimmt werde oder auch dauernd am Saufen bin, dann merke
ich, dass es mit der Selbstliebe doch nicht so weit her ist,
wie nötig wäre.
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