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Smashing Pumpkins: Adore
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(1998, 73:21)
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Eine düstere, technoide Platte.
Der Sänger mit überdimensionalem Ego
fühlt sich als Dracula-Reinkarnation mit
Glatze.
Als ich diese CD zum ersten Mal hörte,
fand ich sie nicht besonders gut.
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Und die zugehörigen
Videos animierten mich auch nur zum Weiterzappen.
Trotzdem heute eine meiner liebsten Platten des Jahres 1998.
Das ist vor allem bedingt
dadurch, dass ich sie in jenem Jahr ziemlich oft gehört
habe und meine Stimmung dabei immer sehr gut war.
Meine damalige Freundin hatte sich die CD gekauft und machte
sie immer wieder an, auch wenn sie selber sie weniger gut
fand als einige ältere Alben. Da gerade Adore
insgesamt sehr ruhig ist und bei uns auch alles bestens lief,
verbinde ich die Musik mit vielen schönen Momenten.
Objektiv betrachtet sind
sicherlich die ersten drei CDs der Smashing Pumpkins
besser. Dort gibt's mehr Gitarren und manche abgefahrenen
Songs.
Meine erste Begegnung mit
den Pumpkins fand 1993
statt. Ich war in Schottland im Urlaub und kaufte mir dort
eine Musikzeitschrift und wie ich dort lesen konnte, waren
sie gerade DER RENNER.
Zuhause fiel mir auf, dass die Singles von Siamese dream
häufig in Discos gespielt wurden, ich fand sie aber nicht
auf Anhieb gut.
Schließlich hatte der Carsten eine CD. Ich weiss nicht
mehr welche es war, ich glaube wohl Siamese dream.
Wir hörten sie aber nur selten, denn das war nicht die
Art Musik, die ich damals gut fand. Gewöhnungsbedürftiger
Gesang und eben weder Punk noch Prog.
Richtig gut gefielen mir
die SP erst ab 1995,
als ich Mellon Collie hörte. Eine Freundin spielte
mir damals die Doppel-CD vor (obwohl ich skeptisch war) und
sofort dachte ich: das hat was. Vielleicht hat mein Faible
für Konzeptalben mitgeholfen, vielleicht waren es auch
die etwas progressiven Strukturen einiger Songs, jedenfalls
besorgte ich mir aus dem CD-Verleih diese Doppel-CD und nahm
sie auf Tape auf.
Diese Kassette hörte ich oft, wurde aber dennoch kein
Fan von der Band, da mich der Rest ihrer Platten nicht wirklich
interessierte.
Das änderte sich dann erst kurz vor der Veröffentlichung
von Adore durch die besagte Freundin, welche noch mehr
CDs der Pumpkins hatte.
Insgesamt gesehen sind die
Smashing Pumpkins eine sehr innovative Band gewesen,
die immer wieder Neues probiert haben und dabei ganz unterschiedliche
Songs kreierten.
Adore fällt am deutlichsten aus der Reihe der
anderen Scheiben heraus. Dies kommt daher, dass die Platte
- wie gesagt - ruhiger ist und daher, dass sie Drumcomputer
und elektronische Effekte enthält.
Kein Wunder, dass mich dieses zunächst abschreckte.
Aber: erstens sind trotzdem schöne Melodien und Gitarren
vorhanden und durch die Verwendung von Akustikgitarren und
einer insgesamt glatteren, poppigeren Ausrichtung ist diese
CD sehr angenehm zu hören.
Sehr deutlich wird dieser
neue Stil zum Beispiel bei den ersten beiden Songs To Sheila
und Ava adore. Auf der einen Seite ein "Schlaflied",
auf der anderen eine softe Version der Nine Inch Nails
(plakativ gesprochen).
Dagegen ist Perfect bis auf den Elektronikkram ein
Song, der den eingängigeren älteren Stücken
sehr nahe kommt.
Dann folgt Daphne descends mit mystischen Keyboardsounds
und düsterem aber warmem künstlichen Rhythmus. Auch
hier gilt wie beim Rest der Platte: Billy Corgan singt
so gut wie selten zuvor. Ein sehr schöner Song, der mich
ganz wehmütig macht.
Die Platte ist zwar düster,
jedoch nicht deprimierend oder "böse". Ich
würde die Stimmung eher im Wechsel als romantisch und
melancholisch beschreiben. Manche Songs wie etwa Once upon
a time werden dabei auch zu zuckersüßem Pop.
Nicht zum Mitsingen oder Tanzen, aber "wohlklingend"
mit dicker Keyboardunterlegung, sehr softer Stimme und gleich
mehreren Lagen Akustikgitarre und Percussion. An anderen Stellen
sind künstliche Streicher am Werk, manchmal gerade noch
unterhalb der Grenze bei der ich das als zu dick aufgetragen
bezeichnen müsste.
Insgesamt wiederholt sich
allerdings auf der Länge von 73 Minuten auch das eine
oder andere. Es hätte sicherlich gereicht, 50-60 Minuten
Musik auf die CD zu pressen.
Dieser Tage hatte ich wieder
mal das Vergnügen, das Verhalten von Menschen auf Konzerten
zu beobachten. Und dabei wurde mir erneut sehr deutlich, dass
die Größe des Konzertes ein entscheidender Faktor
dafür ist, was man von den Zuschauern so erwarten kann
oder befürchten muss.
Das kleine Konzert (höchstens
200 Gäste) zeichnet sich dadurch aus, dass die meisten
Zuschauer die Musik nicht so richtig kennen. Dafür sind
aber auch ein paar Hardcore-Fans da, die jeden Song mitsingen
können. Viele Zuschauer schauen sich die Sache erstmal
mit etwas realem wie auch innerem Abstand an. Je nach Alkoholpegel,
Musik und Entertainerqualitäten der Band sind aber trotzem
heftige Moshpits möglich.
Die meisten Zuschauer verfolgen die Musik sehr genau, bis
sie festgestellt haben, ob sie das gut oder schlecht finden.
Wenn viele die Band eher schlecht finden, driftet das Konzert
in eine Art "Kneipe mit Livemusik"-Atmosphäre
ab, bei der die Akteure auf der Bühne weitgehend ignoriert
werden. Die Clubs der besagten Größenordnung bieten
aber beste Voraussetzungen für letzteres, denn die Wege
zur Theke sind kurz und es gibt viele Sitzgelegenheiten.
Das mittlere Konzert (maximal
ca. 800 Gäste) besteht meistens vom Publikum her fast
ausschließlich aus Leuten, die die Band zumindest ein
bisschen kennen. Keiner würde mittendrin anfangen, sich
auf Bier und Gespräche zu konzentrieren, denn jeder ist
extra wegen der Musik da und interessiert sich dafür.
Außerdem hat der Laden auch nicht diese Kneipenstimmung.
Oft sind derartige Konzerte nur so zu drei Vierteln ausverkauft,
so dass man gut Platz hat. Für mich die beste Sorte an
Konzerten. Man kann zudem bei dieser Größenordnung
meistens mit Bands rechnen, die sympathisch normal (weil keine
Superstars) sind, aber ihr Handwerk verstehen.
Das größere Konzert
(bis 2000 Gäste) ist da schon eine ganz andere Angelegenheit.
Die Bands sind entweder momentan recht angesagt oder alte
Helden, die auf eine Stammgefolgschaft zugreifen können.
Bei diesen Konzerten kommen viele Leute, die selten Livemusik
angucken, weil sie gar nicht solche großen Musikfans
sind. Aber durch entsprechende Werbung haben sie von dem Event
erfahren und einmal im Jahr kann man sowas ja mal angucken.
Hier ist aber auch damit zu rechnen, dass viele Zuschauer
Hardcorefans sind, aber eben auch so einige sich zumindest
zwischendurch auf Bierkonsum und Gespräche konzentrieren.
Gemeinsame Gesänge der offensichtlichsten Refrains sind
sehr beliebt und auch beim Mitklatschen sind die Zuschauer
engagiert dabei. Der Altersdurchschnitt ist höher als
bei den ersten beiden Kategorien (ich spreche hier ja von
richtigen Bands und nicht von irgendwelchen "Superstars")
und es sind besonders viele Päarchen da.
Das Riesenkonzert (maximal
15000 Gäste, Halle) ist nicht bloß ein Konzert,
sondern ein Ereignis. Der Eintritt ist happig und zieht dementsprechend
vor allem ältere Zuschauer an, die sich das auch leisten
können. Jeder kommt extra wegen des Konzertes, denn zum
Palavern ist das zu teuer, auch wenn trotzdem viele Zuschauer
sonst nur selten sowas angucken und vielleicht die Band auch
nicht richtig kennen. Da es sich aber um Megastars mit entsprechender
Show handelt, kann die Aufmerksamkeit nur schwerlich abschweifen
und das Publikum ist relativ konzentriert auf das Geschehen
auf der (möglicherweise) weit entfernten Bühne.
Aber man merkt auch, dass hier nur wenige textsicher sind,
bzw. überhaupt die Lust verspüren mitzusingen. Das
ist aber natürlich auch vom Standort abhängig: je
näher an der Bühne, desto mehr die-hard-Fans.
Noch größere Konzerte
wären Stadion-Open Airs und die werden von mir besonders
ungern besucht (es sei denn Festivals) und es ist auch noch
nicht die Jahreszeit, deswegen lasse ich die mal weg.
"Mein" Konzert
kürzlich war eines der dritten Abteilung (größer)
und ich hatte mit ein paar der typischen Probleme zu kämpfen:
Leute, die während der ruhigen Songs laustarke Unterhaltungen
führen, Menschen die einem den Songtext ins Ohr brüllen,
dicke Typen, denen der Schweiß literweise an Stirn und
Nacken runterläuft und ätzende Kerle, die sich zwecks
Biernachschub alle zwanzig Minuten vorbei drängeln.
Generell finde ich das Publikum bei den ersten beiden Sorten
Konzert, also den kleineren Konzerten, angenehmer, denn es
sind eher Leute, die sich wirklich für Musik interessieren
und es sind jüngere Leute. Außerdem sehen sie im
Schnitt weniger Scheisse aus bzw. benehmen sich auch nicht
so. Es gibt natürlich Ausnahmen. Bei Punkkonzerten ist
ja oft mindestens ein besoffener Asi dabei, der dauernd Kommentare
reinbrüllt oder alternativ alle Tänzer zum Blutpogo
zwingt.
Ja, so ist das mit die Konzerte.
Die Smashing Pumpkins habe ich ja sogar auch mal live
gesehen. Das war auch bereits 1993, bevor ich sie also richtig
gut fand. Ich kannte damals auch die meisten Songs nicht und
es war auf einem Festival, bei dem ich dann bei solchen für
mich nur mäßig interessanten Bands meine Konzentration
auch eher auf's Biertrinken gelegt habe. Dennoch hab ich mir
hinterher notiert "ganz nett", es kann also nicht
so schlecht gewesen sein. Allerdings habe ich inzwischen keinerlei
Erinnerung mehr an das Konzert. Aber wir standen auch ziemlich
weit weg, vielleicht von daher nicht so einprägsam. Könnte
ich mal den Carsten fragen, ob der noch mehr davon weiss.
Aber später hatte ich
auch nie das Bedürfnis, die SP live zu sehen.
Und dieses lag weniger an der Musik, sondern eben daran, dass
ich Billy Corgan unsympathisch finde. Eine bisschen
wie Andrew Eldritch: am Rumposen und Scheisse labern, aber
immer überzeugt, der Held zu sein.
Allerdings muss man ihm zugute halten, dass er seine letzte
Pumpkins-Platte zum freien Download ins Internet gestellt
hat und auch sonst die Kommunikation mit den Fans pflegt.
Das merkt man Adore
nicht an, denn auch wenn es einen warmen Sound hat, wirkt
es etwas steriler als die anderen Alben. Da tragen aber zum
großen Teil auch das Artwork der CD und eben die Videos
mit bei. Bei den Songs dominieren neben der Technik und den
elektronischen Drums dann doch meistens die Gitarren zusammen
mit dem Gesang.
Ich denke, dies ist eine gute Platte.
Für mich wird sie durch den Zusammenhang in dem ich sie
kennen lernte sogar zu einer sehr guten Platte.
Stay alive and rock on,
Harvey
(15.4.05)
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