harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Liederbuch 1977


David Bowie: Heroes
 

David Bowie: Heroes
(Song, 6:08, von "Heroes", 1977)

Der Song war 1977 in Deutschland nicht in den Charts.
Die LP auch nicht, obwohl sie bekanntermaßen in Berlin aufgenommen wurde.

Allerdings ist sie auch recht seltsam. Ich kann wenig mit den - oft instrumentalen - Stücken anfangen. Im Prinzip bräuchte ich die CD gar nicht, wenn da nicht das Lied Heroes wäre.

Ich habe das hier mal "Liederbuch" genannt, weil ich heute ähnlich wie in einem Bilderbuch kurze Episoden zu Liedern vorstelle. Na, und ich war halt 1977 auch noch im Bilderbuch-Alter.

Heroes kannte ich allerdings 1977 noch nicht.
Ich lernte es später als einen Hit meiner Jugend kennen, weil es ständig in der örtlichen Alternative-Disco lief.
Ich weiss: genau so "ständig" wie das da lief, so abgenutzt ist es auch!

Trotzdem: ich finde den Song noch immer phantastisch. Schon vom Text her, aber auch wegen der eigenartigen Stimmung, die auch zu großen Teilen von (vermutlich) Robert Fripps wehmütiger Gitarre erzeugt wird.

Mir fehlt allerdings noch die deutsche Version des Songs, die auf dem Christiane F. Soundtrack ist. Habe ich mir bisher nur wegen dieses einen Stücks noch nicht gekauft.

Mein zweites Lieblingslied von David Bowie ist übrigens der Monstersong Station to station, der tatsächlich ebenfalls in dieser Disco gespielt wurde. Und das war ein Ereignis!
Diese beiden Stücke haben überhaupt mein Interesse an Bowie geweckt. Allerdings geht es mir mit der Station to station Platte genau wie mit Heroes: richtig gut finde ich nur den einen Song.
Später habe ich dann entdeckt, dass noch ein Lied öfter in dem Schuppen gespielt wurde, jenes war mir nur nicht so aufgefallen: Space oddity, natürlich ebenfalls ein Renner.
Zu der Zeit (1991 etwa) hörte ich auch bei Freunden die Ziggy Stardust, die mir direkt gefiel.

Trotzdem blieb mein Bowie-Interesse eher sporadisch. Nachdem Hank mir mal eine seiner vielen Best-ofs ausgeliehen hatte, habe ich noch ein paar der dort enthaltenen Songs verfolgt, aber ich kenne noch immer diverse Platten nicht.
A propos Hanks Compilations: ich habe ja mal drüber abgelästert, aber ich glaube, inzwischen habe ich mehr Zusammenstellungen als er. Denn ich bin nunmal ein Sammler geworden und finde es dann ganz gut, von Gruppen die mich nur so mittelmäßig begeistern eine Übersicht über die "Hits" zu haben.
Aber natürlich gilt weiterhin: was scheisse ist und nicht gehört wird, fliegt auch wieder raus. Egal ob großer Name, supererfolgreiche Singles oder was auch immer.





David Bowie

(England)
Erste VÖ unter diesem Namen 1966 "Can't help thinking about me"-Single

Musiker 1977:
David Bowie: voc, keys, guit, sax
George Murray: b
Carlos Alomar: guit
Dennis Davis: dr
Brian Eno: keys, synth
Robert Fripp: guit


Link
Station to station

Anspieltipp:


The Boys: The boys
 

The Boys: First time
(2:20, Song, 1977, von "The boys")

Auch nicht platziert, diese Single!

Die Boys machten melodischen 70s Punk, laut Lexikon irgendwo zwischen Buzzcocks und Ramones.

Ich schreibe das so auf, weil ich es ganz passend finde.

Diesen Song habe ich durch die Toten Hosen kennen gelernt. Die hatten den nämlich auf Auf dem Kreuzzug ins Glück gecovert. Jene Restesammlung ist zwar nicht so besonders gut, aber zu der Zeit (1990) war das eine meiner ersten punkigen und damit "etwas anderen" CDs und wurde häufig gehört. Allerdings immer alleine, denn meine Freunde fanden die Hosen scheisse.

First time ist als Coverversion sehr gelungen, aber im Original noch einen Tick besser. Klingt schön nach billiger Aufnahme. Mir gefällt dabei vor allem auch, dass Punk Rock Liebeslieder macht und dass Punks liebenswert und einfühlsam sein können.
Natürlich ist auch die brutale, aggressive Seite des Punk interessant, aber die softe Seite muss auch mal sein und das können die Boys ganz gut.



The Boys

(England)
Gegründet 1976, erste VÖ "I don't care"-Single 1977

Band 1977:
Matt Dangerfield: guit, voc
Casino Steel: keys
Kid Reid: voc, b
John Plain: guit
Jack Black: dr



Eagles: Hotel California
 

Eagles: Hotel California
(6:29, Song, 1977)

Platz 6 in Deutschland!
Klingt etwas mager, tatsächlich ist dies eine der meistverkauften und besonders meistgespielten Singles überhaupt.

Ja, ja, das ist auch so 'ne "Classic Rock"-Kacke, die sich eigentlich nur Leute über fünfzig mit Plautze und Platte anhören.

Aber ich finde den Song halt ganz groß. Kann ich auch nix für. Wahrscheinlich Prägung, denn den kenne ich nun tatsächlich seit meiner Kindheit.
Das bisschen was ich sonst von den Eagles mal so gehört habe, hat mich auch eher gelangweilt.

Aber hier... wenn es 'ne Art "Highway feeling" durch Musik gibt, dann finde ich, hier wird es rübergebracht.

Klischeehaft und schnulzig, ja.
Aber egal! Ich freue mich echt immer, wenn ich diesen Song höre. Selbst wenn das an irgendso 'ner Örtlichkeit ist, wo dann sogleich die Friseusen mit ihren Dauerwellen und die Sachbearbeiter mit ihren Schnäuzern, beginnen, im Discofox die Glieder zu bewegen. (Brrr, was - jetzt wo ich mir das nochmal vor Augen führe - mit das Schlimmste ist, was man an einem vormals netten Abend überhaupt erleben kann!)

Irgendwie auch Hippie-Musik. Obwohl die Eagles die spießige Variante darstellen. Im Gegensatz zu den tollen Fotos im Intro haben die Eagles nämlich ein klein wenig kürzere Haare und Gesichtsteppiche nur auf der Oberlippe. Scheiss Look.
Aber Hippies sind gut.



Eagles

(USA)
Gegründet 1971
Erste VÖ 1972 "Take it easy"-7"

Besetzung 1977:
Glenn Frey: voc, guit
Joe Walsh: guit, voc
Randy Meisner: b, voc
Don Henley: dr, voc
Don Felder: guit, voc


Anspieltipp:


Bob Marley: Legend
 


Bob Marley: Jamming
(3:26, Song, 1977)

Weltweit recht erfolgreich diese Single, aber in good old germany wieder mal nicht.

Hier wird es mal Zeit, etwas zum Thema Reggae zu sagen.

Erstens: vor nicht allzu langer Zeit, hatte ich absolut was gegen diese Musik. Geändert hat sich dieses ein wenig, weil ich mehr Ska-Punk gehört habe, und das ist ja verwandt.

Zweitens: ich finde Reggae aber trotzdem eher langweilig und höre mir das normalerweise nicht an. Ich habe von Bob Marley auch nur die oben abgebildete Compilation (aha!).

Als ich 19 war, hatte ich 'nen Kumpel, der Reggae gut fand. Der brachte dann öfter Platten mit, die ich mir auch bereitwillig anhörte. Ich war neugierig und offen für Neues. Ich kramte sogar im (winzigen) Plattenschrank meiner Mutter und entdeckte drei Reggae Platten, eine davon von Bob Marley (ich weiss aber nicht mehr, welche das war).
Die habe ich mir dann in Ruhe nochmal angehört.

Das Ergebnis war: diese Musik interessierte mich nicht!
Naja, hab's ja versucht!

Wie gesagt, heute geht's ein bisschen besser. Und gerade Jamming macht echt gute Laune, finde ich. Vielleicht ist das auch gerade die Sache beim Reggae: mal ein einzelner Song ist wunderbar, nur eine Stunde oder länger nervt's dann.
Ich habe mich gefragt, warum mir wohl gerade dieser Song gefällt und meine vage Vermutung ist, dass meine Mutter halt die Exodus Platte von Bob Marley hatte, auf der ist der Song nämlich drauf.
Obwohl - es könnte natürlich auch genau die abgebildete Zusammenstellung sein, wäre ja auch möglich!?

Um nochmal zu den Hippies zu kommen.
Reggae und Hippies ist problematisch. Denn wenn die sowas hören, wollen die immer sofort 'nen Joint rauchen. Und durch den Joint noch mehr Reggae hören. Aber dabei natürlich noch 'ne Tüte durchziehen. Fieser Teufelskreis, der damit endet, dass weitaus mehr als der oben angesprochene eine Song gespielt wird und zusätzlich alle Leute nur noch bedröhnt in der Ecke hängen. Nich gut.
So is' das mit denen.


Bob Marley

(Jamaica)
Seit 1965 mit den Wailers aktiv
Erste VÖ "Simmer down"-Single

Band 1977:
Bob Marley: voc, guit
Aston Barrett: b
Carlton Barrett: dr
Al Anderson: guit
Tyrone Downie: keys
Alvin Patterson: perc
Julian Murvin: guit


Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik:

Jethro Tull: Songs from the wood
 

Jethro Tull: The whistler
(3:30, Song, von "Songs from the wood", 1977)

Wieder nicht in der Hitparade!

Also ist es doch so: bei Hitlist werden keine Hits vorgestellt!

Ich hatte sogar mal die Single vom Whistler, aber weil ich die B-Seite dann auf CD bekam, habe ich die wieder losgeschlagen.

Songs from the wood wurde mir als Zivi von den Kollegen zum Geburtstag geschenkt. Ich war total überrascht!
Vor allem, weil ich mir diese CD echt gewünscht hatte. Erst mit etwas Nachdenken habe ich dann gerafft, dass die meine Mama angerufen hatten und diese auf meinem "CD-Wunschzettel" nachgesehen hatte.

Denn als Zivi war es noch etwas Besonderes, eine neue CD zu bekommen. Ich konnte nicht, wie viele andere, das Zivigehalt hemmungslos verprassen, weil ich zuhause "Miete" bezahlen musste. Zusätzlich musste ich meine Klamotten ab da selber bezahlen und solche Dinge wie Taschengeld und Urlaubsgeld gab es natürlich auch nicht mehr. Blieb immer noch mehr übrig, als vorher mein Taschengeld gewesen war, aber ich wusste schon, dass ich später ein paar Rücklagen ganz gut gebrauchen könnte und habe deswegen jeden Monat 200 Mark gespart. Nach 15 Monaten Zivi waren dabei dann 3000 DM zusammen gekommen und soviel Geld hatte ich noch nie zuvor gehabt.

Songs from the wood gehört zur Mittelalter-Phase von Jethro Tull. In dieser klangen ein paar Platten stärker nach Folk und alten Instrumenten. Neben der besagten sind das vor allem Heavy horses und in geringerem Maße die anderen in zeitlicher Nähe.
Ich mag die Scheibe als Ganzes ziemlich gerne, aber andererseits ist das wohl nur mein persönliches Gefühl. Wenn ich sie genau höre, merke ich, dass doch viele Songs nur mäßig gut sind. Tull haben jedenfalls diverse weitaus bessere Platten aufgenommen (schlechtere aber auch!).

The whistler ist ein schnelles, fröhliches Lied, das mich an Szenen mit dem Rattenfänger von Hameln erinnert. Aber genauso könnte einem auch Die Musik des Erich Zann von Lovecraft einfallen, bei diesem wilden, übermütigen Gepfeife. Da könnte man fast denken, hier wäre eine jugendliche Truppe am Werk, die noch nicht weiss, dass man solche Songs nicht macht.
Nun, gegen heute war der Ian Anderson auch noch jugendlich, er war immerhin erst knapp 10 Jahre "recording artist". Wahrscheinlich war er damals jünger, als ich es jetzt bin. Aber - er springt ja auch noch immer auf den Bühnen rum! Lockere weitere 28 Jahre später.

Jethro Tull gewinnen also im Jahre 1977 den Pokal für die beste Gaukler-Imitation. Und oben drauf lege ich auch noch 'nen alten, stinkenden Socken als Preis für das bescheuertste Cover des Jahres!


Stay alive and rock on,
Harvey
(14.1.05)

 

Jethro Tull

(GB)
Gegründet 1967
Erste VÖ 1968 "Sunshine day" -Single

Besetzung 1977:
Ian Anderson: voc, guit, flute, mand
Martin Barre: guit
Barriemore Barlow: dr, perc
John Evan: piano, organ, synth
David Palmer: organ, synth, piano
John Glascock: b


Link
Wondring aloud
One white duck
Stormwatch
Broadsword and the beast
Crest of a knave
Budapest
Rock island
Catfish rising
A little light music

Anspieltipp: