harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Orgel dir ein' 1977


Eloy: Ocean
 

Eloy: Ocean
(CD, 44:10, 1977)

Ocean: ein geniales Cover und vier lange Songs beschäftigen sich mit Mythen und Phantasien über Atlantis.

Genau das richtige für Eloy!
Und auch eine besonders erfolgreiche Platte, so dass man sich 1998 geneigt sah, einen Nachfolger namens Ocean II aufzunehmen.
Von jener Scheibe kenne ich nur die Single The answer und sie macht mir NICHT Lust auf mehr.

Aber Eloy in den 90ern, das ist sowieso eine andere Sache.
Am Ende der 70er befanden sich Eloy in ihrer pompösen Art Rock Phase. Es konnte gar nicht atmosphärisch und symphonisch genug sein und der Höhepunkt wurde mit dieser Platte vorgelegt.
Eingleitet wurde diese musikalische Ausrichtung vom (ebenfalls sehr guten) Vorgänger Dawn und ihren Ausklang fand sie mit Colours von 1980. Nach Colours dominierten dann kompaktere Songs und nach und nach etwas hardrockigere Klänge. Vor Dawn dagegen war die Musik stärker vom Blues, Krautrock und von 70er Rockikonen geprägt.

Als ich mit 18, 19 bei Kumpels auch Eloy hörte, war dies fast immer Silent cries and mighty echoes. Obwohl einige Leute auch andere Platten besaßen, kann ich mich nicht erinnern, dass mal was anderes lief. Alle anderen Eloy-Platten habe ich erst durch späteren Ausleihen oder den Einkauf auf Flohmärkten kennen gelernt.
Die LP von Ocean hat mich sofort fasziniert: das Klappcover zeigt auf der anderen Seite den zweiten Teil des oben zu sehenden Bildes. Das kommt gerade in LP-Größe und zu der Atlantis-Story sehr gut.

Außerdem sind drei der hier enthaltenen vier Songs auch auf der Live-Platte von 1978, welche ich auch oft gehört habe.
Die remastered Version, die letztes Jahr von Ocean rausgekommen ist, bietet allerdings außer einem etwas aufgebesserten Klang keine weiteren Extras.

Ocean lebt von ausgedehnten Keyboard- und Orgelpassagen, die im Wettstreit mit den Gitarrensoli stehen. Lange Instrumentalparts gibt es in jedem der Songs und das ist auch gut so, denn der Gesang ist wieder nur mäßig, vor allem wegen der schlechten Aussprache der englischen Texte.
Es finden sich allerdings auch rockigere Abschnitte. Insgesamt ist die Platte gut durchdacht und sehr professionell aufgenommen. Mit dem Schwinden der Naivität der ersten Platten sind allerdings auch weniger Experimente verbunden: zwar sind die langen Songs durchaus abwechslungsreich und von den Instrumenten her sehr spannend arrangiert, aber eben auch nicht "progressiv" im ursprünglichen Sinne des Wortes.

Aber das ist egal.
Mit geht es jedenfalls so, dass ich problemlos die 45 Minuten für diese CD ganz konzentriert und trotzdem sehr entspannt im Sessel verbringe und mit Kopfhörern lausche, welches dichte Gewebe an Sounds da bei mir ankommt. Großartige Platte!





Eloy

(Deutschland)
Gegründet 1970
Erste VÖ 1971 "Eloy"-LP

Besetzung 1977:
Frank Bornemann: voc, guit
Detlev Schmidtchen: organ, keys, synth
Klaus-Peter Matziol: b
Jürgen Rosenthal: dr, flute


Link
Power and the passion
Silent cries and mighty echoes

Anspieltipp:


Yes: Going for the one
 

Yes: Going for the one
(38:40, 1977)

Eine Platte, die den Umbruch einleitete.

Angefangen mit dem Cover, auf dem seit Jahren zum ersten Mal kein Bild von Roger Dean zu sehen war.

Zum einen war der verlorene Sohn wieder zurück: Rick Wakemans Ausstieg war mit nur einer Platte (Relayer) doch recht kurz gewesen. Weiterhin fanden hier unerwarteterweise auch poppige, kurze Songs ihren Weg auf die Platte.

Schaut man sich die Songwriting-Credits an, so ist Chris Squire relativ wenig vertreten. Jon Anderson ist der Main Man. Vielleicht hat er die Richtung der Musik zu vertreten, denn beim orientierungslosen Nachfolger Tormato ist die Zahl der Songwriter größer und variabler.

Für mich persönlich war Going for the one eine meiner drei ersten Yes-CDs. An welcher Stelle sie genau rangierte, kann ich aber leider nicht mehr nachvollziehen.
Da ich über die Yes der 80er Jahre eingestiegen bin, mag man meinen, dass diese Platte schwierig für mich gewesen wäre, doch dem war nicht so.
Unerklärlicherweise war ich von Anfang an begeistert von Going for the one, so sehr, dass ich sie lange Jahre als meine liebste Yes-Platte bezeichnete. Erst in neuerer Zeit höre ich sie nicht mehr so oft und würde vielleicht eher Close to the edge oder auch Drama (!) wählen.

Und ich kann mich erinnern, dass meine Kumpels früher diese CD auch sehr gut fanden. Sogar der Jens mochte sie.
Als ich denn mal 'ne Freundin hatte, wollte ich sie mit der sakralen Schönheit der Musik beeindrucken und spielte ihre die besten Songs vor. Da sie auch auf sphärische und tiefgründig klingende Musik stand, rechnete ich mit Beifallsstürmen, doch das Gegenteil war der Fall. Ganz unsensibel sagte sie mir, dass dieses hier absolut seltsamer Kram sei und ich ihr sowas bitte nicht nochmal zu hören geben sollte!

Ja, fein!

Wo ich doch gerade von den Kirchenorgeln immer so begeistert war!
Allerdings ist mir inzwischen auch aufgefallen, dass sie für den unbedarften Hörer an vielen Stellen erstmal nervig wirken können. Der Wakeman kennt halt keine Gnade und haut so richtig rein.
Ich weiss, dass viele Yes-Freunde auch nicht besonders viel von Going for the one halten. Das mag daran liegen, dass die Platte weniger experimentell als die vorherigen Sachen ist oder eben auch an dem kaum Akzente setzenden Bass.
Aber im Gegenzug erhält man halt besonders viel Atmosphäre, eine ruhige meditative Stimmung (meistens jedenfalls) und sehr exzessiven Einsatz von klimpernden Perkussionsinstrumenten.
Also alles noch ziemlich Hippie-mäßig. Parallelen zu Andersons (sehr gutem) Solodebut Olias of Sunhillow vom Jahr davor sind vorhanden und ich wüsste gerne, ob nicht einige Songs auf dieser Yes-Scheibe "Reste" seines Olias-Songwritings sind.

Den Einstieg zum Titelsong mochte ich allerdings noch nie: eine etwas unpassende Country-Gitarre paart sich mit fettem Bass und piepsigen Keyboards. Das Stück wird dann aber nach und nach besser. Im Moment scheint mir gerade aber auch, dass der Sound nicht besonders gut ist. Da ich die remastered edition noch nicht habe, kann ich leider nicht sagen, in wie weit er da besser ist.

Der erste Höhepunkt ist Turn of the century, das von einer wundervollen Akustikgitarre eingeleitet, von warmem Bassspiel geprägt und von vorsichtigen aber hervorragenden Keyboards (bzw. Klavier) unterstützt wird. Das Schlagzeug beschränkt sich hier auf Percussion. Hervorragend! Noch immer einer meiner Yes-Lieblingssongs.
Genau in derselben Wellenlänge liegt auch das 15minütige Awaken, das ich mir auch schon sehr oft unabhängig vom Rest der Platte angehört habe. Einer der Übersongs von Yes, begleitet von der umwerfenden Kirchenorgel und mit faszinierender Gitarrenarbeit von Steve Howe.

Dazwischen gibt es mit Wonderous stories ein kleines, nettes Lied, das auch Single war und so von Yes noch nicht gehört wurde sowie mit Parallels eine bombastische Ballade, bei der die Kirchenorgel dominiert und der Bass aber auch wieder mehr zu hören ist. Gut!

Früher war ich ehrlich der Meinung, der Magie dieser Platte könne man sich gar nicht entziehen. Inzwischen weiss ich, dass ein Großteil der Magie nur in meinem Kopf rumzaubert(e).
Trotzdem: eine Yes-Platte, die ungewöhnlich ist und ein paar ganz besondere Momente bietet. Die Musiker sehen das wohl ebenso, denn sonst hätten sie nicht für die beiden Keys to Ascension-Mitschnitte Ende der 90er drei der Songs von Going for the one reaktiviert.


Stay alive and rock on,
Harvey
(21.1.05)

 

Yes

(England)
Gegründet 1968
Erste VÖ 1969 "Sweetness" -Single

Besetzung 1977:
Jon Anderson: voc
Alan White: dr
Rick Wakeman: organ, keys, piano
Steve Howe: guit
Chris Squire: b, voc


Link
Five per cent for nothing
Heart of the sunrise
Yessongs
Soon
Awaken
Drama
90125
Anderson Bruford Wakeman Howe
Quartet
Union
Keys to ascension 2

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: