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Yes: Going for the one
(38:40, 1977)
Eine Platte, die den Umbruch einleitete.
Angefangen mit dem Cover, auf dem seit Jahren zum
ersten Mal kein Bild von Roger Dean zu sehen war.
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Zum einen war der verlorene
Sohn wieder zurück: Rick Wakemans Ausstieg war
mit nur einer Platte (Relayer) doch recht kurz gewesen.
Weiterhin fanden hier unerwarteterweise auch poppige, kurze
Songs ihren Weg auf die Platte.
Schaut man sich die Songwriting-Credits
an, so ist Chris Squire relativ wenig vertreten. Jon
Anderson ist der Main Man. Vielleicht hat er die Richtung
der Musik zu vertreten, denn beim orientierungslosen Nachfolger
Tormato ist die Zahl der Songwriter größer
und variabler.
Für mich persönlich
war Going for the one eine meiner drei ersten Yes-CDs.
An welcher Stelle sie genau rangierte, kann ich aber leider
nicht mehr nachvollziehen.
Da ich über die Yes der 80er Jahre eingestiegen
bin, mag man meinen, dass diese Platte schwierig für
mich gewesen wäre, doch dem war nicht so.
Unerklärlicherweise war ich von Anfang an begeistert
von Going for the one, so sehr, dass ich sie lange
Jahre als meine liebste Yes-Platte bezeichnete. Erst
in neuerer Zeit höre ich sie nicht mehr so oft und würde
vielleicht eher Close to the edge oder auch Drama
(!) wählen.
Und ich kann mich erinnern,
dass meine Kumpels früher diese CD auch sehr gut fanden.
Sogar der Jens mochte sie.
Als ich denn mal 'ne Freundin hatte, wollte ich sie mit der
sakralen Schönheit der Musik beeindrucken und spielte
ihre die besten Songs vor. Da sie auch auf sphärische
und tiefgründig klingende Musik stand, rechnete ich mit
Beifallsstürmen, doch das Gegenteil war der Fall. Ganz
unsensibel sagte sie mir, dass dieses hier absolut seltsamer
Kram sei und ich ihr sowas bitte nicht nochmal zu hören
geben sollte!
Ja, fein!
Wo ich doch gerade von den
Kirchenorgeln immer so begeistert war!
Allerdings ist mir inzwischen auch aufgefallen, dass sie für
den unbedarften Hörer an vielen Stellen erstmal nervig
wirken können. Der Wakeman kennt halt keine Gnade
und haut so richtig rein.
Ich weiss, dass viele Yes-Freunde auch nicht besonders
viel von Going for the one halten. Das mag daran liegen,
dass die Platte weniger experimentell als die vorherigen Sachen
ist oder eben auch an dem kaum Akzente setzenden Bass.
Aber im Gegenzug erhält man halt besonders viel Atmosphäre,
eine ruhige meditative Stimmung (meistens jedenfalls) und
sehr exzessiven Einsatz von klimpernden Perkussionsinstrumenten.
Also alles noch ziemlich Hippie-mäßig. Parallelen
zu Andersons (sehr gutem) Solodebut Olias of Sunhillow
vom Jahr davor sind vorhanden und ich wüsste gerne, ob
nicht einige Songs auf dieser Yes-Scheibe "Reste"
seines Olias-Songwritings sind.
Den Einstieg zum Titelsong
mochte ich allerdings noch nie: eine etwas unpassende Country-Gitarre
paart sich mit fettem Bass und piepsigen Keyboards. Das Stück
wird dann aber nach und nach besser. Im Moment scheint mir
gerade aber auch, dass der Sound nicht besonders gut ist.
Da ich die remastered edition noch nicht habe, kann ich leider
nicht sagen, in wie weit er da besser ist.
Der erste Höhepunkt
ist Turn of the century, das von einer wundervollen
Akustikgitarre eingeleitet, von warmem Bassspiel geprägt
und von vorsichtigen aber hervorragenden Keyboards (bzw. Klavier)
unterstützt wird. Das Schlagzeug beschränkt sich
hier auf Percussion. Hervorragend! Noch immer einer meiner
Yes-Lieblingssongs.
Genau in derselben Wellenlänge liegt auch das 15minütige
Awaken, das ich mir auch schon sehr oft unabhängig
vom Rest der Platte angehört habe. Einer der Übersongs
von Yes, begleitet von der umwerfenden Kirchenorgel
und mit faszinierender Gitarrenarbeit von Steve Howe.
Dazwischen gibt es mit Wonderous
stories ein kleines, nettes Lied, das auch Single war
und so von Yes noch nicht gehört wurde sowie mit
Parallels eine bombastische Ballade, bei der die Kirchenorgel
dominiert und der Bass aber auch wieder mehr zu hören
ist. Gut!
Früher war ich ehrlich
der Meinung, der Magie dieser Platte könne man sich gar
nicht entziehen. Inzwischen weiss ich, dass ein Großteil
der Magie nur in meinem Kopf rumzaubert(e).
Trotzdem: eine Yes-Platte, die ungewöhnlich ist
und ein paar ganz besondere Momente bietet. Die Musiker sehen
das wohl ebenso, denn sonst hätten sie nicht für
die beiden Keys to Ascension-Mitschnitte Ende der 90er
drei der Songs von Going for the one reaktiviert.
Stay alive and rock on,
Harvey
(21.1.05)
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