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Hitlist
 




Rainbow: On stage
(1977, 64:04)


Rainbow: On stage
 

Wie kommt man dazu, seine Band "Regenbogen" zu nennen?

Vielleicht wegen die Schönheit desselben oder der Mystik, die sich im Mittelalter damit verband?

Für mich auf jeden Fall sehr Hippie-mäßig dieser Name.

Wie ich auf Rainbow gekommen bin habe ich schon ausführlich bei Long live rock'n'roll erzählt (Link siehe rechts).

Das besonders tolle an dieser Live-CD ist nicht nur die Tatsache, dass ich sie als erste hatte und weitaus öfter gehört habe als meine anderen Rainbow-CDs, sondern es sind vor allem die Versionen der Songs.

Hier wird improvisiert, ohne Ende soliert und mit reichlich Blues und auch etwas Gemütlichkeit gespielt.
Vergleiche: Kill the king ist etwa genauso lang wie auf Platte (hier plus Intro aus Der Zauberer von Oz, nett).
Man on the silver mountain wird mit einem etwas verkürzten Starstruck über eine Bluesimprovisation verbunden. Dabei ist Man nicht länger als im Original aber viel genialer gespielt und insgesamt ergibt sich aus den drei Teilen ein Monstersong von elf Minuten.
Catch the rainbow wird von sechs auf 15 Minuten ausgedehnt. Das groovt und zeigt umso deutlicher die Schwächen der ersten Rainbow-Platte: die Band (ex-Elf) hatte viel Rock'n'roll und ein wenig Heavyrock im Blut aber gar keinen Blues.
Mistreated von Deep Purples Burn ist mit 13 Minuten ebenfalls gigantisch und großartig.
Sixteenth century greensleeves ist nur ungefähr doppelt so lang wie auf dem Debut und trotzdem kaum wieder zu erkennen. Mein Lieblingsstück von dieser CD.
Still I'm sad von den Yardbirds kann in elf Minuten ganz gut die Emotionen vermitteln, die man mit dem Titel verbindet.

Mich wundert etwas, dass nur ein Song vom aktuellen Album drauf ist, dafür vier von der ersten Platte.
Auf der Doppel-CD Live in Germany gibt es zusätzlich zu den genannten Songs noch zwei eben von dem aktuellen Album (Rising). Außerdem soll dort der Sound noch besser sein. Ich besitze die aber nicht, weil sie mir bisher wegen zwei Songs nicht so lohnenswert erschien. Wenn ich mir jetzt aber nochmal überlege, dass einer davon Stargazer ist, ändere ich meine Meinung vielleicht doch, wenn ich das Teil mal günstig irgendwo sehe.

Gitarrengewichse könnte man das alles auch bösartig nennen. Von heute betrachtet müssen die Punkbands damals sowas hier noch viel mehr gehasst haben, als die Liveperformance von Genesis (von letzter Woche).
Natürlich ist das Egomanie pur. Aber - Blackmore macht eben auch überaus gute Sachen mit der Gitarre. Obendrein wissen auch die anderen Musiker zu gefallen. Mir persönlich drängt sich besonders Tony Carey mit seinen 70er Orgelsolos ins Ohr. Das ist der Mann, der sich danach in Deutschland niederließ und in der 80ern mit dem Song Room with a view einen Hit hatte.
Das war die Titelmelodie eines Drei- oder Vierteilers über den Amerika-Urlaub einer Familie. Ich weiss den Namen nicht mehr, aber ich glaube "Amerika" kam drin vor. Es spielten ein oder zwei zu der Zeit bekannte Schauspieler ("bekannt" im Rahmen des deutschen TV) mit. Ich weiss das noch, weil wir damals (1983 ??) "mit der Familie" alle Folgen geguckt haben und ich mir sogar später zufällig nochmal eine oder zwei davon angesehen habe. Es machte auch noch so ein Mädchen mit, die etwa so alt war ich ich damals und die ich ganz schnuckelig fand. Später habe ich sie mal (mit über 20) in irgendeiner anderen ganz üblen Serie gesehen, in der sie eine Reiterin spielte. Aber ich weiss verteufelt nochmal ihren Namen nicht mehr! Shit!

Na jedenfalls habe ich sogar zwei Soloplatten von Tony Carey aus den 80ern, die ich so mit 17, 18 irgendwo billig gekriegt habe und seitdem noch ca. zweimal gehört habe. Ich glaube das war sehr eingängige Gitarrenmusik. Nicht schlecht, aber auch total gesichtslos.
Ich vermute diese Platten sind nur in Deutschland erschienen. Auf der einen spielt Carey alle Instrumente selber, auf der zweiten machen sogar Carl Carlton und Eric Burdon mit, wobei letzterer in den 80ern glaube ich auch seinen Tiefpunkt hatte.

Wenn ich mir das so überlege, war diese Rainbow-CD für mich der erste Kontakt mit typischer 70er Jahre-Musik. Aqualung von Jethro Tull zähle ich mal nicht mit, weil ich das lange Zeit gar nicht zeitlich einzuordnen wusste, obwohl es natürlich auch deutlich aus der Zeit stammt.

Also: diese Platte ist extrem gut!
An die späteren Rainbow-Veröffentlichungen habe ich mich noch immer nicht herangewagt. Ich kenne ein paar der Hits und die sind brutal. Andererseits finde ich ja zumindest Joe Lynn Turner als Sänger ganz brauchbar, auch wenn er nie und nimmer an die Ausdruckskraft von Ronnie James Dio herankommt.
Aber aus Sammlerleidenschaft werde ich wahrscheinlich irgendwann doch mal ein paar der späteren Scheiben kaufen.

Muss wohl noch aus der Steinzeit kommen, dieser Sammeltrieb. Frauen haben das ja nicht so in dieser Form. Obwohl man die Anschaffung von Kleidern und Schuhen natürlich auch als Sammelleidenschaft bezeichnen könnte. Mit dem Unterschied, dass man dabei nichts vollständig haben kann und es auch weniger Spezialgeschäfte oder Börsen sind, wo man das Zeug kauft.

Ich bin schon mein ganzes Leben ein Sammler, vielleicht sogar heute weniger als früher. Denn heute könnte ich mir theoretisch noch viel mehr unnütze Platten zu kaufen, die nicht zum Hören, sondern nur zum Aufheben da sind. Aber das mache ich nicht, bzw. nur in begrenztem Umfang.
Als Kind habe ich zunächst Yps-Hefte, dann Micky Maus und Donald Duck gesammelt. Ich hatte natürlich nur sehr wenig Kohle, konnte mir noch nichtmal jede Ausgabe kaufen. Aber ich stöberte auf dem jährlich einmal bei uns im Ort stattfindenden Flohmarkt sehr eifrig danach und tauschte Hefte mit Freunden.
Auch einige Bücherserien habe ich gesammelt, Drei ??? zum Beispiel und trotzdem gehöre ich heute nicht zu den Leuten, die die Hörspiele noch immer toll finden.
Im Gegenteil! Für mich eher ein Zeichen bekloppter "Hipness", die für Träger von Trainingsjacken und Fans von Tocotronic ist, also ganz sicher nicht für mich!
Ich habe natürlich auch Fussballbilder und Knibbelbilder gesammelt. Von ersteren hatte ich mindestens drei Alben, alle so zu drei Vierteln voll. Von letzteren hatte ich nicht so viele, weil es bei uns zuhause nie Cola und dergleichen gab. Ich ging stattdessen zum Supermarkt und suchte mir die bei der Pfandrückgabe raus. Wenigstens das Poster "Rock- und Popstars" hatte ich halb voll.
Warum schmeißt man solchen Kram eigentlich immer irgendwann weg? Hätte mir nicht jemand sagen können, dass das mal eine coole Erinnerung und zudem wertvoll sein würde? Ich glaube, ich hab' diese Sachen ganz stumpf ein paar Jahre später beim Aufräumen in den Müll befördert.

Nicht in den Müll kamen meine Briefmarken. Yes, ich war so ein Briefmarken-Nerd!
Ich hatte die ganze Verwandtschaft darauf abgerichtet, mir ihre Marken zu geben und habe bis zum Alter von 13 Jahren sogar Geld für postfrische Exemplare ausgegeben! Ich konnte fast jede Marke der Bundesrepublik Deutschland nicht nur erkennen, sondern ihrem Erscheinungsjahr zuordnen und war im örtlichen Briefmarkenclub (eV).
Und wenn ich an die Typen in dem Club denke, dann kann ich nur hoffen, dass ich nicht ganz so schräg gewirkt habe damals wie einige der anderen. Da waren auch ein paar Jungs dabei, die schon zwei, drei Jahre älter waren und trotzdem "Briefmarken sammeln" als ihr größtes Hobby bezeichneten. So Leute, die noch mit 16 von Mami eingekleidet wurden und einen tollen Scout-Tornister trugen. Brrr!

Ich weiss auch wirklich nicht, warum dieses Hobby so beliebt ist. Wenn es wenigstens das historische Interesse wäre, aber dann dürfte man ja keine neuen Marken sammeln, sondern nur die der ersten Stunde. Und ich habe mir noch nichtmal Gedanken darüber gemacht, was die Motive der Marken überhaupt zeigen und zu bedeuten habe. Da stecken ja politische Dinge hinter!
Stattdessen gammeln die Marken in Alben rum und sind nur zum Angucken gut. Man kann nix mit machen. Irgendwann weiss man wie sie aussehen. Dann sind sie noch zum Vorzeigen gut, stehen also auf einer Stufe mit Breitreifen und Spoiler, nur dass sie nicht jedem zwangsweise vorgezeigt werden.

Jedenfalls ist mir inzwischen völlig schleierhaft, was dieses Hobby soll. Bitte, bitte liebe Mamas und Papas: bringt Eure Kinder nicht noch absichtlich dazu, sich mit bunten Papierschnipseln zu beschäftigen! Man kann seine Zeit sinnvoller verbringen.
Kauft ihnen lieber mal ein Instrument und 'ne gute CD. Da besteht dann sogar zumindest in der Theorie die Möglichkeit mit dem Hobby auch mal in Kontakt mit dem anderen Geschlecht zu kommen, was bei Briefmarken nicht nur wenig gefördert, sondern im Gegenteil eher aktiv verhindert wird!

Ich erinnere mich noch an die Blicke, als ich so ein Poesie-Album ausgefüllt und zurück gegeben hatte, in dem man seine Lieblingsdinge angeben muss und die Mädchen zu mehreren guckten, was ich denn geschrieben hatte.
Hobbys: Fußball und Briefmarken sammeln.

Übel war das.
Denn zu der Zeit war Fußball auch noch als Prollsport verschrien. Das ist erst seit Anfang/Mitte der 90er allgemein akzeptiert, ein Fußball-Fan zu sein. Als ich Grundschüler war - und auch noch danach - war Fußball was für Idioten. Und das war gar nicht mal gelogen, denn in meinem Verein war der Anteil an völlig Unterbelichteten sehr hoch... wenn man mit denen über Briefmarken reden wollte, kriegte man 'nen Tritt vor's Schienbein.
Und sonst auch.

Also Kids: selbst wenn ihr Briefmarken sammelt, schreibt doch einfach stattdessen "Gitarre spielen" rein und die Mädels werden zwar auch noch tuscheln, aber dabei nicht lästern sondern euch bewundern. Bis ihr das dann vorführen müsst, habt ihr sicher genug Zeit tatsächlich noch Smells like teen spirit oder auch irgendwas anderes zu lernen.

Meine Situation hat sich leider nicht sehr geändert.
Ich kann noch immer kein Instrument und auch wenn ich nicht mehr in Poesiealben schreiben muss, ist es trotzdem nicht so der Renner "Plattensammeln" als Hobby anzugeben. Voll ungerecht ey!
Mit Platten kann man doch viel mehr anfangen! Ich will die auch gar nicht zeigen!
Obwohl - hier auf dieser Seite, ist schon penetrant, wie ich mir einen absülze über meine super Platten.
Wenigstens weiss ich heute vorher, dass mich ablehnende Blicke erwarten! Und wenn das mal nicht so ist, dann weiss ich, dass ich meine Chance nutzen muss. Und die entsprechenden Frauen sind dann auch weitaus cooler, als diejenigen, die auf Briefmarkensammler stehen.

Stay alive and rock on,
Harvey
(19.2.05)

 

 

Rainbow

(GB)
Gegründet 1975
Erste VÖ 1975 "Ritchie Blackmores Rainbow"-LP
Aufgelöst 1983, kurzes Comeback 1995

Besetzung 1977:
Ritchie Blackmore: guit
Ronnie James Dio: voc
Jimmy Bain: b
Tony Carey: keys
Cozy Powell: dr


Link
Ritchie Blackmores Rainbow
Rising
Long live rock 'n' roll

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: