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Hitlist
 




Kyuss: Sky valley
(1994, 51:54)


Kyuss: Sky valley
 

Eine absolute Kultplatte.
DAS ist der Wüstensound. Diese CD definiert ihn.

Dazu gibt's sogar noch Tanzhallen-taugliche Knaller, also alles perfekt!

Vor ein paar Tagen habe ich das OX-Fanzine bekommen. Ich hatte das schonmal am Rande erwähnt, ich habe das Visions aufgegeben und hab' mir dafür dieses Punk-Teil bestellt. Und als ich letztens mal wieder ein Visions kaufte, merkte ich auch gleich wie richtig meine Entscheidung war. Ich mochte das sehr stylische Layout nicht, ich ärgerte mich über die zahlreichen bekackten Anzeigen und ich kannte nicht nur einen Großteil der Bands nicht (was nicht so schlimm wäre), sondern ich war mir bei den meisten davon sogar ziemlich sicher, dass ich sie scheisse finden würde.
Und da wollte ich sogar mal arbeiten! Jedenfalls dachte ich 'ne zeitlang, das wäre mein Traumjob. Aber früher hatte das Heft auch noch mehr Do-it-yourself-Charme, wirkte unkommerzieller und weniger arrogant.

Jedenfalls gefällt mir sehr gut, dass das OX sich auch den etwas neben dem Punkrock liegenden Stilrichtungen geöffnet hat. Da würde ich heutzutage gerne arbeiten, wobei man aber wohl dann damit rechnen müsste, nichts für diese Arbeit zu bekommen. Aber muss ja auch nicht, für dieses Geschreibsel hier bekomme ich ja auch nichts.
Im OX gibt es immer Kolumnen der wichtigsten Mitarbeiter, in denen sie über lustige Begebenheiten in ihrem Leben, politische Meinungen oder die persönliche Befindlichkeit erzählen. Das ist manchmal gar nicht so weit von dem entfernt, was ich hier mache, nur dass die nur alle drei Monate einen Text schreiben und nicht jede Woche.
Dieses Mal habe ich mich wieder sehr über die Kolumnen gefreut, denn sie haben mir das Gefühl gegeben, dass ich nicht alleine auf der Welt bin.
Doch, da gibt es Leute die normal arbeiten, die sogar manchmal noch einiges älter sind als ich und die trotzdem jugendlichen Unfug anstellen, rocken gehen, Punk hören und sich über ähnliche Dinge aufregen oder an ähnlichen Dingen erfreuen wie ich. Und zusätzlich schreiben die auch noch gerne, wow!
Das macht Spaß zu lesen, auch wenn ich nicht so ein Hardcore-Punk bin wie viele von denen. Und ich höre natürlich auch Musik, die dort gnadenlos niedergemacht wird oder wenigstens werden würde. Andererseits ist das eben mal wieder die nette Frage, was denn Punk überhaupt ist.
Und ich denke das ist neben einer Musikrichtung und einem Kleidungsstil eben auch eine innere Einstellung. Diese kann es in unterschiedlichen Ausprägungen geben, so dass es sehr verschiedene Personen sein können, die ihre Einstellung als "Punk" bezeichnen.
Damit kommt man auch gleich wieder zum Problem von solchen Szenen, nämlich dass die verschiedenen Strömungen oft der Meinung sind, "ihre" Umsetzung wäre die einzig richtige und man so bei inneren Streitigkeiten endet. Denn Kompromisse bilden heißt ja immer, einen Teil seiner Vorstellungen aufzugeben und dazu sehr tolerant zu sein. Und ich glaube inzwischen Toleranz ist eine Eigenschaft, die der Mensch von Natur aus erstmal NICHT hat.
Das gute am Ox ist aber, dass hier viele verschiedene Strömungen zugelassen sind und keine Grabenkämpfe ausgetragen werden.

Ausnahme dabei ist im Moment das Thema christliche Punkbands. Diese werden nicht toleriert.
Das wiederum finde ich auch gut so, denn wenn auch von mir aus jeder in seinem stillen Kämmerlein seinen wie auch immer gearteten Glauben zelebrieren soll, so soll er mich doch bitte mit Missionierungsversuchen in Ruhe lassen. Das gilt übrigens auch für Satanisten und Krishnas.
Es stellt sich weiterhin natürlich die Frage inwiefern der Gedanke eines Gottes mit dem Punkgedanken des selbstbestimmten Lebens und der Nicht-Unterwerfung unter Autoritäten vereinbar ist.
Aber ich meine, hier wird es sehr schwierig, denn alle die Leute, die in unserem Land leben, unterwerfen sich damit schon Autoritäten und wenn man überlegt, was man alles nicht so wirklich selbst bestimmen kann, gibt's da auch 'ne Menge. Der Punk(t) ist natürlich, gerade den Dingen die einen kontrollieren, von denen man aber freiwillig(!) ablassen kann, nicht die Kontrolle über Teile seines Lebens zu erlauben.
Wenn ich aber der Meinung bin, diese Kontrolle bringt mir ein besseres oder angenehmeres Leben, dann bin ich in einer Zwickmühle.

Joa. Das war jetzt aber ein Brocken pseudo-soziologischen (?) Gelabers. Konnte da noch jemand folgen? Wenn nicht, empfehle ich: erstmal zwei Bier trinken und dann nochmal lesen!

Auf Sky valley sind mit Gardenia und Demon cleaner zwei kleinere Hits. Als ich die früher dauernd in den Indie-Discos hörte, war mir nicht bewusst, dass sie von Kyuss sind. Gerade Gardenia klang auch sehr Heavy-lastig für mich und bis heute konnte ich mich für diesen Song nicht so richtig erwärmen. Ich habe bei diesen Stücken auch nie getanzt, was aber eher daran lag, dass ich nie bei unbekannten Liedern tanze. Kann man jetzt natürlich sagen, die seien ja nicht mehr unbekannt, wenn ich sie schon fünfmal inner Disco gehört habe. Aber für mich ist sowas nur dann nicht mehr unbekannt, wenn ich mir das auch mal zuhause in Ruhe und ganz genau angehört habe.

Warum mache ich das überhaupt so?
Viele Leute tanzen ja im Prinzip bei allem was so kommt, hauptsache man kriegt einigermaßen mit, wie man da mit'm Arsch (oder der Matte) wackeln muss.
Aber gerade die regen mich auf.
Denn das sind die, denen erstens eigentlich egal ist, was gespielt wird. Eine Einstellung, die in starkem Widerspruch zu meiner Ansicht steht. Und zweitens sind das auch diejenigen, die sich umso stärker tänzerisch betätigen bzw. sich besonders freuen, wenn möglichst bekannte Stücke gespielt werden. Denn dann wissen sie besser, wie sie wackeln sollen, weil sie den Kram schon mal öfter gehört haben. Und da ich nun gerade ein großer Freund der wenig abgenutzten bis völlig überraschenden Musik in Discos bin, kann ich insgesamt nur zu dem Schluss kommen, dass ich die Dauertänzer doof finde.
Manchmal bin ich natürlich schon auf den Gedanken gekommen, dass die es eigentlich besser machen als ich, denn ich würde ja auch gerne tanzen und hätte dann mehr Spaß als ohne. Und diese Leute legen einfach los und lassen die Musik als Hindernis zum Spaßhaben nicht zu. Das ist recht clever aber für einen Musikfreak wie mich einfach nicht machbar. Denn mein Herz hängt an den Songs und meine Stimmung kann deutliche Auf- und Abschwünge erleben, je nachdem was so für Mucke läuft. Deswegen ist es mir beim besten Willen nicht möglich, den Dauertänzern zu folgen und deswegen muss ich sie verachten.

Soweit also zur Toleranz.

Kyuss bieten neben den Hits ein buntes Potpourrie (schreibt man das so?) aus Psychedelic Rock (Asteroid), ruhigerer Akustik (Space cadet), punkigem Liedgut (Odyssey), vertracktem Zeug (Conan troutman) und dem was man sich heutzutage unter "Wüstenrock" vorstellt (der Rest).
Das ist nicht nur eine geniale abwechslungsreiche Mischung, sondern wirkt auch durchdacht, auch daran sichtbar, dass die Songs auf dem CD-Cover zu drei Gruppen zusammengefasst wurden. Was nun die Thematik oder Eigenheit dieser Gruppen ist, bleibt mir leider verschlossen, aber... es gibt ein Konzept! Auch wenn ich es nicht peile.

Zehn Jahre ist die Platte alt und wenn ich mir die heute so anhöre, dann finde ich sie sofort wieder deutlich besser als die letzte Queens Of The Stone Age.
Klar, die war ziemlich gut und die geht auch ein bisschen in eine andere Richtung (etwas straighter, etwas härter, etwas geplanter), aber weil die ja als eine Art Nachfolger zu Kyuss gesehen werden, kann man den Vergleich ruhig anstellen. Meine Meinung ist: Kyuss waren noch viel geiler.
Dabei hat auch hier Josh Homme fast alle Lieder geschrieben. Aber wahrscheinlich waren Kyuss trotzdem mehr eine richtige Band und die QOTSA sind eher so'ne Art Projekt.

Naja, super Scheibe, Pflichtteil für alle Freunde von Rockmusik.

Stay alive and rock on,
Harvey
(9.9.04)

 

 

Kyuss

(USA)
Gegründet 1991, aufgelöst 1996
Erste VÖ 1991 "Wretch"-CD

Besetzung 1994:
John Garcia: voc
Alfredo Hernandez: dr
Scott Reeder: b
Josh Homme: guit


Link
...And the circus leaves town
Fatso forgetso

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: