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Yes: Drama
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(1980/2004, 79:16)
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Hey, das ist quasi eine aktuelle CD-Vorstelllung
hier, denn "Drama" ist soeben als
Remaster mit zehn (!) Bonustracks erschienen.
Deshalb auch die lange Spielzeit, im Original
waren das nur knapp 40 Minuten.
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Ich weiss, dass diese Platte
unter einigen "wahren" Yes-Fans verpönt
ist.
Ich persönlich habe alle Yes-Scheiben und kann
auch diese in den Kontext der Zeit einordnen und trotzdem
finde ich, dass Drama ein echter Höhepunkt in
der Yes-Discographie ist.
Ich habe Yes durch
ihre 80er Hits kennen gelernt.
Meine erste CD war 90125 und von Anfang an waren wir
(d.h. meine Freunde und ich) der Meinung, die ganz alten Sachen
seien zu abgedreht. Seltsamerweise waren wir aber trotzdem
neben Big generator und Union sehr schnell Fans
von Going for the one und Drama.
Tatsächlich meine ich sogar, Drama wäre meine
zweite CD von denen gewesen.
Wir haben Drama damals
wirklich oft gehört. Diverse Pilse sind getrunken worden
bei dieser Musik. Und wir fanden die Platte alle sehr geil.
Das witzige dabei ist, dass wir zunächst gar nicht gemerkt
haben, dass hier nicht Jon Anderson singt!
Das lag natürlich auch daran, dass wir noch nicht so
richtig gut über Yes bescheid wussten. Trotzdem
kann man sagen, dass Trevor Horn nicht unähnlich
zu Anderson klingt.
Lustig war denn, als ich endlich gemerkt hatte, dass hier
jemand anderes singt und der Erwin noch nicht, und ich ihn
damit aufziehen konnte. Ist ja toll, mal besser informiert
zu sein über Musik!
Yes' Szenario damals
war folgendes: nach Tormato waren Anderson und
Wakeman ausgestiegen. Howe,
Squire und White machten weiter und stellten Buggles
ein.
Buggles waren Trevor Horn (auch als erfolgreicher
Pop-Produzent bekannt, auch von 90125) und Geoff Downes
(noch heute Chef von Asia).
Buggles hatten soeben ihre Platte The age of plastic
rausgebracht und waren recht erfolgreich mit dem Song
Video killed the radio star (gecovert von den Presidents
Of The United States Of America) gewesen. Das war eher
Techno-Pop.
Kurz am Rande: auf der zweiten Buggles-Scheibe (1981,
NACH Drama, eher ein Solowerk von Trevor Horn)
war eine neue Version des Drama-Songs Into the lens
(unter dem Namen I am a camera), die aber garnix bringt.
Jedenfalls ist Drama
zwischen dem altmodischen aber inkonsequenten Tormato
und dem modernen 90125 ganz gut verortet.
Denn obwohl das hier eindeutig in die Prog-Ecke gehört,
ist es doch modern gespielt und unheimlich kraftvoll.
Steve Howe wartet
mit besonders rockigen Gitarren auf, Alan White haut gut rein,
die Keyboards sind nicht orchestral sondern eher in Richtung
80er und vor allem der Bass groovt total genial.
Für mich ist sowieso Chris Squire DER Mann von Yes.
Als einziger an allen Platten beteiligt und stets durch sein
Bassspiel identifizierbar. Ausserdem auch sehr häufig
am Songwriting beteiligt.
Also: mag auch das Liveerlebnis
1980 nicht so der Hammer gewesen sein,
man höre sich diese Platte hier mal genau an!
Abgefahrene Tempowechsel, gute Einzelleistungen, exzellentes
Songwriting mit abwechslungsreichen Songs... Es passt einfach
alles!
Ok, Roger Dean legt
sein schlechtestes Cover vor, aber das ist wohl nicht so entscheidend.
Die Songs heben sehr gut
die Qualitäten der Musiker hervor. Das heißt, sie
sind nicht so vertrackt wie 1971, aber dennoch ist die Virtuosität
jedes Einzelnen zu hören. Die Songlängen bewegen
sich bis auf das kleine Zwischenstücke White car
im Rahmen von vier bis zehn Minuten. Aber auch die kürzeren
Stücke bringen sehr viele Ideen und Power unter. Genau
wie es sein soll: nicht zu ausufernd, sondern auf den Punkt.
Das ist wohl eine Fähigkeit, die gerade Rick Wakeman
etwas fehlte.
Und die Bässe sind genial!
Trevor Horn und Chris
Squire singen auch häufiger zusammen, so dass auch dadurch
die Unterschiede zum gemeinsamen Gesang von Squire und Anderson
kleiner werden. Denn: auch wenn man meint, bei Yes
wäre das immer nur Anderson, so macht der Squire
beim Gesang ganz schön oft mit.
Ich liebe diese Platte. Nicht
nur, dass sie Erinnerungen an alte Zeiten weckt, nicht nur
dass ich sie schon unglaublich oft gehört habe, nein,
sie macht auch heute als Prog Platte noch Spaß.
Was nun die neue Version
angeht, so ist diese uneingeschränkt empfehlenswert.
Die zahlreichen Bonustracks sind Single-Versionen, Demos in
der Drei-Mann-Besetzung und frühe Demos mit Jon Anderson.
Nicht nur für den Yes-Fan interessant, sondern
zum Teil wenigstens auch wirklich gut.
Letztlich kan ich mir den
Ruf der Platte nur durch Intoleranz der Yes-Fans erklären.
Musikalisch ist sie jedenfalls ein Renner.
Stay alive and rock on,
Harvey
(1.7.04)
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