harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 



Hitlist 1990
1
Gamma Ray: Heading for tomorrow
2
Danzig: II - Lucifuge
3
Suicidal Tendencies: Lights camera revolution
4
Fields Of The Nephilim: Elizium
5
Iggy Pop: Brick by brick
Folksmusik
Hey Punk!
Idols
Hitlist 1990

1990 war ein schönes Jahr.
Da gab es sehr viel gute Musik und auch ein interessantes Privatleben.

Schule gab es auch.

Ich hab' die Schule immer etwas zu wichtig genommen. 1990 war ich am Überlegen, ob ich freiwillig ein Schuljahr wiederhole, weil ich "zu schlecht" war. Wobei das in diesem Fall bedeutet, dass ich so einen Schnitt von 3 in etwa hatte.

Da würden manche sagen, ich sei wohl ein "Streber" gewesen und auch damals haben Klassenkameraden das behauptet.
Ich habe mich nie als solcher aufgefasst, denn ich war nie der Beste und ich legte auch keinen Wert darauf, es zu sein.
1990 begann ich allerdings, mir Gedanken über die Zukunft zu machen und fühlte einen Druck auf mir lasten, ich müsse ein besonders gutes Abi machen. Das war allerdings Unsinn wie ich auch noch im Laufe des Jahres merkte und mich dann nicht mehr so sehr um die Noten scherte.

Ich habe gerade kürzlich alte Aufzeichnungen gefunden, in denen ich auch hin und wieder aufgeschrieben habe, wieviel Hausaufgaben ich so gemacht habe. Und da kann von Streber keine Rede sein, denn meistens war das in 'ner halben Stunde erledigt. Im Gegenteil, ich hatte reichlich Zeit für Freizeitaktivitäten.
Da wurde sich unter der Woche mit Freunden getroffen um Spiele zu spielen, in die Kneipe zu gehen oder in seltenen Fällen sogar brutal zu feiern.
Tatsächlich: unter der Woche mal mit drei Leuten 'ne Kiste Pils allemachen kam schon vor. Nicht jede Woche, aber manchmal, insbesondere an Angelegenheiten wie Karneval, Geburtstage usw.
Das erscheint mir heute ganz schön heftig. Ein arbeitender Mensch würde sicher sowas nicht machen. Geht auch gar nicht, weil man ja Leistung bringen muss.

1990 musste ich nicht so viel Leistung bringen. Bzw. die Sauferei machte einfach auch nicht so viel aus. Mein Motto damals war "Ich kotze nie!" und zusätzlich fühlte ich mich auch immer ganz ok am Tag Danach.
Allerdings wurde dieses Motto dann auch hinfällig, als ich bei einer Stufenfete so wunderschön am Göbeln war, dass die Freunde gleich die ganze Belegschaft der Party nach Draußen holten, damit sie sich dieses Schauspiel ansehe. Im Gegenzug hab' ich dann die letzten Brocken an Chimpys Jacke abgewischt, auch nett.
Später bin ich noch rücklings umgekippt und habe mir 'ne böse Beule geholt und zwischendurch habe ich noch mit netten Mädels gesprochen, woran ich mich aber leider später absolut nicht mehr erinnern konnte (ich hab's nur dadurch erfahren, dass sie sich danach mit mir treffen wollte - also so scheisse kann ich gar nicht gewesen sein!).

Die Mädels waren 1990 natürlich sowieso sehr wichtig. Ich war andauernd "vernarrt". Ich nenne das absichtlich so und nicht "verliebt", weil das mehr eine übertriebene Verehrung von Schnitten, die ich gar nicht richtig kannte, war.
Oder ich kannte sie schon und konnte mich in Begeisterungsstürmen ergehen, aber trotzdem fehlte das tiefgehende Gefühl und es war eher unrealistische Euphorie, wahrscheinlich weil es keine anderen gab oder weil das eben so ist in dem Alter.
Letztlich war ich viel zu schüchtern und ängstlich, als dass aus dieser Vernarrtheit mehr geworden wäre. Aber solange man Träume hat, gibt's auch Hoffnung für die Zukunft.

Ansonsten war 1990 Musik ein immer größer werdendes Thema. Während ich die Jahre davor nur sporadisch Platten gekauft hatte, kam ich in diesem Jahr ein ums andere Mal in Geldnöte, weil neue CDs her sollten. Konzerte waren auch dabei und ich kaufte mir auch öfter mal 'ne Musikzeitschrift. Allerdings meistens Heavy Metal-Hefte.
Zwar war 1990 auch der Erstkontakt mit den Ramones und Bad Religion und einigen Indie-Bands, aber erst Ende des Jahres. Vorher lag das Schwergewicht neben den alten Prog und Rock-Sachen eben auch auf Heavy Metal.
Diese Phase ging allerdings nur so von 1989-1992 in etwa.

Meine Lieblingsgruppen im Jahre 1990 erwähne ich jetzt mal noch nicht alle, denn ich würde einigen Hits vorgreifen, aber ein paar Namen droppe ich trotzdem mal:

Bad Religion hatte ich schon erwähnt. Die wurden nach und nach und vor allem 1991 dann zu Favoriten. Ihr damals aktuelles Album Against the grain wäre auf einem der ersten Plätze 1990 gelandet, wenn ich es nicht schon früher mal vorgestellt hätte.

Big Country waren sehr angesagt und veröffentlichten 1990 zwei schöne Singles, die auf keinem Longplayer sind, nämlich Heart of the world und Save me. Auf beiden Maxi-CDs ist jeweils noch ein sehr gutes Bonusstück mit drauf.

Fish's erste Soloplatte (von 1990) Vigil in a wilderness of mirrors war Platz 1 in der Hitlist Roots to branches und ist vielleicht die CD, die ich am häufigstens überhaupt gehört habe. Auch heute noch einmalig!

Mucky Pup habe ich wohl 1990 noch nicht so richtig wahrgenommen, aber ein Jahr später wurde auf jeden Fall wild zu Hippies hate water abgetanzt. 1989 hatten die uns Little pigs beschert, ein feiner Dancefloor-Rocker, das Restwerk der vier Jungs ist aber eher vernachlässigbar.

Die Toten Hosen fand ich damals super und auch das mit Obskuritäten und einer Art Musikhörspiel angefüllte Doppelteil Auf dem Kreuzzug ins Glück wurde häufig von mir gehört. So gesehen könnte man die auch als meinen Einstieg in den Punk bezeichnen (Ein kleines Bisschen Horrorschau hatte ich auch schon), andererseits sind für mich heute Punk und Tote Hosen sich widersprechende Begriffe. Und ich habe auch zunächst nicht gewusst, dass sich sowas Punk nennt, für mich waren eher die Ähnlichkeiten zu schnellem Hardrock offensichtlich.

Victory brachten den Nachfolger zur überragenden Culture killed the native Platte raus mit dem Namen Temples of gold. Die war auch nicht schlecht, erfüllte aber die Erwartungen nicht ganz. Ich habe mir damals extra die Vinyl-Version geholt, weil da limitiert noch eine Live-EP dabei war. Jene rockt gut, muss ich nochmal auf CD überspielen.

Auch noch viel gehört habe ich die Heroen der Jahre zuvor wie Marillion, Genesis, Jethro Tull und Peter Gabriel und einige neue Heavy-Helden wie Doro (und Warlock), Loudness, Running Wild und Savatage.
Seltsame Mischung.


Und ich kam mir vor wie Mr. Hard, obwohl ich doch noch recht wenig Ahnung von dem Genre hatte.
Heute führt das bei mir auch ein Nischendasein. Vor allem diese CDs von 89-92 höre ich noch hin und wieder, aber davon abgesehen liegt mein Interesse wieder bei Prog und 70er Rock und noch immer bei Punkrock.
Aber abgesehen von EBM, Techno, Hip Hop und deren Seitenstilen habe ich alles mal angetestet. Selbst Reggae habe ich mal eine Chance gegeben und mir ein paar Platten angehört. Da ist allerdings momentan nur die Bob Marley best of, die jeder hat, in meiner Sammlung vertreten.

Unter den acht Rangplätzen für 1990 werden wohl auch alle Musikrichtungen, die bei mir überhaupt vorkommen, vertreten sein. Die genaue Reihenfolge habe ich aber heute noch nicht. Muss ich am Wochenende nochmal durch intensives Reinhören rausfinden.
Es sind auch diverse Sachen dabei, die ich erst später kennen gelernt habe. Ich hatte 1990 gerade mal 50 CDs.
Trotzdem hat dieses Reinhören ein bisschen was von einer Zeitreise, denn - wie immer - fallen mir viele Ereignisse und Assoziationen wieder ein, wenn ich ehemalige Lieblingsplatten höre. Die Auswahl ist jedenfalls ganz schön schwer in diesem Jahr.


... zum Abschluss noch das wichtige Textzitat:

You can grin but you can't hide
All the emptiness inside
Since she left you like spit in the rain
And you can try to find her
But you'll be looking in vain
Because love disappears like spit in the rain

Del Amitri "Spit in the rain"  


Stay alive and rock on,
Harvey
(5.2.04)

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Hitlist:
Hitlist: [hit-list] engl.-amerik.; ergibt sich aus hit und list

Hit:
Hit: [hit] engl.-amerik.; Schlag m; (Seiten)Hieb m; Glücksfall m; Treffer m; thea., (Musik-Bizz) Schlager: ein Song, der nicht zwingend gut sein muss, aber sehr populär ist.

List:
List: [list] engl.-amerik.; Liste f, Ver- zeichnis n; Auflistung: besonders Männer neigen dazu Ranglisten zu erstellen. Zum einen gibt es ihrem Fetisch einen gewissen wissenschaftlichen Anstrich, zum zweiten läßt sich herrlich darüber diskutieren.

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: