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Lou Reed / John Cale: Songs
for Drella
(54:54, 1990)
Lou Reed und John Cale gedenken demjenigen, der sie
bekannt machte: Andy Warhol.
Dazu kommen sie nach ewigen Jahren wieder zusammen
und sind gar nicht so weit von dem weg, mit dem sie
aufhörten.
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Erst kürzlich hatte
ich von meinen ersten Kontakten mit der Musik von Velvet
Underground berichtet.
Einer der Kumpels aus meiner
früheren Hippie-artigen Clique, hatte diese CD hier.
Sie ist für mich bis heute mit Gedanken an Meetings mit
ihm verbunden. Der war ein bisschen abgespaced drauf und man
konnte immer damit rechnen, mit ihm zusammen sonderbare Sachen
zu erleben. Ich sage nicht "gute Sachen"!
Dazu gehörte, in einem
schwarz gestrichenen Raum bei schwarzem Tee stundenlang Dead
Can Dance zu hören. Oder mit Tarot-Karten die Zukunft
vorausgesagt zu bekommen (ich weiss nicht mehr was rauskam...).
Gerade letztens wurde ich
auch wieder an eine sonderbare Aktion erinnert. Ich latsche
so durch die Stadt und sehe auf einmal eine Ecke wieder, an
der ich mit dem Kumpel vor ca. zehn Jahren saß.
Whow! Soll ich mich jetzt freuen, dass ich mich noch erinnere,
oder soll ich erstarren, ob dieser langen Zeit?
Damals wohnte ich noch ganz woanders und er wohnte in dem
Ort, in dem ich jetzt wohne. (Ja, so verzwickt ist das gar
nicht. Einfach den Satz nochmal lesen.) Ich war zu Besuch
und nachdem wir eingekauft hatten und einen großen Gemüseeintopf
gemacht hatten (ich weiß das noch genau, weil ich normalerweise
nie dieses tiefgekühlte Suppengemüse kaufe), setzten
wir uns bei Räucherstäbchen zusammen und hörten
abgefahrene Musik wie zum Beispiel die CD von Lou Reed
und John Cale oder auch die Fields
Of The Nephilim.
Er erzählte, dass er letztens festgestellt hätte,
die meiste Musik sei scheisse und daraufhin den größten
Teil seiner CDs verschenkt hätte. Ich konnte es nicht
fassen, vor allem auch dass ich keine einzige abbekommen hatte.
Dann spielte ich ihm die neue Iggy
vor (American caesar) und er fand bis auf einen Song
alles scheiße.
Daraufhin schnappten wir uns jeder eine Flasche Wein und wollten
rocken gehen. Er allerdings führte mich zu einem Jazz-Rock-Konzert,
bei dem so Hyperinstrumentalisten sich ewig einen abimprovisieren.
Das kostete auch noch höllisch Eintritt und man konnte
dabei nicht den Wein trinken. Ich war ziemlich sauer.
Schließlich war es schon 12 und wir immer noch nicht
bedröhnt. Also setzten wir uns draußen vor den
Veranstaltungsort und zogen uns recht flott den Wein rein.
Bzw. er wollte nicht so richtig und ich musste noch mithelfen.
Das war dann genau an der Ecke, an der ich letztens vorbei
kam.
Wie Schuppen fiel es mir von den Augen und ich erkannte die
Häuser rundum wieder. Sehr eigenartig. Was wir nach dem
Wein noch so gemacht haben, weiss ich nicht mehr. War wohl
nicht der Renner.
Ein andermal besuchte ich
ihn und kam in den Genuss meiner ersten (und bisher einzigen)
Karibik-Party. Was nun so ziemlich das letzte war, mit dem
ich gerechnet hätte. Keine Ahnung was da genau für
Musik lief: Salsa, Samba oder was auch immer? Ich glaube,
ein Reggae-Song war auch mal dabei. Und da tummelten sich
südländische Leute, schicke Frauen, heldenmässige
Typen und auch ein paar Ethno-Studenten und dazwischen der
Harvey: lange Matte, zerschlissene Klamotten, hohe Docs. Passte
ganz toll und lud mich auch richtig zum tanzen ein. Aber wie
gesagt, spannend war sowas immer.
Jedenfalls lernte ich die
Songs for Drella CD so kennen und hörte die auch
immer mal wieder. Mit Entdeckung des CD-Verleihs wurde sie
dann aufgenommen und später auch mal richtig gekauft.
Und ich höre sie immer noch gerne, wenn sie auch nur
für besondere Stimmungen geeignet ist.
Die Instrumentierung ist
schonmal ungewöhnlich: hier gibt's kein Schlagzeug und
keinen Bass. Zusätzlich hat John Cale manchmal
eine Tendenz zu schrägen Tönen. Und gerade wegen
der sparsamen Instrumentierung steht der Gesang stark im Vordergrund.
Viele der Songs sind kaum
richtige Songs als eher Fragmente. Kurze Skizzen aus dem Leben
von Andy Warhol (Drella). Und genau das sollen sie ja auch
sein.
Die Stimmungen sind unterschiedlich:
mal nachdenklich, mal optimistisch, mal traurig. Alles sehr
eindringlich und nicht jedermanns Sache.
Mag man aber Velvet Underground, so ist die Wahrscheinlichkeit
schon nicht so klein, dass diese CD auch gefällt. Ich
wage sogar zu vermuten, dass die Platte mit zwei weiteren
Leute nahtlos an White light/white heat angeknüpft
hätte.
In jedem Fall ist diese Platte
innovativ und ungewöhnlich. Dass ich sie schon damals
so gut fand, kann eigentlich nur mit den spannenden Momenten,
in denen wir sie hörten, erklärt werden. Hätte
ich zuerst die ganze CD für mich alleine gehört
(statt sie dauernd mit Leuten zusammen zu hören), so
hätte ich mich wahrscheinlich nicht dafür erwärmen
können.
Einmal hatte ich das Tape im Auto mit meiner Mutter und Schwester
an und wurde gezwungen, es wieder abzustellen. Ich erinnere
mich noch gut, wie meine Schwester meinte, das sei ja wohl
absolut nervtötend.
Trotzdem hat es was. Und
stimmt auch nicht ganz, denn einige Lieder sind auch sehr
melodisch und schon fast schnulzenhaft. Insgesamt eben abwechslungsreich.
Und eines dieser gefürchteten Konzeptalben.
A propos: mir fiel letztens auf, dass meine Aussage, in dieser
Hitlist kämen alle meine beliebtesten Musikrichtungen
vor, nicht ganz stimmt. Der Progressive Rock fehlt völlig.
Ja, tatsächlich, unter den noch kommenden fünf Plätzen
kein Prog. Damit ich nun kein fieser Lügner bin, taufe
ich den heißen Scheiss, den Cale und Reed
hier machen auch mal "progressiv". Vielleicht Progressive
Folk? Ich glaube, da fällt eigentlich sowas wie die Strawbs
drunter. Egal.
Weil man ja am Ende nochmal
so'n Fazit machen muss, das alles genau auf den Punkt bringt
hier also ein äußerst eloquenter Abschlusssatz:
Songs for Drella ist eine tolle Platte zum mehrfachen
genauen Hören, die nicht einfach ist, aber auch sehr
stimmungsvoll.
Stay alive and rock on,
Harvey
(5.3.04)
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