Endlich nochmal in den Siebzigern!
Allerdings ist es hier gar nicht so leicht, auf
Stories zu den Platten zu kommen.
Immerhin war der Harvey noch ganz klein 1979.
So klein, dass er sein allererstes
Zeugnis erhielt.
Und da steht, was er alles tolles kann: bis 20 zählen,
leichte Wörter schreiben und zwischen Druckschrift und
Schreibschrift unterscheiden, leichte Texte lesen und selbständig
arbeiten. Letzters allerdings zu hastig und unsauber.
Dafür ist noch erwähnt, er male besonders gerne.
Na, welches kleine Kind tut dies nicht? Jedenfalls ist da
nie eine größere Leidenschaft draus geworden.
Ansonsten habe ich die tollen
Schoten aus der Kindheit ja schon in der Abteilung 1978
erzählt. Dem kann ich im Moment auch nichts weiteres
hinzufügen.
Was die Musik des Jahres
1979 angeht, so habe ich große Teile davon (nur?) auf
Vinyl und nicht auf CD. Da fällt natürlich das Raussuchen
der Hits schwieriger, denn man kann beim Reinhören nicht
einfach zum nächsten Titel springen.
Ich bin auch noch nicht so weit, wobei nächste Woche
ja nochmal der August im Rückblick betrachtet wird, und
daher habe ich auch noch Zeit.
Sicher wäre in der Hitlist
1979 auch Regatta de
blanc von Police dabei
gewesen. Immerhin war es die einzige Platte aus den 70ern
bei den ersten drei Hitlists. Fällt aber jetzt raus,
weil eben schon woanders erwähnt.
Um mir die Arbeit insgesamt
etwas leichter zu machen (nicht wieder ganz so viele Rezis
wie bei 78), werde ich diesmal keine Einzelsongs oder Singles
vorstellen.
D.h. ich werde schon Einzelsongs vorstellen, nämlich
jetzt.
Aber eben nicht im Rahmen eines Rangplatzes der Hitlist und
auch ohne Bild und Zeitangabe.
Ich habe einfach mal die
für mich acht besten Songs des Jahres, zu denen ich nicht
noch die ganze LP erwähnen möchte, rausgesucht.
Die Reihenfolge ist rein zufällig.
Manfred
Mann's Earth Band: Don't kill it Carol
Von der Platte Angel station, welche insgesamt recht
gut ist. Danach jedenfalls wurde es deutlich schlechter. Hier
ist zwar schon ziemlich viel Pop vorhanden, aber obwohl der
Song eine Single ist, sind lange Gitarren- und Keyboardsolos
dabei. Chris Thompson als Sänger gefiel mir sowieso
immer ganz gut, auch wenn er etwas besser zu den softeren
Liedern passt.
Dies also ein kleiner Hit, den man auch immer mal wieder hört,
der immer noch etwas 70ies Feeling rüber bringt und dennoch
natürlich anders ist, als die ganz alten Sachen. Don't kill it Carol wurde übrigens auch auf der
letzten Tour gespielt und ich war überrascht wie viel
Rock für alte Semester da dabei war. Hätte ich doch
mehr kurze Songs und 80er Hits erwartet, aber natürlich
nicht erhofft. Allerdings mag ich Noel McCalla nicht so.
Misfits:
Night of the living dead
Einer meiner liebsten Songs von den Misfits. Straight
und schnell mit lustigem Horror-Text. Und natürlich super-melodisch.
Man sieht schon, die Delinquenten von 1978 wiederholen sich.
Auch ein Grund, sie hier zu erwähnen, statt ausführlich
mit einem Rangplatz. Natürlich hätte ich die EP
zu diesem Song vorstellen können, aber erstens muss ich
ja nun nicht jede Misfits-EP vorstellen und zweitens
habe ich die ja auch gar nicht.
In der Hitlist 78 die Misfits-EP hatte ich auch nicht
im Original, aber inzwischen oder im Moment finde ich, dass
ich nicht wieder so viele Cover suchen will, wenn ich die
Songs nur auf Samplern oder Best-ofs habe. Bzw. wenn ich die
LP habe, aber nur einen Song vorstelle und jener auch eine
Single war. Dann nämlich hatte ich bisher der Ehrgeiz,
aber das Single-Cover zu zeigen.
Tuxedomoon: No tears
Dieses Teil erschien 1979 in den USA auf einer EP und erst
1986 in England als EP mit dem Namen No tears. Von
daher vielen sicher als Song der 80er in Erinnerung.
Womit haben wir es überhaupt zu tun? Nun, wenn man mal
irgendwo anwesend ist, wo schwarzgewandete Gestalten zur Musik
in monotonen vor- zurück-Bewegungen über die Tanzfläche
schleichen, dann könnte man diesen Song hören. "No
tears for the creatures of the night" schreit eine hysterische
Stimme und dazu gibt's die dumpf bollernde mit schrammeliger
Gitarre unterlegte Instrumentierung.
Ein Hit aus meiner Jugend, habe ich häufig zu getanzt.
Warum ich das überhaupt gut fand ist mir nicht ganz klar.
Eigentlich nicht so ganz meine Richtung. Aber jetzt einfach
Kult.
Joy Division: She's lost
control
Gleich noch so einen Song hinterher. Von der berühmten
LP Unknown pleasures. Eine zeitlang fand ich Joy
Division sehr toll. Da war ich allerdings auch generell
nicht so gut drauf. Dieser Song ist noch stark in Erinnerung
geblieben, da er auch mal öfter in Discos gespielt wurde.
Und da ich sowieso die nächste Platte besser finde, reicht
das dann von dieser auch (allerdings: Shadowplay und
Wilderness sind auch Highlights).
Stil (für die, die tatsächlich nix von Joy Division
kennen): Grabesröcheln mit industrial-punkig-minimalistischer,
sehr steril klingender Mucke.
UK:
Rendezvous 6:02
Im Prinzip könnte ich auch die ganz Platte Danger
money vorstellen, denn sie ist toll. Doch im Gegensatz
zum Erstling von 1978 verbinde ich nicht wirklich etwas mit
dieser hier. Aber ein atmosphärischer Song mit schönem
Gesang. Sehr interessantes und nicht immer konventionelles
Zusammenspiel der Instrumente. Allerdings hier noch ziemlich
zahm im Vergleich zu anderen Stücken der Platte. Übrigens
jetzt ohne Allan Holdsworth und mit Terry Bozzio statt
Bill Bruford.
Lee
Clayton: I ride alone
Den Mann hatte ich ja letztens schon gelobt. Hier also der
beste Song der LP Naked child. Sind noch ein paar andere
nette drauf, aber auch einige überflüssige. Bei
diesem hier besonders interessant die ausufernde Gitarre (auch
im Vergleich zur Liveversion anders) und der monotone Gesang.
Indie-Country könnte man sagen, aber da würde manche
Leute auch ganz andere Sachen mit assoziieren. Der Text würde
sich auch gut eignen, unten abgedruckt zu werden, aber ich
hab' noch einen besseren gefunden.
The
Damned: Love
song
Für mich einer der besten Punksongs ever! Habe ich ja
sogar die Original-Single, beim England Urlaub erstanden.
Knistert fürchterlich (war wohl auch deshalb so billig).
Kennengelernt durch ein Konzert des Captain. Wer mal
die Gelegenheit hat, sollte Captain Sensible live nicht
verpassen. Ein Althippy mit verrücktem Scheiss im Kopf
und viel Humor. Und er spielt halt auch ein paar Damned-Sachen
(Smash it up kann ich allerdings nicht mehr hören).
Im Original dann dröhnender Bass, nette Sologitarre,
viel Tempo, gute Melodien. Spielt der Captain hier
Bass oder Gitarre? Weiss ich jetzt nicht, Damned hatten
sich glaube ich gerade wieder neu zusammen gefunden. Ja, 1979
und schon die erste Reunion!
Wie dem auch sei, I love the song.
Supertramp:
The logical song
Als ganze LP sind mir Supertramp hier dann doch zu
schnullig. Aber für sich genommen (und neben dem auch
sehr guten Breakfast in America, Titelstück) ist
dieses hier ein echter Renner auf der Platte.
Klar, ziemlich abgenudelt, aber ich weiss noch genau, dass
ich das Stück schon auf frühen Parties immer gut
fand, wenn ich auch nicht wusste, was es denn überhaupt
war. Für mich kommt dabei so eine Art "Peace, wir
lieben uns alle"-Stimmung auf.
In meiner eher punkigen Phase hab' ich dann drüber abgelästert,
aber eigentlich fand ich's immer gut. Nett gemacht und gut
zum Tanzen geeignet.
Den einprägsamen Gesang von Supertramp finde ich
sowieso meistens ganz nett. Und letztes Jahr, als sie in London
ein Open Air Konzert gaben, dem man auch ohne Eintrittskarte
lauschen konnte, waren die trotz fortgeschrittenen Alters
wesentlich besser, als ich gedacht hätte. (War grad im
Urlaub dort.) Hat richtig Laune gemacht.
Weil das Stück zusätzlich noch einen guten Text
hat, gibt's den gleich als Zitat noch.
Das also meine liebsten Einzelmusiken
von Neunundsiebzig. Übernächste Woche mehr zu Longplayern.
Wenn ich mich hoffentlich mal entschieden habe.
Und zum Abschluss noch das wichtige Textzitat:
When I was young, it seemed that life
was so wonderful, a miracle, oh it was
beautiful, magical.
And all the birds in the trees, well they'd
be singing so happily, joyfully, playfully
watching me.
But then they sent me away to teach me
how to be sensible, logical, responsible,
practical.
And they showed me a world where I could
be dependable, clinical, intellectual,
cynical.
Hitlist: [hit-list]
engl.-amerik.; ergibt sich aus hit und list
Hit:
Hit: [hit] engl.-amerik.;
Schlag m; (Seiten)Hieb m; Glücksfall
m; Treffer m; thea., (Musik-Bizz)
Schlager: ein Song, der nicht zwingend gut sein
muss, aber sehr populär ist.
List:
List:
[list] engl.-amerik.; Liste f, Ver-
zeichnis n; Auflistung: besonders Männer
neigen dazu Ranglisten zu erstellen. Zum einen gibt
es ihrem Fetisch einen gewissen wissenschaftlichen
Anstrich, zum zweiten läßt sich herrlich
darüber diskutieren.
Anspieltipp:
Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen
Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen-
erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der
statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen
Gesetzen.