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Eloy: Silent cries and mighty
echoes
(43:23, 1979)
Da habe ich lange überlegt, ob diese Eloy-CD
mit rein soll oder nicht.
Aber sie bedeutet mir etwas und das hat den Ausschlag
gegeben.
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Gegen Silent cries and
mighty echoes spricht nämlich auf jeden Fall, dass
der Gesang wiedermal grottig ist. Frank Bornemann singt sowieso
schon nicht so richtig gut und dazu kommt noch die mieserable
englische Aussprache. Wenn man dann aber noch eine überwiegend
ruhige Platte wie diese hat, fällt das natürlich
gleich besonders auf.
Astral entrance startet
als sphärische Pink Floyd-Kopie, so in etwa Wish
you were here-Zeit und geht nach drei Minuten in einen
groovenden, keyboardstrotzenden und mit Sprechgesang (a la
Bahnhofsansager) unterlegten sehr eigenwilligen Song über
wie ihn nur Eloy machen können. Hier kann man
sehr deutlich den Bassisten und den Keyboarder loben, die
ziemlich loslegen. Lange Gitarrensolos, wie man sie 1979 schon
gar nicht mehr machte, sind natürlich auch dabei. Das
klingt (wie vieles von Eloy) etwas naiv aber dennoch
gelungen und mit sehr eigenem Charme. Althippies oder auch
mittelalte Späthippies, die einfach ihr eigenes Ding
machen. Ein sehr geiler Einstieg in diese Platte.
Dieses ist übrigens
meiner Meinung nach die letzte der komplett anhörbaren
und relativ guten Eloy-Platten. Danach wurde es zunächst
poppiger (und kürzer) und dann hartrockiger. Da muss
man doch immer ein paar Songs weglassen, manche Platten (wie
Ra, Metromania oder Destination) lässt
man sogar besser ganz weg.
Im Gegensatz dazu war's davor meistens sehr gut (Floating
finde ich weniger gelungen, die allererste kenne ich nicht).
Ach, wenn ich den Einstieg
von The apocalipse, dem zweiten Song, höre dann
weiss ich, dass die CD hier richtig platziert ist. Epische
Gitarrensolos mit dicken Keyboardteppichen unterlegt, machmal
ungewöhnlichen Übergängen und wieder einem
Gesang, bei dem die Ohren schlackern. Aber da habe ich mich
ja längst dran gewöhnt. Schon mit 17, 18 hörten
wir mal in Eloy rein, doch die Platten wurden als nicht
anhörbar (v.a. wegen des Gesangs) abgetan. Lediglich
der Chimpy fand das trotzdem gut und hatte als erstes diese
Scheibe hier. So kam es, dass es meine meistgehörte Eloy-Platte
war - jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich selber deren
Platten nach und nach anschaffte.
Und wie kam das? Naja, so
um 1994 begann ich,
öfter auf Plattenbörsen zu gehen und dort dann auch
LPs aus den Wühlkisten zu kaufen. Und da kamen mir häufiger
Eloy-Scheiben unter die Nase und in alter Erinnerung
dachte ich, die könnte ich mir doch mal etwas genauer
anhören. Nach und nach habe ich sämtliche Platten
(bis auf die erste eben, aber die wurde auch nur sehr wenig
verkauft als sie 1971 erschien) dort bekommen.
Und nach etwas Eingewöhnungszeit gefiel mir die Sache
immer besser. Vor allem entdeckte ich Inside (mein
Favorit unter allen) und diese hier, die ich ja schon kannte.
Musikalisch ist das alles
sehr gut gemacht. Zwar deutlich an Vorbildern orientiert aber
trotzdem beeindruckend. Die "alten" Eloy
aus den 70ern hätte ich wirklich gerne mal live gesehen.
Muss ein spirituelles Happening gewesen sein.
Leider hat die Musikpresse sich meist eher lustig gemacht
über Eloy und ich glaube irgendwie auch nicht,
dass sie jemals Ehre erfahren werden, wie manche anderen Band
aus dieser Zeit. Vielleicht aber auch deshalb, weil Bornemann
immer weitergemacht hat und dabei auch viel Mist rauskam.
Die letzten drei Songs sind
etwas kompakter, halten sich aber trotzdem an die Mischung
aus Meditationsmusik, 70er Rock und Suggestionskassetten-Gesang
(na, das stimmt nicht ganz, dafür ist er zu hart und
laut).
Das ist dick aufgetragen und quillt manchmal vor Effekten
über, aber man kann eben auch drin schwelgen und sich
in eine von verschiedensten Düften und Nebeln geschwängerte
Luft enger 68er Studentebutzen versetzt fühlen.
De labore solis ist mir dann doch etwas zu öde
und schnuli-mässig. Auch vom Text her sollte man die
Ergüsse, die so bei frisch Verliebten rauskommen, vielleicht
nicht unbedingt als Songs veröffentlichen. Jedenfalls
nur in Ausnahmefällen. Aber hier sind es auch nur fünf
Minuten.
Wer mag diese CD wohl gut
finden? Tja, wenn man auf Pink Floyd (Roger
Waters), Krautrock und Esoterik steht, ist man sicher
gut bedient.
Nun treffen zwei von diesen drei Dingen auf den Harvey nicht
zu, und trotzdem findet er die Platte toll. Das liegt natürlich
an der Erinnerung, aber nicht nur. Da ist auch der Prog-Fan
und jener Teil von mir, der zum Beispiel auch Rendez-vous
von Jean-Michel Jarre gut finde, mit dabei.
Nun habe ich letztens noch
so über deutsche Bands, die deutsch klingen oder schlechtes
Englisch singen gemeckert und diese hier ist doch auch eine
davon. Allerdings ist das etwas anderes, denn Eloy
sind ein Teil der Musikhistorie, sie sind anders als das meiste
was sonst so in Deutschland gemacht wurde und sie haben Instrumente
und Songwriting ganz gut drauf, sind 1979 ja auch schon eine
Weile dabei.
Deshalb Eloy hier
als Retro-Kapelle des Jahres 79 mit in mancherlei Hinsicht
extremer Musik mit dabei. Liebe sie oder hasse sie!
Stay alive and rock on,
Harvey
(4.9.03)
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