harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 



Hitlist 1989
1
Bad Religion: No control
2
Pixies: Doolittle
3
Lee Clayton: Another night
4

Daniel Lanois: Acadie

5
Jethro Tull: Rock island
Flying V
Yesmusic
Toys 'R' Off
Hitlist 1989

1989 begann das Leben sich deutlich in Richtung Plattenteller zu bewegen:

erstes Konzert, verstärkter CD-Kauf, Mucke auch beim Lernen am Laufen...

Diesmal ist es mir leichter gefallen mit der Hitlist.
Nicht, weil es 1989 so wenig gute Mucke gegeben hätte, sondern weil die Positionen klarer verteilt sind: für die besonders tollen Platten musste ich nicht lange überlegen.

Dabei kam mir wieder zu Hilfe, dass ein paar von denen schon in früheren Hitlists waren und daher hier nicht nocheinmal erwähnt werden müssen:

The Cure: Disintegration war in der Hitlist Roots to branches auf Platz 2.
Del Amitri: Waking hours belegte in selbiger den 7. Platz.
Marillion: Seasons end fand sich auch dort wieder und zwar auf dem 3.
New Model Army: Thunder and consolation hatte ich in der dritten Hitlist (Rockin' stroll) auf Platz 10 gewählt.

Bei manchen anderen Sachen stellte sich dann die Frage wie das Verhältnis von meiner Begeisterung früher und heute zu gewichten ist.
So gibt es Platten, die waren 1989 der Renner bei mir, die ich aber heute für scheiße befinde oder wenigstens kaum noch höre.

Umgekehrt habe ich manches 1989 erst nicht so toll gefunden, aber heute dann.
Da bei mir immer auch der Erinnerungswert eine Rolle spielt, ist es nicht von vorneherein klar, dass die letztere Kategorie Platten die Nase vorn hat. Ich werde unter den acht Hits deswegen mindestens zwei CDs vorstellen, die ich heute "objektiv" betrachtet als nicht so besonders gut einstufe, die aber eben früher besondere Bedeutung hatten.

Ganz klar hingegen war, dass Marius Müller-Westernhagen mit seinem Werk Halleluja nicht unter den ersten landen würde.
Eher unter den letzten. Diese Ausgeburt übersteigerter unverhohlener Geilheit kann ich heute kaum noch hören.
Man beachte z.B. den Text zum Titelstück:

"Du bist die Sonne, ich bin der Mond. Du bist der König, ich bin der Thron. Ich habe Hunger, du bist das Brot. Du bist der Grund wofür zu leben sich lohnt."

Du bist das Hirn, ich bin das Schwarze Loch.

Damals jedoch fand ich diese Scheibe ziemlich toll. Und der lange und kritische Song Chor der Blöden machte mich glauben, ich hätte hier sogar ein Stück Rebellentum gekauft.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mit Kumpels in der Popperdisko bei SeXy abrockte wie bekloppt.
Das war ungefähr die Zeit, zu der wir auch immer im selben Laden (als einzige) zu Paradise city von Guns'n'Roses die verrücktesten Luftgitarrensolos hinlegten, an deren Ende wir gemeinschaftlich zuckend auf der Tanzfläche zusammenbrachen.
Da stehe ich auch gerne dazu. Nur der Marius ist mir ein bisschen peinlich.

Heavy Zeuch habe ich recht viel gehört und da gibt's auch noch die eine oder andere brutal schlechte Platte in meiner Sammlung. So etwa Organized crime von den Nordmännern Treat. So ein langweiliges 08/15-Klischee-Rocken fand ich gut.
Nicht gut fand ich aber schon damals das Aussehen dieser Jungs. Wer mal richtig harte Heavy-Brüder ohne Gnade sehen will, schaue hier nach.

Aber es gab auch ruhigeres:
Peter Gabriel legte 1989 den Soundtrack Passion vor, der wirklich sttimmungsvoll und gut ist, aber eben ein Instrumentalwerk und trotz der Atmosphäre nicht DER Dauerbrenner im CD-Player.
Auch seine Single Shaking the tree mit Youssou N'Dour ist fein, wenn mir auch die Version, die ein Jahr später auf Peters gleichnamiger Retrospektive erschien, etwas besser gefällt.

Und dann gab es noch den Megaseller Phil Collins, den ich 1989 noch richtig super fand.
Auf But seriously war das völlig totgespielte Another day in paradise und noch ein halbes Dutzend anderer Hits. Ich kann die CD jedoch auch heute noch ganz gut hören, wenn ich ein paar Lieder wegprogrammiere. So hätte Colours - ein komplexes und abwechslungsreiches Stück - durchaus auch von Genesis sein können. Und Father to son gefällt mir von Stimmung und Text her sehr gut.

1989 war auch ein Jahr exzessiver (wenn auch nur gelegentlich stattfindender) Parties.
Das Jahr in dem ich meine Anti-Haltung gegenüber Alkohol aufgab.
Vorher hatte ich immer mein leckeres Glas Wasser getrunken, wenn meine Freunde sich die Rübe zudonnerten. Ich wurde auch dauernd gedrängt, ich sollte mitsaufen, doch das bestärkte mich nur in meiner Konsequenz.
Letztlich war es eine spontane Entscheidung eines Abends, auch mal ein, zwei Gläschen zu trinken. Und ab da war ich am mitsaufen.

Aus dieser Erfahrung heraus kann ich auch heute Personen gut verstehen, die aus Prinzip nie trinken.
Andererseits denke ich, sollte man solch einem Prinzip eigentlich erst folgen, wenn man weiss, was genau man dort sein läßt. (Ich sage absichtlich nicht "verpasst".)
Ich wusste es damals nicht. Ich war nur von Schule und Eltern indoktriniert, dass Alkohol böse ist. Insofern eine gute Entscheidung, es trotzdem mal auszuprobieren. Aber auch gut, dass das nicht gleich mit 14 stattfand. War auch so noch früh genug.

Wobei man natürlich den Nachteil als jugendlicher Nichttrinker hat, dass man nicht zu den Feten eingeladen wird. Es sei denn, man ist zufällig sehr beliebt. Aber ist das machbar, als Nichttrinker?

In jedem Fall hat sich die Anzahl meiner Kontakte durch diese Anpassungsleistung deutlich erhöht.
So erinnere ich mich zum Beispiel gerne, wie der Chimpy und ich uns mehrfach in dieser schäbigen Kneipe mit zwei Mädels (und noch anderen Leuten) trafen, um dann dort das Zeug tablettweise wegzuknallen.
Da wurde denn noch fein gepogt (oder getaumelt) und wenn einer von den Dorfbunken Ärger machen wollte stand der Chimpy sofort neben mir und hat gaaanz böse geguckt (was ihm nicht so leicht fiel) und die verpissten sich sehr schnell.

In diesem Zusammenhang ist auch das tolle Textzitat (s.u.) zu sehen.
Die Abstürzenden Brieftauben lernte ich übrigens auch sehr zufällig kennen:
Corinna machte eine Party (das war diese Angelegenheit, bei der ich abgefüllt wurde, ohne es zu merken, von einer der beiden oben angesprochenen Weibsvölker) und da lief Musik, die man zwar wegen der Hintergrundlautstärke nicht richtig verstehen konnte, aber die ich irgendwie gut fand.
Irgendjemand sagte mir, wie die Band hieß.
Hinterher wusste ich aber nicht mehr ob es die Abstürzenden Brieftauben oder die Einstürzenden Neubauten waren (wie ich so einiges hinterher nicht mehr wusste). Ich kaufte dann einfach (ohne Reinhören!) die Tauben-CD.

Als ich die Musik genau angehört hatte, wusste ich allerdings noch immer nicht, ob ich die richtige Gruppe hatte.
Ich konnte es bis heute (auch durch Anhören der Neubauten) nicht herausfinden.
Ja, so kam ich früher zu meinen CDs.


Und zum Abschluss noch das wichtige Textzitat:

Komm ich vom Konzert nachhaus
der Weg war ziemlich weit
Fall ich aus'm Bandbus raus
ich war wohl doch zu breit
Um zwölf Uhr dreissig wach ich auf
das Zimmer kenn ich nicht
Ich kenn nicht einmal das Hotel
warum versteh ich nicht
Das muss wohl an dem Tequila liegen
hat man mir gesagt
Kann ich da noch mehr von kriegen
hab ich gefragt

Abstürzende Brieftauben "Föllig planlos"


Stay alive and rock on,
Harvey
(5.6.03)

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Hitlist:
Hitlist: [hit-list] engl.-amerik.; ergibt sich aus hit und list

Hit:
Hit: [hit] engl.-amerik.; Schlag m; (Seiten)Hieb m; Glücksfall m; Treffer m; thea., (Musik-Bizz) Schlager: ein Song, der nicht zwingend gut sein muss, aber sehr populär ist.

List:
List: [list] engl.-amerik.; Liste f, Ver- zeichnis n; Auflistung: besonders Männer neigen dazu Ranglisten zu erstellen. Zum einen gibt es ihrem Fetisch einen gewissen wissenschaftlichen Anstrich, zum zweiten läßt sich herrlich darüber diskutieren.

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: