1989 begann das Leben sich deutlich in Richtung
Plattenteller zu bewegen:
erstes Konzert, verstärkter CD-Kauf, Mucke
auch beim Lernen am Laufen...
Diesmal ist es mir leichter
gefallen mit der Hitlist.
Nicht, weil es 1989 so wenig gute Mucke gegeben hätte,
sondern weil die Positionen klarer verteilt sind: für
die besonders tollen Platten musste ich nicht lange überlegen.
Dabei kam mir wieder zu Hilfe,
dass ein paar von denen schon in früheren Hitlists waren
und daher hier nicht nocheinmal erwähnt werden müssen:
Bei manchen anderen Sachen
stellte sich dann die Frage wie das Verhältnis von meiner
Begeisterung früher und heute zu gewichten ist.
So gibt es Platten, die waren 1989 der Renner bei mir, die
ich aber heute für scheiße befinde oder wenigstens
kaum noch höre.
Umgekehrt habe ich manches
1989 erst nicht so toll gefunden, aber heute dann.
Da bei mir immer auch der Erinnerungswert eine Rolle spielt,
ist es nicht von vorneherein klar, dass die letztere Kategorie
Platten die Nase vorn hat. Ich werde unter den acht Hits deswegen
mindestens zwei CDs vorstellen, die ich heute "objektiv"
betrachtet als nicht so besonders gut einstufe, die aber eben
früher besondere Bedeutung hatten.
Ganz klar hingegen war, dass
Marius Müller-Westernhagen mit seinem Werk Halleluja
nicht unter den ersten landen würde.
Eher unter den letzten. Diese Ausgeburt übersteigerter
unverhohlener Geilheit kann ich heute kaum noch hören.
Man beachte z.B. den Text zum Titelstück:
"Du bist die Sonne,
ich bin der Mond. Du bist der König, ich bin der Thron.
Ich habe Hunger, du bist das Brot. Du bist der Grund wofür
zu leben sich lohnt."
Du bist das Hirn, ich bin
das Schwarze Loch.
Damals jedoch fand ich diese
Scheibe ziemlich toll. Und der lange und kritische Song Chor
der Blöden machte mich glauben, ich hätte hier
sogar ein Stück Rebellentum gekauft.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mit Kumpels in der
Popperdisko bei SeXy abrockte wie bekloppt.
Das war ungefähr die Zeit, zu der wir auch immer im selben
Laden (als einzige) zu Paradise city von Guns'n'Roses
die verrücktesten Luftgitarrensolos hinlegten, an deren
Ende wir gemeinschaftlich zuckend auf der Tanzfläche
zusammenbrachen.
Da stehe ich auch gerne dazu. Nur der Marius ist mir
ein bisschen peinlich.
Heavy Zeuch habe ich recht
viel gehört und da gibt's auch noch die eine oder andere
brutal schlechte Platte in meiner Sammlung. So etwa Organized
crime von den Nordmännern Treat. So ein langweiliges
08/15-Klischee-Rocken fand ich gut.
Nicht gut fand ich aber schon damals das Aussehen dieser Jungs.
Wer mal richtig harte Heavy-Brüder ohne Gnade sehen will,
schaue hier
nach.
Aber es gab auch ruhigeres: Peter Gabriel legte 1989 den
Soundtrack Passion vor, der wirklich sttimmungsvoll
und gut ist, aber eben ein Instrumentalwerk und trotz der
Atmosphäre nicht DER Dauerbrenner im CD-Player.
Auch seine Single Shaking the tree mit Youssou N'Dour
ist fein, wenn mir auch die Version, die ein Jahr später
auf Peters gleichnamiger Retrospektive erschien, etwas
besser gefällt.
Und dann gab es noch den
Megaseller Phil Collins, den
ich 1989 noch richtig super fand.
Auf But seriously war das völlig totgespielte
Another day in paradise und noch ein halbes Dutzend
anderer Hits. Ich kann die CD jedoch auch heute noch ganz
gut hören, wenn ich ein paar Lieder wegprogrammiere.
So hätte Colours
- ein komplexes und abwechslungsreiches Stück - durchaus
auch von Genesis sein können.
Und Father to son gefällt mir von Stimmung und
Text her sehr gut.
1989 war auch ein Jahr exzessiver
(wenn auch nur gelegentlich stattfindender) Parties.
Das Jahr in dem ich meine Anti-Haltung gegenüber Alkohol
aufgab.
Vorher hatte ich immer mein leckeres Glas Wasser getrunken,
wenn meine Freunde sich die Rübe zudonnerten. Ich wurde
auch dauernd gedrängt, ich sollte mitsaufen, doch das
bestärkte mich nur in meiner Konsequenz.
Letztlich war es eine spontane Entscheidung eines Abends,
auch mal ein, zwei Gläschen zu trinken. Und ab da war
ich am mitsaufen.
Aus dieser Erfahrung heraus
kann ich auch heute Personen gut verstehen, die aus Prinzip
nie trinken.
Andererseits denke ich, sollte man solch einem Prinzip eigentlich
erst folgen, wenn man weiss, was genau man dort sein läßt.
(Ich sage absichtlich nicht "verpasst".)
Ich wusste es damals nicht. Ich war nur von Schule und Eltern
indoktriniert, dass Alkohol böse ist. Insofern eine gute
Entscheidung, es trotzdem mal auszuprobieren. Aber auch gut,
dass das nicht gleich mit 14 stattfand. War auch so noch früh
genug.
Wobei man natürlich
den Nachteil als jugendlicher Nichttrinker hat, dass man nicht
zu den Feten eingeladen wird. Es sei denn, man ist zufällig
sehr beliebt. Aber ist das machbar, als Nichttrinker?
In jedem Fall hat sich die
Anzahl meiner Kontakte durch diese Anpassungsleistung deutlich
erhöht.
So erinnere ich mich zum Beispiel gerne, wie der Chimpy und
ich uns mehrfach in dieser schäbigen Kneipe mit zwei
Mädels (und noch anderen Leuten) trafen, um dann dort
das Zeug tablettweise wegzuknallen.
Da wurde denn noch fein gepogt (oder getaumelt) und wenn einer
von den Dorfbunken Ärger machen wollte stand der Chimpy
sofort neben mir und hat gaaanz böse geguckt (was ihm
nicht so leicht fiel) und die verpissten sich sehr schnell.
In diesem Zusammenhang ist
auch das tolle Textzitat (s.u.) zu sehen.
Die Abstürzenden Brieftauben lernte ich übrigens
auch sehr zufällig kennen:
Corinna machte eine Party (das war diese Angelegenheit, bei
der ich abgefüllt wurde, ohne es zu merken, von einer
der beiden oben angesprochenen Weibsvölker) und da lief
Musik, die man zwar wegen der Hintergrundlautstärke nicht
richtig verstehen konnte, aber die ich irgendwie gut fand.
Irgendjemand sagte mir, wie die Band hieß.
Hinterher wusste ich aber nicht mehr ob es die Abstürzenden
Brieftauben oder die Einstürzenden Neubauten
waren (wie ich so einiges hinterher nicht mehr wusste). Ich
kaufte dann einfach (ohne Reinhören!) die Tauben-CD.
Als ich die Musik genau angehört
hatte, wusste ich allerdings noch immer nicht, ob ich die
richtige Gruppe hatte.
Ich konnte es bis heute (auch durch Anhören der Neubauten)
nicht herausfinden.
Ja, so kam ich früher zu meinen CDs.
Und zum Abschluss noch das wichtige Textzitat:
Komm ich vom Konzert nachhaus
der Weg war ziemlich weit
Fall ich aus'm Bandbus raus
ich war wohl doch zu breit
Um zwölf Uhr dreissig wach ich auf
das Zimmer kenn ich nicht
Ich kenn nicht einmal das Hotel
warum versteh ich nicht
Das muss wohl an dem Tequila liegen
hat man mir gesagt
Kann ich da noch mehr von kriegen
hab ich gefragt
Hitlist: [hit-list]
engl.-amerik.; ergibt sich aus hit und list
Hit:
Hit: [hit] engl.-amerik.;
Schlag m; (Seiten)Hieb m; Glücksfall
m; Treffer m; thea., (Musik-Bizz)
Schlager: ein Song, der nicht zwingend gut sein
muss, aber sehr populär ist.
List:
List:
[list] engl.-amerik.; Liste f, Ver-
zeichnis n; Auflistung: besonders Männer
neigen dazu Ranglisten zu erstellen. Zum einen gibt
es ihrem Fetisch einen gewissen wissenschaftlichen
Anstrich, zum zweiten läßt sich herrlich
darüber diskutieren.
Anspieltipp:
Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen
Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen-
erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der
statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen
Gesetzen.