harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Toys 'R' Off 1989


Toy Dolls: Wakey wakey
 

Toy Dolls: Wakey wakey
(31:24, 1989)

Die Toy Dolls kann man nur supertoll oder total bescheuert finden.
Das beziehe ich sowohl auf ihren Humor als auch auf ihre Musik.

Ich schätze mal, den meisten Leuten sagen die aber einfach gar nichts.
Wenn man denn vielleicht den (einzigen) Hit Nellie the elephant erwähnt, werden den viele kennen. Obwohl ich gerade diesen Song lange kannte und ihn aber niemals von mir aus mit den Toy Dolls, die ich mit dieser Platte hier kennen lernte, in Verbindung gebracht hätte.
Denn so ganz dem üblichen Schema folgt er nicht.

Das übliche Schema ist ultraschnelles Gitarrenspiel, das zwar nach Punk klingt, aber doch außerordentliche Fähigkeiten des Herrn Olga vermuten lässt. Dazu seine hohe, abgedreht klingende Stimme und die anderen beiden Instrumente sind mehr oder weniger Beiwerk.

Toy Dolls Platten haben normalerweise ein Intro (hier: Schnarchen und dann ein Instrumentalpart) und ein Outtro (hier wieder Instrumental und der Song Goodnight Irene, ein Oldie der kaum zu erkennen ist und den ich auch von der Sensational Alex Harvey Band kenne).

Zwischen diesen beiden liegen so 10-14 Songs mit bekloppten Titeln wie Pot belly Bill oder There's a trollop up Elmwood Street.
Ja, ziemlich viel Gossenslang ist da dabei ("trollop" sagt das Lexikon ist ein "leichtes Mädchen") und ich verstehe bestimmt nur die Hälfte des Wortwitzes und der Anspielungen.
Allerdings die Hälfte auch nur von dem, was ich überhaupt verstehe, denn Olga benutzt nicht nur solche Wörter, er spricht sie auch extrem aus. Ob das jetzt Cockney oder sonstwas ist kann ich nicht beurteilen.

Coverversionen sind auf jeder Toy Dolls Platte, hier sind es neben o.g. noch No particular place to go (von Chuck Berry, ein beliebtes Opfer Olgas) und der Sabre dance (traditional).

Braucht man das, ist das toll?
Ja und nein. Grundsätzlich finde ich die Toy Dolls schon ziemlich toll, aber man braucht auf keinen Fall die ganzen Schwung Platten von denen. In den 90ern sind sie zudem etwas langweiliger geworden.
Die beste Wahl wäre wahrscheinlich eine Best-of und die Covers-Zusammenstellung (denn die sind immer sehr gut). Da es diverse Best-ofs gibt, könnte man gucken, dass man zwischen diesen beiden CDs dann möglichst wenig Überschneidungen hat.

Was ist das Besondere an Wakey wakey?
Nix.

Nö, Nellie ist nicht drauf (das ist auf dem allerersten Longplayer Dig that groove baby). Die Songs sind (wie immer) schnell und deutlich im verrückten eigenen Stil gespielt, also alles fein, aber im Prinzip wie auf jeder Platte.

Jedoch würde ich außer der ersten auch keine andere CD der Toy Dolls vorstellen (habe auch nicht alle), denn diese beiden ragen heraus.

Bei Wakey wakey ist der Grund des Herausragens wieder mal meine persönliche Geschichte damit.
1990, kurz nach Erscheinen der Platte, hatte meine Schwester die auf Tape. Ich war damals experimentierfreudig und hörte mir alles mögliche an und fand das Tape toll. Denn die irre Gitarre und die mörder-gute-Laune-Stimmung waren fein.
Daher kopierte ich mir das Teil und beschriftete es - wie meine Schwester - "Wakey wakey with the toy dolls". So steht es auch auf der Seite der CD.

Das Tape begleitete mich ca. zwei Jahre und wurde immer wieder gehört. Lustige Mucke im Sommer für's Auto gesucht? Ideal. Ein paar Songs ausgelassenes Rumspringen im Punk-Teil einer Party? Super.

Ich wollte denn auch unbedingt mehr von der Gruppe haben, aber ich wusste nicht, wer die Band überhaupt war. Denn aus der Beschriftung konnte ich den Bandnamen nicht entnehmen.
Es dauerte also zwei verdammte Jahre, bis ich überhaupt herausfand, dass die Gruppe Toy Dolls hieß und die Platte eigentlich nur Wakey wakey. Ein Internet mit Infos über jeden Scheiss gab es ja noch nicht.
Als ich es meiner Schwester dann berichtete, dass ich jetzt endlich wusste, wer diese Band war, musste sie erstmal überlegen, von welchem Tape ich denn sprach. Dann meine sie: "Ach so."

Von daher mein inniges Verhältnis zu dieser CD (die früher mal ein Tape war). Tausendmal gehört und lange erstmal nix anderes von denen.
Bis ich dann feststellte, dass das bekannte Nellie the elephant von derselben Gruppe war, vergingen nochmal so ? 2 ? Jahre.





Toy Dolls

(England)
Gegründet 1980
Erste VÖ 1981 "Tommy Kowey's car"-Single

Besetzung 1989:
Olga: voc, guit
Dean: b
Marti: dr


Anspieltipp:


Ramones: Brain drain
 

Ramones: Brain drain
(35:08, 1989)

Meine allererste Ramones-Platte.

Sicher nicht ihre beste und auch nicht meine liebste aber trotzdem gut.

Das Problem war ja damals, dass ich ziemlich schnell It's alive und dann Loco live hatte und auch die Mania-Compilation. Und da konnte Brain drain einfach nicht mithalten, die fand ich doch alle viel geiler.

Trotzdem habe ich dieses Teil natürlich rauf und runter gehört und von daher finde ich es heute auch noch großartig.
Kurz gesagt also, alle Songs sind toll. Besonders bekannt: Palisades park und Pet sematary.

Naja, eigentlich doch nicht alle toll.
Ich finde den Sound dieser Platte irgendwie komisch. Der hat so eine Art Raumvolumen oder so, das absolut nicht zu den Ramones passt. Und ich wette, dafür ist Producer Bill Laswell verantwortlich, der ja auch komischen Pop-Kram gemacht hat.
Einige Songs kommen auch nicht richtig auf den Punkt bzw. wollen nur halbherzig eine Ballade sein und sind daher insgesamt eher langweilig. Beispiele: Learn to listen und All screwed up.
Dafür wiederum sind Zero Zero UFO und Can't get you outta my mind besonders gelungen (auf den Punkt bzw. eine Ballade).
Insgesamt scheint mir aber auch eine (neugewonnene?) Energie und Vitalität rüberzukommen. Ich habe die Ramones in den 80ern nicht erlebt, aber wenn sie einen Tiefpunkt hatten, wird er wohl da gewesen sein, denn in den 90ern legten sie nochmal ziemlich los.

Die Songs sind übrigens in etwa zur Hälfte von Dee Dee und Joey geschrieben. Diese beiden waren sicher auch die interessantesten Typen unter den Ramones. Dee Dee machte direkt nach der Platte hier solo weiter und hat diese Entscheidung nicht bereut.
Im Vergleich zum Vorgänger Halfway to sanity klingt Brain drain doch recht anders. Nicht direkt besser oder schlechter. Aber eben der Gesamtsound.

Zwei Songs noch kurz:
Merry christmas ist zwar als Lied nicht so schlecht, aber muss das sein, dass die Ramones ein Weihnachtslied machen? Gerade die, die machen doch nur Songs über Teenager-Gedanken, was hat da Weihnachten zu suchen?
Aber eben auf dieser Scheibe hier sind kaum mehr Teenager-Gedanken vorhanden. Vier bis fünf Stücke ließen sich in diese Kategorie einordnen, aber demgegenüber sind sogar politische Aussagen (in geringen Dosen) vorhanden. So gesehen ein reife Platte.
Von daher: mit 15 Jahren Band auf dem Buckel kann man schonmal an Weihnachten denken, oder?
Aber: ich find's trotzdem etwas kacke. Denn ich finde auch Weihnachten besonders ätzend. Wegen mir könnte das gerne einfach ausfallen.

Dann wäre da noch I believe in miracles, mein Lieblingssong von der CD. Und zwar erstens weil's ein gutes Lied ist, zweitens weil ich auch an Wunder glaube (erinnert mich an eine Zeit, als Nena weit weniger erfolgreich war und sang: Wunder geschehn). Und drittens weil vor vielen Jahren mal, direkt nachdem ich die zarten Lippen meiner Angebeteten küssen durfte, dieser Song gespielt wurde (in der Disse).
Das ist ja quasi schon ein Zeichen, oder?



Ramones

(USA)
Gegründet 1974, aufgelöst 1996
Erste VÖ 1976 "Ramones"-LP

Besetzung 1989:
Joey Ramone: voc
Johnny Ramone: guit
Dee Dee Ramone: b, voc
Marky Ramone: dr


Link
Ramones
Blitzkrieg bop
I wanna be your boyfriend
Leave home
Gimme gimme shock treatment
Rockaway beach
Rocket to russia
Road to ruin
It's alive
7-11
Howling at the moon
Halfway to sanity
Loco live
Mondo bizarro
Acid eaters
I don't want to grow up
The family tree


The Offspring
 

The Offspring: s.t.
(31:28, 1989)

Vor dem großen Erfolg, vor Epitaph und auch bevor der Harvey sie kannte, brachten Offspring ein ziemlich gutes Debut raus.

Offspring finde ich gut. Trotzdem sie so groß sind.
Für mich etwas ganz anderes als Blink 182 (die mich nicht interessieren) und auch als Green Day (von denen ich nur Dookie habe).

Offspring (oder The Offspring) machen immer mächtig Laune. Melodien im Überfluß, meistens ein ganz gutes Songtempo und bei den neueren Platten auch mal den einen oder anderen ganz unerwartet klingenden Song, aber auch nicht zu viele davon.

Kennen lernte ich die Band, als sie vor vielen Jahren Vorgruppe von NOFX waren. Sie waren gut und daher kaufte ich direkt die aktuelle CD Ignition (das ist der Nachfolger von dieser hier, 1992).
Als dann der Boom anfing, hab ich mich erstmal auf Abstand begeben, denn das konnte ja nicht toll sein. Aber ich stellte fest, dass mir auch die folgenden CDs sehr gut gefielen.

Irgendwann später habe ich mal ein Konzert im Fernsehen gesehen und obwohl ich das auch bezweifelt habe, sie rockten noch immer gewaltig!

Diese CD hier kam 1995 erneut raus und irgendwann danach kaufte ich sie mal billig, ohne sonderlich viel zu erwarten (Erstlinge sind ja häufig nicht so gut).
ABER: zuerst mal die Ähnlichkeiten mit dem Rest der Platten. Die Stimme/der Gesang klingen ganz wie man es kennt. Die Gitarren sind auch sehr ähnlich. Offspring haben ja einen eigenen Gitarrensound oder vielleicht ist es auch eine Spielweise?, keine Ahnung. Das erkennt man hier auch sehr deutlich, also von daher schon eine echte Offspring Platte.
Anders dagegen ist die Aufnahme selbst, das Produktionsbudget. Das hier klingt nämlich viel mehr nach Punk als die meistens recht glattgebügelten Nachfolger. Das schrammelt und wurde wahrscheinlich fix mal eben aufgenommen. Manche der Gitarrensolos klingen nach "jugendlichem Leichtsinn". Das finde ich gut, was aber keine Kritik an den anderen Platten bedeutet.

Im übrigen sind die Texte extrem und politisch. Offspring waren auch später immer politisch, aber dezenter. Hier gibt's die Faust ins Gesicht: Kill the president!
Oder: "Jennifer lost the war today, they'll find her burned and raped, [...] guess she must have really sinned, [...] but she was only six years old [...]"
Viel düstere Weltsicht, Zynismus hier vertreten.

Mein Liebingslied könnte Beheaded sein, ebenfalls düster und schwarzhumorig. Aber im Prinzip sind alle elf Songs ausgesprochen gut. Ob ich das deswegen jedem "typischen" Offspring-Fan empfehlen würde, ist noch eine andere Sache. So nette runde Hits wie Pretty fly (for a white guy) oder Self esteem gibt's hier nicht. Nee, hier wird Arschgetreten, das ist sicher nicht Hitparaden-tauglich.

Vor ein paar Jahren habe ich Offspring dann nochmal live gesehen, auf dem Bizarre-Festival. Und wiederum waren sie sehr gut. Machte durchaus Spaß, aber: gerade von meinen beiden favorisierten Platten, nämlich dieser hier und der Ignition, wurde nicht ein Stück gespielt.

Warum läuft es bei so vielen Bands darauf hinaus, dass die nach ein paar Jahren immer einen Mix aus neuen Songs und den Hits (also den Singles, falls diese auch eventeuell keine echten Hits waren) spielen? Da gibt es eine Menge Gruppen, die ihre ersten Platten inzwischen vernachlässigen oder die eben von dem Frühwerk nur die bekannteren Sachen spielen. Das ist ja für den eher "zufällig" auf dem Konzert Anwesenden ganz gut, aber für den Fan unbefriedigend.
Ich will auch mal unerwartete Songs! Ich will neue Versionen die anders klingen! Ich will, dass die Leute verdammt noch mal was leisten!

Genau, ich löhne da mächtig Kohle als Eintritt, da kann man doch wohl erwarten, dass die Band nicht einfach ihr totgeleiertes Best-of-Repertoire runterreisst. Die müssen vorher mal planen und überlegen und ausführlich proben!

Ja, ich weiss: für 'ne Punkband ist das etwas übertrieben.
Aber trotzdem oder gerade auch weil sie eine Punkband sind und weil auch ganz schön viele der kurzen Songs in ein bis eineinhalb Stunden reinpassen, sollten auch Punkbands die etwas bekannter sind mehr Abwechslung bieten.

Denn auch wenn das Punk-Genre musikmässig oftmals sehr konservativ ist, so ist der Grundgedanke des Punk eben gerade Veränderung, keine Anpassung.

Tolle Rede, Harvey.
Ich werde das jetzt mal translatieren und den Helden mailen und ich bin sicher, sie werden mich auf ihrer nächsten Tour nicht enttäuschen.

Alles wird gut.


Stay alive and rock on,
Harvey
(12.6.03)

 

The Offspring

(USA)
Gegründet 1984
Erste VÖ 1987 "I'll be waiting"-Single

Besetzung 1989:
Dexter Holland: voc
Noodles: guit
Greg K: b
R. Welty: dr


Link
Ignition
Smash
The kids aren't alright

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: