|
|
|
The Offspring: s.t.
(31:28, 1989)
Vor dem großen Erfolg, vor Epitaph und auch
bevor der Harvey sie kannte, brachten Offspring ein
ziemlich gutes Debut raus.
|
Offspring finde ich
gut. Trotzdem sie so groß sind.
Für mich etwas ganz anderes als Blink 182 (die
mich nicht interessieren) und auch als Green
Day (von denen ich nur Dookie
habe).
Offspring (oder The
Offspring) machen immer mächtig Laune. Melodien im
Überfluß, meistens ein ganz gutes Songtempo und
bei den neueren Platten auch mal den einen oder anderen ganz
unerwartet klingenden Song, aber auch nicht zu viele davon.
Kennen lernte ich die Band,
als sie vor vielen Jahren Vorgruppe von NOFX
waren. Sie waren gut und daher kaufte ich direkt die aktuelle
CD Ignition (das ist der Nachfolger von dieser hier,
1992).
Als dann der Boom anfing, hab ich mich erstmal auf Abstand
begeben, denn das konnte ja nicht toll sein. Aber ich stellte
fest, dass mir auch die folgenden CDs sehr gut gefielen.
Irgendwann später habe
ich mal ein Konzert im Fernsehen gesehen und obwohl ich das
auch bezweifelt habe, sie rockten noch immer gewaltig!
Diese CD hier kam 1995
erneut raus und irgendwann danach kaufte ich sie mal billig,
ohne sonderlich viel zu erwarten (Erstlinge sind ja häufig
nicht so gut).
ABER: zuerst mal die Ähnlichkeiten mit dem Rest der Platten.
Die Stimme/der Gesang klingen ganz wie man es kennt. Die Gitarren
sind auch sehr ähnlich. Offspring haben ja einen
eigenen Gitarrensound oder vielleicht ist es auch eine Spielweise?,
keine Ahnung. Das erkennt man hier auch sehr deutlich, also
von daher schon eine echte Offspring Platte.
Anders dagegen ist die Aufnahme selbst, das Produktionsbudget.
Das hier klingt nämlich viel mehr nach Punk als die meistens
recht glattgebügelten Nachfolger. Das schrammelt und
wurde wahrscheinlich fix mal eben aufgenommen. Manche der
Gitarrensolos klingen nach "jugendlichem Leichtsinn".
Das finde ich gut, was aber keine Kritik an den anderen Platten
bedeutet.
Im übrigen sind die
Texte extrem und politisch. Offspring waren auch später
immer politisch, aber dezenter. Hier gibt's die Faust ins
Gesicht: Kill the president!
Oder: "Jennifer lost the war today, they'll find her
burned and raped, [...] guess she must have really sinned,
[...] but she was only six years old [...]"
Viel düstere Weltsicht, Zynismus hier vertreten.
Mein Liebingslied könnte
Beheaded sein, ebenfalls düster und schwarzhumorig.
Aber im Prinzip sind alle elf Songs ausgesprochen gut. Ob
ich das deswegen jedem "typischen" Offspring-Fan
empfehlen würde, ist noch eine andere Sache. So nette
runde Hits wie Pretty fly (for a white guy) oder Self
esteem gibt's hier nicht. Nee, hier wird Arschgetreten,
das ist sicher nicht Hitparaden-tauglich.
Vor ein paar Jahren habe
ich Offspring dann nochmal live gesehen, auf dem Bizarre-Festival.
Und wiederum waren sie sehr gut. Machte durchaus Spaß,
aber: gerade von meinen beiden favorisierten Platten, nämlich
dieser hier und der Ignition, wurde nicht ein Stück
gespielt.
Warum läuft es bei so
vielen Bands darauf hinaus, dass die nach ein paar Jahren
immer einen Mix aus neuen Songs und den Hits (also den Singles,
falls diese auch eventeuell keine echten Hits waren) spielen?
Da gibt es eine Menge Gruppen, die ihre ersten Platten inzwischen
vernachlässigen oder die eben von dem Frühwerk nur
die bekannteren Sachen spielen. Das ist ja für den eher
"zufällig" auf dem Konzert Anwesenden ganz
gut, aber für den Fan unbefriedigend.
Ich will auch mal unerwartete Songs! Ich will neue Versionen
die anders klingen! Ich will, dass die Leute verdammt noch
mal was leisten!
Genau, ich löhne da
mächtig Kohle als Eintritt, da kann man doch wohl erwarten,
dass die Band nicht einfach ihr totgeleiertes Best-of-Repertoire
runterreisst. Die müssen vorher mal planen und überlegen
und ausführlich proben!
Ja, ich weiss: für 'ne
Punkband ist das etwas übertrieben.
Aber trotzdem oder gerade auch weil sie eine Punkband sind
und weil auch ganz schön viele der kurzen Songs in ein
bis eineinhalb Stunden reinpassen, sollten auch Punkbands
die etwas bekannter sind mehr Abwechslung bieten.
Denn auch wenn das Punk-Genre
musikmässig oftmals sehr konservativ ist, so ist der
Grundgedanke des Punk eben gerade Veränderung, keine
Anpassung.
Tolle Rede, Harvey.
Ich werde das jetzt mal translatieren und den Helden mailen
und ich bin sicher, sie werden mich auf ihrer nächsten
Tour nicht enttäuschen.
Alles wird gut.
Stay alive and rock on,
Harvey
(12.6.03)
|