harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Flying V 1989


Vamp: The rich don't rock
 

Vamp: The rich don't rock
(39:19, 1989)

Vamp heisst die Combo und es singt keine Frau.
Nicht mal "Dicki", der Drummer, ist weiblich.

Nein, Vamp sind vier noch ziemlich bubihafte Poser aus Bonn.

Im Jahr 1989 war Plattenkauf bei mir totale Spontaneität.
Ich hörte EINEN Song und legte mir direkt den Longplayer zu. Ich SAH eine CD im Laden und kaufte sie sofort. Ich LAS von einer Scheibe in einer Zeitung oder sogar nur in einer Liste und rückte die Kohle rüber. Ich ROCH den Geruch von Vinyl und... nee, soweit kam's dann doch nicht.

Natürlich ging das nicht immer so, denn ich kaufte nur hin und wieder mal 'nen Tonträger. Aber wenn, dann lief es meistens völlig spontan. Die Zeit, zu der ich die neue Marillion wollte, weil ich schon viele andere Sachen von Marillion hatte, stand zwar auch schon vor der Tür, war aber ein seltener Sonderfall.
Grundsätzlich hatte mein Kaufverhalten eher etwas von blindem Rumgestocher im Heuhaufen.

Vamp wird sicher nahezu niemand auf der ganzen Welt in seiner Jahreshitlist von 1989 haben. Klar, mit nur einer - dazu noch recht unerfolgreichen - Platte kennt die ja auch niemand.
Der Harvey hörte Anno '89 immer eine Heavy-Sendung im Radio und da spielte man The rich don't rock (den Titelsong). Jetzt der unüberlegte Teil: bei der nächsten Disc-Center Sammelorder bestellte er diese LP hier für 8.- DM oder so mit.

Er erstand damit die Platte der ersten deutschen Hardrockband, welche zuerst einen USA-Deal hatte, bevor sie überhaupt in Europa Platten machte. Und eine ziemlich geile Scheibe obendrein!

Diese Mucke ist dermaßen professionell gemacht, dass man kaum es glauben kann, doch diese Kerls haben das wirklich selber musiziert.

Und sie rockt die Platte, aber heftig! Sehr gut geeignet, um bei Feten den Ärger von Chart-Fans auf sich zu ziehen.
Dieses war das Tape, welches ich damals auf einer Party mitbrachte und das dann während des Drumsolos von anderen Besuchern entnervt ausgestellt wurde.

Ja, Drumsolo! Hier wird super-selbstbewusst gerockt, da darf auch mal ein Drumsolo her!
Ich bin nun wirklich kein echter Hardrockfan, aber diese Platte hier macht mir auch heute noch immer gute Laune. Zehn Songs ohne Pause, zehnmal Power mit einem Gesang, der gar nicht deutsch klingt und damit schon eine Seltenheit für so eine deutsche Band darstellt (wenn ich unterstelle, dass auch Sänger Tom Deutscher ist, was ich aber nicht weiss).

Ich würde das dreckigen Sleaze-Rock mit deutlicher amerikanischer Prägung nennen.
Insbesondere die Gitarre weiss hier genau, wann sie dran ist. Abwechselnd rhythmisch und solo hält sie sich auch mal zurück und brät an anderen Stellen gut rein. Dazu gibt's dann auch noch schöne Chöre.
Wenn ich's jetzt so wieder höre, meine ich auch eine kleine Ähnlichkeit zu Bon Jovis Erstling rauzuhören. Aber: hier gibt's fast null Keyboards und keine Klaviere, im Gegensatz zu Bon Jovi.

Pauschal gesagt finde ich alle Stücke geil. Aber die absoluten Höhepunkte sind folgende:

The rich don't rock ist besonders spannungsreich und druckvoll. Kein Wunder, dass es mich zum Kauf animierte. Der Sänger schreit manchmal eher (wie auch bei anderen Songs) und verleiht damit seiner hellen Reibeisenstimme (ja, sowas geht) einen Ausdruck von Wut und Aggression, der bestimmt gewollt ist. Dazu legt der Schlagzeuger auch schon ganz gut los.
Renegade ist ebenfalls äußerst gut gemacht, wie hier ruhigere Parts und treibende sich abwechseln, wie Gitarre und Bass tatsächlich spüren lassen, was er mit "running like a renegade" meint. Schade, dass der Song dann ausgeblendet wird, hört sich so an, als wenn die Band am Ende nochmal so richtig abgehen würde. Das hätte ich doch gerne ganz gehört.
Bleeding ist vielleicht der schnellste Song. Straight forward geht's hier ab, kreischende Gitarre und ein sich völlig verausgabender Drummer. That's rock!

Im Jahre 89 oder 90 legte ich mir noch diverse andere Heavy-Scheiben zu, eine davon zum Beispiel Victory weiter unten. Auch dabei waren Axxis. Das war dann eher nicht die Nadel (in dem Heuhaufen), sondern der Kuhfladen. Klar, ich fand die damals gut, aber heute nicht mehr, ja heute finde ich die sogar unerträglich.
Lustig war denn, als um diese Zeit mein Kumpel Jens Geburtstag hatte und von Freunden eine Axxis-CD geschenkt bekam. Er wusste nicht, dass ich auch eine hatte und ich fragte ihn erstaunt, wie er denn zu Axxis gekommen sei.
Folgende Antwort erhielt ich: er hatte sich von den Freunden eigentlich "irgendwas von ACDC" gewünscht. Von denen war aber im CD-Laden nix da(!!!), also hatten die einfach mal die Axxis-CD ausgesucht, weil die ja ziemlich genauso klingen.

Sosiehtddasaus!





Vamp

(Deutschland)
Gegründet ?
Einzige VÖ "The rich don't rock"-LP 1989

Besetzung:
Tom Bellini: voc
Dicki Fliszar: dr
Ricolf Cross: guit
Oliver Scholz: b


Anspieltipp:


Victory: Culture killed the native
 

Victory: Culture killed the native
(42:36, 1989)

Ich habe diese Victory-Platte für die Hitlist 1989 ausgesucht, bevor ich wusste, dass es demnächst eine Reunion-Tour der Jungs gibt.

Aber jene interessiert mich auch nicht die Bohne.

Denn erstens ist diese Reunion eine von der ersten Bandbesetzung mit dem alten Sänger (der auf Culture killed the native nicht vertreten ist) und zweitens würde ich mir Victory auch niemals live antun.
Nicht, dass die nicht rocken würden. That's live und die Bonusmaxi der Temples of gold-LP sprechen eine andere Sprache. Aber dennoch: ich verspüre absolut keinen Bock mir solchen deutschen Hardrock anzusehen - und sei er noch so gut gemacht.

Victory - ein wirklich sehr gut gewählter Name für eine deutsche Band. Herzlichen Glückwunsch!
Das fällt mir jedenfalls immer wieder auf.

Wie kam ich zu denen?
Ich bin mir nicht mehr ganz sicher: entweder war es wieder die Heavy-Sendung im Radio oder die Compilation-LP eines Freundes, auf der ein Song war.
Jedenfalls lief ich in dieses CD-Geschäft, in dem ich noch nie zuvor gewesen war. Es war zugleich ein CD-Verleih (einer der ersten) und ich ging da gar nicht so gerne rein, denn in diesem Laden hingen immer ziemlich bescheuerte Typen rum, so quasi als Freizeitbeschäftigung ohne wirklich was zu kaufen. Drinnen hatte ich dann keinen Plan, wie ich etwas finden sollte, weil ich Verleih und Verkauf nicht auseinander halten konnte.
Ich fragte also den Mann an der Theke ob er etwas von Victory hätte. Und der sagte "Nein", hatte aber sofort einen Katalog zur Hand und sagte, er würde mir die gewünschte CD sofort bestellen.
Da konnte ich schlecht wieder abhauen und schon gar nicht konnte ich zugeben, dass ich überhaupt nicht wusste, welche CD ich wollte. Denn ich kannte ja nur einen einzigen Song. Also las der Typ mir die lieferbaren CDs vor und ich sagte ganz selbstbewusst, ich wollte die That's live haben.
Dass es eine Liveplatte sein würde, war mir überhaupt nicht klar! Als dann der ziemlich scheisse aussehende andere Typ, der die ganze Zeit ebenfalls an der Verkaufstheke lehnte und anscheinend nichts zu tun hatte, meinte, diese Platte sei super, war ich noch unsicherer, ob ich hier den richtigen Griff getan hatte.

Letztlich fand ich That's live ganz gut, aber als ich nicht viel später einen Song von Culture... hörte, kaufte ich diese sofort und fand sie von da an um Längen besser. Erstens gefällt mir der Gesang besser (neuer Sänger) und zweitens ist das ganze deutlich druckvoller produziert. Das geht dem Nachfolger Temples of gold dann schon wieder etwas verloren. Danach habe ich Victory nicht weiter verfolgt. (Na, eine Maxi habe ich noch, aber die kann man vernachlässigen.)
Somit denke ich, dass diese Platte hier eine für den 80er Hardrock in Deutschland herausragende Scheibe ist, ohne dass ich jetzt wirklich der Experte dieses Genres wäre.

Nachdem ich die CD hatte, lieh ich sie dem Jörch aus. Jörch hörte fast nur Hardrock. Und er hatte ziemlich viel davon, ich lieh mir auch öfter mal was von ihm aus, kann mich aber leider gar nicht mehr an alle Bands erinnern. Naja, jedenfalls hörte der Jörch das Teil und meinte, die wäre ja richtig geil.
Das empfand ich als Lob für mich und war stolz! Denn der Harvey hatte ja kaum Ahnung von Hardrock, der Jörch aber schon. Und nun hatte der Harvey dem Jörch eine geile Band nahegebracht. Super.
Kleine Erfolge machen das Leben schön, oder so, ähem...

Victory hörte ich mir eine zeitlang ständig an. Volle Lotte aufgedreht natürlich! Und ich dachte auch, das sei schon ganz schön hart. Böse Stimme des Sängers und grollender Bass, dazu doppelte Gitarrenattacke, hey!
So kam es, dass ich diese Musik beim Rollenspiel einsetzte als Hintergrund bei einer ganz bösen Räuberbande, die gerade per TV ihre Forderungen stellte. Passende Songs dazu: Power strikes the earth und The warning.
Wir spielten nämlich das Teenage Mutant Ninja Turtles RPG und dabei rannte man selber aber meistens auch die Gegner als mutierte Tiere (nicht nur Schildkröten) intelligenter Bauart rum. Dazu natürlich bis an die Zähne bewaffnet mit Maschinenpistolen, Sprengstoff und allem was der moderne Guerilla noch so braucht.
War wohl ziemlicher Mumpitz, dieses Spiel.

Interessantes Detail am Rande, welches ich natürlich erst Jahre später feststellte: der Drummer Fritz Randow macht auch bei den Eloy-Platten Zwei bis Vier mit.
Ja, das Outing nimmt heute gar kein Ende, ich finde auch (einiges, nicht alles von) Eloy gut. Meine Lieblingsplatten sind inzwischen die Inside und die Power and the passion und bei beiden spielt Randow mit. Früher meinte ich mal, Ocean wäre die beste, aber jetzt mag ich den rockigeren Sound davor lieber.
Nun würde ich das eher als Abstieg für Randow sehen, denn Eloy hat ja einen Kultfaktor und den kann ich Victory dann doch nicht zusprechen.

Dennoch: exzellent gemachter Hardrock internationaler Prägung. Klischeemässig natürlich, bescheuerte Texte auch, aber eben auch Hammerpower und vom Anfang bis zum Ende ohne Ausfälle durchhörbar!


Stay alive and rock on,
Harvey
(3.7.03)

 

Victory

(Deutschland)
Gegründet 1984
Erste VÖ 1985 "Victory"-LP
Aufgelöst 1994/95 und seit 1997 (?)

Band 1989:
Fernando Garcia: voc
Fritz Randow: dr
Tommy Newton: guit
Herman Frank: guit
Fargo Peter Knorn: b


Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: