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Daniel Lanois: Acadie
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(1989, 41:19)
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Daniel Lanois ist als Produzent bekannter denn
als Musiker.
Da Produzenten im allgemeinen nicht sehr populär
durch ihre Tätigkeit werden, ist der Mann
dementsprechend wenigen Leuten, die Musik nur
hören, bekannt.
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Man muss schon auch an Musikern
und Hintergründen zu Platten interessiert sein, um auf
ihn zu stoßen.
Hier bei Hitlist wurden bereits
verschiedene Platten vorgestellt, die seine Handschrift tragen.
Ja, es ist wirklich eine Art Handschrift und wenn man die
Texte von Produzent Jack Endino auf seiner Homepage
liest, so kann man glauben, dass Produzenten ebenfalls ein
gutes Stück Kreativität bei der Entstehung einer
Platte einfließen lassen und damit das Endresultat prägen.
Ich nenne die Platten (und nur die, obwohl es noch einige
bekannte Scheiben mehr gibt, die erwähnenswert wären),
welche hier schon gelobt wurden: Us
von Peter Gabriel, Robbie
Robertsons Erstling,
The Joshua tree
von U2 und The
unforgettable fire von U2.
Wer diese Platten kennt oder
die Rezis gelesen hat, wird wissen, was ich mit dem Begriff
Handschrift gemeint habe.
Von Daniel Lanois
produzierte Platten zeichnen sich durch sehr dichte Atmosphären,
durch eine ruhige Grundstimmung und durch eine vielschichtige
Instrumentierung aus. Nicht umsonst hat Lanois sehr
häufig mit Brian Eno zusammengearbeitet. Das scheint
mir auch eine ideale Kombination zu sein: auf der einen Seite
der Synthie- und Elektronikspezialist mit seiner Erfahrung
eines sterilen Kunstrocks und auf der anderen Seite der Gitarrist
mit R&B, Folk- und Country-Roots.
Wenn Lanois selber
Songs schreibt, dann macht er dies aus Lust am Musizieren
und nicht, um Geld zu verdienen. Deswegen gibt es bisher auch
erst drei Soloplatten von ihm, zählt man Soundtracks
nicht mit.
Die dritte davon heißt
Shine und ist noch ganz neu. Sie ist ähnlich zu
dieser hier und ziemlich toll.
Die zweite heißt For the beauty of Wynona und
ist für mich zwar noch ganz nett, aber deutlich uninteressanter
als die anderen beiden. Sie wirkt, als hätte Lanois
bei der Aufnahme seine Gedanken bei anderen Dingen gehabt.
Irgendwie sind die Songs unfertig oder uninspiriert. Zumindest
im Vergleich zu den großartigen anderen beiden Platten.
Wie großartig ich Acadie
finde, kann man daran erkennen, dass ich diese CD erst ca.
ein Jahr kenne und sie trotzdem schon auf den vierten Platz
von 1989 vorgedrungen ist.
Im Jahresrückblick von 2002
hatte ich die CD bereits als einen Höhepunkt aufgezählt.
Es hat sich nicht geändert.
Erstaunlicherweise ist dies
außerdem die einzige Platte, auf der ich französischen
Gesang nicht nur so eben ertragen kann, sondern sogar gut
finde!
Ich bin nicht gerade ein Fan dieser Sprache. Vielleicht ein
Gegenpol zu Teilen meiner Familie, die Land und Sprache sehr
mögen.
In Kanada spricht man auch teilweise Französisch und
Lanois scheint ein Zweisprachler zu sein. Zum Glück
ist aber trotzdem der Großteil des Gesangs in Englisch.
Und er singt gar nicht schlecht.
Eine tiefe, beruhigende Stimme, die die Stimmung der Lieder
unterstützt.
Diese Stimme erzählt kleine Geschichten. Manchmal fast
beiläufig und dann wieder mit hoher Intensität,
ohne dabei jedoch in wilde Gesangsakrobatik zu verfallen.
Im Gegensatz zu den oben
genannten Platten, die Lanois produziert hat, ist die
Instrumentierung hier nicht durch dicke Lagen sondern durch
Spärlichkeit gekennzeichnet. Jeder Ton hat seine Bestimmung
und es gibt viele Einzelheiten rauszuhören, aber die
einzelnen Instrumente lassen sich ohne weiteres trennen und
der Einsatz von künstlichen Geräuschen ist selten.
Folk, das ist es was hier
durchscheint. Amerikanischer Folk wohlgemerkt und dazu ein
wenig Country-infizierte Songwritertugend, etwas Blues und
im Hintergrund ein klein wenig Rockmusik, wie man sie in den
80ern kannte. Die Neville Brothers musizieren mit,
zwei Mann von U2 ebenfalls.
Lässt man die Platte
zunächst einmal unachtsam nebenher laufen, so ist sie
irgendwann vorbei und außer einem Gefühl von "war
ganz nett" (oder vielleicht sogar "lief da überhaupt
was?") bleibt nicht viel hängen.
Erst nach mehreren Hördurchgängen entwickeln die
scheinbar belanglosen Lieder ihre Kraft und Schönheit.
Trotzdem sind es keine Stücke,
die einem morgens im Kopf hängen oder die beim Autofahren
mitgesummt werden können. Dafür sind sie zu wenig
Pop und zu ruhig. Man könnte auch sagen, sie werden sehr
zurückhaltend vorgetragen, aber das muss hier so und
kommt den Songs auf Dauer zugute.
Der Einstieg mit Still
water lotet stille Wasser aus. Und - wer hätte das
gedacht - sie sind tief. Sehr faszinierendes Lied, das Stimmungen
vermittelt.
Das französische Jolie Lousie erinnert an Straßenmusikanten
oder Pariser Cafés und begeistert mit groovendem Bass
und Akkordion.
Das Instrumentalstück White mustang II ist ein
weiterer Höhepunkt: eher Blues-lastig mit einsamer Trompete
weiss der kurze Song die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Als letztes besonders herausragendes Stück erwähne
ich noch Ice, das ausnahmsweise mal etwas mehr mit
moderner Technik bearbeitet wurde, dennoch erdig und nicht
künstlich wirkt. Hier ist eine sehr deutliche Ähnlichkeit
zu einigen Songs von Robbie Robertsons Platte zu hören.
Der Gesang ist abwechslungsreich und klingt etwas leidend,
begleitet von schwirrenden Saiteninstrumenten und einem einfachen
aber wirkungsvollen Basslauf. Schlagzeug gibt's dabei gar
nicht.
Insgesamt ein echtes Juwel,
diese Platte.
(Ist ja auch bei Opal Records erschienen, HA HA HA, kleiner
Witz am Rande!)
Wenn man denn solch ruhige Musik mag. Aber keine Sorge, unter
den kommenden drei Hits von 1989 geht's auch nochmal richtig
zur Sache!
Stay alive and rock on,
Harvey
(17.7.03)
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