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Hitlist
 




Lee Clayton: Another night
(1989, 43:51)


Lee Clayton: Another night
 

Der Outlaw Clayton wird dieses Jahr 61.
Ob ihn die Ladies wirklich geliebt haben, weiss ich nicht.

Der Erfolg hat ihn jedenfalls nicht verwöhnt und das Leben hatte Hochs und Tiefs für ihn.

1989 war definitiv ein Hoch. Oder eher 1988, denn da wurde diese Live-Scheibe aufgenommen und zwar in Oslo.

Ein glückloser Einzelgänger ist oder war er und das macht ihn auch sympathisch. Ein ehrlicher Typ, der seine Meinung sagt und sein Leben so führt, wie es ihm beliebt.
Damit ist er geradezu eine Identifikationsfigur für mich und ich wünschte, ich könnte derart kompromisslos und für den Moment leben wie er.
Wobei ich absolut keine Ahnung habe, was mit Lee Clayton heute, im Jahr 2003, los ist. Im Internet ist er unterrepräsentiert, da merkt man erst richtig, wie wenig erfolgreich er war. Die sehr gute Compilation seiner drei bekanntesten Alben (von 2001) wird öfter mal rezensiert, aber schon sein 1994er Album Spirit of the twilight taucht kaum irgendwo auf.

Bis auf seine Debut-LP waren das dann mit Another night zusammen auch schon alle seine Veröffentlichungen. Für 30 Jahre sind 6 Platten nicht gerade viel. Aber Clayton hat sich immer wieder Auszeiten von der Musik gegönnt und in diesen wahlweise Selbstfindung, Selbstzerstörung oder andersartige Kreativität praktiziert. Leider kann man seine Romane weder bei Amazon.de noch -.com bestellen.

Claytons Platten wird man öfter unter der Rubrik "Country" finden.
Aber nicht zurückschrecken! Dies ist kein Country wie man ihn fürchten würde. Nein, die Sache hat sogar recht wenig mit Country zu tun. Seine allererste LP soll noch am meisten in solch einer traditionellen Richtung klingen, aber das ist auch die einzige, die ich nicht habe und deshalb kann ich das nicht beurteilen.

Dominierend in Claytons Songs sind zum einen die Slide Guitar, die aber eher nach Folk als Country klingt und seine rauhe Nicht-Sänger-Stimme. Vielfach müsste man eher von Sprechgesang reden und auch sonst sind die Vocals gewöhnungsbedürftig. Aber andererseits hat man sowas selten gehört und ich finde daher, dass dieser Gesang einen ganz eigenen Charme hat.

Another night ist eine kleine Mini-Best-of der LPs Zwei bis Vier plus ein unveröffentlichtes Stück. Das ist toll, denn hier gibt's die Songs mal von einer richtigen Band in etwas modernerem Gewand. Im Studio machen sich, so finde ich, doch das geringe Produktionsbudget und Veränderungen in der Band bemerkbar.
Hier sind nun keine bekannten Namen dabei (eigentlich ist Claytons Gitarrist der Ire Philip Donnelly), sondern anscheinend alles junge Norweger, die aber dafür super eingespielt sind und die Lieder sehr homogen und rockig rüber bringen.

Es sind sowieso die schnelleren und härteren Stücke hier ausgewählt und die zum Teil üblen Balladen (ein bis zwei auf jeder Platte) fehlen.
Zudem ist die Songauswahl sehr gut: I ride alone sagt direkt wo's langgeht: sowohl inhaltlich als auch musikalisch ein prima Statement.

Weiterhin geht's um Frauen (A little cocaine, Dylan schaut vorbei), Trinken (Tequila is addicitive) und um Claytons Kindheit inklusive Kritik an Technikgläubigkeit (Industry). Letzteres für mich der Übersong, episch und mitreißend!
Stilistisch gibt's neben Versatzstücken von Country und Rock auch noch deutlich Blues und Rock'n'roll zu hören, alles zusammengekocht zu einer ungewöhnlichen Mischung.

Das muss man nicht auf Anhieb gut finden, aber für mich ist Lee Clayton (trotz einzelner Schwächen auf den Studioalben) ein ganz Großer!
Allerdings muss ich auch hinzufügen, dass ich in meinem Freundeskreis bisher niemanden für ihn begeistern konnte und sowieso noch nie jemanden getroffen habe, der ihn überhaupt kannte.

Das führt mich zu der Antwort auf die Frage, wie ich denn überhaupt an diese CD gekommen bin. Denn dies war auch meine erste von Lee Clayton und es dauerte eine ganze Weile, bis ich die LPs aus irgendwelchen Wühltischen ergattert hatte.

Naja, also das war im Jahre 1988 oder 1989. Ich war irgendwie vor der Glotze hängen geblieben, obwohl wir ja doch nur drei Programme hatten. Und da wurde auf einmal eine Konzertaufzeichnung gesendet und ich schaute mir das ein wenig an.
Das ganze fand im Rahmen eines Kulturmagazins statt (meine ich), vielleicht Kontraste oder sowas. Es war wohl ein Bericht von einem Indoor Festival, vielleicht auch einer Konzertwoche und ich glaube, das war sogar aus Deutschland.
Auf jeden Fall war diese Konzert, das in Ausschnitten gesendet wurde (ich weiss nicht mehr wie lang: können zwei Songs gewesen sein oder auch sechs) von Clayton und Band.

Und das begeisterte mich total! Ich fand's richtig gut und aus diesem Grund merkte ich mir den Namen des Machers.
Sowas ähnliches ist mir schon öfter passiert und ich kann mir den Namen auch nur merken, wenn es tatsächlich mehr als ein Song ist, der da gesendet wird. Ein anderes Mal sah ich - zufällig - Dave Stewart and the Spiritual Cowboys und fand das auch megatoll.
Als ich da dann aber mal eine CD von auslieh, war das ziemlich lahm und uninteressant und ich weiss nicht, ob ich einfach das beste Konzert aller Zeiten von denen gesehen habe, oder meine Ohren (und Augen) sich irgendwie täuschten.

Bei Clayton merkte ich mir den Namen und dann passierte erstmal weiter nix. Ich hatte genug andere interessante Gruppe, deren Platten ich noch kaufen wollte und habe deshalb nicht nach dieser neuen Sache geschaut.
Doch als ich ein Jahr (oder so) später entdeckte, dass die örtliche Bücherei auch LPs zum Ausleihen hatte, da fand ich dort die hier vorgestellte Liveplatte. Die nahm ich mit, fand sie erstmal "nur" ganz gut und nahm sie mir trotz des fetten Knisterns auf.
Auf Tape wuchs die Platte dann noch und wurde immer toller. Zunächst hatte mich nur die Gitarre interessiert, schließlich auch die Texte und der Gesang und dann vor allem die Atmosphäre der Stücke. Schließlich suchte ich dann doch nach der CD und gab sogar 30 Kohlen dafür aus, weil es sein musste.

Seitdem höre ich den Silberling immer mal wieder und er hat nichts von seinem Reiz verloren.
Auch die letzte Studio-CD und die besagte Compilation CD werden gerne gehört.
Und dabei wird mir dann auch wieder klar, wie wichtig die Persönlichkeit des Sängers für mich ist.
Natürlich, - ich hatte es schonmal erwähnt - ich finde auch Musik gut, bei der Sänger und/oder Band mir unsympathisch sind oder auch einfach gesichtslose unbekannte Gestalten.
Aber umgekehrt fällt es mir viel leichter, Musik gut zu finden, bei der mir auch die Leute gefallen.
Zudem schafft dies Gelegenheit zur weiteren Beschäftigung, denn man kann den Lebenslauf ausfindig machen oder in einer Biographie nachlesen und dann Bezüge zu den Texten suchen. Oder die Interviews sind witzig oder geistreich oder voller interessanter Stories. Und diese Beschäftigung mit dem Künstler hilft dann wieder, die Musik besser zu verstehen oder zu würdigen und man findet sie noch besser.
Schöne Sache, die bei Lee Clayton allerdings wegen der besagten Unbekanntheit und langen Inaktivität nicht so recht klappt.
Aber ich halte weiter die Augen offen und auch die allererste Platte werde ich über Import nochmal bekommen!

Stay alive and rock on,
Harvey
(24.7.03)



Lee Clayton

(USA)
Erste Solo-VÖ 1973 "Lee Clayton" -LP

Musiker 1989:
Lee Clayton: voc, guit
Tore Elgaroy: guit
Arne Saether: keys
Jörgen Lie: b
Björn Juliusson: dr


Link
Lee Clayton
Industry

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik:
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