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Hitlist
 




Bad Religion: No control
(1989, 26:25)


Bad Religion: No control
 

Ob man Bad Religion im Jahre 2003 noch toll finden kann, ist durchaus streitbar.

Ebenso die Frage, ob Millionäre Punks sein können. (Ich meine Mr Brett).

Ende der 80er sah die Sache noch anders aus:
einer etwas langweilig gewordener Punkszene hatten die Jungs schon mit Suffer kräftig Feuer unter'm Arsch gemacht und No control steht dem in nichts nach.

No control ist auch sehr ähnlich zu Suffer, so dass die Frage aufkommen könnte: welche ist denn nun besser? Oder: was soll man mit einer zweiten CD, die genauso klingt wie die erste?

Die Antwort:
Die beiden Platten sind ja nun leider jede sehr kurz. Die Mucke ist allerdings so toll, dass man da durchaus mehr von vertragen kann, als nur knapp 30 Minuten. Also macht die Anschaffung beider CDs durchaus Sinn.

Im übrigen hat man hier natürlich 15 neue Songs, die für sich eben doch etwas Eigenes haben. Das hört man zwar nur als Fan, aber warum sollte man sonst auch überhaupt überlegen, ob man beide CDs braucht?

Für No control spricht natürlich auch noch, dass hier zwei alte Dancefloor Hits drauf sind, an die sich die Leute ab 25 vielleicht noch erinnern werden.
Zum einen No control selbst und dann Sanity. Diese beiden Stücke habe ich früher häufig in Rockdiskos gehört und sie sorgten immer für guten Pogo auf der Tanzfläche.
Irgendwann wurden die dann durch den 21st century digital boy ersetzt und dann kam nicht mehr viel. Der Song mit Campino zusammen wurde nochmal gespielt, aber naja...

Diese CD habe ich auch wieder durch meine Schwester kennen gelernt. Sie hatte die LP dazu bei uns zuhause rumliegen und ich legte die mal auf. Super-brutal, nach 13 Minuten umdrehen bei einem Longplayer!
Ich fand das ja erst alles viel zu schnell gespielt und nur krachig.
Aber dass man sich erst gewöhnen muss, wenn man garnix in der Richtung kennt, ist ja klar.

Irgendwann hatte sie dann Against the grain da und ich legte die mal rein (war diesmal eine CD). Da fand ich das schon hörbar und irgendwie ganz nett. Wenig später war mal wieder eine Exkursion in eine größere Stadt angesagt, um einzukaufen.
Ich weiss es noch genau, wie ich im Pro Markt stand und die Against the grain in den Händen hielt (warum habe ich überhaupt danach geguckt, seltsam!) und sie war im Angebot, ich glaube so 22.- DM etwa. Da habe ich die einfach gekauft, obwohl es noch eine Menge anderen Kram gab, den ich gut fand.
Aber ich glaube, ich wollte ein bisschen mehr von Punk Rock wissen und sowas auch mal selber haben.
Back at home war ich mir dann beim Anhören nicht mehr so sicher, ob das die richtige Entscheidung gewesen war.
Die Zweifel legten sich aber und wenn man die Anzahl der Hördurchgänge nimmt, so hat sich jenes Teil wirklich gelohnt, viel mehr als manch andere CD hier im Regal.

Das gleiche gilt für No control. Diese hatte ich mir aus dem CD-Verleih ausgeliehen, sobald ich den kannte, und auf Tape aufgenommen.
Der Carsten hatte sogar die CD und wir haben sie häufig zusammen gehört, denn Bad Religion waren immer ein Garant für gute Laune.
So hatte ich diese Scheibe auch lange nicht selber auf CD, denn ich wollte nicht mehr als ungefähr DM 20.- ausgeben. Irgendwann war die aber auch mal irgendwo billig und von da an nahm ich sie auch immer zu privaten Parties mit, wo gerne mal ein paar Songs davon gespielt wurde.

Das sieht man der CD heute an! Keine andere CD von mir ist so versifft wie diese! Da ist wohl auch mal ein Bier drüber ausgelaufen, sie klebt ziemlich. Aber sie ist noch einwandfrei in Ordnung, wie überhaupt nie eine meiner CDs bei Feten beschädigt oder gar geklaut wurde (das letztere wäre aber auch sehr komisch, denn bei diesen Angelegenheiten kannten wir uns ja normalerweise alle).

Tja, die Zeit ist auch ein bisschen vorbei inzwischen.
Ich meine die, zu der immer wieder Leute in ihrem Zimmer/ihrer WG/im Keller 'ne Party mit zehn bis 50 Gästen gemacht haben, bei der richtig wild abgerockt wurde.
Irgendwo war eine Anlage aufgebaut und jeder, der sich berufen fühlte, konnte die Mucke machen. Wenn nicht gerade schon besetzt war.
Ich hab mich da durchaus auch mal öfter als DJ betätigt, aber hatte das Problem, dass ich nichts spielen wollte, was ich selber scheisse fand. Außerdem regte die Mucke oft zum selber rocken an, und das geht ja denn schlecht. Bzw. der DJ-Platz war besetzt, wenn ich wieder kam.
Aber manchmal habe ich zusammen mit drei, vier verbliebenen Restgästen um vier Uhr morgens nochmal so richtig das persönliche Lieblingsprogramm reingeworfen.

Ich erinnere mich noch an eine Party, bei der die Gastgeberin dann irgendwann die Sicherung rausmachte, damit wir aufhörten. Bis dato war sogar schon einmal die Polizei dagewesen.
Unter Protest verließ ich mit den letzten Leuten die Party, und legte mich auf der Treppe erstmal voll lang!
Ob das wohl an dem einen Bier gelegen hat, das ich von neun Uhr abends bis fünf Uhr morgens mit mir rumgetragen und am Ende dann doch nicht ausgetrunken habe?
Als wir es bis nach draußen geschafft hatten, war es hell und von der Bäckerei nebenan strömte frischer Brötchenduft in die Nase. Das wäre eine gute Gelegenheit für's Frühstück gewesen, aber leider hatte die Bäckerei noch nicht auf.
Also ab ins Bett, bis tief in den Mittag gepennt und den halben (noch übrigen) Sonntag irgendwie so totgetrödelt.

Oft hatte ich an Tagen nach besonders langen und tollen Parties leichte depri-Krisen. Ob das der Ausgleich war, für den vielen Spaß vorher?
Na, jedenfalls fühlte ich mich ganz gerne an solchen Sonntagen von der Welt verlassen und sowieso in jeglicher Hinsicht bemitleidenswert. Ein heftiger Kater vertieft die Gedanken in dieser Richtung natürlich noch.
Was also machen an einem solchen Tag?
Ich habe meistens ein Video reingeworfen, besonders gerne harmlose Teenager-Lovestories. Alternativ kann man auch alte Tagebücher lesen oder neue schreiben oder Gedichte schreiben oder einfach nur Musik hören (aber NICHT Bad Religion!).
Viel besser wäre es natürlich, etwas zu unternehmen, Leute zu treffen und damit auf andere Gedanken zu kommen. Aber entweder wollte niemand nach so einer langen Nacht etwas machen oder ich wollte, aus reinem Masochismus quasi, nichts machen. Kann man ja auch zelebrieren, solche unzufriedenen Phasen.

Heute habe ich das nicht mehr mit den Sonntagen, auch wenn mal 'ne Party war. Aber da bin ich insgesamt wohl auch optimistischer geworden. Nicht mehr so viel "Fuck the world".

Das kommt der Punkmusik von Bad Religion nun nicht gerade entgegen, denn die Texte sind sehr kritisch und von düsterer oder zynischer Weltsicht geprägt. Aber No control ist noch immer ein Meisterwerk in meinen Augen (bzw. Ohren). Ich höre die CD nicht mehr so oft, aber dafür immer gerne.
Meine persönlichen Lieblingsstücke sind Change of ideas, I want to conquer the world und It must look pretty appealing. Aber die anderen sind auch alle toll.
No control: 1989 ein Hammer, heute Kult, also eine würdige No 1!


Stay alive and rock on,
Harvey
(14.8.03)



Bad Religion

(USA)
Gegründet 1980
Erste VÖ 1980 "Bad Religion"-EP

Besetzung 1989:
Greg Graffin: voc
Mr. Brett: guit
Jay Bentley: b
Greg Hetson: guit
Pete Finestone: dr


Link
Fuck armageddon...
Suffer
1000 more fools
Hate yourself
Against the grain
Modern man
Generator
American jesus

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik:
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