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Hitlist
1993
Ohne Zweifel das bisher schwierigste Jahr für
mich!
Seit Wochen grübel ich mir den Wolf, was
1993 denn die Hits sein sollen und welche ebenfalls
exzellenten Platten leider nicht vorkommen.
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Boah, ich kann mich nicht
entscheiden!!
Leider ziemlich bedrückt
durch die aktuellen Ereignisse, möchte ich auf diese
dennoch nicht eingehen, da ich mit Hitlist kein politisches
Ansinnen verfolge. Es geht hier zunächstmal nur um Musik
und meine persönliche Beziehung dazu.
Abgebildet ist oben mal nicht
die klapprige Schreibmaschine (ich habe tatsächlich als
Jugendlicher hunderte von Seiten auf mehr oder weniger altmodischen
- jedenfalls nicht elektrischen - Schreibmaschinen runtergehackt),
sondern das Innen-Cover meines Sommer-Mixtapes von 1993.
Seit 1992
nahm ich regelmäßig Sommer- oder Urlaubsmixe auf,
zusätzlich zu den weiteren Tapes und später CDs,
die irgendwelche aktuellen Lieblingssongs oder Stile compilieren.
Diese sommerlichen Teile waren immer ein besonderer Spaß
und natürlich in jenem Sommer auch wie wild gehört.
Deshalb werde ich die auch niemals wegschmeissen oder so und
muss wohl noch einen einzigen Kassettenplayer über die
Zeit retten, damit ich die auch nochmal anhören kann.
1993 war mein Summermix ein
"Punk-Mix". Yeah, da war ich gerade ganz stark dabei
und oben kann man (nicht so richtig gut lesbar) auch die beliebtesten
Protagonisten erkennen: auf dem Tape sind gleich mehrfach
vertreten Slime, Die Toten Hosen, Bad
Religion, Misfits und
die Ramones. Das ganze aufgefüllt
mit einer wilden Mischung aus Deutschpunk, 70s Punk und Kram
dazwischen.
Jene Bands oben waren allerdings auch schon fast alles, was
ich zu der Zeit kannte. Aber immerhin, das kann ja auch nicht
von heute auf morgen kommen.
Wenn man nicht nur den Spaßpunk
nimmt, so bedeutet Punk ja auch immer Unzufriedenheit mit
der Welt. Und ich war 1993 verdammt unzufrieden!
Obwohl ich im Prinzip (und von heute gesehen erst recht) eine
gute Zeit hatte war ich unzufrieden mit den anderen Menschen,
mit der Regierung, mit mir selbst und mit meinem Leben. Das
wird mir auch eben erst wieder bewusst, als ich auf einen
Stapel Gedichte stoße, die ich in jedem Jahr verfasst
habe.
Yes, Gedichte!
Also ich bin nun wirklich kein Fan von Gedichten und meine
sind auch vielfach echt schlecht. Es sollten wohl eher Texte
für Punksongs sein. Aber inhaltlich geben sie ganz gut
meine Stimmung wieder. Ich nenne nur mal ein paar Titel: "Ich
habe Angst vor Menschen", "Eiszeit", "Zweifel",
"Der Teufel hat gewonnen", "Gegen alles",
"Fehler", "Fernab der Realität".
Und so ging ich zum Beispiel
auch öfter nachts alleine mit dem Walkman in dunklen
Gassen und Feldwegen spazieren und hörte mir dabei Fields
an. Oder hatte meinen Edding ständig dabei und kritzelte
überall "Fuck the world" hin.
Woher kam diese Unzufriedenheit?
Zum einen waren es sicher die Zweifel, die jeden befallen,
wenn es darum geht, den weiteren Lebensweg zu planen und dann
mit den gemachten Entscheidungen zu leben. Außerdem
war es natürlich das Fehlen einer Freundin und ein sehr
hoher Anspruch an die Kumpels und Freunde. Von denen erwartete
ich nämlich, dass sie genau zu den gleichen Dingen Bock
haben sollten wie ich und zusätzlich auch sonst einigermaßen
meine Meinungen haben oder wenigstens verstehen sollten. Das
war gerade 1993 ein viel zu hoher Anspruch. Und wenn sich
dann bei den ganz besonders guten Freunden die Differenzen
immer deutlicher zeigen, kann das natürlich deprimieren.
1993 sah ich eine ganze Menge
Konzerte unterschiedlichster Musikrichtungen. Dabei war zum
letzten Mal für viele Jahre Fish
(gleich zweimal), dabei waren Offspring
als kleine unbekannte Vorgruppe von NOFX,
weiterhin Grotus, die ein höllisches Klangerlebnis
boten oder eine Combo namens Permanente Identitätskrise
(wie passend!), an die ich mich überhaupt nicht mehr
erinnern kann. Zu einigen anderen Konzerten werden ich bei
den Hits noch was sagen.
Ja, die Hits. Da hatte ich
mir vorgenommen, mich zu beschränken. Nicht so immens
viele Vorstellungen, damit's mal etwas voran geht und die
Arbeit Donnerstag abends auch nicht ausufert.
Schon die Sichtung der Kandidaten ließ aber ahnen, dass
das nicht klappen würde.
Keine Panik! Es wird hier nicht hauptsächlich um Punk
gehen. Die CDs in meiner Sammlung von 1993 gehören nur
zu kleinen Teilen dieser Richtung an, allerdings ist viel
Indie vertreten. Auch wenn das eher die Plätze 6-9 betrifft,
so wird es in dieser Hitlist viel laute, rockige Musik geben!
1993 sind so viele geniale
Platten und Songs erschienen, dass ich nun letztlich auf den
neun Plätzen 25 (!!) davon vorstellen will/muss. Uff.
Und trotzdem musste alles
mögliche sehr gute Zeug rausfallen!
Deshalb hier mal ein paar kurze Erwähnungen von weiteren
Sachen, die ich ziemlich gelungen finde.
Falls irgendjemand der Meinung sein sollte, die Scheibe sei
aber 1992 oder 1994
erschienen, so sei gesagt: das ist ziemlich schwer feststellbar
manchmal! Denn wenn es sich um eine Veröffentlichung
zu Beginn des Jahres handelt, kann das Copyright auf der CD
noch vom Vorjahr sein. Ausserdem variiert manchmal der Erscheinungstermin
von Europa, England und den USA und da ist es quasi Geschmackssache
welchen ich für gültig erkläre.
Also: kleine Ungenauigkeiten können vorkommen, aber da
jede Scheibe nur in einem Jahr berücksichtigt wird, ist
es ja auch ziemlich egal eigentlich.
Der Vinyl-Anteil bei mir ist 1993 übrigens verschwindend
gering. LPs wurden nur noch für den Fan der schwarzen
Rillen gepresst und Singles gab's meistens auch als Maxi-CD.
Der Plattenspieler hatte also in letzter Zeit nicht viel zu
tun. Aber ist ja auch praktischer.
Nun aber zu den schmerzhafterweise nicht in die Top 9 vorgedrungenen
Tonträgern:
Frank
Black: s.t.
Der ex-Pixies-Frontmann bringt
seine erste Soloplatte raus und sie ist eine Ansammlung von
Melodien, von Gitarren-Pop-Perlen erster Güte. Nicht
so vertrackt wie die Pixies, glatt produziert aber
trotzdem sehr spannend.
Clannad:
Banba
Eine sehr ruhige Platte mit schöner, allerdings auch
Keyboard-lastiger Musik. Nicht unähnlich zu Lore,
also dort mal weiterlesen.
Dead
Can Dance: Into the labyrinth
Noch ruhiger, fast sakral und traurig. Bei dieser Musik kann
ich in Gedanken durch die verlassenen Hallen alter Könige
schreiten oder in Robin Hood-Romantik verfallen. Noch nicht
ganz so orientalisch und perkussiv wie der Nachfolger.
The Gun Club: Lucky Jim
Lange habe ich gesucht, nach den Songs von der WDR-Rocknacht.
Diese wenig attraktiv aufgemachte CD bietet warmen Blues aber
auch sterile, kalte Gitarrenlicks und einen innigen, manchmal
etwas leidenden Gesang von Jeffrey Lee Pierce dem eigenwilligen
Mastermind. Zum Hinhören.
Heroes
del Silencio: El espiritu del vino
Der Nachfolger des Hitalbums hat nur einen einzigen Nachteil:
er ist zu lang. 45 Minuten mal rockige, mal balladenhafte
Momente zwischen 70s und modernerem schnellem Rock hätten
mir genügt. Ansonsten gereift und etwas dichter und härter
als der Vorgänger. Wieder hervorragend in Szene gesetzt
von Phil Manzanera.
IQ:
Ever
Sehr atmosphärischer Neo-Prog-Rock. Endlich wieder mit
dem alten Sänger wird hier intensiv und ausufernd aber
ohne Ecken auf den Spuren von Pink
Floyd und Marillion gewandelt.
Iggy
Pop: American caesar
Nach dem sehr erfolgreichen Brick
by brick von 1990
gelingt es Iggy, nochmal ebenso gut nachzulegen. Dabei
klingt diese Platte ziemlich anders: zwischen ruhigen, bedrückenden
Stimmungen und fetzigem Gerocke ist alles vorhanden. Es ist
eine Rotzigkeit und Spontaneität zu spüren, die
dem Vorgänger fehlte. Deutlich besser auch als alles
was danach kam.
Viele andere Sachen sind
noch erschienen, die ich nicht aufführe. Nur eines noch:
schon in der Hitlist Live
and let live wurden die beiden (bzw. drei) superguten
Live-CDs Paris &
Show von Cure vorgestellt.
Deswegen hier nicht mehr im Rennen.
Und zum Abschluss noch das wichtige Textzitat:
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In my dreams
I see you smile
I feel the sun I want to stay for a while
I hear music just makes me cry
I see a world
Lost in your eyes
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Steve
Hackett : "Lost in your eyes"
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Stay alive and rock on,
Harvey
(20.3.03)
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