harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Loads of Hits 1993


Bad Religion: Recipe for hate
 

Bad Religion: American jesus (3:17, von "Recipe for hate", 1993)

Bad Religions neue Platte im Jahre 93 war eine langweilige Angelegenheit.

Denn bei "Recipe for hate" fehlen ein bisschen die Ideen und das Tempo der Songs. Diese Platte braucht man nicht.

Aber neben einigen halbwegs netten Stücken ist mit American jesus wenigstens ein echter Knaller mit drauf.

Ich habe die Rubrik "Loads of hits" genannt und man kann sich fragen, was das soll, wo es sich doch hier grundsätzlich um Hitlists handelt, die dementsprechend immer Hits enthalten.
Aber diesmal meine ich Hits, die auch wirklich Hits waren. Nicht nur für mich persönlich sondern wenigstens im Rahmen entsprechender Discos. Dieses sind acht Songs, die 1993 in vielen Anlagen liefen.
Da gab es natürlich noch mehr, aber dieses sind acht von ihnen, die ich bis heute sehr geil finde und die das Jahr 93 für mich mit geprägt haben.

Recipe for hate fand ich 1993 noch als Ganzes gut. Ich hörte zwar auch den leichten Abfall der Qualität gegenüber Generator, doch ich war so ein Bad Religion-Fan, dass dies trotzdem eine meiner Platten des Jahres wurde.
Ich weiss das noch ganz gut, denn schon früher fertigte ich zum Ende eines Jahre eine Hitlist als "Abrechnung" mit dem Jahr an. Da waren dann allerdings nur wenige aktuelle Scheiben drin, denn ich kaufte noch nie so ganz viel neuen Kram. Es war also eine Hitlist nicht von DER Musik des Jahres, sondern von MEINER Musik des Jahres.

Und im Jahr 1993 fanden sich dort nur zwei Platten, die auch in jenem Jahr erschienen waren: Recipe for hate (auf dem 1. Platz) und eine andere, die noch später vorgestellt wird.
Dazu kamen dann von der Punk-Front L7, Misfits, Offspring und Generator von Bad Religion. Ruhiges Zeug war vorhanden von Cure und den Operating Strategies, und zusätzlich zwei eher obskure CDs, nämlich einmal Tracy Hitchings und einmal Yngwie Malmsteen.

American jesus bietet eine sehr schöne Melodie der Leadgitarre, treibende Drums und einen flotten Gesang (was ich bei BR immer wichtig fand). Dazu natürlich einen guten und leider zehn Jahre später extrem aktuellen Text. Und nicht zu vergessen, die gelungenen Chorgesänge: oozin aahs.

Dieser Songs wurde gelegentlich aber nicht sehr oft in beliebten Discos gespielt. Er war jedoch bei Meetings und privaten Partys oft am Laufen, so dass er den Status Hit verdient. Anscheinend gab's sogar eine Single (mit Video?) dazu, die muss aber ziemlich limitiert gewesen sein, denn ich habe sie noch nie gesehen.

Bad Religion in Concert waren 1993 allerdings noch 'ne Wucht! Da ging's richtig ab und ich erinnere mich noch, dass einer von denen (einer der Gregs glaube ich) den Kopp grün oder blau gefärbt hatte, was ich sehr toll fand. Nur die Vorgruppe Abwärts war scheisse.





Bad Religion

(USA)
Gegründet 1980
Erste VÖ 1980 "Bad Religion"-EP

Besetzung 1993:
Greg Graffin: voc
Mr. Brett: guit
Jay Bentley: b
Greg Hetson: guit
Bobby Schayer: dr


Link
Fuck armageddon...
Suffer
1000 more fools
Hate yourself
No control
Against the grain
Modern man
Generator

Anspieltipp:


Clawfinger: Deaf dumb blind
 

Clawfinger: Nigger (3:47, von "Deaf dumb blind", 1993)

Schaut man sich in der rechten Seitenspalte die Herkunft der hier angepriesenen Hits an, so sind alle aus den USA, bis auf diesen hier von Clawfinger.

Das erstaunt mich selber und ist Zufall.

Ein paar Briten werden aber noch auf den weiteren Plätzen erwähnt werden.

Ich persönlich bin der Meinung, dass Clawfinger als Band eigentlich nicht ernst zu nehmen sind. Sie klingen auf Dauer sehr langweilig, mixen teilweise seltsamen verscratchten Rap-Metal zusammen, der von tausend anderen Band manchmal sogar besser gemacht wird. Dazu kommt dann noch, dass sie recht primitive non-native-speaker Texte basteln, die auch nur mässig gut ausgesprochen werden.

Dennoch: ihr Erstling Deaf dumb blind hat was. Für eine Platte lang war dieser Stil mit Rap-Gesang, durch den Computer gejagten Gitarren und elektronischen Drums ganz interessant und mehrere Songs davon wurden in den Indie-Hallen gespielt.

Ich selber bin schon deswegen der Meinung, dass diese CD rockt, weil sie ein kultmässiger Bestandteil von abendlichen Treffen bei Carsten war. Ich hatte das Teil nämlich damals gar nicht, aber eben er. Und weil es irgendwie Laune machte, aber vielleicht auch weil die Auswahl nicht so ganz riesig war, wurde es eigentlich fast jedes Mal gehört, wenn wir bei ihm abhingen.
Von daher kenne ich die CD als hätte ich sie selber schon seit damals, dabei steht sie erst recht kurz bei mir rum.
Und diese Erinnerungen (an jenes Abhängen und -saufen) sind sehr gute Erinnerungen. Denn wir teilten miteinander den Spaß an Punkrock und anderer härterer Musik und die Freude an Hansa-Pils aus der Dose (es war einmal...). Mit Carsten habe ich zum ersten Mal Dosenschießen gemacht, was in meiner Jugend irgendwie an mir vorbei gegangen war. Und wir haben das noch häufiger wiederholt. Ich war natürlich immer langsamer als er und zudem meistens noch mit der Ballerbrühe bepisst hinterher, aber dafür hab' ich dann trotzdem später größeren Schwachsinn gelallt.

Unvergessen in diesem Zusammenhang, als wir uns direkt um 13 Uhr nach der Klausur mit einer Palette bei mir trafen und sofort die ersten Dosen aufrissen. Und es war Sommer! Und wir haben die Anlage verdammt aufgedreht! Und wir haben durchgehalten bis tief in die Nacht. Es kamen dann später noch andere Leute vorbei und wir haben die ganze Zeit schön einen angenehmen Pegel gehalten ohne völlig abzustürzen, gute Aktion!

Nigger war nur auf der europäischen Version der CD. Schonmal seltsam, denn hat man in Schweden soviel mit Diskriminierung von Schwarzen zu tun? Wohl weniger. Aber für die USA nehmen sie den Song runter, wahrscheinlich weil der Text zu peinlich war.
Musikalisch wird das Stück eigentlich nur von einem Gitarren-Riff getragen und eben dem prägnanten, etwas nach schwarzem Gangsterrapper klingenden Gesang. Geht ins Ohr und eignet sich zum Abrocken.



Clawfinger

(Schweden)
1990 gegründet
1993 erste VÖ Maxi "Nigger"

Besetzung 1993:
Bard Torstensen: guit
Erlend Ottem: guit
Zak Tell: voc
Jocke Skog: dr prg, keys


Counting Crows: August and everything after
 

Counting Crows: Mr Jones (4:34, von "August and everything after", 1993)

Hier kommen wir in eine ganz andere Schiene: das ist eher softe Hippie-Mucke. Birkenstocklatschen, Batikhemden und so.

Aber ich habe selber solche Latschen für zuhause und Batikklamotten finde ich auch gut. Und eben diese CD, die ist auch als Ganzes sehr schön, aber auch sehr traurig und nicht in jeder Stimmung passend.

Mr Jones war ein kleiner Hit und ich hatte nix von mitbekommen. Mein erster Kontakt: ich war mit zwei Kumpels in Hamburg in einer Disko, wo es sehr dunkel war. Wir wollten rocken aber die Mucke war meistens so sehr Indie, dass wir die gar nicht kannten. Dann spielten sie diesen Song und die anderen wunderten sich, dass ich ihn nicht kannte.

Später dann kannte ich ihn. Und es ist einer dieser Songs, mit denen man niemandem weh tut. Mr Jones kann sich jeder anhören ohne Schmerzen, besonders gut kommt er natürlich bei Leuten über 30 an, die gern ein bisschen softere Musik hören und in Erinnerungen schwelgen.

Jetzt läster ich, aber so ist es ja: da wird gemäß unausgesprochener Gelübde irgendwann geheiratet und Nachwuchs gezeugt und dann ist früh nach Hause gehen, leise Musik hören und viel Samstagabendshows gucken angesagt. Fuck it!
Klar, dass man nicht immer soviele Freiheiten wie als Schüler oder Student haben kann. Auch klar, dass man nicht mehr jedes Wochenende zwei Tage lang im Koma liegen muss. Aber gleich wie die eigenen Eltern werden?

Nix für mich.

Mr Jones lebt von halbakustischer Gitarre, schwungvollem Rhythmus und mitreißendem Gesang. Im Grunde ein Folksong mit etwas höherem Tempo und Schlagzeug. Durchaus tanzbar. Tolles Teil.



Counting Crows

(USA)
Gegründet 1991
Erste VÖ 1993 "August and everything after" -CD

Besetzung 1993:
Adam Duritz: voc, piano
David Bryson: guit
Matt Malley: b, guit
Charlie Gillingham: piano, organ, accordian
Steve Bowman: dr


Anspieltipp:


Pearl Jam: Daughter
 

Pearl Jam: Daughter (3:55, von "Vs.", 1993)

Die zweite von Pearl Jam war in den USA noch viel erfolgreicher als die erste. Ich fand sie auch gut, aber trotzdem deutlich schwächer.

Es fehlt der Platte ein wenig die Tiefe und Intensität von Ten. Daher greife ich hier nur den meiner Meinug nach besten Song heraus: Daughter.

Dieses Lied fügt sich nahtlos an Mr Jones an, denn es handelt sich um ein akustisch getränktes Stück mit starkem Ohrwurm-Charakter (im positiven Sinne!). Im Gegensatz zu manchen anderen Stücken von Vs. kommt hier Eddie Vedders Gesang sehr gut zur Geltung und zusätzlich groovt der Bass ganz gut und im Mittelteil haben wir... was war das noch im Mittelteil? ...ein nettes Gitarrensolo.
Bei diesem Song stört sich die Band nicht daran, verhalten und Blues-beeinflusst zu klingen. Das ist gut so. Manche anderen Lieder der besagten CD erwecken eher den Eindruck, man wolle dringend den Harten raushängen lassen, vielleicht um mehr Grunge zu sein oder so.

Aber dennoch: auch Vs. ist noch sehr gut, viel besser als manche der späteren Platten (ich denke da besonders an Vitalogy und Binaural, die ich nicht besonders mag).

Was nun noch für Daughter als Hit spricht, ist dass es ebenfalls häufig in den Rockdiscos gespielt wurde 1993. Muss man sich zwar erstmal reinfinden, zu diesem recht langsamen Song zu tanzen, aber geht.

Das nervt mich übrigens immer total: diese Oberrocker, die nicht mal bei einem langsamen Lied gefühlvoll dahin grooven können, sondern immer rumspringen, als sei alles der gleiche wilde Partysong. Da kommt No tears von Tuxedomoon oder meinetwegen auch Boys don't cry von Cure und diese Leute rempeln rum, während ich versuche, mental und körperlich abzugruften. Das macht denn keinen Spaß.



Pearl Jam

(USA)
Gegründet 1990
Erste VÖ 1991 "Ten"-CD

Besetzung 1993:
Dave Abbruzzese: dr
Jeff Ament: b, guit
Eddie Vedder: voc, guit
Mike McCready: guit
Stone Gossard: guit


Link
Ten
Temple Of The Dog
Merkinball
Yield
Live on two legs
Lost dogs
Pearl jam


Smashing Pumpkins: Today
 

Smashing Pumpkins: Today (3:21, von "Siamese dream", 1993)

"Siamese dream" ist eine nette Platte, die aber meiner Meinung nach auch Längen hat.

Das Meisterwerk der Pumpkins ist für mich "Mellon Collie".

Von Siamese dream wurden Today, Cherub rock und Disarm ausgekoppelt. Die ersten beiden gefallen mir ausgesprochen gut, Disarm hingegen ist mir zu dick mit Streichern unterlegt.

Damals lief Disarm oft im Musikfernsehen und es störte mich richtig. Today dagegen gefiel mir auf Anhieb. Ist ja auch recht eingängig mit hohem Wiedererkennungswert. Und der Text "Todays the greatest" passt ausgezeichnet zu sommerlicher Ausgelassenheit. Die Stimme von Billy Corgan ist natürlich gewöhnungsbedürftig und ich fand sie zunächst auch weniger gut. Aber dieser Song hier und Mellon Collie haben mich dann überzeugt.

Bei Today auch noch hervorzuheben sind die wechselnd ruhigeren und schnelleren Passagen und die stellenweise brutal verzerrten Gitarren. Das gibt dem Song das gewisse Etwas und hebt ihn aus der Masse ähnlicher Indie-Pop-Lieder.

Im Moment rotieren die Pumpkins bei mir recht häufig im CD-PLayer, denn nachdem ich mir die Zwan-CD zugelegt hatte (und für gut befand), musste der alte Kram auch mal wieder gehört werden. Ich mag nicht alles, aber einzelne Stücke (insbesondere ruhigere) finde ich sehr großartig. Die Radioaufnahme vom Umsonst-Konzert in Hamburg (1998) ist auch ausgesprochen genial: manche Songs sind kaum wieder zu erkennen. Das Gegenteil von ruhig, aber auf'm Konzert kommt das ja auch besser (jedenfalls bei einer Gruppe wie dieser). Irritiert hat mich nur, dass ich letztens gelesen habe, dass Billy Corgan die Scorpions wirklich super findet. Und ich dachte, der verarscht die!



Smashing Pumpkins

(USA)
Gegründet 1989
Erste VÖ 1990 "I am one" Single
Aufgelöst 2001

Besetzung 1993:
Billy Corgan: guit, voc
James Iha: guit
D'Arcy: b
Jimmy Chamberlin: dr


Link
Adore

Anspieltipp:


Spin Doctors: Two princes
 

Spin Doctors: Two princes (4:16, von "Pocket full of kryptonite", 1993)

Die Spin Doctors interessieren mich prinzipiell nicht besonders. Zu mainstreamig, zu langweilig.

Ich kenne auch nur noch einige weitere Singles, die mich nicht überzeugen konnten, und mehr nicht.

Aber Two princes war solch ein großer Hit, dass ich es mir irgendwann schöngehört hatte. Anfangs war mir der Song egal, aber heute freue ich mich, ihn zu hören. Ich verbinde damit auch noch Erinnerungen an den Urlaub 1995, vermutlich wurde Two Princes also auch noch 1995 gerne gespielt.

Und somit haben wir hier auch wieder ein Stück, das den meisten Leuten, die damals schon Musik gehört haben, rein aus erinnerungstechnischen Gründen gefallen wird. Ist nicht so scheisse, dass es nervt, also schonmal keine Feinde.

Was könnte man daran nun sogar als gut bezeichnen? Wiedermal sehr tanzbar, sehr rhythmisch mit markantem Gesang. Ich denke, die etwas ungewöhnliche Rhythmik und in diesem Zusammenhang das gut im Vordergrund stehende Schlagzeug sind auch die Pluspunkte des Songs, die ihm das gewisse Etwas geben. Gitarre ist auch dabei, allerdings ziemlich im Hintergrund. Trotzdem, ohne jene wär's auch langweilig.

"If you like to talk for hours, just go ahead now" Genau - die Schnitten fahren auf Typen ab mit denen man vor allem gut reden kann. So ist das.



Spin Doctors

(USA)
Gegründet 1989
Erste VÖ 1991 "Up for grabs"-ep

Besetzung 1993:
Chris Barron: voc
Eric Schenkman: guit
Mark White: b
Aaron Comess: dr


Stone Temple Pilots: Core
 

Stone Temple Pilots: Sex type thing (3:10, von "Core", 1992 - Single 1993)

Core erschien schon 1992 und ich nutze die Chance, dass dieser Song erst 1993 Single war, um ihn hier anzupreisen.

Die ganze CD ist wiedermal nicht wirklich meine Sache. Kann ich mir wohl anhören, aber ich finde es sind lediglich drei herausragende Stücke drauf: Sex type thing, Creep und Plush. Ansonsten zu einfallslos und nicht rund genug.

Ja, oft liebe ich schon den Popsong. Mit so sehr abgefahrenen Kapellen (wo die STP aber natürlich nicht dazu gehören) kann ich außerhalb des Progressive-Lagers oft wenig anfangen. Also ich denke zum Beispiel an die Melvins oder die Jon Spencer Blues Explosion.

Sex type thing war auch ein Lied, das nur gelegentlich in Discos gespielt wurde, dafür aber privat umso öfter. Die STP wurden häufig als Seattle-Kopie verschmäht, ich frage mich allerdings wen sie denn kopiert haben sollen. Da könnte ich allenfalls ein paar Ähnlichkeiten zu Mother Love Bone feststellen. Wobei sie an die nicht herankommen. Was die STP nämlich nicht haben, ist Groove im Blut. Nee, die rocken nur. Aber das natürlich nicht schlecht, wie ich auch auf dem vorletzten Bizarre live sehen konnte. Sänger wieder voll auf der Höhe und ein ausgesprochener Selbstdarsteller, dazu geiler Sound mit dicken Bässen und die Party war im Gange!

Sex type thing ist von den Gitarren her etwas monoton, doch gerade dies bringt die Vocals mehr zur Geltung und erhöht den Wiedererkennungswert. Ein poppiges Stück härteren Rocks, das mit drei Minuten genau die richtige Länge besitzt, aber auch noch danach im Kopf haften bleibt.



Stone Temple Pilots

(USA)
Gegründet 1987
Erste VÖ 1992 "Core" -CD

Besetzung 1993:
Scott Weiland: voc
Dean DeLeo: guit
Robert DeLeo: b
Eric Kretz: dr


Link
Purple

Anspieltipp:


Type O Negative: Black No.1
 

Type O Negative: Black No.1 (11:10, von "Bloody kisses", 1993)

Der längste Song (LP-Version) am heutigen Abend zuletzt.

Wurde in meiner Lieblingsdisco meistens sogar mit "Christian woman" zusammen gespielt, also noch länger!

Ja, das passt denn mal genau zur unzufriedenen Stimmung 1993: hier konnte ich den Waver machen. Schaut man sich nur dieses Cover an, so kommen einem ja schon die Klischees entgegen gesprungen.

Und ich muss sagen, dass ich mir sowas heute normalerweise nicht mehr anhöre. Zu pathetisch, zu übertrieben und einfach zu stark im Selbstmitleid wühlend.
Denn wenn etwas bestimmt zu nichts führt, so ist es Selbstmitleid. Hat man nix von, fühlt sich nur scheisse ohne weiter zu kommen.

Im übrigen ist Pete Steele natürlich auch ein zweifelhafter Typ. 1993 konnte ich ihn beim Superbang-Festival nicht sehen, weil er wegen Morddrohungen aus der linken Szene abgesagt hatte, Aber die Frage nach den faschistoid klingenden Texten mit "wir hassen einfach alles und jeden" zu beantworten scheint mir auch nicht so sonderlich schlau und sympathisch zu sein.

Naja, Bloody kisses ist dennoch sowas wie ein Meisterwerk des Genres. Sehr atmosphärisch und massentauglich, da nicht zu hart und nicht auf der ganzen Länge nur düster. Wobei ich die Entwicklung von The origin of the fences doch schon ziemlich drastisch finde, denn dort gibt's noch überwiegend richtigen Doom-Hardcore und zwar ohne dicke Keyboard-Sülze und (klar: live) auch ohne schwülstige Frauenchöre.

Was Black No.1 angeht, so habe ich dermaßen oft zu diesem Lied getanzt, dass es einfach hier erwähnt werden muss. Und höre ich es mir heute an, so finde ich es auch noch immer gut. Zwischen bratenden Gitarren und keyboardunterlegten Akustikgitarren bewegt sich die Musik. Zwischen Grabesröcheln (kann so nicht echt sein!), einigermaßen normaler Stimmlage und Geschrei der Gesang.
An einzelnen Stellen hört man noch ein wenig den Hardcore-Background raus, zum Beispiel, wenn die Drums mal heftiger werden oder phasenweise die Gitarren richtig dreckig klingen.

Aber ich muss auch sagen, wenn Pete "She's got a date at midnight, with Nosferatu" dahinhaucht, dann hat das was. So eine Grufti-Tussi wollte ich ja damals auch gerne kennen lernen. Ab 1994 hatte ich denn auch (schulterlange) schwarz gefärbte Haare und trug fast nur schwarze Kleidung. Einmal hat mich sogar mal ein (ganz nettes und so in der Richtung aussehendes) Mädel in einer Kneipe angesprochen. Aber ich kann nur vermuten, sie fand mich wohl scheisse: eine Verabredung wollte einfach nicht zustande kommen und als ich sie ein paar Tage später abends zufällig traf, ignorierte sie mich einfach!
Also?...
Her mit dem Selbstmitleid!!


Stay alive and rock on,
Harvey
(27.3.03)

 

Type O Negative

(USA)
Gegründet 1988
Erste VÖ 1991 "Slow, deep, hard"-CD

Besetzung 1993:
Pete Steele: voc, b
Josh Silver: keys
Kenny Hickey: guit
Johnny Kelly: dr


Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: