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Hitlist
 




Kult 1993


Monster Magnet: Superjudge
 

Monster Magnet: Superjudge (1993, 53:45)

Eine geile Scheibe, die direkt an "Spine of god" anknüpft.

Psychedelischer Heavy-Rock der Extraklasse!

Warum nenne ich das diese Woche "Kult"?
Eben weil ich die Platten kultmässig finde. Ob das noch jemand anders auch findet, weiss ich nicht. Allerdings habe ich große Hoffnungen, dass sich zumindest für die ersten drei Tonträger durchaus Leute finden lassen.

Woher bei mir das Kult-Gefühl kommt, ist relativ einfach zu beschreiben. 1993 hörte ich mehr Musik als je zuvor. Der CD-Verleih war gefunden, Musikzeitschriften wurden des öfteren gekauft und ich gönnte mir sogar mal sechs Monate lang jeden Monat für DM 100.- extra CDs! Das war ganz schön viel damals. Aber da ich Kohle vom Zivi hatte, ging das mal ausnahmsweise.

Und wir waren natürlich dauernd unterwegs und in allen Diskos und bei den vielen Partys wurde immer auch laute Musik gespielt. Und zwar hauptsächlich welche aus dem Alternative-Lager. Bei den Diskos lag das natürlich an der Auswahl, was die Partys angeht war das wohl Mode bei den Studis.

Wegen dieser Dinge haben sich so einige Platten fest in die Hirnwindungen eingraviert. Möglicherweise wurde sie auch einfach mit Hilfe von alkoholischem Kleister ganz fett über die vorher existenten Spuren drüber geklebt. Dann sind die französischen Vokabeln eben weg, macht auch nix!
Nun geht's in den Hitlists ja grundsätzlich um solche gerade beschriebenen Musiken. Allerdings sind da oft auch Sachen dabei, die ich im Erscheinungsjahr noch gar nicht kennen lernte. Oder auch vieles, das nie in Diskos oder auf Partys lief. Darf auch mal ruhig sein.
Das ist hier anders, diese vier Platten hatte ich bereits kurz nach dem Erscheinen (wenigstens auf Tape). Und für die ersten drei wenigstens gilt auch, dass einige Kumpels und abendliche Mitrocker die auch sehr geil fanden. Das hilft auch für den Kult: Gemeinschaftgefühl.

Monster Magnet bieten auf Superjudge elf Songs, die denen von Spine of god recht ähnlich sind. Stlistisch meine ich, nicht die Songs selber. Etwas professioneller eingespielt das ganze und auch etwas besser vermarktet. Vielleicht auch an einigen Stellen ein wenig kompakter.

Wieder gibt es irrsinnige Gitarrensolos zu hören, ruhige Parts, bei denen die Instrumente fast improvisativ daherspielen (auch mal akustisch) und natürlich eine gute Portion Heavyness, so dass man auch mal bangen könnte.

Hits, die auch öfter in den Tanzhallen gespielt wurden, sind Cyclops revolution, Cage around the sun, Dinosaur vacuume. Abgefahrenster Song ist wohl Brainstorm (Hawkwind-Cover).

Hypnotisch, rockend und von Anfang bis Ende nur genial!





Monster Magnet

(USA)
Gegründet 1989
Erste VÖ 1990 "Monster magnet"-EP

Besetzung 1993:
Dave Wyndorf: voc, guit
Ed Mundell: guit
Joe Calandra: b
Jon Kleinman: dr


Link
Spine of god
Spine of god

Anspieltipp:


New Bomb Turks: Destroy-oh-boy!
 

New Bomb Turks: Destroy-oh-boy
(1993, 39:02)

Wer mal nachempfinden möchte, was die musikalische Umsetzung des Wortes "Bleifuß" bedeutet, der ist bei dieser Scheibe genau richtig!

Die New Bomb Turks zeigen hier was Punk eigentlich ist und wie man auch 1993 noch ohne sich zu schämen ein Punkrocker sein darf.

Ich lernte die New Bomb Turks zunächst live kennen. Sie waren mit den Devil Dogs unterwegs und rockten wie die Wilden. Bevor mein Tapedeck (wie letztens berichtet) aufgab, gelang es mir noch, das Tondokument jenes Konzertes auf CD zu kopieren. Fehlen zwar ein paar Stücke, aber die Atmosphäre des Abends wird sehr gut eingefangen: so könnte auch ein Ramones-Konzert 1976 abgelaufen sein. Versiffter kleiner Club, schreiende, besoffene Fans und irre laute Musik, die mehrfach von der Polizei unterbrochen wird, eben weil sie so laut ist.
Das war ziemlich heißer Turbo-Rock, der ganz genauso auch auf dieser CD geboten wird. Ist mir insgesamt sogar etwas zu lang, da geht mir glatt der Atem aus. 30 Minuten Geprügel reichen.
Nehmen wir mal an, man trinkt gerade ein Bierchen und lässt sich vom Rhythmus der Musik antreiben: da ist man hinterher ja super hacke!!

Später sah ich die NBT nochmal live und es war weniger gut als bei der ersten Begegnung. Nämlich: der Laden war einfach zu voll und außerdem hatten sie so ein paar langsamere Rock'n'roll-artige Elemente dabei, die nicht ganz so in den Arsch getreten haben. War aber trotzdem noch fein.
Letztes Jahr waren die wieder auf Tour und da wollte ich auch dringend hin und just als ich feststelle: scheisse, schon ausverkauft!, lese ich auch, dass es die Abschiedstournee ist. Fuck!

So, ich denke, man kann sich schon ganz gut etwas unter der Mucke dieser CD vorstellen. Die Aufnahme klingt wie live in einer Garage eingespielt mit den harten, fast schreienden Vocals im Vordergrund. Meine Favoriten sind Runnin' on go, I want my baby...dead?! und Sucker punch. Sehr schön vom Songtitel her auch Let's dress up the naked truth. Prinzipell gehen aber alle Songs in die gleiche Richtung, keine Überraschungen vorhanden, aber die will man ja auch gar nicht.

Also: wer zum Beispiel MC5 oder auch Glucifer und ähnliche gut findet, sollte auch hier richtig sein.



New Bomb Turks

(USA)
Gegründet 1990
Erste VÖ 1991 "Tail crush"-Split 7"
2003 aufgelöst

Besetzung 1993:
Eric Davidson: voc
Bill Randt: dr
Matt Reber: b
Jim Weber: guit


Rage Against The Machine
 

Rage Against The Machine: s.t. (1993, 52:55)

Diese Platte kann man problemlos als Klassiker bezeichnen.
Eigentlich verwunderlich, da sich die Nachfolger wesentlich höher in den Hitparaden platziert haben.

Aber was macht einen Klassiker aus? Wohl kaum die Verkaufzahlen!

Obwohl die natürlich auch eine Rolle spielen: eine Platte kann ja nur Klassiker werden, wenn sie auch von einer nennenswerten Anzahl von Personen gehört wird.

Rage Against The Machine wurden damals dauernd in Rockdiskos gespielt. Kein Abend ohne Killing in the name!
Und auch heute laufen die Songs dieser CD manchmal. Das sagt ja schon alles.

Die Nachfolger dagegen werden nie gespielt. Ich kenne zwar nur Evil empire, welches prinzipiell eine gute Platte ist, doch ich denke nicht, dass es um die anderen beiden CDs anders bestellt ist: das Pulver war mit dem Debut bereits verschossen.
Im Jahr 1993 war dieses Crossover-Sound neu und aufregend und auch sehr gut gemacht. Bis 1996 (als Evil empire erschien) verging zu viel Zeit und ausserdem war diese Platte nicht mehr derart innovativ. Ja, man hört da noch lustige Gitarrensounds und viel Message und lauter gute Songs, aber wenn ich was von RATM brauche, so ist es nur eine einzige CD. Und da wähle ich doch lieber diese hier.

Ich fürchte fast, dass es Audioslave genauso gehen wird. Zumal ich diesem in der Presse gezeichneten Bild "oh, wir haben uns wieder vertragen und machen noch ganz viel Musik zusammen" nicht glaube. Wahrscheinlich treffen die Jungs sich nochmal, um ein paar Songs aufzunehmen und die mit Resten von der ersten Platte als Nachfolger des Debuts rauszubringen und dann ist Finito. Chris Cornell sieht mir einfach zu unzufrieden aus auf Fotos.

Das oben abgebildete Cover zeigt übrigens einen Mönch, der sich aus Protest gegen den Vietnam-Krieg verbrennt.
Zu politischem Aktivismus wollen auch die Texte aufrufen. Ich muss zugeben, dass ich mich mit ihnen bisher nicht sonderlich beschäftigt habe.
Mit der Musik dagegen schon: hier geht es auch ziemlich heftig zur Sache. Irgendwie Metal-artig, dann aber auch wieder nicht, weil die Instrumente ganz anders bedient werden. Vom Gesang her ansatzweise Rap-mäßig, aber auch nicht so richtig.
Dazu wie gesagt wirklich abgefahrene Bass- und Gitarrensounds und ohne Ende Power.
Bekannte Tracks neben Killing in the name: Bombtrack, Bullet in the head, Fistful of steel

Schon recht aggressiv die Sache, nicht gerade pazifistisch. Dennoch war ich überrascht, als ich die Band mal auf einem Festival live sah. Nicht so sehr wegen des schlechten Sounds, das hat man auf Festivals öfter. Auch nicht, dass das Publikum ausrastete - ebenso.
Dass es allerdings derart ausrastete, dass die ganze Sache nah an einer Massenschlägerei war, das hatte ich nicht erwartet. Und sah zu, dass ich schnell 100 Meter von der Bühne weg kam.

Pogo und Moshen is' ja toll. Wenn dabei allerdings niemand mehr auch nur im geringsten an die anderen denkt, sondern eher sogar aktiv versucht, diese zu verletzen, dann macht mir das keinen Spaß mehr.
Aber wenn ich natürlich schon immer Lust hatte, mal so richtig jemanden eine rein zu hauen, dann kann ich das bei so einer Gelegenheit quasi ungestraft tun. Super!

Nur dass ich selber nunmal nicht das Verlangen verspüre, andere zu verprügeln. Selbst wenn ich richtig Stress und Wut habe, genügt die körperliche Betätigung durch Rocken zum Beispiel voll und ganz.

Naja, ich verbinde aber auch positive Erinnerungen an diese CD.
Nämlich zum einen, das Abgerocke in der Disse wo's wirklich hoch her ging damals. Und obwohl der Boden aus kaputten Betonplatten und gelegentlichen Eisenbahnschienen bestand und auch mal Scherben drauf lagen, wurde dabei niemand verletzt. Höchstens, dass die Masse mal bedenklich heftig ans DJ-Kabuff prallte.
So ein Gespringe habe ich nie wieder erlebt! Bei RATM war irgendwie immer ein "wer hopst am höchsten"-Contest und es nahmen ALLE Tänzer dran teil! Mann, ging das ab!

Das war auch die Zeit, als man zu diesem Rockschuppen noch seine eigenen Getränke im Rucksack mitnehmen konnte, weil sowas nicht kontrolliert wurde. Keine Ahnung, ob der Laden Gewinn gemacht hat, aber vielleicht wurde er ja auch aus Idealismus betrieben.
Wir hatten natürlich schon vorher einige Biere gekillt und zum Beispiel dabei auch diese CD gehört. Der Carsten hatte die nämlich, denn er war prinzipiell aufgeschlossener dem Übergekreuzten Genre gegenüber als ich. So beginne ich zum Beispiel auch erst heute festzustellen, dass möglicherweise ein paar Sachen von Faith No More ganz geil sind.

Also, Biere wurden weggehauen. Und welche? Nun, nicht immer aber doch des öfteren das feine Hansa-Pils. Und jetzt greife ich mal ganz tief in die Literaten-Schublade und ziehe heraus... meinen Hansa-Song von 1993!
Jo, nachdem wir ja Hansa viel besser fanden als Karlsquell, es zu letzterem aber ein Lied von Slime gab, dachte ich in irgend so'nem Anfall von Gedichte-Schreiberei, ich müsste mal ein Lied für's Hansa dichten. Und jenes wird hier nun erstmalig veröffentlicht.
Als ich's letztens zum ersten Mal seit Jahren gelesen habe, musste ich mich ziemlich wegschmeissen.

Der Hansa-Song

Der Morgen ist noch früh
und sieht schon wieder scheisse aus.
Durst ist aber da, na klar
zum Frühstück gibt's 'ne Dose Hansa.

Hansa Pils du bist immer mit dabei
Hansa Pils du dröhnst so schön in Kopp
Hansa Pils gib' mir nochmal drei
Hansa Pils ein Tag mit dir is' nie 'n Flop.



Rage Against The Machine

(USA)
Gegründet 1992
Erste VÖ 1992 "Killing in the name"-Single
Aufgelöst 2000

Besetzung 1993:
Zack de la Rocha: voc
Tom Morello: guit
Tim Commerford: b
Brad Wilk: dr


Link
Renegades

Anspieltipp:


Threshold: Wounded land
 

Threshold: Wounded land (1993, 56:50)

Wenn Threshold in eine Schublade gesteckt werden sollen, so wird jeder die Schublade Prog-Metal dafür wählen.
Vergleich: Dream Theater

Nun, meiner einer findet diesen Vergleich nicht sehr zutreffend. Denn bei Threshold geht es überhaupt nicht um die Zusschaustellung hervorragender Fähigkeiten an den Instrumenten. Nix Gefrickel und so.

Im übrigen muss man unterscheiden zwischen dieser CD hier, den beiden Nachfolgern und den letzten bzw. neusten drei. Denn die neusten drei sind ausgesprochen professionell produziert und bieten Songs, die aus jahrelanger Songwriter-Erfahrung entstanden sind. Das ist manchmal etwas sehr glatt, aber dafür von einer festen Mannschaft eingespielt. Härte und Progressivität (oder das was man so nennt: also Einflüsse der alten Genesis, Yes usw.) halten sich in etwa die Waage.

Platte Nummer zwei und drei dagegen sind sehr roh und ungeschliffen mit einem deutlich erhöhten Heavy-Anteil. Zu viele Bratzgitarren für meinen Geschmack.

Nun kommen wir wieder zu dieser Platte hier, der ersten. Hier steht ganz eindeutig das Progressive-Element im Vordergrund, was mir schonmal gut gefällt. Außerdem sind die Songs noch etwas naiv und unerfahren aufgebaut, "waghalsige Strukturen" würde man vielleicht sagen und eben dies gefällt mir auch. Ich glaube nicht, dass es wirklich nötig ist, sich an die "Regeln" wie ein Stück aufgebaut sein muss oder welche Übergänge in welcher Form gut klingen und wie nicht, halten muss.
Und zuletzt singt hier Damian Wilson, von dem ich ein Fan bin, sozusagen.

Damian Wilson wäre fast berühmt geworden, denn er war mal als Sänger von Iron Maiden im Gespräch. Wurde dann aber doch nix.
So bleiben seine bekanntesten Gesangleistungen zwei Platten von Threshold und einige Gastauftritte bei Ayreon.
Weniger bekannt und auch viel softer aber trotzdem sehr gut ist die Combo Landmarq, auf deren ersten drei CDs er ebenfalls der Sänger ist. Wer sich auskennt, mag jetzt vielleicht fragen, ob denn wohl die Landmarq-CD Infinity parade hier demnächst noch kommt, denn sie erschien auch 1993.

Nein, kommt nicht. Grund: zu unausgereift. Ich finde sie zwar ganz gut, aber für die Top 10 hat es nicht gereicht.

Noch mal zu Wounded land: ich habe mal gelesen, es ginge dabei um die Bücher von Stephen R. Donaldson Lord Foul's Fluch (erster Zyklus) und Das verwundete Land (zweiter Zyklus). Allerdings kann ich keinen wirklichen Zusammenhang von den Texten her erkennen.

Nichtsdestotrotz sind die genannten Romane ausgesprochen toll. Wer auf abgefahrene Fantasy mit leichter Psycho-Analyse steht, ist da richtig.

Musikmässig gibt es hier relativ lange Songs mit mal schrubbenden aber oft auch sehr schön melodischen Gitarren und Tonnen von teilweise sehr verspielten Keyboards. Lediglich der Drummer könnte vielleicht besser sein oder ist einfach ein bisschen scheisse aufgenommen worden. Der Gesang ist hoch, eindringlich und außergewöhnlich. Zunächst scheint es zwar so, als sei dies ein typischer Heavy-Gesang, doch dann erkenne ich zumindest, dass er wesentlich variabler und mit sehr viel Tiefe singt, im Vergleich zu anderen Leuten dieser Musikrichtung.

Auf dieser CD gibt es keinen Ausfall. Ich kann auch keinen Song besonders hervorheben, weil sie alle toll sind. Zu genießen am besten sehr laut aufgedreht!


Stay alive and rock on,
Harvey
(17.4.03)

 

Threshold

(England)
Gegründet 1989
Erste VÖ 1993 "Wounded land"-CD

Besetzung 1993:
Damian Wilson: voc
Karl Groom: guit
Nick Midson: guit
Jon Jeary: b
Richard West: keys
Tony Grinham: dr


Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: