harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




E: Broken toy shop
(1993, 46:28)


E: Broken toy shop
 

Schon das zweite Soloalbum des Mannes, der später Kopf der Eels werden sollte.

Unterschiede zum Bandschaffen gibt es, doch sie sind nicht allzu groß.

Die Eels tauchten in meinen Hitlists bisher noch nicht auf, was einfach daran liegt, dass sie zu neu sind. Erst 1996 erschien der erfolgreiche Erstling Beautiful freak.

Dass ich die Eels kennen und lieben lernte, ist zum Teil Hanks unermüdlicher Überzeugungsarbeit zu verdanken.
Denn im Jahre 1997 sagte dieser mir, er hätte eine neue CD von einer neuen Gruppe namens Eels und die könne mir auch gefallen.
Fein, dachte der Harvey sich, und vergaß diesen Tipp auch sogleich wieder.

Zu jener Zeit saßen wir häufig mittags in der Mensa der Uni herum und schlugen die Zeit tot.
Nein, ganz so sinnlos war das Abhängen dort auch nicht: wir pflegten die zwischenmenschlichen Kontakte, indem wir fröhlich plauderten, über dieses und jenes und manchmal auch über die Studieninhalte.

Diese gesellige Atmosphäre vermisse ich heute. Auch wenn das Essen in der Mensa meistens bestenfalls mittelprächtig war und oftmals mehr Geld verschlang als eine fix gemachte Miracoli-Packung, so habe ich doch sehr angenehme Erinnerungen an die Mensa-Meetings.
Allerdings auch mehr an solche zu Zeiten als noch viele bekannte Gesichter mit am Tisch saßen.
Später wurden das dann immer weniger, weil einige Leute andere Orte aufsuchten, um weiter zu studieren und wieder andere gingen mit ihren Arbeitsgruppen essen und hingen dann mit denen rum.

Doch nicht nur das Gelaber über ätzende Vorlesungen und geplante Abendaktionen machte die Mensa-Meetings interessant, sondern auch die vielen anderen Leute, die dort rumhingen.
Nun esse ich nicht so gerne in völlig überfüllten Räumlichkeiten und bei der beträchtlichen Geräuschkulisse, die dort herrscht. Aber - wie gesagt - um's Essen ging's da auch nur zunächst, danach kam der gemütliche Teil.

Im gemütlichen Teil konnte man sehen und gesehen werden. Ich war damals noch mehr angetan von interessant gekleideten Leuten als heute. Selber mit "Sado-Maso-Gürtel" (Zitat Hank) und bündchenlosen (abgeschnittenen) Pullovern ausgestattet, freute ich mich über Menschen mit bunten Haaren und lustigen Bandshirts. Und dabei natürlich umso mehr, wenn diese auch noch weiblichen Geschlechts waren.
So wollte ich unbedingt eine CD von Mega City Four hören, weil die nett aussehende Chemikerin mit dem Fields-Aufnäher auf dem Rucksack von eben dieser Gruppe ein T-Shirt trug.
Und praktisch jahrelang bewunderte ich täglich die Coolness einer anderen Frau mit rotem Hennahaar und tiefschwarzen Klamotten - natürlich ohne sie jemals kennen zu lernen.

So kommunikativ es in der Mensa auch war, außer den eigenen Bekannten sprach man dort mit niemandem. Höchstens vielleicht mit direkten Studienkollegen, die man schon vom Sehen aber eben nicht vom Sprechen kannte.
Ansonsten konnte man nebeneinander sitzen mit wildfremden Menschen (denn es war ja voll), ohne auch nur ein Wort zu wechseln. Im Gegenteil: viele der Einzelpersonen und der höheren Semester legten es jeden Mittag darauf an, einen neuen Rekord im Blitz-Essen-Reinschaufeln aufzustellen.
Vielleicht fühlten diese Leute sich unwohl (was ich verstehen kann, wenn man ganz alleine da ist) oder sie wollten möglichst schnell wieder an die Arbeit (um dann doch erst um 7 nach Hause zu gehen).

Hank hatte noch mehreren Leuten von den Eels erzählt und brachte dem Carsten die CD mit.
Ich sah mir Cover und Booklet an (die Leute mit den supergroßen Augen) und dachte: was für'n Scheiss!

Und Hank bekam die CD zurück und lieh sie jemand anderem aus. Er fragte, ob ich sie auch mal haben wollte. Nein.
Dann hörte ich das Teil mal auf einem abendlichen Meeting und fand es ganz interessant.
Und Hank bekam die CD wieder zurück und fragte erneut und diesmal nahm ich sie mit und sie war extrem genial!

Fortan waren die Eels ein Renner und auch wenn keine der nachfolgenden CDs an Beautiful freak heranreichte, war es trotzdem interessant, was der E denn davor gemacht hatte.

Broken toy shop und A man called E (von 1992) sind beide nur in den USA erschienen, ich habe aber letztens noch bei amazon.de gesehen, dass man eine davon (wenigstens) dort bekommt.

Textmässig ist eine Ähnlichkeit zu den beklemmenden, den Wahnsinn der modernen Welt beschreibenden Texten der Eels festzustellen. So sagen auch schon einige Songtitel, wo's lang geht: A most unpleasant man, The day I wrote you off, She loves a puppet.
In diesem Zusammenhang habe ich überlegt, was wohl der Titel der CD bedeuten soll: ist hier ein zerstörter Spielzeugladen oder ein Geschäft für kaputtes Spielzeug gemeint? Im Eels-Universum würde ich eher zu letzterem tendieren, da es eben die "kaputtere" Variante ist.
Trotzdem bleibt die Frage, warum die Platte überhaupt so heißt. Vielleicht sind die Songs die Spielsachen: nicht so richtig nette Popsongs und daher ein bisschen kaputt?

Von der Musik her gibt es schon etwas mehr Unterschiede zu den Eels. Allerdings klingt bei denen auch keine Platte wie die letzte und von daher kann man diese Teil hier gut als Vorgänger von Beautiful freak einordnen.
Vor allem ist die Sache etwas ausgereifter und besser produziert als E's erste Scheibe. A man called E ist auch nicht daneben aber eben doch ein Erstling, der mit der Erfahrung späterer Jahre vielleicht anders klingen würde. Außerdem nur knapp über 30 Minuten lang, ein bisschen mager.

Eels-Fans werden einen Song dieser CD schon kennen: Manchester girl war in einer BBC-Version B-Seite auf 'ner Maxi-CD der Eels.
Das Stück klingt auf dieser Platte durch zusätzliche Instrumente ein kleines bisschen fröhlicher. Dennoch dominiert das Klavier und wie bei eigentlich allen Stücken E's Stimme. Jene finde ich sehr prägnant und ausdrucksstark, so dass ich fast glaube, mit dieser Stimme könnte mir der Kerl jede Art Musik als interessant verkaufen.

Der Song Someone to break the spell wurde u.a. mit Susanna Hoffs (Bangles) zusammen geschrieben. Herausgekommen ist eine etwas schnellere Gitarrenpop-Nummer, die gar nicht traurig wirkt und durchaus auch von den Bangles dargeboten werden könnte. Ein klein wenig störend hier die Streicher, die leider bei vielen Songs dieser CD zumindest an den ruhigeren Stellen zu hören sind. Die hätte man meistens ruhig weglassen können (vgl. Permanent broken heart).

Im Vergleich zu den Eels ist insgesamt die Stimmung der Musik positiver. Dazu tragen auch die leicht Country-infizierte Orgel und die weniger heftigen dafür aber hin und wieder akustischen Gitarren bei.

So ist beispielsweise Eight lives left ein sehr ruhiges Lied, das vielleicht auch von Del Amitri sein könnte, aber eben nicht erdrückend depressiv klingt, wie manche Sachen der Eels.
Andere Songs wie etwa The only thing I care about oder L.A. River sind Pop pur und dementsprechend von Stimme und Text abgesehen heiter und zum Mitschunkeln. Das ist schon nahe daran, zu oberflächlich zu sein, kriegt aber für meinen Geschmack die Kurve gerade noch.

Hervorheben möchte ich auch noch das erste Stück Shine it all on, das vom Aufbau her zwar ein recht konventioneller Songs ist, aber dafür durch eine dichte Instrumentierung sehr stimmungsvoll geraten ist. Hier kann man auch ein bisschen mehr Indie-Element erkennen, im Gegensatz zu den meisten anderen Stücken.

Ich höre mir diese CD immer wieder gerne an, auch und gerade weil sie weniger deprimäßig klingt als die Eels Platten. Zwar sind einige Songs nicht perfekt geraten und insbesondere wegen der Streicher könnten manche Leute die Scheibe hassen, was mich aber alles nicht soo sehr stört. Ich bin eben ein Bekehrter, ein Gefolgsmann, ein gläubiger Anhänger des Mark Everett und seiner Kindermelodien.

Übrigens trage ich auch deshalb seit eineinhalb Jahren einen dicken, fusseligen Vollbart und werde dauernd von der Polizei nach Bomben durchsucht. Und wenn ich dann eine Rede halte, darüber wie toll der E ist und dass ich ihn anbete, denken die immer, ich stünde unter Drogen.

Keine Macht den Drogen! Alle Macht dem E!


Stay alive and rock on,
Harvey
(1.5.03)



E

(USA)
erste VÖ 1991 "Hello cruel world"-Maxi-CD
seit 1995 mit den Eels aktiv

Musiker 1993:
E: voc, diverse Instr.
Parthenon Huxley: guit, keys
Winston Watson: dr
Patrick Warren: keys
Chris Solberg: b, organ, guit, piano
+ weitere


Link
Symphony for toy piano in G minor
Beautiful freak
Electro-shock blues
Shootenanny!
Blinking lights and other revelations
Live at Town Hall
Useless trinkets
Hombre lobo

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik:
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