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Oysterband: Holy bandits
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(1993, 42:28)
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Ein ganz wichtiges Album für die Oysterband
und ein besonders gutes obendrein.
Meine Favoriten bleiben die schon vorgestellten
"Deep dark ocean" und "The shouting
end of life", doch Holy bandits gleich
an dritter Stelle!
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Oysterband: Gone west (Maxi-CD,
1993, 14:54)
Dazu gab es diese schöne Maxi-CD als Auskopplung
und weil die nicht nur gut aussieht, sondern auch
tolle Songs enthält, hier noch eine extra Erwähnung.
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Als ich zur Schule ging,
wurde Folk-Rock in meinem Freundeskreis überhaupt nicht
gehört. Dabei zähle ich Big
Country nicht mit, denn da war insbesondere in den späten
80ern der Folkfaktor meistens recht gering.
Nur der Chimpy, der hatte
eine CD von den Dubliners und auch etwas von Clannad.
Dort wurde der Grundstein gelegt für meine Freude an
dieser Musik. Die Oysterband selber lernte ich aber
erst mit Deep dark ocean kennen, wie in der Vorstellung
jener CD beschrieben.
Musik, wie sie die Oysterband
macht, weckt in mir nicht nur Tanzlust (bei den schnellen
Stücken), sondern auch eine Sehnsucht nach weiten, grünen
Ebenen, nebelverhangenen Bergen und gischtumspielten Klippen.
Eigentlich bin ich nicht so der Natur-Freak und auch wenn
ich gerne Camping-Urlaub mache, halte ich es nicht sehr lange
ohne unsere zivilisatorischen Errungenschaften aus.
Doch ich bin Fan von Legenden,
Sagen und Fantasy-Geschichten und da kommt man schnell zu
mittelalterlich angehauchter Musik und dann ist der Weg zum
Folk-Rock nicht mehr weit.
Und dabei stehe ich dann mehr auf den moderneren auch mal
mit Keyboards und E-Gitarren aufgepeppten Sound, der auch
oft eine pseudo-Romantik à la Robin Hood verbreitet.
Dementsprechend bin ich auch
ein Freund von Irland, England und ganz besonders Schottland.
1993 machte ich mit oben genanntem
Freund Chimpy vier Wochen Urlaub in Schottland.
Lange, gell?
Aber das war auch nötig. Erstens hat man als Student
lange Semesterferien (in denen ich zwar immer einiges zu tun
hatte, aber nie die ganze Zeit) und zweitens hatte ich 1993
bereits seit vier Jahren keinen Urlaub mehr gemacht.
Irgendwann fand der letzte
Urlaub mit der Familie statt und es war eine ziemliche Qual:
ständig Streit zwischen allen Beteiligten, der darin
gipfelte, dass meine Mutter sagte, sie würde "nie
wieder" mit mir in Urlaub fahren.
Ich war dann einmal mit einem Freund zwei Wochen auf Radtour
in Deutschland.
In den kommenden Jahren versuchte ich, meine Freunde davon
zu überzeugen, zu mehreren loszufahren und dabei richtig
heftig Party zu machen.
Das klappte leider nicht. Entweder musste ein Kumpel auf's
elterliche Haus aufpassen, oder jemand hatte kein Geld, durfte
aber auch nicht arbeiten, um sich welches zu verdienen und
ein andermal musste ein Freund drei Wochen mit der Familie
weg.
Es wurde nie was! Da haben
wir mit Sicherheit viel Spaß verpasst!
Aber ich machte den Fehler, es jedes Jahr wieder zu versuchen.
Ich wollte nicht zu zweit oder zu dritt wegfahren, nein alle
fünf unserer "Clique" sollten es sein.
Erst 1993 - nachdem ich vom
Zivi ohne Pause und ohne jeglichen Urlaub während der
ganzen Zeit ins Studium überblenden musste - hatte ich
genug und fuhr dann eben nur zu zweit mit Chimpy weg.
Wir flogen nach London, fuhren dann mit mehreren Zwischenstopps
per Bus nach Schottland und machten dort einen Bogen entgegen
dem Uhrzeigersinn, um dann wieder mit dem Bus nach London
zurück zu fahren.
Das war ein sehr guter Urlaub,
der massenhaft die oben angesprochenen grünen Landschaften
und Hügel und auch noch schöne Seen (etwa Loch Ness)
zu bieten hatte. Ganz im Norden - in Wick - klammerte sich
eine Burgruine bei pfeifendem Wind verzweifelt an die schwindenden
Steilhänge.
Unglaubliche Momente. (Gerade da hatte übrigens meine
Kamera einen Defekt und ich machte 15 Bilder an der selben
Stelle, weil der Film nicht transportiert wurde.)
Was der Urlaub nun allerdings
überhaupt nicht zu bieten hatte, war Kontakt zu Menschen
(es war ganz schön einsam da oben) und Party (keine Leute
da und Bier sehr teuer).
Außerdem merkten wir nach vier Wochen doch, dass man
ein bisschen bekloppt wird, wenn man den ganzen Tag dieselbe
andere Fresse sehen muss.
Andererseits war das auch
ganz lustig: der Schwachsinn, den wir so laberten und machten.
Einmalig: wir kletterten einen Trampelpfad in "Silly
walks" hinab und fotographierten das natürlich.
In Schottland bewegten wir uns mit Bussen und (einmal notgedrungen)
der Bahn. Dies sind allerdings nicht unbedingt die empfehlenswertesten
Fortbewegungsmittel dort, denn in die ganz einsamen Gegenden
kommt man so gar nicht. Mietwagen oder sogar Wohnmobil wäre
da besser.
Auf einer der westlichen Inseln mussten wir in der Jugendherberge
übernachten, weil es gar keinen Zeltplatz gab. Busse
gab es auch nur theoretisch (sie kamen nicht), so dass wir
zur Abwechslung mal trampend weiter kamen.
Musik war rar in jenem Urlaub.
In London kauften wir ein paar Sachen ein, Hören war
aber nicht: ich hatte einen Walkman mit (Kassetten) und das
war's denn. Da stopften wir tatsächlich manchmal ganz
schlecht jeder einen Kopfhörer ins Ohr und tranken dann
unsere ein bis zwei Dosenbier.
Doch der Höhepunkt:
wir fuhren nach Haddington, dem Heimatort von Fish.
Einfach mal so.
Wo der da wohnte, wussten wir allerdings nicht. Und wir trauten
uns auch nicht, jemanden zu fragen. Was hätten wir überhaupt
dort machen wollen?
Aber wir gingen in den örtlichen Pub (in dem er gerade
nicht war) und staunten über die Auswahl der Music-Box:
da gab's Kate Bush, Jethro
Tull und ähnliche britische Bands, die hierzulande
niemals in Kneipen gespielt wurden.
Und dann entdeckten wir den
Plattenladen von Haddington. Das war ein recht normaler Laden,
wo es die eine oder andere Rarität von Big Country
zu kaufen gab und man ein bisschen stöbern konnte.
Doch der Laden veränderte sich schlagartig, als einer
von uns den Besitzer auf das "For Fish and Marillion
stuff, please ask"-Schild ansprach.
Da holte dieser eine Kiste heraus und in der war alles, was
der Sammler der alten Marillion und eben von Fish
begehrt: seltene Maxis, Picture Shape-Platten, numerierte
Special-Editions usw.
Während Harvey wie immer
sparsam war und sich zwei, drei schöne Teile kaufte,
fragte der Chimpy nach Rabatt bei einem "richtig großen
Einkauf".
Den bekam er. Wir packten danach alles in ein Paket, das über
30 Mark Porto (umgerechnet) kostete und ab nach Hause.
Den Krempel hätten wir nämlich nie tragen können,
da unsere Rucksäcke sowieso schon über 20kg wogen
und bei längeren Fußmärschen arge Schwierigkeiten
bereiteten.
Irgendwie schaffte ich es trotzdem, die am Ende in London
erstandenen lila Docs nach Hause zu schleppen. Wir hatten
halt nochmal 10kg Handgepäck...
Die Picture-Maxi Internal
exile von Fish mit der Nummer 11081 hängt
heute an meiner Wand.
Sollte es wirklich über 10000 Stück davon gegeben
haben, so liegen wahrscheinlich noch immer 5000 in jenem Laden.
Wenn ich mal wieder in der Nähe von Edinburgh bin schaue
ich nach.
Diese CD war für die
Oysterband besonders wichtig und zwar deswegen, weil
sie hier ihren "neuen" Stil fanden. Was auf Holy
bandits geboten wird, ist gut vergleichbar mit The
shouting end of life: es ist eben zunächst mal Rockmusik
mit viel Folk und nicht (wie vorher) Folkmusik mit ein wenig
Rock.
Deserters (von 1992)
ging schon ein wenig in die Richtung, aber noch nicht konsequent
genug. Vielleicht lag es an der Bandzusammensetzung (Deserters
war die erste Platte mit Lee am Schlagzeug), vielleicht auch
an der Produktion: bei Holy bandits erstmals Al Scott,
dass diese CD hier so ein großer Schritt der Weiterentwicklung
war.
Ich mag auch die Oysterband
vor Holy bandits, aber trotzdem gefällt mir der
etwas rockigere und vor allem viel dichtere Stil besser. Dichter
heißt hier, dass viele Instrumente gleichzeitig am Werk
sind und dabei aber keines so dominiert, dass das Gehör
die andere übersehen würde. Das führt auch
zu atmosphärischen Songs, die eben nicht mal eben schnell
runtergespielt sind, sondern die durch ihr Arrangement und
den Mix ihre Wirkung entfalten.
Die Platte beginnt direkt
mit zwei Knallern: When I'm up I can't get down und
The road to Santiago sind Oysterband at it's
best! Akustikgitarre, viel Violine, treibendes Schlagzeug
und damit hohes Tempo. Da kommt Freude rüber, Spaß
und der Drang Rumzuspringen.
Auch das Akkordion hat einiges
zu sagen auf dieser Platte und das ist gut. Insgesamt sind
die Stücke recht schnell und fröhlich, weniger nachdenklich
als auf dem Nachfolger. Eines des ruhigeren und sehr ansprechenden
Stücke ist We shall come home, dem es gelingt
die Stimmung des Textes musikalisch umzusetzen. Da wirkt dann
auch deutlich Choppers Cello mit, ein sehr wertvoller Beitrag
zur Musik der Oysterband.
Jenes verleiht auch Here's
to you sein besondere Flair. Ein Tanzlied, das sicher
zu fortgeschrittener Stunde jeden Folk-Pub zum Kochen bringen
könnte. Dazu ein ironisch-amüsanter Text, wie er
typisch für die Gruppe ist.
Keiner der elf Songs ist unterdurchschnittlich, ich möchte
aber noch besonders das hymnische A fire is burning
hervorheben, das ergreift und zugleich wunderbar vorstellbar
macht, wie John Jones auf der Bühne steht und es vorträgt.
Damit komme ich zu der Maxi
und von dieser war ein Stück kürzlich auf der Deutschlandtour
der Oysters auch live zu erleben. Und es war nicht
das gute Titelstück Gone west, sondern das Traditional
Star of the county down. Diesen Song gibt es in Versionen
von verschiedenen Bands (u.a. auch von den Chieftains
mit Van Morrison). Bei der
Oysterband ist es ein schneller Rocker, der mächtig
Spaß macht. Live sogar noch besser, aber auch hier der
Hit der Maxi. Das ist Folk übersetzt in die 90er Jahre.
Die anderen zwei neuen B-Seiten Stücke sind jedoch auch
gut und von daher eine sehr lohnende Maxi-CD. Exakt die gleichen
drei Songs gibt es übrigens auch auf der Cry, cry
Maxi-CD als Bonus. Allerdings existiert da noch eine andere
Version der Maxi mit anderen Liedern.
Diese beiden Scheiben der
Oysterband sind mal welche, mit denen ich keine besondere
Kennenlernstory oder Erinnerungen verbinde. Sie bieten einfach
gute Musik.
Und auch wenn es eine Menge Leute gibt, die solchem rockigen
Folk keinerlei Bedeutung beimessen, so kann ich dieses nicht
verstehen.
Ich finde, der stimmungsvollen Musik dieser CDs kann man sich
gar nicht entziehen. Und wer's nicht glaubt, könnte vielleicht
durch ein Live-Erlebnis bekehrt werden.
Also: wer sich nicht an den Gesichtsnarben des Sängers
oder dem Familienvater-Aussehen des Gitarristen stört,
sollte mal die sympathische Ausstrahlung von Leuten und Musik
auf sich wirken lassen.
Stay alive and rock on,
Harvey
(8.5.03)
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