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Hitlist
 




Pendragon: The window of life
(1993, 54:12)


Pendragon: The window of life
 

No. 1 im Jahre 1993 für mich: die beste Platte von Pendragon.

Genre: Neo-Prog

Vergleiche: Pink Floyd, Camel

Pendragon haben nie den Sprung in die Riege der bekannten Bands geschafft und selbst was die Progressive-Fraktion angeht, sind sie nicht die angesagtesten.
Das mag daran liegen, dass sie ihre Platten manchmal in größeren Zeitabständen rausbringen, vielleicht auch mit dem Engagement einiger Musiker bei anderen Projekten zusammen hängen: so war Fudge Smith als Drummer bei Steve Hackett tätig und Clive Nolan hat neben seiner gerade recht angesagten Gruppe Arena auch noch bei John Wetton zu tun. Mehr zu ihm auch in der Vorstellung der Wetton-Platte Rock of faith.

Nee, ich glaube aber in Wirklichkeit liegt die mangelnde Bekanntheit auch an geringer Eigenständigkeit und leichter Selbstwiederholung.
Da sind durchaus mal ein paar Solos von Wish you were here (oder allgemein dieser Zeit bei Pink Floyd) geklaut und ebenso kann ich auch sehr gut nachvollziehen, wieso gerade Moonmadness (von Camel) die Lieblingsplatte eines Bandmitglieds ist.
Na und wenn man denn die anderen Platten von Pendragon auch kennt, so sind gewisse Ähnlichkeiten zwischen manchen Stücken offensichtlich.

Für mich ist dies hier ihre beste, denn der Vorgänger The world war zwar sehr gut aber noch nicht ganz so ausgereift und der Nachfolger The masquerade overture war zu übertrieben aufgebläht und stellt die Ohren stellenweise durch besonders heftiges Nolan-Keyboard-Gedrücke auf eine harte Probe.

Aber The window of life ist vom Anfang bis zum Ende nur toll.
Oder ich sage mal: ich finde sie ganz toll.
Da muss man nicht unbedingt einer Meinung sein, denn vielen Menschen könnte das alles zu altmodisch, zu langweilig, zu langatmig oder zu keyboardlastig sein.

Dass ich die Scheibe für meinen Favoriten 1993 halte, liegt natürlich auch an ihrer Geschichte in meiner Sammlung.
1993 hatten wir erst vor kurzem festgestellt, dass es da Gruppen gibt, die auch so ähnliche Musik wie Marillion oder Yes spielen, die aber völlig unbekannt sind und deren CDs man also bestellen muss und in normalen Läden gar nicht kriegt.

Die allerersten CDs, die ich von solchen Gruppen erstand waren For Absent Friends, Jadis und Chandelier. Drei CDs, ca. DM 90.-, da hatte ich mir was geleistet!
Der Erwin hatte mehr Geld und bestellte öfter mal was. Ich produzierte davon dann Tapes, ganz schön viele. So auch The world auf Tape und etwas später eben diese hier.

In meinem ersten Semester Uni fuhr ich jedes Wochenende nach Hause. Üblicherweise mit dem Zug.
Schon damals hörte ich dauernd Musik und natürlich war die ganze Fahrt der Walkman am laufen. Da hörte ich sehr häufig diese CD hier und sie spiegelte sehr gut meine Stimmung wieder.
Das taten noch einige andere wie zum Beispiel die angesprochene von Jadis: More than meets the eye oder die ersten beiden Landmarq.

Jene Stimmung war nicht so ganz gut, etwas zerrissen, wehmütig und einsam.
Ich fuhr jedes Wochenende nach Hause, obwohl dort eigentlich nur Ärger in der Familie und oftmals enttäuschende Abendunternehmungen auf mich warteten.
Doch in meiner neuen Stadt fühlte ich mich noch nicht heimisch, das Studium machte nicht wirklich Spaß und mit den neuen Leute war ich zunächst auch nicht zufrieden.
Dazu eine weniger ansprechende Wohnung und schnittenmäßig nix am Start, da kann man sich die Stimmung vielleicht vorstellen.

Die Zugfahrten führten dann durch Wälder und an vielen Wiesen und Äckern vorbei. Eine recht schöne Landschaft mit viel Grün und aber auch mit einem Flair von Einsamkeit. Das passte dann auch und sozusagen zur Verstärkung dieser Stimmungen tat ich mir noch die passende Mucke rein.

Heute preise ich Pendragon an und nicht die anderen Platten, die ich auch gehört habe. Das liegt daran, dass diese CD bis heute ein persönlicher Renner ist und dass ich finde, sie ist auch objektiv wirklich gut.
Klar, wie oben erwähnt, es sind viele Zitate anderer Gruppen zu hören, aber wenn man davon absieht hat man es mit Musik zu tun, die gut geschrieben, gut gespielt und gut produziert ist.

Das längste Stück (mit 14 Minuten) The last man on earth handelt vom Tod eines geliebten Menschen und besitzt schnelle, rockige Passagen und auch sehr ruhige, träumerische. Der Gesang ist gut, wenn man sich an ihn vielleicht auch grundsätzlich erst gewöhnen muss. Neben der typischen Pendragon-Gitarre sind bei diesem Song außerdem kleine abwechslungsreiche Elemente wie eine Mundharmonika oder ein Banjo zu hören. Somit ist das ganze Spektrum Pendragons in diesem Stück abgedeckt.

Der kürzeste Song (mit 4:47) Am I really losing you? ist schon wieder einer über Verlust und zwar ein langsamer, trauriger. Keyboards die wie eine Spieluhr klingen, ein eindringlicher Text und effektvoll eingesetzte spartanische Gitarren machen ihn zu etwas besonderem. Da kann man schonmal schwermütig werden!

Doch grundsätzlich ist diese Musik weniger depressiv als einfach nur verträumt. Das ist Musik, die ich assoziiere mit Phantasien von mystischen Stätten, von wahrer Liebe, vom Sieg der Guten gegen die Bösen und von unberührter magisch wirkender Natur.

Ja, das ist schon wieder Pathos-Einkaufsladen oder meinetwegen auch Schnulli-Sülze.

Kein Punk, kein Rock.
Statt mit Party oder erhobener Faust auf den Mist des alltäglichen Daseins zu reagieren, formt diese Musik eigene Phantasiewelten die in den Tönen und dem Kopf des Hörers gefangen bleiben müssen.
Das ist nicht revolutionär, sondern gerade im Jahr 93 sehr konservativ. Aber andererseits ist der Drang, die Welt verändern zu wollen, an die Existenz von Träumen und Visionen gebunden und solche liefert diese Musik.

Aber das wird auch schon wieder zu tiefgründig. Für mich ist es einfach sehr gute, stimmungsvolle Musik. Kann entspannen, kann auch zum genauen Zuhören Anlass bieten.
Übrigens im Moment auf Tour, allerdings nur als Acoustic Duo, was mich dann nicht so reizt.

Nächste Woche dann etwas über Harveys neue Errungenschaften im Monat Mai.

Stay alive and rock on,
Harvey
(22.5.03)



Pendragon

(England)
Gegründet Ende der 70er
Erste VÖ 1984 "Fly high fall far"-EP

Besetzung 1993:
Nick Barrett: voc, guit
Peter Gee: b
Clive Nolan: keys
Fudge Smith: dr


Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik:
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