harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Special longplayers 1984


Mike Oldfield: Discovery
 

Mike Oldfield: Discovery (41:23)

Mike Oldfield hat sehr unterschiedliche Platten in seiner Karriere fabriziert.
Ich habe die meisten davon und dennoch finde ich viele auch etwas langweilig.

Nicht so bei dieser: für mich seine beste!

Ja, wie? Tubular bells gar nicht beachtet? Doch, schon, aber mir gibt die nicht viel. Vielleicht im "Spirit of 73" oder total bekifft ein super Erlebnis, aber sonst nur Mittelmaß.

Auf Discovery gibt's den poppigen Oldfield zu hören, der gleich mehrere Singlehits hier versammelt: To France und Tricks of the light sind die beiden bekanntesten. Dazu - als Sahnehäubchen - ein zwölfminütiges Instrumental, welches ganz besonders schön ist, vor allem auch wegen der Melodie und guten Hörbarkeit. So finde ich z.B. den Titeltrack von Crises (20 Minuten!) nicht so richtig toll, weil er zu ziellos und vertrackt daher kommt (ohne dabei wahnsinnig innovativ zu sein).

Große Pluspunkte dieser Platte sind die beiden guten Sänger und der hervorragende Schlagzeuger. Weiterhin sind die Gitarren natürlich sehr gut, und eben auch melodisch und sie beschränken sich auf kleine aber effektvolle Solos. Klasse.

Wenigstens Tricks of the light (mit zusätzlicher Akustikgitarre) kennt wohl jeder, der 1984 schon Ohren zum Hören hatte und so ging es mir auch: schon damals hörte ich den Song im Radio und fand ihn gut.

Und dann ergab sich etwas Unglaubliches: meine Mutter kaufte sich diese LP!! Meine Mutter ist nicht gerade der Pop- und Rockfan. Sie besitzt eher wenig LPs und CDs und kauft schon deshalb keine, weil sie nicht weiss was.

Interessanteste Begebenheit in dem Zusammenhang: Mama war ein Beatles-Fan in den 60ern. Jo, aber leider sind alle derartigen Platten lange verschollen. So gibt es heute nur zwei Vinyl-LPs, die ich von meiner Mutter wirklich gut finde und die ich deswegen auch durch sie kennen gelernt habe: nämlich diese hier und Wish you were here von Pink Floyd. Bei CDs sieht das schon besser aus, aber die meisten davon habe ich ihr auch geschenkt...

Also Muttern kauft Discovery, wir hören die und Klein-Harvey findet's auch gut. Aber er stellt fest, dass da ja öfter 'ne Frau singt. Das kann ja auf keinen Fall Mike Oldfield sein. Harvey weiss aber, dass wenn im Fernsehen Roberto Blanco oder Nena angekündigt werden, diese auch selber singen. Also fragt er Mama, warum denn der Mike Oldfield nicht singt auf seiner Platte. Antwort: der ist schon so alt, da muss das jemand anders für ihn übernehmen!
Auch nicht schlecht! So verdooft man also kleine Kinder! 1984 war der Mike gerademal 31! Ey fuck, das ist ja wohl nicht alt!

Für mich gibt es auf dieser Platte keinen Aussetzer. Nette, harmlose Musik, die irgendwie schon in die 80er gehört aber nicht so typische Elemente aufweist, wie ich sie bisher schon manchmal erwähnt hatte. Im Vordergrund stehen zu jeder Zeit die lustig verzerrten Gitarren.
Ein besonderer Höhepunkt für mich auch das kraftvolle Saved by a bell und dann natürlich The lake (das Instrumental), welches spannungsreich und fast schon progressiv zu nennen ist.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie Musiker Platten aufnehmen können, bei denen sie fast alle Instrumente selber spielen. Ich meine, ich stelle mir unter Musik immer noch eine Band vor! Total veraltet, oder? Mann, Harvey, wir haben 2003, da werden Platten mit Pro-Tools gemacht (wie man hört) und nicht von abrockenden Bands!
Schade eigentlich.
Obwohl hier und bei Phil Collins (damit meine ich nicht die aktuelle Scheibe, die klingt ja auch sehr computerisiert) und bei Adrian Belew (andere fallen mir jetzt nicht ein) gar nicht zu merken ist, dass keine weiteren Musiker (bzw. nur wenige) involviert waren. Da muss man dann natürlich auch sagen: Respekt, was der alles spielen kann und wie er den Sound so gut hinkriegt! Hört man z.B. Demos von Phil Collins (auf einigen Maxis), so klingen diese doch eher fürchterlich und haben wenig Ähnlichkeit mit dem Ergebnis.

Aber in dieser Hinsicht hat Mike Oldfield quasi eine eiserne Regel durchgezogen: er hat auf allen seinen Scheiben die meisten Instrumente selbst bedient und war von daher auch nie der Star für die Dauertourneen, denn dort braucht er ja vielfältige Unterstützung. Ich finde auch, dass dies eine Musik ist, die man nicht unbedingt live erleben muss. Weder der Held an der Gitarre, noch die Freude aufs "Abrocken" locken hier so sehr, dass man das sehen müsste.
Hören ist fein - und reicht.





Mike Oldfield

(GB)
Seit 1969 aktiv
Erste Solo-VÖ 1973 "Tubular bells"-LP

Band 1984:
Mike Oldfield: guit, b, keys, u.a.
Maggie Reilly: voc
Barry Palmer: voc
Simon Phillips: dr


Anspieltipp:


U2: The unforgettable fire
 

U2: The unforgettable fire (42:42)

Hier ist mein Hasslied von U2 drauf, nämlich "Pride".
Kann ich "Sunday, bloody sunday" noch gerade ertragen, so ist bei Pride diese Grenze leider überschritten.

Da gab's wohl mal so vier bis achtzehn Schützenfeste, Partys oder Zeltfeten zuviel, bei denen eine schlechte Coverband jenen Song vorgetragen hat.

Aber ansonsten natürlich eine spitzen-Platte!
Hier hören wir den Übergang zwischen den alten U2-Sachen und der Joshua tree. Es sind bereits dieselben Producer am Werk und sie nehmen dem U2-Sound die Ecken, geben ihm dafür aber Tiefgründigkeit. Sie lassen die Instrumentalisten besser zur Geltung kommen und fügen kleine "treatments" hinzu (auch ein Lieblingsbegriff von Peter Gabriel), die eine sehr dichte Atmosphäre entstehen lassen.

Gleich zu Beginn mit A sort of homecoming gibt es "weites Land"-Feeling pur. Bonos wunderbarer Gesang steht wie immer ziemlich im Vordergrund und dazu ein Lied, wie es zwei Jahre vorher sicher nicht denkbar gewesen wäre. Wire schließt sich da direkt an und glänzt, wie viele andere Songs hier auch, mit sehr genialen Riffs von The Edge. Allerdings fällt hier und auch an einigen anderen Stellen eine gewisse Hastigkeit auf, die sie auf Joshua tree dann abgelegt haben. Auf dieser CD hier habe ich manchmal den Eindruck, die U2s müssten zwanghaft unter 45 Minuten bleiben und spielen deshalb diverse Songs ohne die nötige Ruhe.

Dies trifft auf jeden Fall nicht auf The unforgettable fire zu. Ein besonders schönes Lied, das ich mir wunderbar als Untermalung eines morgentlichen Sonnenaufgangs nach einer langen Partynacht vorstellen kann. Im Sommer in der freien Natur natürlich! Ach, wie toll!

Ich merke, dass ich doch eine viel stärkere Beziehung zu diesem altem U2-Kram habe, als ich eigentlich dachte. Schön, dass sie im Moment mit Electrical storm wieder ein wenig back to the roots gehen und die Elektronik-Spielereien einschränken.

Von den weiteren Songs möchte ich noch Bad erwähnen, das ein besonderer Live-Hit war und mir in dieser kürzeren Studioversion eigentlich besser gefällt. Spartanisch instrumentiert (mal gelegentlich ein Gitarrenton, Schlagzeug eher als Percussion) ist es dennoch sehr gut produziert und bringt den emotionsgeladenen Gesang optimal rüber.
Bei den letzten beiden Stücken geht U2 dann leicht die Puste aus. Hier wird nicht hastig gespielt, dafür aber etwas langatmig. Diese Songs sind nicht direkt schlecht, verblassen aber gegenüber dem Rest.
Insgesamt aber eine sehr tolle Platte, die wieder einmal deutlich demonstriert, wie gut erdverbundene (was immer man mit diesem Ausdruck wohl meint?) Gitarrenmusik sein kann.



U2

(Irland):
Gegründet 1977
Erste VÖ 1979
"U 2:3"-EP

Besetzung 1984:
Bono: voc
The Edge: guit, keys
Adam Clayton: b
Larry Mullen Jr.: dr
+
Brian Eno: instr
Daniel Lanois: instr


Link
October
Under a blood red sky
The joshua tree
All that you can't leave behind

Marillion: Fugazi
 

Marillion: Fugazi (45:57)

Fugazi darf im Jahre 1984 nicht fehlen!

Das habe ich mir auch gesagt und erwähne diese Platte hier, obwohl ich sie für die schwächste der alten Scheiben halte.

Aber natürlich ist sie trotzdem noch ziemlich toll.
Was mich etwas stört ist der komische Drumsound und auch sonst die Produktion. Sollte wohl irgendwie nach 80ern klingen. Merkwürdig eigentlich, weil man dies bei Script so nicht hören konnte. Außerdem sind die Songs von Fugazi größtenteils noch nicht so sehr live erprobt gewesen. Ganz anders als bei Script, wo die Stücke teilweise schon Jahre im Programm waren. Zwischen den Touren nach dem Debut mussten Marillion dann neue Stücke für Fugazi zusammen basteln.

Ich kann wiedermal dem Fan auch die Doppel-CD mit Demos auf der zweiten CD empfehlen. Sehr interessant ist auch die genaue Auflistung der Songwriter: vorher war ja einfach "by Marillion" oder die Namen aller Mitglieder zu lesen. Hier gibt's das etwas anders. Ian Mosley, der neue Drummer, hat nur zu Emerald lies und Fugazi einen Beitrag geleistet. Punch & Judy dagegen wurde mit Jonathan Mover zusammen komponiert, der auch mal als neuer Drummer im Gespräch war (und später bei GTR auftauchte). Die restlichen vier Songs sind den verbleibenden Bandmitgliedern zugeschrieben, was im Falle She chameleons wieder etwas seltsam ist, denn ich besitze einen Bootleg, der von 1982 stammen soll und dieses Stück live beinhaltet.

Nun gut. Grundsätzlich gibt's hier also aufwändigere, gitarren- und keyboardorientierte Musik. Assassing, Incubus und Fugazi sind echte Marillion-Klassiker, Punch & Judy als kürzerer Song auch irgendwie. Die Live-Versionen dieser Lieder sind wie gesagt etwas besser (siehe Real to reel), dennoch eine klasse Platte.

Ich begann meine Marillion-Exkursion ja mit der Thieving magpie. Als nächstes legte ich mir Misplaced childhood zu, da ich nicht raffte, dass diese komplett auf meiner Magpie schon drauf ist. Ich ging einfach danach welche CD die meisten Stücke hatte, und kaufte diese! (Clutching hatten sie wohl nicht.) So ein Unfug aber auch, wenn ich wenigstens nach der Spieldauer gegangen wäre! Gut dass das nicht meine Dauerregel für den CD-Kauf wurde, sonst hätte ich jetzt fast nur Punk-CDs.
Nach Misplaced kam dann aber Fugazi und ich erinnere mich noch genau, dass ich von Anfang an diesen blauen Hintergrund im Booklet und die Computerschrift nicht so sehr gelungen fand. Das Cover dagegen schon eher.

In der 11. oder 12. Klasse mussten wir mal (zum ca. vierten Mal in der Schullaufbahn) ein "Selbstdarstellungsbild" machen. Und ich weiss noch, dass der alte E. einfach das Fugazi-Cover komlett abzeichnete. Da musste der die Kunstlehrerin noch etwas belabern, bis sie das als "Selbstdarstellung" akzeptierte.
Ich dagegen machte eine Collage und fügte dabei ein kleine Fotokopie dieses Covers ein (eher als Bild einer meiner Lieblingsplatten und weniger wegen der dargestellten Szene). Diese Collage ist natürlich nicht wirklich gelungen und auch ein bisschen naiv, wie ich eben so damals war. Dafür ist sie zeichnerisch nicht so schlecht.
Das lag allerdings nicht an meinem Können, sondern an einem speziellen Trick, den ich zu der Zeit drauf hatte:

Ich tat im Unterricht so, als würde ich an meinen Bildern arbeiten, machte aber tatsächlich fast nix. Zuhause packte ich dann das Kohlepapier aus, und pauschte damit irgendwelche Zeichnungen ab. Die wurden dann noch etwas verfeinert und man konnte nicht mehr erkennen, dass es Kohlepapier war.
Allerdings war dies viel Arbeit und auch bei anderen Bildern saß ich stundenlang zuhause, um sie fertig zu kriegen. Wahnsinn, so ein Aufwand für die scheiss Kunstnote. Dafür bekam ich dann im allerbesten Fall eine 3+ für das Bild, normalerweise auch trotz ewigem Rumgezeichne nur eine 3- oder 4+. Letztendlich habe ich aber sogar Kunst im Abi eingebracht, weil ich durch die Klausuren noch eine ganz gute Endnote erhielt. In Textform labern konnte ich schon damals...

Erstaunlich an dieser CD ist, wie hoch Fish noch singen konnte und auch wie oft er eher schreit. Das hat er sich dann beides irgendwann abgewöhnt, wohl zur Schonung der Stimme. Vielleicht ist es auch gerade dies, was den Instrumenten im Vergleich zur Live-Version fehlt: die richtige Power. Obwohl - und ich wiederhole mich - die Platte trotzdem sehr gut ist. Solche Musik wurde so professionell 1984 von niemandem sonst gemacht und die Kompositionskunst befindet sich hier auf einem (noch etwas länger anhaltenden) Höhepunkt.


Stay alive and rock on,
Harvey
(6.2.03)

 

Marillion

(Schottland und England)
Gegründet 1978 als "Silmarillion"
Erste VÖ 1982 "Market square heroes"-EP

Besetzung 1984:
Fish: voc
Mark Kelly: keys
Ian Mosley: dr
Steve Rothery: guit
Pete Trevewas: b


Link
Market square heroes
Grendel
Script for a jester's tear
Forgotten sons
Real to reel
Misplaced childhood
Clutching at straws
The thieving magpie
Seasons end
Holidays in eden
Brave
Singles box vol.2
Marbles
Early stages

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: