|
|
|
Misfits: Bullet ep (Single,
7:09)
Die Misfits sind noch immer eine meiner Lieblings-Kult-Punk-Combos.
Wahrscheinlich finde ich die auch deshalb so gut,
weil ich niemand persönlich kenne, der/die ebenfalls
ein Fan ist.
|
Bullet war die zweite
Veröffentlichung der Misfits und sozusagen die
erste richtige (Cough/Cool war etwas seltsam). Der
Unterschied zu American psycho von der neuen Besetzung
ist gewaltig und dies liegt NICHT daran, dass bei jener Michale
Graves singt.
Nein, die Misfits starteten als ein sehr Rock'n'Roll
beeinflusste Punkkapelle und nahmen zudem unter sehr einfachen
Bedingungen auf. Es klingt nach Keller und viel mehr war es
auch nicht. Die ersten Singles erschienen in geringen Auflagen
(maximal 3000) und wurden von den Misfits eigenhändig
geklebt und eingetütet.
Do it yourself brüllte sogar Peter
Gabriel 1978 und das bei einem fast punkigen Song. Nebenbei:
wenn man sieht, wie jener PG 1974/75 auf der Lamb-Tour
aussah (nämlich kurze Anti-Frisur, Lederjacke und Kajal
unter den Augen), so könnte man ihn glatt als einen der
ersten Punks - zusammen mit Iggy
und ein paar anderen - bezeichnen.
Die vier Songs dieser EP
gibt's heute auf der Static age-CD. Es sind Bullet,
Attitude, We are 138 und Hollywood babylon. Allesamt
Extraklasse und sehr typisch für die Misfits bis
etwa 1980. Ab da wurd's
dann etwas schneller und die Horror Themen wurden intensiver.
Hier dagegen geht's noch um den Tod von JFK und Mensch-Roboter.
Kennengelernt habe ich die
Misfits etwa 1990. Meine Schwester hatte damals viele
wilde Freunde und nachdem die in unserem Wohnzimmer eine Saufsession
gemacht hatten, blieb eine LP liegen. Es war Walk among
us von den Misfits. Aus Neugierde legte ich sie
am nächsten Tag auf und... stellte erschrocken nach drei
Minuten wieder ab! Da waren schon zwei Lieder durch und ich
konnte gar nicht glauben, wie man so schnell und brutal spielen
kann. Fand ich total scheisse.
Nicht wesentlich später wurde ich ein Verehrer der ersten
Danzig-Platten und dadurch
erfuhr ich dann, dass eben dieser Glenn Danzig bei
den Misfits Sänger war.
Ich hörte mir Legacy of brutality an und fand's
ganz gut. Insbesondere She und Helloween hatten's
mir angetan. Dann kaufte ich einen Bootleg auf einer Plattenbörse.
Dort waren ein Konzert und diverse Demos drauf. Den Kram hörte
ich wieder und wieder. Da man die Misfits-CDs sehr
schlecht in Deutschland bekam und zudem alles durcheinander
war und nicht alle Songs zu bekommen waren, nutzte ich die
Chance die Misfits-Box zu erwerben.
Das war mal wieder ein Belohnung für eine bestandene
Prüfung und ich fand auch, dass sich so ein kleiner Sarg
im Wohnzimmer sehr gut macht - im Gegensatz zu diversen anderen
Leuten. In dieser Box sollten die kompletten Aufnahmen der
Misfits sein, jedenfalls hörte sich das auf dem
Aufkleber zur Box so an. Aber mal wieder alles Mumpitz: es
fehlen Mommy... (live), All hell... (studio)
und das ganz zufällig nur unwesentlich später aufgetauchte
In the doorway. Zusätzlich hat die zwar um einige
Songs ergänzte Liveaufnahme Evilive eine beschissene
Qualität (ich habe die deutsche 12" von 1983 und
die klingt wesentlich besser!). Wie man sich doch immer als
Fan verarschen lassen muss!
Ich hatte sogar mal meine Beschwerde mit einem Antrag auf
Mitgliedschaft an den Fiend Club geschickt. Als ich dann nach
Monaten noch keine Antwort hatte, bemühte ich mal wieder
das Internet und stellte fest, dass brandneu ein Mitgliedsbeitrag
für den Fied Club fällig war. Den hatte ich natürlich
nicht mitgeschickt und prompt bekam ich keine Antwort.
Ok, mal zur Musik. Die Gitarre
hat bei diesen Aufnahmenn einen recht ungewöhnlichen
Sound. Sie spielt die üblichen Akkorde, kommt dabei aber
besonders trocken und hart rüber. Dazu ein Schlagzeugspiel,
das gar nicht wirklich punkig ist und Jerry's wie immer geiles
Wummern am Bass. Glenn singt anders als man es von
seinen späteren Werken kennt: er schreit hier mehr, benutzt
weniger lange, kehlige Töne, als eher Lautstärke
um sich zu artikulieren. Dennoch wird jeder, der ihn kennt,
die Stimme sofort wieder erkennen. Von den vier Songs ist
Hollywood Babylon der langsamste, der auch am deutlichsten
im 50s/60s-Sound verwurzelt ist. We are 138 ist dagegen
das schnellste Stück und bietet ganz im Einklang mit
dem Text einen monotonen Rhythmus und die sich laufend wiederholende
Phrase "We are 138". Dieser Song wurde auf Evilive
von Henry Rollins unterstützt und dort in einer
härteren, moderneren Version gespielt. Ich finde aber
das Original auch sehr gelungen.
Ich vermute mal, dass die
alten Misfits heute eine Art Legende sind, hat tatsächlich
auch viel mit der Schwierigkeit, ihre Musik überhaupt
zu bekommen, zu tun. Und natürlich mit Danzigs
späterem Erfolg. Es gibt so viele Bootlegs, auf denen
Demos aber auch die regulären Veröffentlichungen
raubkopiert werden, dass es schon viel früher sinnvoll
gewesen wäre, diese Aufnahmen offiziell und geordnet
auf CD rauszubringen. Aber entweder ist der Danzig
zu stur oder mit anderen Dingen beschäftigt oder die
Plattenfirmen raffen's einfach nicht. Die inzwischen auch
nicht mehr ganz so neue Samhain-Box bietet ja zum Beispiel
nur sehr wenig interessantes Material (zudem noch sehr teuer)
und wird deshalb dem Kauf von Samhain-Bootlegs keinen
Einhalt gebieten. Schlecht gemacht, würde ich sagen.
(Samhain war Danzigs zweite Band vor Danzig
und nach den Misfits.)
|