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Max Webster: Mutiny up my sleeve
(38:10)
Während "Blue Öyster Cult" vor
allem in Amerika sehr erfolgreich waren und in England
und Deutschland gerade über einen Insider-Status
hinauskamen, beschränkte sich Max Webster's Erfolg
auf Kanada.
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Selbst die USA konnten sie
nie richtig erobern. In Kanada dagegen waren sie wie gesagt
recht erfolgreich, standen jedoch immer im Schatten von Rush.
Aber immerhin, sie verkauften ganz gut Platten, weit mehr
zum Beispiel als FM in den
70ern (die allerdings auch etwas mehr in die progressive Ecke
tendierten).
Wie das Cover schon vermuten lässt, war ein Mann aus
der Band solo noch weitaus erfolgreicher: Sänger und
Gitarrist Kim Mitchell. Jener wurde jedoch erst solo
aktiv, nachdem Max Webster sich getrennt hatten und
reichte dann in Kanada seine Platten über'n Tisch, als
wären das die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Daran
sieht man auch, dass das abgebildete Cover nicht die Erstauflage
sein kann, aber das stört uns nicht besonders, oder?
Kim Mitchell ist noch
heute aktiv und ein echter Rock'n'Roller. Er hat noch immer
lange Haare, obwohl er auf dem größten Teil des
Schädels kahl ist und wenn er ein neues Album rausbringt,
geht's erstmal monatelang auf Tour. Nach meiner Kenntnis sind
seine Soloalben von sehr unterschiedlicher Qualität.
Ja, wo ist denn nun der Max?
Spielt kein Instrument, was soll also der Bandname? Tja, Bandnamen
scheinen öfter mal ein Problem für die Gruppen zu
sein. Da kommt dann sowas raus wie No Use For A Name
oder Band Ohne Namen (spei!) oder A. In diesem
Fall haben die Jungs einfach das Telephonbuch aufgeschlagen
und irgendeinen Namen rausgesucht. Nicht gerade sehr geschickt,
wie ich meine, denn das Teil muss ja unter "M" einsortiert
werden, könnte aber gerne mal bei "W" landen
oder dort gesucht werden.
Wie kommt der Harvey zu diesem
relativ unbekannten Verein? Ja, ich sage mal, lest den ersten
Teil der Gentle Giant-Geschichte
(ein Kumpel mit E ...).
Es war diese Scheibe hier, die ich zuerst von MW kennen
lernte und die bis heute mein Favorit ist (wobei ich nur drei
der fünf Studioalben besitze). Beim ersten Hören
kein besonders auffälliges Werk. Ganz nett und von daher
auch wert, hin und wieder mal eingelegt zu werden, aber sonst...
Aber, die Platte wächst nach und nach. Insbesondere,
da ich mich für Musik der 70er interessiere.
Was bekommen wir geboten?
Wenn man Rush (70er!) kennt, so ist dies schon ein
guter Anhaltspunkt. Lassen wir deren Überlängesongs
weg und fügen etwas mehr verspielte Keyboards und eine
rotzigere Gitarre hinzu, so kommen wir in die Nähe von
Max Webster. Die Songs auf Mutiny up my sleeve
bewegen sich bis auf zwei Ausnahmen alle im drei oder vier
Minutenbereich. Sie bieten "Rock" mit einer Tendenz
zu Hardrock und langen Gitarrensoli, ohne jedoch im Schema
Strophe - Refrain - Strophe - Refrain usw. zu verharren. Viele
der Stücke sind recht innovativ, lassen jedes der Instrumente
(und hierzu gehört auch mal das Klavier wie bei den schönen
Balladen Astonish me und Water me down) Akzente
setzen. Bisweilen würde ich mir die Keyboards etwas leiser
wünschen, bei einigen Stücken ist dies aber auch
der Fall und es wird etwas flotter gerockt (The party,
mit leichtem Zappa-Anklang).
Deutlich erkennbar sind die Rock'n'Roll roots der Band: auf
großartige Effekte oder Studiotechnik wird verzichtet,
alles kann live nachgespielt werden und hat dabei oft einen
Groove, den man von Bands aus den 60ern kennt. Jeder einzelne
Songs ist recht simpel gestrickt, die Abwechslung liegt hier
- anders als bei BÖC - in der Unterschiedlichkeit
der Stücke und nicht in der Unterschiedlichkeit innerhalb
eines Stückes.
Dennoch sind einige Songs gar nichtmal so unähnlich zu
der Musik von BÖC. Aber: der Gesang ist wesentlich
sanfter, die Keyboards deutlicher und die Produktion spartanischer.
Hier ist außerdem nur eine Gitarre am Werk und (wie
erwähnt) es gibt auch mal ein richtiges Klavier.
So gesehen weisen Max
Webster eher zurück vom Ende der 70er zu deren Anfängen,
während BÖC vom Ende der 70er in die 80er
weisen (und für viele der aufkommenden Mainstream Hardrock-Combos
ein Einfluss waren).
Diese Woche war ich mal wieder
bei Saturn und wollte mir was Nettes kaufen. Auf meiner Liste
standen diverse aktuelle Releases, aber natürlich auch
eine Menge altes Zeug. Ergebnis war, dass die aktuellen Dinger
mir viel zu teuer waren (18.- und mehr) und altes Zeug gab
es entweder gar nicht oder es war ebenfalls unverschämt
teuer! I say fuck! Saturn kann mich mal.
Aber wo die CDs herkriegen? 2nd Hand-Läden und Flohmärkte
oder Plattenbörsen oder ebay haben den eindeutigen Nachteil,
dass es vieles auch gerade nicht gibt und man lange suchen
muss. Daher kaufe ich jetzt mehr als zuvor bei Amazon. Die
Auswahl ist ausgesprochen gut (viele der hier vorgestellten
Scheiben aus den 70ern kann man dort bekommen und zum Teil
sogar in die Stücke reinhören) und die Preise (auch
für neue Sachen) sind nicht superbillig aber akzeptabel.
Da werden Erinnerungen wach,
an die Zeit, als ich EINE CD im Monat gekauft habe (dann aber
für teuer)! Irgendwann am Anfang der Studienzeit hatte
ich mal Kohle und habe mir ein paar Monate lang neben den
inzwischen ca. zwei CDs pro Monat noch für DM 100.- extra
was gegönnt. Da gab es schon Leute, die meinten ich hätte
sie nicht mehr alle.
Inzwischen habe ich immer noch nicht sehr viel Kohle, gebe
allerdings auch weniger für Saufen und so diverse andere
Dinge aus als noch zu Studi-Zeiten. Wenn ich dann mal einen
nettes Geldgeschenk von 50-100 Euro bekomme, habe ich keine
Skrupel dies auch noch zusätzlich in Tonträger umzusetzen.
Auch mit dem Standard-Budget gebe ich weit weniger aus als
z.B. Glenn aus den USA. Aber verglichen mit Otto-Normal-Musikhörer
ist es natürlich unglaublich viel. Aber ich denke mir:
jeder hat halt ein Hobby, das Kosten verursacht. Andere motzen
ihr Auto auf oder kaufen wilde Sportgeräte. Ist es denn
"schlecht", die selbe Summe Geld für eine größere
Anzahl an "Kleinteilen" auszugeben?
Finde ich nicht, solange ich noch dazu komme, alles zu hören.
Da bei mir ständig Musik läuft ist das kein Problem.
Trotzdem nervt es mich, wenn mir Leute sagen ich würde
ja wohl spinnen mit meiner Tonträger-Sammelleidenschaft.
Ich habe Menschen kennen gelernt, die hatten schon mit 22
Jahren ca. 5000 Platten. Da bin ich harmlos dagegen. Und es
ist ja auch nicht so, dass ich nix anderes interssant fände.
Wenn ich mir bei manchen Band-Fanclubs die Leute so ansehe,
dann scheinen das doch ziemlich weltfremde Freaks zu sein.
Ich finde solche Freaks besser als irgendwelche Oberlangweiler,
aber noch besser ist es, wenn man auch andere Dinge kennt.
Und da halte ich mich für durchaus weltgewandter und
vorzeigbar. Ich laber auch nicht jedem 'ne Klinke ans Bein
mit meiner Musik. Wer das hier lesen will: schön, und
wer nicht, soll's eben lassen. Ich wette, 90 Prozent der Leute,
die mich nur flüchtig kennen, würden nicht mal vermuten,
dass ich ein Musik-Fan bin und solch eine Website hier mache.
Ok, nochmal kurze Selbstanalyse
zum Schluss, muss auch mal sein.
Max Webster sollte
man mal antesten und nächste Woche geht's dann endlich
mit den TOP 5 weiter. Weniger exotisch und teilweise bei Kenntnis
meiner bisherigen Hitlists auch schon vorhersehbar, werden
dort dann die fünf für mich wichtigsten Platten
des Jahres 78 gekrönt!
Bis dahin,
stay alive and rock on,
Harvey
(5.12.02)
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