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Hitlist
 




Keep on rockin': 1978


Blue Öyster Cult: Some enchanted evening
 

Blue Öyster Cult: Some enchanted evening (36:28)

Blue Öyster Cult machen gerne einen auf böse und hart.

In der besonders coolen Schreibweise fragen sie uns direkt zu Anfang dieser Liveplatte "R.U. Ready 2 rock"?

Im weiteren Verlauf hauen sie mit Kick out the jams (MC 5) so richtig auf die Kacke, um im Anschluss Godzilla freizulassen.
Hey, fast so böse wie Black Sabbath könnte man denken. Nun, BÖC wollten wohl auch ganz gerne die amerikanische Antwort auf Sabbath sein, scheitern aber gnadenlos.

Dennoch machten sie guten Rock. Ich würde sogar meinen, sie haben genug eigene Qualitäten, so dass sie den Vergleich oder die Kopie anderer Größen gar nicht brauchen.
Ich kenne nicht alle Alben von BÖC (insbesondere die späten nicht), sehe aber trotzdem, dass auf dieser Scheibe hier nur Hits vertreten sind. DAS BÖC-Lied Don't fear the reaper darf natürlich auch nicht fehlen.

Über diesen Song habe ich die Gruppe auch kennen gelernt und zwar über den Umweg Big Country. Jene coverten 1993 (Studio, kurz zuvor schon live) diesen Song in einer besonders guten Version und weckten so des Harveys Interesse. "A song we grew up with" sagte Stuart Adamson damals. Das ist interessant und ich versuchte auch sogleich Einflüsse von BÖC bei BC rauszuhören. Ich denke, an einigen Stellen lässt sich dies in Adamsons Gitarrenspiel durchaus wieder finden. Weniger, wenn er den Dudelsack imitiert, aber mehr wenn es etwas rockiger (wie zum Beispiel bei The buffalo skinners) zugeht.

BÖC sind Hardrock und dennoch nicht stumpf oder heftig, wie es die in der Einleitung genannten Songs und die Posen vermuten lassen könnten. Sie sind im Gegenteil sehr einfallsreich und haben auch Keyboards dabei. Das Repertoire dieses Mitschnitts reicht dann auch weiter als bis zu den schnellern Rockern R.U. Ready 2 rock und Kick out the jams, die zum Mitsingen anregen und gut abgehen. Jene beiden Songs zeichnen sich durch eindeutige 70ies-Gitarren und den energiegeladenen, gewaltigen Gesang, der nichtsdestotrotz kein Geschrei ist, aus.

Auf der anderen Seite stehen die sehr spannungsreichen Songs Astronomy und We gotta get out of this place (bekannt von den Animals) die ausufernde Soli und deutlich progressive und psychedelische Elemente zeigen, ohne dabei seicht oder verwässert zu klingen. Der Reaper dann wiederum ist eine fast-Ballade mit besonders hoher Melodiösität, ein Hit, der zurecht die Jahrzehnte überlebt hat.

Das Publikum ist bei dieser Aufnahme kaum zu hören und dennoch ist die Live-Atmosphäre spürbar. Die Musiker geben alles und auch die Ansagen lassen vermuten, dass die Zuschauer bestimmt ebenso schweisstreibend bei der Sache waren wie die Band.

Sucht man einen Überblick über BÖC vor 1978, so würde ich diese Platte allen Compilations vorziehen. Besser kann einfallsreicher, härterer 70er-Rock live nicht vorgetragen werden. Einziges Manko: zu kurz!!

Noch einmal der Vergleich zu Black Sabbath: BÖC sind weit weniger hart und böse als jene. Sie haben einen guten Sänger aber keinen Ozzy und sie haben einen guten Gitarristen aber nicht die Killer-Riffs des Tony Iommi. Andererseits haben sie weit mehr im Repertoire als dessen fünf bis sieben Riffs und sind auch in ihren Songs nicht so abhängig von der Gitarre. Und einige der Stücke haben einen gewissen Pop-Appeal, erzeugt durch nette Refrains oder ansprechende Melodien, wie er bei den alten Sabbath überhaupt nicht zu finden ist (Paranoid mit eingeschlossen). Also: doch ziemlich unsinnig, dieser Vergleich.





Blue Öyster Cult

(USA)
Hervorgegangen 1971 aus der "Stalk-Forrest Group"
Erste VÖ "Blue öyster cult"-LP 1972

Besetzung 1978:
Eric Bloom: voc, guit
Joe Bouchard: b
Allen Lanier: keys, guit
Albert Bouchard: dr
Buck Dharma: guit


Link
Don't fear the reaper

Anspieltipp:


Max Webster: Mutiny up my sleeve
 

Max Webster: Mutiny up my sleeve (38:10)

Während "Blue Öyster Cult" vor allem in Amerika sehr erfolgreich waren und in England und Deutschland gerade über einen Insider-Status hinauskamen, beschränkte sich Max Webster's Erfolg auf Kanada.

Selbst die USA konnten sie nie richtig erobern. In Kanada dagegen waren sie wie gesagt recht erfolgreich, standen jedoch immer im Schatten von Rush. Aber immerhin, sie verkauften ganz gut Platten, weit mehr zum Beispiel als FM in den 70ern (die allerdings auch etwas mehr in die progressive Ecke tendierten).
Wie das Cover schon vermuten lässt, war ein Mann aus der Band solo noch weitaus erfolgreicher: Sänger und Gitarrist Kim Mitchell. Jener wurde jedoch erst solo aktiv, nachdem Max Webster sich getrennt hatten und reichte dann in Kanada seine Platten über'n Tisch, als wären das die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Daran sieht man auch, dass das abgebildete Cover nicht die Erstauflage sein kann, aber das stört uns nicht besonders, oder?

Kim Mitchell ist noch heute aktiv und ein echter Rock'n'Roller. Er hat noch immer lange Haare, obwohl er auf dem größten Teil des Schädels kahl ist und wenn er ein neues Album rausbringt, geht's erstmal monatelang auf Tour. Nach meiner Kenntnis sind seine Soloalben von sehr unterschiedlicher Qualität.

Ja, wo ist denn nun der Max? Spielt kein Instrument, was soll also der Bandname? Tja, Bandnamen scheinen öfter mal ein Problem für die Gruppen zu sein. Da kommt dann sowas raus wie No Use For A Name oder Band Ohne Namen (spei!) oder A. In diesem Fall haben die Jungs einfach das Telephonbuch aufgeschlagen und irgendeinen Namen rausgesucht. Nicht gerade sehr geschickt, wie ich meine, denn das Teil muss ja unter "M" einsortiert werden, könnte aber gerne mal bei "W" landen oder dort gesucht werden.

Wie kommt der Harvey zu diesem relativ unbekannten Verein? Ja, ich sage mal, lest den ersten Teil der Gentle Giant-Geschichte (ein Kumpel mit E ...).
Es war diese Scheibe hier, die ich zuerst von MW kennen lernte und die bis heute mein Favorit ist (wobei ich nur drei der fünf Studioalben besitze). Beim ersten Hören kein besonders auffälliges Werk. Ganz nett und von daher auch wert, hin und wieder mal eingelegt zu werden, aber sonst... Aber, die Platte wächst nach und nach. Insbesondere, da ich mich für Musik der 70er interessiere.

Was bekommen wir geboten? Wenn man Rush (70er!) kennt, so ist dies schon ein guter Anhaltspunkt. Lassen wir deren Überlängesongs weg und fügen etwas mehr verspielte Keyboards und eine rotzigere Gitarre hinzu, so kommen wir in die Nähe von Max Webster. Die Songs auf Mutiny up my sleeve bewegen sich bis auf zwei Ausnahmen alle im drei oder vier Minutenbereich. Sie bieten "Rock" mit einer Tendenz zu Hardrock und langen Gitarrensoli, ohne jedoch im Schema Strophe - Refrain - Strophe - Refrain usw. zu verharren. Viele der Stücke sind recht innovativ, lassen jedes der Instrumente (und hierzu gehört auch mal das Klavier wie bei den schönen Balladen Astonish me und Water me down) Akzente setzen. Bisweilen würde ich mir die Keyboards etwas leiser wünschen, bei einigen Stücken ist dies aber auch der Fall und es wird etwas flotter gerockt (The party, mit leichtem Zappa-Anklang).
Deutlich erkennbar sind die Rock'n'Roll roots der Band: auf großartige Effekte oder Studiotechnik wird verzichtet, alles kann live nachgespielt werden und hat dabei oft einen Groove, den man von Bands aus den 60ern kennt. Jeder einzelne Songs ist recht simpel gestrickt, die Abwechslung liegt hier - anders als bei BÖC - in der Unterschiedlichkeit der Stücke und nicht in der Unterschiedlichkeit innerhalb eines Stückes.
Dennoch sind einige Songs gar nichtmal so unähnlich zu der Musik von BÖC. Aber: der Gesang ist wesentlich sanfter, die Keyboards deutlicher und die Produktion spartanischer. Hier ist außerdem nur eine Gitarre am Werk und (wie erwähnt) es gibt auch mal ein richtiges Klavier.

So gesehen weisen Max Webster eher zurück vom Ende der 70er zu deren Anfängen, während BÖC vom Ende der 70er in die 80er weisen (und für viele der aufkommenden Mainstream Hardrock-Combos ein Einfluss waren).

Diese Woche war ich mal wieder bei Saturn und wollte mir was Nettes kaufen. Auf meiner Liste standen diverse aktuelle Releases, aber natürlich auch eine Menge altes Zeug. Ergebnis war, dass die aktuellen Dinger mir viel zu teuer waren (18.- und mehr) und altes Zeug gab es entweder gar nicht oder es war ebenfalls unverschämt teuer! I say fuck! Saturn kann mich mal.
Aber wo die CDs herkriegen? 2nd Hand-Läden und Flohmärkte oder Plattenbörsen oder ebay haben den eindeutigen Nachteil, dass es vieles auch gerade nicht gibt und man lange suchen muss. Daher kaufe ich jetzt mehr als zuvor bei Amazon. Die Auswahl ist ausgesprochen gut (viele der hier vorgestellten Scheiben aus den 70ern kann man dort bekommen und zum Teil sogar in die Stücke reinhören) und die Preise (auch für neue Sachen) sind nicht superbillig aber akzeptabel.

Da werden Erinnerungen wach, an die Zeit, als ich EINE CD im Monat gekauft habe (dann aber für teuer)! Irgendwann am Anfang der Studienzeit hatte ich mal Kohle und habe mir ein paar Monate lang neben den inzwischen ca. zwei CDs pro Monat noch für DM 100.- extra was gegönnt. Da gab es schon Leute, die meinten ich hätte sie nicht mehr alle.
Inzwischen habe ich immer noch nicht sehr viel Kohle, gebe allerdings auch weniger für Saufen und so diverse andere Dinge aus als noch zu Studi-Zeiten. Wenn ich dann mal einen nettes Geldgeschenk von 50-100 Euro bekomme, habe ich keine Skrupel dies auch noch zusätzlich in Tonträger umzusetzen.
Auch mit dem Standard-Budget gebe ich weit weniger aus als z.B. Glenn aus den USA. Aber verglichen mit Otto-Normal-Musikhörer ist es natürlich unglaublich viel. Aber ich denke mir: jeder hat halt ein Hobby, das Kosten verursacht. Andere motzen ihr Auto auf oder kaufen wilde Sportgeräte. Ist es denn "schlecht", die selbe Summe Geld für eine größere Anzahl an "Kleinteilen" auszugeben?
Finde ich nicht, solange ich noch dazu komme, alles zu hören. Da bei mir ständig Musik läuft ist das kein Problem. Trotzdem nervt es mich, wenn mir Leute sagen ich würde ja wohl spinnen mit meiner Tonträger-Sammelleidenschaft.
Ich habe Menschen kennen gelernt, die hatten schon mit 22 Jahren ca. 5000 Platten. Da bin ich harmlos dagegen. Und es ist ja auch nicht so, dass ich nix anderes interssant fände. Wenn ich mir bei manchen Band-Fanclubs die Leute so ansehe, dann scheinen das doch ziemlich weltfremde Freaks zu sein. Ich finde solche Freaks besser als irgendwelche Oberlangweiler, aber noch besser ist es, wenn man auch andere Dinge kennt. Und da halte ich mich für durchaus weltgewandter und vorzeigbar. Ich laber auch nicht jedem 'ne Klinke ans Bein mit meiner Musik. Wer das hier lesen will: schön, und wer nicht, soll's eben lassen. Ich wette, 90 Prozent der Leute, die mich nur flüchtig kennen, würden nicht mal vermuten, dass ich ein Musik-Fan bin und solch eine Website hier mache.

Ok, nochmal kurze Selbstanalyse zum Schluss, muss auch mal sein.

Max Webster sollte man mal antesten und nächste Woche geht's dann endlich mit den TOP 5 weiter. Weniger exotisch und teilweise bei Kenntnis meiner bisherigen Hitlists auch schon vorhersehbar, werden dort dann die fünf für mich wichtigsten Platten des Jahres 78 gekrönt!
Bis dahin,


stay alive and rock on,
Harvey
(5.12.02)

 

Max Webster

(Kanada)
Gegründet 1973
Erste VÖ 1976 "Max Webster"-LP
Aufgelöst 1981, Reunion-Konzerte in den 90ern

Besetzung 1978:
Kim Mitchell: voc, guit
Gary McCracken: dr
Mike Tilka: b
Terry Watkinson: keys
Pye Dubois: lyrics



Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: