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Wie unterschiedlich die Cover sein können.
Auch hier sind die vier Protagonisten dargestellt
und im Vergleich zu Rainbow (Platz 5) erkennt
man sofort:
Es geht UK nicht primär um's rocken, sondern
eher um Kunst.
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Uäh, Kunstrock! Kann
man durchaus denken. Ist auch nicht so abwegig, denn das hat
etwas von "künstlich" und gerade ich kann es
sehr gut nachvollziehen, wenn jemand nicht auf künstliche
Musik abfährt.
Aber: so künstlich sind
UK nicht und Kunstrock trifft es auch vom Begriff her
nicht ganz. Progressive Rock könnte man sagen, muss sich
aber die symphonischen und tief in den 70ern verwurzelten
Elemente vieler Bands dieser Richtung wegdenken. UK
klingen nach modernem Progressive, soll bedeuten: sie verharren
nicht in alten Klischees und sie werfen diverse Elektronik
an, die 1978 sicher noch in den Kinderschuhen
steckte.
Aber vorsicht, es ist keine
elektronische Musik. Dominante Instrumente sind Schlagzeug
und Bass. Jo, die beiden entsprechenden Musiker bilden ja
auch schon mindestens die Hälfte der zwei Jahre vorher
aufgelösten King Crimson.
Dass wir es aber nicht mit Crimson ohne Robert
Fripp zu tun haben, dafür sorgen die anderen beiden
Musiker. Zum einen Holdsworth (der mal bei Gong
und Soft Machine war), dessen Gitarre wenig mit Fripp
gemeinsam hat, eher spartanisch aber dennoch gelungen daher
kommt und zum anderen Eddie Jobson. Dieser haut nicht nur
auf den Keyboards rum (hin und wieder leider auch etwas nervig),
sondern betätigt auch noch die ziemlich feine E-Violine.
Was man damit für verrückte Sachen machen kann,
hat zwar auch David Cross
bei King Crimson schon gezeigt, hier geht's aber noch
besonders spacig zur Sache. Dazu das besagte Elektronik-Wabern
und -Fiepen und wir haben eine aufgepeppte Version des alten
Progressive Rock vom Anfang der 70er.
Diese UK-Platte war
eine meiner allerersten Erwerbungen aus den LP-Wühlkisten
der Plattenbörsen. Um meinen musikalischen Horizont kostengünstig
zu erweitern, hatte ich beschlossen, fortan eifrig LPs für
billig zu erstehen und zwar alles, was auch nur entfernt interessant
sein könnte. Bill Bruford war ein bei mir sehr
angesehener Drummer, da er nicht nur bei den geschätzen
Yes zugange gewesen war, sondern
vor allem auch ein kurzes Gastspiel bei den noch viel mehr
geschätzten Genesis aufweisen
konnte. In seiner Diskographie konnte ich von der Existenz
von UK erfahren. Diese LP gab es dann also für
zwei oder drei DM und ich fand sie zunächst nur "ganz
nett". Allerdings war ich zu der Zeit auch noch kein
besonderer Fan der King Crimson Ära 72-75 sowie
von John Wetton. Erst als
dies sich entwickelte, legte ich die Platte mal wieder öfter
auf und insbesondere die Liveversionen einiger Songs, die
von John Wetton solo dargeboten werden, führten
zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit der Musik von
UK.
Deswegen also das Fazit schonmal
vorweg: jeder der King Crimson mit Wetton und
Bruford gut findet, ist auch hier richtig. Einziges
kleines Manko wie gesagt, die an einigen Stellen etwas übertriebenen
Keyboards.
Im einzelnen: wir starten mit In the dead of night,
dem längsten und sehr abwechslungsreichen Stück.
Hier kommt vor allem Wetton - sowohl als Bassspieler
als auch als Sänger - voll zur Geltung. Eingängige
Passagen wechseln sich mit eigenartigen Passagen ab, die Violine
hält sich meistens im Hintergrund, die Gitarre fräst
öfter mal ganz nett.
Thirty years dagegen ist ein Song für Jobson und
Bruford. Neben Keyboards und ausufernden Violinen (manchmal
etwas zu laut) gibt es ein famoses Schlagzeugspiel mit mächtig
vielen Breaks. Hier hätte ich ganz gerne etwas mehr Gitarren
gehört, aber trotzdem gut.
Die erste Seite ist auch
schon vorbei. Ein 13-Minuten-Song und ein Achtminüter
- da kommen die Longsongfetischisten auf ihre Kosten! Klingt
fast wie irgendwas Versautes, aber nein! ich habe nicht Longdongfetischisten
geschrieben!
Auf die Seite 2 passen dann
sogar vier Stücke.
Alaska ist ein atmosphärisch beginnendes Stück,
das erst nach zwei Minuten überhaupt die üblichen
Rockinstrumente hören lässt. Wieder etwas viel Keyboards
aber ansonsten wird hier gut abgerockt - hohe Spielkunst inklusive.
Dabei erinnert mich das Knistern daran, dass ich vielleicht
doch mal die CD anschaffen sollte.
Die ganze Sache geht direkt in Time to kill über.
Hier meine ich deutlichere Klassik-Einflüsse rauszuhören,
was möglicherweise auch noch an anderen Stellen des Longplayers
der Fall ist. Und wieder ein sehr cooler Bass.
Nevermore ist mein Favorit, wenn man mal von In
the dead of night absieht. Der Song ist weniger abgefahren,
eher "klassisch" und wartet mit besonders intensivem
Gesang von John Wetton auf. Wer meine Texte hier verfolgt
mag es schon geahnt haben: jetzt ist endlich mal der Moment
für eine John Wetton Lobhudelei gekommen!
John du bist super!
Wer nicht weiss, wer John Wetton überhaupt ist,
rufe sich kurz den Hit Heat of the moment vom Anfang
der 80er von Asia ins Gedächtnis,
dort singt Wetton ebenfalls. Die erste Asia
empfehle ich übrigens auch wärmstens jedem, der
poppigeren und hittigen 80er Gitarre-Keyboard-Rock mag.
Es gibt den Schlussakt: Mental medication. Ist das
wirklich nötig, nach den vorherigen fünf Songs?
Ich glaube eigentlich nicht. Ich meine, wer dreißig
Jahre nachts tot ist und dann auch noch in Alaska Leute umbringt,
der braucht niemalsmehr mentale Medizin. Da ist alles zu spät.
Hach, sind wir wieder wortwitzisch heute.
Ok, also dieses letzte Stück ist in meinen Ohren glatt
bei King Crimson abgekupfert (irgendein Song von Starless
and bible black), wenn man mal davon absieht, dass die
Instrumentierung halt eine andere ist. Ausserdem etwas hastig
gespielt, stellenweise auch ganz toll, aber insgesamt nicht
das Highlight der Platte.
Summa sumarum haben wir also
eine Platte, die sicher neue Zeichen setzte für den Progressive
Rock 1978. Dennoch blieb sie ziemlich unbeachtet, wurde unter
Punk und der nicht so sehr leichten Zugänglichkeit begraben.
Was man hier hört sind trotzdem einige großartige
Momente und ein paar mittelmäßige Momente... und
natürlich Mister John Wetton!!!
Tanzflächen-geeignet
ist das natürlich überhaupt nicht. Trotzdem: ich
persönlich fänd' es richtig fein mal sowas in Discos
zu hören. Aber ich hab' ja auch früher zu Script
for a jester's tear getanzt.
Grundsätzlich kann man ja zu ALLEM abrocken. Einzige
Bedingung: Gehirn möglichst vollständig abschalten.
Dann nämlich kommt der Rhythmus durch die Ohren ungehindert
direkt zum Rückenmark, wo nur noch die Zappelnerven angeregt
werden müssen.
Wie kann man also diesen Zustand erreichen? Nun, da gibt's
natürlich Leute, die befinden sich immer in jenem. Toll,
tanzen ohne Ende! Da ist man gut bei so mega-langen Trance-Sessions
aufgehoben.
Alle anderen müssen nachhelfen und das geht nur mit Drogen.
Oder Rauschgift. Was ist
eigentlich der Unterschied? Meine Mutter sagte jedenfalls
immer "Rauschgift" statt "Drogen" und
der Begriff weckt ja sogleich die Assoziation Rausch = Gift.
Fuck it! So eine Kacke.
Ich jedenfalls find Rausch gut. Und da braucht man gar nicht
mal Gift dazu. Man kann sich auch in einen Rausch tippen,
welsvdsklnbvfjkhrkgreolkhghiu4rgziufewuirfhgr, uahh, dreh
ab...
Also was das Abrocken unter
vorheriger Verwendung der Gehirnausschaltungsutensilien angeht,
so habe ich an anderer Stelle schonmal was dazu gesagt. Aber
hier muss ich nochmal was beichten: ich habe so gehirnlos
schonmal zu Rammstein gerockt! Bäh!
Unrein, Sünder, blöde Hackfresse - jawoll, bin ich
alles.
Will man ohne Gehirnverlust
tanzen, so hat man es oft schwer, denn vielfach läuft
dauernd Scheissmucke in den Discos. Progressive geht schonmal
gar nicht und meine herbei gesehnte reine Punkdisco habe ich
auch noch nicht gefunden. Ich kannte zwar mal einen Laden,
wo nur Punk gemischt mit Garage Rock und dreckigem Rock'n'Roll
gespielt wurde, aber leider war der so schlecht besucht, dass
immer nur drei Leute am rocken waren und die Aktion irgendwann
nicht mehr stattfand.
Ne Zeitlang dachte ich mal:
DJ sein wär total genial! Da könnte man bestimmen
was laufen soll, super, nur die Lieblingslieder natürlich!
Aber so ist es natürlich nicht. Sogar im Gegenteil: außer
bei so speziellen Themenparties muss der DJ natürlich
das spielen, was die Menge, d.h. die Mehrheit der Anwesenden,
zum Kochen bringt. Und wenn die Menge scheisse is' und blöde
Musik hören will, dann muss er eben das auflegen. Mit
anderen Worten: der DJ prostituiert sich total.
Abgesehen davon, muss der
arme DJ (und ich sage DER, weil ich noch nie eine Frau als
DJ gesehen habe) bis 5 Uhr aufbleiben, ohne dabei Saufen zu
können. Und wenn mal ein gutes Lied kommt, darf er auch
nicht tanzen, denn er muss ganz wichtig mit zwei Kopfhörern
gleichzeitig die nächsten Songs antesten!
Dabei gibt's doch inzwischen für jede Stilrichtung 'ne
aktuelle Compilation und die unterscheidet sich tatsächlich
nicht so sehr von dem, was dann gespielt wird.
Naja, also DJ = Mistjob. Kann man mal aus Spass auf 'ner Privatparty
machen, gerne. Aber nicht 'ne silberne Hochzeit oder so (hab'
ich auch gar nicht die Platten dafür)! Wenn man so mit
Freunden unter sich ist, dann weiss man ja auch ganz gut,
was die gerne hören und wo's da Schnittmengen mit dem
eigenen Geschmack gibt. Da braucht man dann nicht unbedingt
Robbie Williams reinlegen (auch wenn das sicher viele
gut finden), es gibt genügend Alternativen.
Aber letztlich muss ich sagen,
musikmässig habe ich doch am meisten Spaß wenn
ich ganz alleine bin. Denn je nach Stimmung gibt es unterschiedliche
Favoriten und ausserdem: wer hört schon so eine "wilde"
Mischung? Andererseits kann ich gut auch mal ein bis mehrere
Abende mit nur einem Ausschnitt meines Spektrums leben und
von daher gibt's doch Freunde und Parties, die auch musikmässig
sehr geil passen können.
Ich erinnere mich noch gerne an Silvester 199?, als Carsten
und ich so ca. 1,5 Bad Religion
Platten komplett durchlaufen ließen (aber nicht New
America oder sowas, sondern No
control oder dergleichen!) und dabei am pogen waren wie
die Irren.
Oder dieses Jahr Weihnachten.
Wie, eben mal hellsehen (Fachausdruck: Präkognition)?
Nein, kann ich nicht.
Aber ich weiss schon, dass der Erwin und der Harvey auch dieses
Jahr an Weihnachten wieder neue und alte exzellente Musik
reinwerfen werden, während reichlich der Glühwein
geschüttet wird.
Das löst doch eine wunderbare Vorfreude auf die Feier
zur Geburt des Jesuskindes aus!
Stay alive and rock on,
Harvey
(19.12.02)
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