Nicht, dass ich bei Terminen häufig zu
spät da bin.
Allerdings bei Trends und Entwicklungen, da kriege
ich oft erst was von mit, wenn die schon fast
vorbei sind.
So auch hier: 80s Boom schon
wieder am abklingen, da kommt der Harvey mit 'ner 80s Hitlist
um die Ecke.
Aber das hat natürlich auch gar nix mit dem Boom zu tun.
Ich wollte einfach mal etwas von den noch relativ aktuellen
Releases wegkommen.
15 Jahre ist es her, dass
1987 war. Ist man heute Jugendlicher, so sind Platten aus
dieser Zeit natürlich Oldies. So waren ja auch für
mich damals Platten aus den 70ern Oldies. Allerdings gab es
in den 80ern nicht wirklich einen 70er oder gar 60er Hype.
Nur ein paar Alternative und Rocker hörten solch alte
Musik.
Jetzt sind die 80er "in"
und überall stapeln sich die Compilations. Ein Bekannter
von mir hat mehrere Jahre lang alle 80s Hits, die er so bekommen
konnte gesammelt, um dann hinterher ca. 10-15 Mix-CDs draus
zu machen.
80s Partys gibt's inzwischen in jeder Kackdisco. Ich wunder
mich allerdings, wie man dazu abhotten kann, wenn's nicht
die eigene Vergangenheit ist. Hat die NDW (und das läuft
ja hauptsächlich auf 80s Partys) denn auch dem Neuling
so viel zu bieten?
Naja, NDW habe ich ziemlich verpasst. Trio
habe ich noch gerade mitbekommen und die Spider Murphy
Gang. Im Musikunterricht mussten wir dauernd Fred vom
Jupiter singen - hass!
Da werde ich gefragt, wie das denn mit den Punks in den 80ern
war. Tja, weiss ich auch nicht. Bei uns gab's keine.
Na gut, einen.
Einen Punk habe ich damals als kleiner Pöks mal bei uns
in der Kleinstadt gesehen. Ich glaube er hatte 'ne Frisur
wie der Ziege bei der WM und Springerstiefel an. Er
ging auf das Gymnasium, auf das ich auch gerade gekommen war.
Und der ganze Ort sprach über ihn. Joa, sowas ist da
gleich 'n Riesenthema. Später, als ich mal mit wilden
Haaren und zerrissenen Klamotten rumlief meinten auch manche
Leute, ich würde ziemlich auffallen. Das ist ja dabei
grundsätzlich auch beabsichtigt, aber es ärgert
dann doch, dass die Leute sich darüber den Mund zerreissen.
Punks gabs also nicht. War
das 80/81/82
mal anders? Ich weiss es nicht. Popper hingegen gab's reichlich
bei uns, die ganzen 80er über. Weisse Tennissocken hatte
ich auch, allerdings hörte es da schon wieder auf, denn
ich war ziemlich fernab jeder Modetrends als Jugendlicher.
Ich hätte es wahrscheinlich nicht geschafft, wie ein
echter Popper auszusehen, selbst wenn ich gewollt hätte.
Aber ich fand Popper scheisse.
Das war tatsächlich damals noch so die Rede "Scheiss
Popper". Wir sprachen auch immer von "Popperdiscos"
und da gab es viele von auf dem Land. Graben und gegraben
werden. Hat sich vermutlich nicht sehr geändert bis heute.
1987 war ein aufregendes
Jahr für mich. Ich machte mein Rollenspiel-Fanzine und
konnte dabei erstmals etwas schreiben, das auch andere Leute
lasen.
In der Schule hatte ich arge Probleme. Nicht, weil die Noten
so schlecht waren, sondern weil ich mit Leistungsdruck, ätzenden
Lehrern und dem Außenseiter-Sein nicht klarkam. Es gab
eine Klassenfahrt, die spannend war. Sehr spannend war auch,
dass ich nach der Klassenfahrt zum ersten Mal verliebt war.
Ich hatte keine Chancen, aber ich war monatelang völlig
weggetreten. Was mich aber nicht daran hinderte, im Urlaub
wie von einem Magneten gezogen irgendwelchen Schnitten in
schnittigen Bikinis hinterher zu laufen. Auf einmal gab es
zwei deutlich verschiedene Geschlechter!
Nebenbei schrieb ich noch Internatsgeschichten. Ich wollte
immer mit den Jungens von Burg Schreckenstein zusammen
leben, vor allem weil ich meine Schule/Klasse unangenehm fand.
Das ging nicht, also erschuf ich mein eigenes Internat und
erzählt vom Protagonisten "Daniel Saller",
der mir zufälligerweise nicht ganz unähnlich war.
Ich habe die damals entstandenen 20-30 (getippten!) Seiten
noch heute und sie sind echt grottig!
Musik gab es auch, und zwar
nicht zu knapp. Ich hatte meine Anlage neu und kaufte mir
immer mal wieder eine nette LP. Vorhin habe ich meine Tonträgerliste
durchgesehen und - puuh - da waren ja Sachen dabei! Bad
von Michael Jackson z.B. fand ich super. Löst
noch heute Erinnerungen aus, so oft habe ich das Teil gehört.
Und, das muss man ja eingestehen, diese Platte war wirklich
eine sehr gut gemachte Popscheibe mit reihenweise Hits. Wenn
der Kerl nur nicht so scheisse wäre, könnte man
ja vielleicht sogar noch dazu stehen, das gut zu finden.
Dann legte ich mir Whitney Husten zu, Jennifer Rush
(brech!) und Starship (das geht ja noch, wenn man nicht
gerade den Vergleich zu Jefferson Airplane zieht) und
auch einige Heavy-Scheiben. Ausserdem leistete ich mir meine
first ever Maxi-Single: Depeche
Mode mit Never let me down again. Jetzt könnt'
ihr sagen, ha - hat er mal Geschmack bewiesen. Stimmt allerdings
nicht: ich finde DM bis heute völlig uninteressant
und kaufte mir das Teil damals nur, weil meine Angebetete
ein Fan war. Hat sie glaube ich nicht mal mitbekommen. (Unsinn
eigentlich: wenn schon imponieren wollen, dann aber wenigstens
ordentlich den Lauten machen! Aber leider konnte ich in ihrer
Gegenwart nicht mal einen Pieps sagen.)
Man merkt, da hatte auch
das Radio 1987 einen deutlichen Einfluss bei mir. Zu der Zeit
habe ich auch noch Mixtapes aus dem Radio zusammen gestellt.
Allerdings haben die nicht bis heute überlebt (habe auch
viel überspielt). Die meisten Hits, die ich in den kommenden
Wochen vorstellen werde, wurden folglich erst ein oder mehr
Jahre später von mir entdeckt. Aber nicht alle! So richtig
typischen 80s-Pop habe ich allerdings nie gehört.
Vielleicht werde ich nicht 10 Plätze füllen, damit
es etwas flotter voran geht. Bei der Hitlist 1995
wurden ja letztlich 17 Tonträger vorgestellt, etwas viel
wie ich finde.
Und zum Abschluss noch das wichtige Textzitat:
I woke me up from a sleepless
night
And stopped myself from thinking too much
And I walked outside
An afterthought of a day we shared
Shook me off the rails
To the very centre of my soul
Set me up for sale
Set me wondering...
Hitlist: [hit-list]
engl.-amerik.; ergibt sich aus hit und list
Hit:
Hit: [hit] engl.-amerik.;
Schlag m; (Seiten)Hieb m; Glücksfall
m; Treffer m; thea., (Musik-Bizz)
Schlager: ein Song, der nicht zwingend gut sein
muss, aber sehr populär ist.
List:
List:
[list] engl.-amerik.; Liste f, Ver-
zeichnis n; Auflistung: besonders Männer
neigen dazu Ranglisten zu erstellen. Zum einen gibt
es ihrem Fetisch einen gewissen wissenschaftlichen
Anstrich, zum zweiten läßt sich herrlich
darüber diskutieren.
Anspieltipp:
Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen
Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen-
erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der
statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen
Gesetzen.