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Ramones: Halfway to sanity
(1987, 30:14)
Bestimmt man die Wichtigkeit der Ramones-Platten
dadurch, dass man die Anzahl der Lieder, die in den
90ern noch live dargeboten wurden zählt, so gibt's
hier nur einen Punkt:
I wanna live
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Mit drauf ist aber auch
noch Bop til you drop, welches auch recht bekannt ist
(früher sogar in meiner Stammdisco gespielt wurde).
Ansonsten nix bekanntes und
trotzdem eine ausgezeichnete Platte. Hier wird eine schöne
Mischung aus langsamen Stücken (DIE Punkschnulze zum
Abschied: Bye bye baby), extrem schnellen Songs (I'm
not Jesus wird geradezu runtergeprügelt) und einer
großen Anzahl Songs in mittlerer Geschwindigkeit. Dabei
gibt's wie immer schöne Melodien, keinerlei Solos und
selten dezente (aber passende) Keyboards. Insgesamt ist Halfway
to sanity deutlich rotziger ausgefallen, als der Vorgänger
Animal boy, es scheint mir sogar ein leichter Metal-Einfluss
da zu sein.
Am wenigsten gefallen mir dabei I lost my mind und
Worm man. Diese beiden Songs wirken etwas lieblos und
sind eher als Lückenfüller zu betrachten. Dafür
ist der Rest ohne Makel und sowieso lohnt sich der Kauf dieser
CD schon wegen der beiden anfangs genannten Hits. Allerdings
ist anzunehmen, dass auch diese CD demnächst wiederveröffentlicht
wird und dabei diverse Bonustracks enthält, weswegen
man vielleicht noch ein paar Monate warten sollte.
Als ich die Ramones
kennen lernte, war es für mich geradezu unfassbar, wie
man so kurze Songs spielen konnte. Insbesondere wenn man Suppers
Ready und Grendel
liebt, ist dies die Antithese jener Langsongs. Aber das war
nicht das einzige, was mich an dieser Musik verwunderte.
Ich fand sie auch ausgesprochen hart. Obwohl ich das von heutiger
Sicht aus nicht mehr sagen würde, denn inzwischen habe
ich auch CDs mit brutalem Hardcore und auch wenn ich keinen
Trash und Death Metal höre, so habe ich doch schonmal
wahrgenommen, wie sich sowas anhört. Damals war ich der
Meinung gewesen, meine Metal Bands seien extrem heftig und
musste feststellen, dass Punk Rock auf eine andere Art noch
heftiger war.
Die Leute bei mir in der Schule, die solche Musik hörten,
waren RICHTIGE Außenseiter. Dagegen waren die Hardrock-Freunde
nur in punkto ihres Musikgeschmacks Außenseiter, ansonsten
waren sie voll akzeptiert.
Allerdings finde ich es wirklich erstaunlich, wie wenig Verständnis
da so für Metal herrschte. Es gab Leute, die konnten
Sermonen ablassen, wie man denn so ein Zeug hören konnte.
Das passierte den Punkleuten nicht, denn mit denen unterhielten
sich die Normalen gar nicht erst. Die Punk Leute bei mir an
der Stufe, die natürlich auch andere alternative Mucke
hörten (v.a. Velvet Unterground,
Pixies, Sisters
usw.) waren nur ein kleines Grüppchen. Mögen so
fünf bis zehn Leute in der gesamten Oberstufe gewesen
sein, die vor allem im Aufenthaltsraum durch ihre Musik und
ihre Kleidung auffielen. Das bot reichlich Stoff zum Ablästern
und ich muss zugeben, dass ich auch eifrig mitlästerte,
bevor ich die Leute kannte. Ich war der Meinung, die wären
planlos und hätten seltsame Frisuren. Dass sie eher links
waren, war für mich kein Grund zum lästern, jedoch
für viele andere ("scheiss Ökos!"). Aber
die Alternativen hatten ein dickes Fell und fühlten sich
vermutlich durch diese Sprüche nur bestätigt.
Das ist ja das schöne als Außenseiter, daß
man sich mit anderen Außenseitern zusammen tun kann.
Wenn man da die richtigen und genügend viele findet und
dann zusammen etwas mehr Selbstbewusstsein entwickelt, kann
man sich gegenüber den "Innenseitern" emanzipieren
und ist nicht länger Außenseiter. Man kann es sogar
so weit treiben, dass man fortan immer wenn eine zahlenmäßige
Überlegenheit gegenüber den "Innenseitern"
besteht diese als Außenseiter gegenüber der eigenen
Gruppe darstellt. Dann dürfen die sich auch mal so blöd
fühlen. Aber ob das alles in der Praxis funktioniert,
weiß ich nicht so genau, denn ich jedenfalls fand niemals
genügend befreundete Außenseiter, um als Gruppe
nicht mehr wie Außenseiter zu wirken.
Im Gegenteil, selbst in den Gruppen und Cliquen, zu denen
ich gehörte, für die ich also kein Außenseiter
war, fühlte ich mich selber manchmal, als wäre ich
doch ein Außenseiter. Zum Beispiel als ich auf das Pult
im Hörsaal mit Edding kritzelte "Exterminate the
whole human race" und niemand verstand, was das bedeuten
sollte. Dabei handelte es sich lediglich um eine Zeile aus
dem Misfits-Song Astro
zombies, aber ich habe noch nie jemanden kennen gelernt,
der die alten Misfits ebenfalls unschlagbar toll findet.
Noch einmal zurück zu
den Ramones. Nachdem ich meine ersten Platten von denen
besaß, nahm ich mir auch ziemlich bald die Mania-Compilation
auf. Immer wieder bin ich Leuten begegnet, die meinten, es
würde reichen, diese CD zu besitzen.
Das mag daher kommen, dass hier besonders viele der live gebotenen
Songs vertreten sind, oder auch weil einige Hits, die man
hin und wieder mal irgendwo hört dabei sind. Ich möchte
der Meinung jedoch vehement wiedersprechen: Mania ist
eine super Zusammenstellung, doch wenn man diese Lieder gut
findet, sollte man unbedingt die regulären Platten anschaffen,
denn da gibt's noch Massen mehr von jenen Songs! Und ob jetzt
alles gleich klingt oder nicht, ist sowieso nur eine Frage
genauen Hinhörens. Ich habe mir selber mal eine best-of
der Ramones aufgenommen, bei der ich gerade vermieden
habe, die bekannten Stücke zu nehmen. Es sind dann darauf
gelandet:
Chainsaw / Now I wanna sniff
some glue / Today your love, tomorrow the world / Suzy is
a headbanger / Now I wanna be a good boy / Babysitter / Locket
love / I don't care / Why is it always this way? / I'm against
it / Questioningly / She's the one / Don't go / Sitting in
my room / Somebody like me / My-my kind of a girl / Mental
hell / Something to believe in / I know better now / Bye bye
baby / Punishment fits the crime / Palisades park / Anxiety
/ Strength to endure / The shape of things to come / Can't
seem to make you mine / Cretin family / Got alot to say
Genialer Mix, oder?
Gabba gabba hey,
Harvey
(26.9.02)
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