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Jethro Tull: Crest of a knave
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(1987, 48:52)
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Anno 87 hatten Tull ihre beste Zeit schon hinter
sich und trotzdem noch eine ganze Menge treuer
Fans.
Es war auch schon ein wenig Gras über
"Under wraps" gewachsen, so dass sie
mit Crest of a knave so richtig durchstarten
konnten.
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Und sie gewannen sogar neue
Fans. Erstaunlicherweise kamen diese aus dem Heavy-Lager:
diese CD wurde als bestes Hardrock-Album 1989
mit einem Grammy ausgezeichnet!
Ich werte das als deutliches Indiz, wie wenig solche Preise
ausssagen, denn Hardrock ist hier nur minimal vorhanden.
Crest of a knave ist
sogar eine recht ruhige Angelegenheit und ich wage gar nicht
zu vermuten, wie grossartig diese Platte geworden wäre,
wenn die oftmals langweiligen Drumcomputer konsequent durch
echte Schlagzeuger ersetzt worden wären.
Doch ich kann mich im Moment gar nicht recht auf diese hervorragende
CD konzentrieren, denn vor wenigen Minuten ist mich etwas
Unvorstellbares passiert: mein Rechner stürzte ab!
Was daran so ungewöhnlich ist?
Nun, ich habe dieses Teil seit 9 Monaten und es ist öfter
mal vorgekommen, dass ein Programm abstürzt, aber das
ganze Betriebssystem (XP) ist noch NIE zusammen gebrochen!
Das war denn schon ein Schock, vor allem, da ich nix böses
tat und nur ein von Tony Levin
auf seiner Seite angebotenes MP3 runterlud. Und gerade als
die 5 MB so gut wie fertig waren - zonk!
Fuck it, das ist die Erinnerung mal wieder eine Datensicherung
zu machen.
Weiterhin bin ich gerade
dabei, alte Live-Tapes auf CD zu überspielen und im Moment
läuft das selbst mit dem Walkman aufgenommene New
Bomb Turks-Konzert von 1993.
Und das kickt ja dermassen Ass, wow, da möchte man direkt
im Hochgeschwindigkeitstakt mit dem Kopp gegen die Wand donnern!
Und ich habe es noch vor Augen, wie damals die Leute sich
die Seele aus dem Leib pogten, geniale Kiste!
Als ich die New Bomb Turks das letzte Mal live sah,
war es bereits 1998
und das Erlebnis war bei weitem nicht so beeindruckend. Das
lag an der Band aber auch daran, dass ich mit einer unzufriedenen
Freundin mit üblen Rückenschmerzen zu kämpfen
hatte und dass der Laden sowas von überfüllt war,
dass man nichtmal zur Toilette gehen konnte.
1993 dagegen waren die Devil Dogs Vorgruppe (gut) und
die Angelegenheit war so laut (oder auch so spät), dass
das Konzert gegen Ende mehrmals unterbrochen werden musste,
weil die Bullizei vor der Tür stand.
Ich habe übrigens die
Phase mit dem selber Konzerte tapen nicht lange durchgezogen.
Problem war und ist, dass man sich ziemlich ruhig verhalten
muss, damit das Mikro nicht dauernd irgendwo gegen haut und
natürlich darf man auch nicht mit den Begleitern reden.
Aber gerade für ein Punkkonzert ist das natürlich
ein starker Spassbremser. Aber auch sonst: ich möchte
doch immer über das sprechen, was da geboten wird.
1993 habe ich auch mal in 20 Tagen 5 Konzerte gesehen, nicht
schlecht! 1989, als ich Tull zum ersten Mal live sah,
kam ich auf genau ein Konzert. Nicht mitgezählt Auftritte
lokaler Bands in Kneipen.
Ich mache mir da am Ende jedes Jahres eine Liste, in der chronologisch
alle Konzerte mit kurzen Kommentaren aufgelistet sind. Das
ist nötig, weil viele der kleineren Konzerte keine echten
Eintrittskarten bieten und ich ja sonst vergessen würde,
wann ich genau was gesehen habe. Und wie die Vorgruppen hießen.
Ausserdem ändert sich der Eindruck, den ein Konzert im
Gedächtnis hinterlässt mit der Zeit.
Üblicherweise mache
ich sowas am 1. Januar. Eine schöne Beschäftigung
für einen verkaterten Neujahrstag: Listen zusammen stellen.
Konzerte chronologisch, Lieblingsplatten eins bis zehn, Lieblingsgruppen
eins bis zehn, Vergleich mit den letzten Jahren und Gesamtliste
der letzten zwei Jahre,...
Es hat auch schon so Zeiten gegeben, in denen ich seltsame
Koeffizienten ausgerechnet habe, damit die Lieblingsgruppen
nicht immer diejenigen sind, von denen ich die meisten CDs
habe...
Ja, das mache ich dann jetzt nicht mehr. Fragt man sich trotzdem,
was soll das alles?
Schwer zu beantworten, außer vielleicht damit, dass
ich solche (primitiven) Statistiken als eine Art Hobby betrachte.
Im Nachhinein kann es dann sogar ganz interessant sein, das
nochmal anzusehen. In meine erste CD-Liste hatte ich sogar
per Strichliste eingetragen, wie oft ich welchen Tonträger
gehört hatte. Diese Liste stammt von 1989 und 1990,
d.h. sie lief nicht über ein ganzes Jahr, sondern mehrere
Monate zwischen zweien. Ich weiss nicht mehr, warum ich damit
aufgehört habe.
Bei einigen Titeln habe ich mich jetzt erst wieder erinnert,
dass ich sie mal besaß. Z.B. die üble 12inchers
Compilation von Phil Collins
oder eine alte Accept Platte.
Aus dieser alten Liste ergibt
sich folgende Reihenfolge der Hörhäufigkeit: 1.
Fish - Vigil
(26mal, war da gerade aktuell), 2. Marillion
- Seasons end (16mal,
auch aktuell), 3. Westernhagen - Halleluja und
Jethro Tull - Rock island (13mal), 5. Peter
Gabriel - 3
und Running Wild - Death or glory (12mal), 7.
Peter Gabriel - 4
und TNT - Knights of the new thunder und
Genesis - Mama und
Yes - 90125 (11mal).
Soweit, so nett. Lustiger
ist aber auch die umgekehrte Liste, mit den Platten, die ich
in besagtem Zeitraum am wenigstens gehört habe. Auf dem
ersten Platz allerdings nicht Null Hördurchgänge,
sondern sogar einer, weil ich früher (als das noch möglich
war) immer so Aktionen wie "jetzt höre ich mal alles
von A-Z durch" gemacht habe.
1. Phil Collins - 12ers und Ärzte
(Da es meine einzige Platte war habe ich nicht dazu geschrieben,
wie sie hieß. Leider weiss ich es jetzt auch nicht mehr.)
und OST - Buster und Communards - s.t. und
Jan Hammer - Escape from tv und Eros Ramazotti
- In centi momenti und Eros Ramazotti - Musica
e und Pink Floyd - live
(?) und U2 - The
joshua tree und Pink Floyd - The
wall und Warlock - True as steel und Neil
Diamond - Velvet gloves und Whitesnake -
Whitesnake 1984 (je 1mal).
Das waren denn gleich schon zehn. Wilde Mischung. Vor allem
auch einige von heute aus gesehen wirklich gute Platten dabei.
Und seltsames Zeug, z.B. die Jan Hammer CD. Ich guckte
natürlich wie alle Miami Vice und fand die Titelmusik
ganz toll und kaufte mir daher diese CD. Ich glaube (sie ist
schon lange wieder verkauft) sie war nicht sehr abwechslungsreich.
Crest of a knave beginnt
mit dem Song Steel monkey und dieser wiederum beginnt
mit einem schnellen Synthie-Rhythmus und anschliessenden sägenden
E-Gitarren über elektronischen Drums. Das hört sich
erstmal übel an und gewissermaßen ist es das auch.
Dieser Track und der letzte Song Raising steam sind
sicherlich die schlechtesten dieser CD. Wobei es auch mal
wieder so eine CD ist, die ich unglaublich oft gehört
und daher in ihrer Gesamtheit als Gegebenheit, die gut und
fertig ist, abgespeichert habe. Fragte man mich spontan, wie
ich Steel monkey finde, so würde ich sagen: gut.
Aber ich würde niemandem verdenken, den Song scheisse
zu finden.
Es wird ja auch noch besser.
Farm on the freeway kommt als nächstes, hat ein
richtiges Schlagzeug, melodische Gitarren und schöne
Flöten. Im Gegensatz zum nervösen Feeling des ersten
Songs kommt hier eine ganz andere Stimmung rüber: Cruising,
was ich mal eben fix zum Freeway assoziiere. Im Mittelteil
gibt's ein längeres Gitarrensolo, das sich nicht recht
entscheiden kann, ob es nun Hardrockgenudel oder Bluesgefrickel
sein will. Keyboards sind auch dabei und bringen Atmosphäre.
Ein durchaus typisches Stück für die Gesamtstimmung
der Platte.
Das kann man auch von Jump
start sagen, deshalb gleich weiter zu den drei Höhepunkten
der Platte: Said she was a dancer, Dogs in the midwinter
und Budapest sind eindeutig meine Lieblingsstücke.
Es verbindet sie eine etwas nachdenkliche Stimmung, viel Flöteneinsatz
und eine nicht zu heftige sondern eher groovende Gitarre von
Martin Barre.
Textmässig sind diese Stücke auch interessant, so
vermitteln sie doch einen (vermeintlichen) Einblick in das
Leben des Ian Anderson. Said
she was a dancer fängt an mit den Worten "She
said she was a dancer." und Budapest fängt
an mit ... nein, nicht "Budapest", sondern "I
think she was a middle-distance runner". Die Frauen also
wieder!
Wobei diejenige aus dem ersten Song aus Moskau kommt und wir
erkennen, es muss sich um Erlebnisse einer Ostblocktour handeln.
Im Tourprogramm von 1990 schreibt Ian Anderson seine
zehn liebsten Tull Songs auf und Said she was a
dancer ist auch darunter. Seine Erläuterung dazu:
"Nein, ich bin noch nicht wieder in Moskau gewesen und
wenn ich mal wieder da bin, wird dieser Song noch immer eine
fiebrige Fiktion sein. Die Gitarre und der Double-Bass sind
perfekt für das Feeling des Stückes, auch wenn beide
overdubbed sind auf meine Aufnahmen der anderen Teile, inklusive
der Vocals. Das Teil wurde den anderen Gruppenmitgliedern
als eine Art fait accompli präsentiert. Bis jetzt live
nur bei ein paar Soundchecks gespielt."
Budapest ist fast schon ein Song von Fairport Convention,
denn neben David Pegg (in beiden Gruppen aktiv) und Gerry
Conway (auch mal Fairport) gibt's hier noch als Gast
Ric Sanders an der Geige. Schnulzig, aber genial! Dogs
in the midwinter als Mittelteil ist weniger nachdenklich
und flotter gespielt aber auch sehr fein. Auffallend wieder
die Keyboards, wir sind halt in den 80s, da musste man wohl
so dramatisch und laut in die Tasten hauen.
Die folgenden zwei Stücke
Mountain men und The waking edge sind auch sehr
gut. Mountain men bewegt sich zwischen den schnelleren,
härteren Momenten und den ruhigeren der Platte und gibt
einen guten Eindruck der Gesamtrichtung, also ein Reinhörtipp.
The waking edge ist ein sehr ruhiges Stück mit
schönen Gitarren und Orgel-Imitaten-Keyboards.
Im Freundeskreis haben wir
Crest früher verdammt oft gehört. Die Keyboards
und die Drumcomputer haben uns nicht gestört und ich
habe letztere noch nichtmal wahrgenommen. Auch die Tatsache,
dass die Gitarre manchmal für sich alleine etwas hardrockig
rumkreischt war uns nicht unangnehm. Ich mag diese Platte
heute noch sehr gerne, weil sie an alte Zeiten erinnert und
weil jedes der Stücke für sich etwas hat. Insgesamt
gesehen kann man aber doch noch die Nachbeben von Under
wraps erkennen oder auch die Auswirkungen der 80s wenn
man so will. Objektiv in den Tull-Katalog eingeordnet
ist diese sicher keine der Platten des besten Drittels. Andererseits:
schaut man weniger auf die gesamte Scheibe, als auf einzelne
Höhepunkte, so ist Budapest sicher ein besonderer
Songhöhepunkt und Jump start war jahrelang ein
echter Live-Hit.
Schon von daher eine auf
jeden Fall relevante Platte und eine weitere interessante
Facette im umfangreichen Tull-Katalog.
Stay alive and rock on,
Harvey
(17.10.02)
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