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Hitlist
 




Maxi(mum) Rock'n'roll: 1995


Big Country: You dreamer
 

Big Country: You dreamer (Maxi-[CD], 14:15, 15:15)

Sie tauchen immer wieder auf: Big Country sind definitiv eine der Gruppen, die mich seit Jahren besonders intensiv begleiten.

Diese Maxi gehört zur CD "Why the long face", welche nach dem überragenden Vorgänger "The buffalo skinners" etwas uninspiriert und überproduziert klingt.

Da ich diese Rubrik konkret "Maxis" genannt habe, möchte ich zu Beginn erstmal erklären, was ich an Maxis so toll finde.

Das kann man ganz schnell auf den Punkt bringen: ich liebe B-Seiten! Ich liebe es, sie zu sammeln und mir hinterher Sampler mit allen oder allen guten B-Seiten einer Gruppe aufzunehmen.
Handelt es sich um eine Maxi, die keine Auskopplung darstellt, sondern nur neue Songs bietet, um so besser! Kommt auch auf den Sampler.
Solche B-Seiten-Sampler müssen übrigens unbedingt sein, denn sonst kommen die B-Seiten nicht ausreichend zu ihrem Recht.
Denn zugegeben: so besonders oft lege ich eine Maxi-CD nicht in den Player. Vinyl hat es da noch schwerer. Das liegt sicher an der Kürze und manchmal auch daran, dass sich neben echten Schätzen auch immer wieder echte Langweiler unter den B-Seiten befinden. Da die Schätze aber öfter gehört werden sollen, sind B-Seiten Compilations erforderlich.

Jetzt könnte man entgegen halten: diese paar Songs sind ja wohl nicht so wichtig. Ausserdem oft auch echte Langweiler. Und teuer! Früher zahlte man DM 10.- bis DM 14.- für eine Maxi-(CD) und bekommt dann acht bis 20 Minuten Musik. Aber es wird einem glaubhaft gemacht, dass man dafür auch etwas sammelwertes in Händen hält, einen Tonträger, der bald nicht mehr erhältlich sein wird.
Das stimmt meistens auch tatsächlich. Ob es allerdings auch eine Wertsteigerung gibt, darf angezweifelt werden. Aber ich glaube natürlich daran (ebay-Preise ignorierend), weil sich das Sammeln dann noch mehr lohnt.

Ich kann den Argumenten oben entgegen halten, dass ich natürlich nicht von jeder Gruppe die Maxis sammle. Erste Priorität haben normalerweise die Longplayer, es sei denn die Maxis gibt's besonders billig oder ich bin nur an den Singlehits interessiert.
Und was Big Country angeht, so sind 80% der B-Seiten ausgesprochen gut. Manches Mal wundere ich mich, wieso die Songs nur als "B" Liga eingestuft wurden.

Bei You dreamer war die Sache trotzdem schmerzhaft teuer. Es gibt DREI Versionen (zwei verschiedene CDs und einmal Vinyl), die alle nur als England-Import existierten. Ich habe insgesamt DM 50.- für die drei Maxis ausgegeben. Gesamte Länge der B-Seiten (Vinyl nur ungefähr): 37 Minuten!! Da ist mein Gebot "nicht mehr als 1 DM pro Minute" eindeutig verletzt. Aber für BC tue ich sowas.
Da kaufe ich auch diese ganzen anderen obskuren Compilations und Webside-EPs, mit denen die Hardcore-Fans seit zwei Jahren so richtig ausgebeutet werden.

Also Maxis sind super!
Die drei Versionen von You dreamer lassen sich leicht in eine Reihenfolge bringen:

1. die limitierte numerierte Maxi-CD. Hier sind drei Coverversionen drauf, die ganz nett sind aber die man nicht wirklich braucht. Waren ausserdem Reste der Buffalo skinners-Aufnahmen, die hier verwurstet wurden. Alle drei Covers sind jetzt auch auf der CD Undercover zu haben, preislich dann etwas lohnenswerter, aber auch nur für den Fan ein Muss.
Die meiner Ansicht nach besten Covers von BC sind außer Rockin' in the free world (1993) schon etwas älter: Tracks of my tears und Prairie rose (Originale: Neil Young, Smokie Robinson, Roxy Music).
Auf Eclectic (live acoustic) sind auch noch ein paar nette.

Auf dieser Maxi-CD wie auf allen Versionen enthalten ist aber natürlich das Titelstück. Ein flotter, unkomplizierter Rocker der zum Mitschunkeln einlädt und auch einen ganz brauchbaren Text hat. Kein schlechtes Stück, aber ich meine, BC bleiben etwas hinter ihren Möglichkeiten zurück. Als Single aber nicht schlecht ausgewählt und von mir 1995 auch aufs Urlaubs-Tape gebannt.

2. die andere Maxi-CD (vermutlich nicht weniger "limitiert", aber nicht numeriert). Hier sind drei neue Songs drauf, die recht einfach gestrickt und textlich nicht weiter nennenswert aber ansonsten ganz nett sind. Ich finde Ice cream smile und Magic in your eyes am besten, da sie rund und poppig sind und einen eingängigen Refrain besitzen. Ich wette, Erwin sieht das gerade anders herum und findet Bianca, welches nicht so eingängig und in meinen Ohren etwas zu kantig klingt, am besten. Diese drei Stücke liegen beim B-Seiten-Status ganz richtig und gehören dort zum guten Mittelmaß (für BC-Verhältnisse).

3. nun kommt die Vinyl-Maxi, die ein echter Hammer ist! Drei Songs in Demo-Qualität werden angeboten: Hardly a mountain, Golden boy loves golden girl und Can you feel the winter.
Zunächst mal ist es ärgerlich, dass diese Stücke nicht richtig produziert sind, so wie die Stücke auf den beiden CDs. Andererseits hätte das vielleicht auch einen Teil des rauen Flairs und der Spontaneität genommen. Weiterhin gibt es nur Can you feel the winter überhaupt auf CD, nämlich auf der B-Seiten Zusammenstellung Rarities II (wo es seltsamerweise als Hardly a mountain bezeichnet wird).
Ok, jetzt mal zum Inhaltlichen:
Hardly... und Golden... sind wieder sehr eingängige Stücke mit einem klaren Strophe - Refrain - usw Aufbau. Sie rocken ganz gut, klingen wie gesagt ziemlich rauh und lassen auch mal ein recht abgefahrenes Gitarrensolo hören. Folk ist hier nicht vertreten, da schon eher ein Schuss Hardrock. Textlich gibt's die unterste Schmalzschublade... naja, da lag Stuart Adamson bei Why the long face insgesamt etwas daneben (und behauptete dann, es wären seine persönlichsten Texte überhaupt). Diese beiden Stücke übertreffen diejenigen von der zweiten Maxi-CD jedenfalls schonmal problemlos.
Dann setzt Can you feel the winter noch eins drauf. Ein fast schon experimentelles und für BC-Verhältnisse sehr vertracktes Teil Musik. Tempo-Wechsel, seltsame Bassläufe und verrückte Gitarren gepaart mit soliden BC-Elementen. Dazu die Länge von fast sieben Minuten und der Wettstreit von ruhigen und richtig flotten Passagen machen diesen Song für mich zum absoluten Renner aller Why the long face-Stücke. Könnte man eventuell ein wenig mit Porrohman auf modern vergleichen. Und stattdessen nehmen die so Zeug wie Thunder & lightning auf die CD! Kann ich echt nicht verstehen...





Big Country
(Schottland)
Gegründet 1981, aufgelöst 2000
Erste VÖ 1982 "Harvest home"-Single/Maxi

Besetzung 1995:
Stuart Adamson: voc, guit
Mark Brzezicki: dr
Tony Butler: b
Bruce Watson: guit, mandolin

Link
Driving to Damascus
Eclectic
In the scud
Peace in our time
Rarities III
Rarities V
Rarities VIII
Return of the two-headed king
Republican party reptile
Singles collection vol.2
Steeltown
The buffalo skinners
The crossing
The seer
Without the aid of a safety net
Wonderland

Anspieltipp:


Pearl Jam: Merkinball
 

Pearl Jam: Merkinball (Maxi-CD, 10:53)

Pearl Jam ließen sich für Neil Youngs "Mirrorball" zur Backingband degradieren.
Neil revanchierte sich mit einer Einlage auf dieser EP.

Die Songs "I got ID" und "Long road" gibt es beide nicht auf einer Studio-LP.

Allerdings findet man Long road noch in anderer Version auf dem Dead man walking-Soundtrack.
McCready und Gossard wirken hier nicht mit. Ob es daran lag, dass sie anderweitig beschäftigt waren (Mad Season, Brad) oder sie einfach nicht gebraucht wurden, weil Neil schon genug Gitarren dabei hatte, weiss ich nicht.

Beide Songs sind von Eddie Vedder, Neil Young ist hier also tatsächlich nur Mitmusiker und nicht noch Songschreiber.
Den Unterschied der Gitarren hört man aber durchaus. Neil Young spielt halt ganz anders als Pearl Jam sonst, auch wenn er den Verzerrer aufdreht und mehr Riffs und Akkorde als Solos hinlegt. Wirkt aber sehr druckvoll, frisch und zusammen mit den anderen Instrumenten könnte das glatt als neue Pearl Jam Besetzung durchgehen.

Beide Songs haben Atmosphäre und die wird zum großen Teil auch von Eddie Vedder geliefert, der sehr eindringlich singt und vor allem dem ruhigeren Long road (mit Orgel) dazu verhilft, ein spannungsreiches, Stück zu werden. Aber das etwas schnellere andere ist auch sehr gut und zusammen geben sie auch ein wenig die Richtung an, in die es mit No code knapp ein Jahr später gehen sollte: mehr Gelassenheit, etwas längere Songs. Vitalogy gefiel mir persönlich nicht besonders, vielleicht auch weil die klare Linie fehlte.

Zu den Texten kann ich gar nichts sagen, denn sie sind nicht abgedruckt und verstehen kann ich auch nicht viel. Erstaunlich: bei BC sind sie deutlich besser zu verstehen, obwohl die doch Schotten sind. Aber vielleicht auch eine Frage der Gewöhnung, ich höre ja viel Musik von Schotten.

A propos Texte: die Assoziationen gehen wilde Wege und mit fällt Running Wild ein.
Running Wild sind so eine deutsche Metal-Combo, welche ich mal als ziemlich unabwechslungsreich und klischeehaft bezeichnen möchte. Ich kenne ihre letzten Veröffentlichungen nicht, aber so 1989 war ich ein totaler Fan von denen.
Jetzt sehe ich da kürzlich den Donots-Sänger im TV und der sagt, er fand und findet die alten Sachen von Running Wild super und sie covern demnächst einen Song von denen.
Seltsam, dass man heute sowas (als Punk-Band) öffentlich sagen darf. Wäre man doch früher direkt mit Sprechchören "Steinigung! Steinigung!" belohnt worden. Aber jetzt sind ja auch Manowar, diese Oberpenner, plötzlich in! Ich verstehe das nicht.
Und schaut man sich Iron Maiden in ihrem relativ aktuellen Livevideo an, so denke ich: sieht ja aus wie damals bei mir auf dem Land bei den Scheunenrockern. Irgendwie 'ne Art Selbstparodie.
Nun gut, zu den Texten: ich hatte 1995 schon mit Running Wild abgeschlossen, wollte nicht mehr wie der Sänger aussehen und hatte auch eine von meinen zwei CDs verkauft. Und die Texte fand ich auch nicht mehr so toll. 1989 hatten mich ja diese Piratenthemen ziemlich in den Bann gezogen und die manchmal etwas holprige Ausdrucksweise sowie die allgemeine Stumpfheit waren mir nicht so aufgefallen. Ich hätte Running Wild sogar als fast politisch eingestuft, weil sie Antikriegstexte hatten.

Ich hörte die jedenfalls nicht mehr und dann treffe ich ein nettes Mädel, die mir sagt, sie fände Running Wild gut, auch weil die so gute Texte hätten.
Ich hab's nicht geglaubt!
Aber was soll man da sagen: du leidest unter Geschmacksverirrung, aber das legt sich vielleicht in ein paar Jahren? Wohl weniger.
Ich machte also folgendes: in typischem männlichem Imponiergehabe holte ich mein altes Running Wild T-Shirt aus dem Schrank, mit dem Wild animal-Motiv (Verwandlung Mensch-Werwolf). Das finde ich sogar heute noch ganz nett, wahrscheinlich weil es so böse aussieht! Das unterstreicht dann meine fiese Aura... oder so.
Naja, was bekomme ich als Rückmeldung: nee, also dieses T-Shirt ist ja echt widerlich, sieht so brutal aus und unangenehm!
Ja wovon haben Running Wild denn in ihren "guten" Texten gesprochen??? Von der Schönheit der sieben Weltmeere? Nein, von Kampf und Brutalität!!!

Soviel also zur äußerst komplexen Interpretation der Texte von Running Wild. Ich würde allerdings trotz dieser tiefgründigen Texte jetzt nicht jedem empfehlen, sofort in den Laden zu rennen und eine der CDs ungehört zu erstehen.

Die Merkinball-Maxi von Pearl Jam dagegen kann man bedenkenlos kaufen (sofern man sie denn irgendwo auftreiben kann)!


Stay alive and rock on,
Harvey
(11.7.02)

 

Pearl Jam

(USA)
Gegründet 1990
Erste VÖ 1991 "Ten"-CD

Besetzung 1995:
Jack Irons: dr
Jeff Ament: b
Eddie Vedder: voc
(Mike McCready: guit)
(Stone Gossard: guit)
+
Neil Young: guit, voc, organ
Brendan O'Brien: b


Link
Temple Of The Dog
Ten
Daughter
Yield
Live on two legs
Nothing as it seems
Lost dogs
Pearl jam

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: