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Oysterband: The shouting
end of life (44:45)
Bei der Oysterband ist man immer auf der sicheren
Seite: große Überaschungen sind nicht
zu erwarten.
Aber die will ja auch niemand. Kleine Neuerungen
und Variationen sind es, die jede neue Platte
zu einem eigenständigen, lohnenswerten
Werk machen.
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Im Gegensatz zu Deep
dark ocean ist The shouting end of life keine hauptsächlich
ruhige, träumerische Platte. Hier wechseln sich schnelle
Tanzlieder und atmosphärischere Songs ab. Dazu gibt es
Lyrics, die vom Alltäglichen über Politisches bis
zu britischer Ironie reichen. Letzteres zum Beispiel beim
Titelstück:
"Anything could put
me in that long black wooden box, Gunpowder, whisky or the
two-tone Chinese pox, But I'm not going quietly, I do not
feel the call, I want to stay at the shouting end, So honey,
let's not go at all."
Entsprechend handelt es sich um ein lustiges Tanzlied, das
ausgiebig von typischen Folkinstrumenten Gebrauch macht.
In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, das auch
auf dieser Platte (wie bei Deep dark ocean und auch
anderen) die Gastmusiker einen erheblichen Teil zum Abwechslungsreichtum
und der Dichte der Songs beitragen. So gibt es in den ruhigen
Momenten oft einen bedrückenden Dudelsack zu hören
oder auch mal eine Flöte.
Insgesamt haben die Violinen
natürlich auch eine Menge zu sagen, das Drumming erscheint
mir sehr gut und die Refrains und Chöre wissen zu gefallen.
Einziges etwas flaches Stück ist Jam tomorrow,
das irgendwie leicht nervt. Vielleicht weil das Schifferklavier
so sehr im Vordergrund steht.
Die besonders hervorzuhebenden
Stücke dieser CD sind meiner Meinung nach:
Blood-red roses: ein treibender Rhythmus, etwas hymnisch
mit schönem, ruhigem Gesang
By northern lights und Everywhere I go: klingen
beide fröhlich aber dennoch etwas nachdenklich, man könnte
gut dazu tanzen, obwohl beide Stück gar nicht mal so
schnell sind. Everywhere war auch eine Single und bietet
besonders viel (und teilweise abgefahrenen) Geigeneinsatz.
Hier besteht der Text eher aus Schlagwörtern, die gewisse
Assoziationen auslösen.
Our lady of the bottles: ein sehr schnelles, fröhliches
Tanzlied mit Mumpitz-Text, das sicher auch Folk-Puristen anspricht
Put out the lights: der traurigste Song der CD, das
ansonsten auf dieser Scheibe vernachlässigte Cello und
ein schmachtendes Accordion liefern die Grundstimmung, zu
der sich dann noch der Dudelsack gesellt. Ich weiss nicht
wirklich worum es hier geht, vielleicht sind die Worte auch
nur eine Aneinandereihung von Eindrücken und Stimmungen.
Es verbreitet jedenfalls Wehmut und wenn es heisst "Every
place that I have been, Leaves its message on the skin, So
many prophecies and signs, So little time, so little time"
dann kommen bei mir schöne und schmerzhafte Erinnerungen
hoch, die zwar nicht in der Haut aber doch in der Seele ihre
Spuren hinterlassen haben.
The shouting end of life
ist eine sehr gelungene Mischung aus fröhlichen und nachdenklichen
Songs, die den Eindruck macht, als wäre sie von der Oysterband
mit kaum vorstellbarer Leichtigkeit aufs Band gezaubert worden.
Der Gesang von John Jones ist wieder ausgesprochen gut, schafft
er es doch mit seinem dunklen Timbre die einmal tiefgründigen
und ein andermal leichten Stimmungen der Songs sehr gut auszudrücken.
Ich würde es den Jungs
- die ich nicht besonders gut "kenne", da ich sie
erst einmal live gesehen habe und man auch nie Interviews
mit ihnen liest, die aber sehr sympathisch wirken - gönnen
wenn sie mal etwas mehr Erfolg hätten. Ich befürchte
aber, dass sie in der heutigen Zeit nicht über ihren
Status hinauskommen werden. Wenigstens ist ein Ende nicht
in Sicht!
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