harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Folk Rock Hits: 1995


Oysterband: The shouting end of life
 

Oysterband: The shouting end of life (44:45)

Bei der Oysterband ist man immer auf der sicheren Seite: große Überaschungen sind nicht zu erwarten.

Aber die will ja auch niemand. Kleine Neuerungen und Variationen sind es, die jede neue Platte zu einem eigenständigen, lohnenswerten Werk machen.

Im Gegensatz zu Deep dark ocean ist The shouting end of life keine hauptsächlich ruhige, träumerische Platte. Hier wechseln sich schnelle Tanzlieder und atmosphärischere Songs ab. Dazu gibt es Lyrics, die vom Alltäglichen über Politisches bis zu britischer Ironie reichen. Letzteres zum Beispiel beim Titelstück:

"Anything could put me in that long black wooden box, Gunpowder, whisky or the two-tone Chinese pox, But I'm not going quietly, I do not feel the call, I want to stay at the shouting end, So honey, let's not go at all."
Entsprechend handelt es sich um ein lustiges Tanzlied, das ausgiebig von typischen Folkinstrumenten Gebrauch macht.
In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, das auch auf dieser Platte (wie bei Deep dark ocean und auch anderen) die Gastmusiker einen erheblichen Teil zum Abwechslungsreichtum und der Dichte der Songs beitragen. So gibt es in den ruhigen Momenten oft einen bedrückenden Dudelsack zu hören oder auch mal eine Flöte.

Insgesamt haben die Violinen natürlich auch eine Menge zu sagen, das Drumming erscheint mir sehr gut und die Refrains und Chöre wissen zu gefallen. Einziges etwas flaches Stück ist Jam tomorrow, das irgendwie leicht nervt. Vielleicht weil das Schifferklavier so sehr im Vordergrund steht.

Die besonders hervorzuhebenden Stücke dieser CD sind meiner Meinung nach:
Blood-red roses: ein treibender Rhythmus, etwas hymnisch mit schönem, ruhigem Gesang
By northern lights und Everywhere I go: klingen beide fröhlich aber dennoch etwas nachdenklich, man könnte gut dazu tanzen, obwohl beide Stück gar nicht mal so schnell sind. Everywhere war auch eine Single und bietet besonders viel (und teilweise abgefahrenen) Geigeneinsatz. Hier besteht der Text eher aus Schlagwörtern, die gewisse Assoziationen auslösen.
Our lady of the bottles: ein sehr schnelles, fröhliches Tanzlied mit Mumpitz-Text, das sicher auch Folk-Puristen anspricht
Put out the lights: der traurigste Song der CD, das ansonsten auf dieser Scheibe vernachlässigte Cello und ein schmachtendes Accordion liefern die Grundstimmung, zu der sich dann noch der Dudelsack gesellt. Ich weiss nicht wirklich worum es hier geht, vielleicht sind die Worte auch nur eine Aneinandereihung von Eindrücken und Stimmungen. Es verbreitet jedenfalls Wehmut und wenn es heisst "Every place that I have been, Leaves its message on the skin, So many prophecies and signs, So little time, so little time" dann kommen bei mir schöne und schmerzhafte Erinnerungen hoch, die zwar nicht in der Haut aber doch in der Seele ihre Spuren hinterlassen haben.

The shouting end of life ist eine sehr gelungene Mischung aus fröhlichen und nachdenklichen Songs, die den Eindruck macht, als wäre sie von der Oysterband mit kaum vorstellbarer Leichtigkeit aufs Band gezaubert worden. Der Gesang von John Jones ist wieder ausgesprochen gut, schafft er es doch mit seinem dunklen Timbre die einmal tiefgründigen und ein andermal leichten Stimmungen der Songs sehr gut auszudrücken.

Ich würde es den Jungs - die ich nicht besonders gut "kenne", da ich sie erst einmal live gesehen habe und man auch nie Interviews mit ihnen liest, die aber sehr sympathisch wirken - gönnen wenn sie mal etwas mehr Erfolg hätten. Ich befürchte aber, dass sie in der heutigen Zeit nicht über ihren Status hinauskommen werden. Wenigstens ist ein Ende nicht in Sicht!





Oysterband
(England)
Gegründet 1979 als "Oyster Ceilidh Band"
Erste VÖ 1980 "Jack's alive"-LP

Besetzung 1995:
John Jones: voc, melodeon, piano
Chopper: b, cello
Lee: dr
Alan Prosser: guit, violin, mandolin, banjo
Jan Telfer: violin, concertina, viola
+
Sarah Allen: whistle
Kathryn Tickell: Northumbrian pipes
Chris Batchelor and Expensive Mustapha: tr

Link
Gone west
Holy bandits
Deep dark ocean
The big session vol.1
Meet you there

Anspieltipp:


Colin Hay: Topanga
 

Colin Hay: Topanga (50:46)

Diese CD ist nicht spektakulär, aber sie ist rundum gelungen.
Zwölf kleine, feine Songs irgendwo zwischen Songwriter-, Country-, Pop- und Rockmusik.

Men At Work, die 1981 mit Down under die Charts stürmten, dürfte wohl jeder zumindest flüchtig kennen.
War die erste Platte Business as usual noch eine sehr abwechslungsreiche, frische, leicht Reggae-infizierte Popangelegenheit, so nutzte sich dieser Sound und der Ideenreichtum der Gruppe mit der zweiten und dritten Platte schnell ab.
Danach war erstmal Schluss, bis Colin Hay - der Sänger und Gitarrist - kurz nach der hier besprochenen CD die Band wiederbelebte, allerdings bisher nur für die Bühne.
Von einer Reunion kann man dabei nicht direkt sprechen, da lediglich ein Mitglied der ursprünglichen MAW wieder dabei ist: Saxophonist Greg Ham. Dennoch ist der Livemitschnitt Brazil (den ich erst nach deutlichem Zögern beim dritten Anschauen im selben Laden erstand) ein sehr gelungenes Teil.

Nach dem MAW-Split und auch weiterhin nach der Neugründung der Band war und ist Colin Hay solo aktiv.
Seine Musik unterscheidet sich recht deutlich von derjenigen von MAW. So kann man alle MAW-Platten doch gut als 80er Material einordnen. Es wurden die typischen Bandinstrumente plus Saxophon und Flöte verwendet.

Bei Colin Hay sieht das etwas anders aus: akustische Passagen überwiegen, es werden Mandolinen, Geigen und manchmal slide guitars verwendet. Eindeutig sehr folklastig und seiner angenehmen, ruhigen Stimme zuträglich. Wenn der Gesang auch nicht so sehr variable ist, so liebe ich diese Stimme dennoch ganz besonders.
Was die Songs weiterhin prägt ist der intensive Orgel-Einsatz. So ähnlich hört man dies auch bei vielen New Country-Bands, z.B. auf Blue Rose. Muss ich auch zugeben, dass solche Musik in dieser Hinsicht schon von vielen anderen Gruppen gemacht wurde und der Songaufbau auch sehr bieder ist, so wird die CD dennoch durch Gesang, Texte und das routiniert wirkende runde Gesamtbild zu einer echten Perle.

Meiner Meinung nach gibt es auf dieser CD keinen einzigen Ausfall. Die Stücke sind überwiegend langsam, wirken fast beruhigend, nur ganz selten (I don't miss you now) wird mal etwas rockiger losgelegt. Manchem mag das zu langweilig sein, ich dagegen mache es mir gemütlich und lausche den Feinheiten der Instrumente - ein schöner Ausgleich zur Hektik des Alltags. Beim letzten Song tritt übrigens oben genannter Greg Ham als Gast auf: ein ruhiges in die Gesamtatmosphäre passendes Saxophon, das kaum Erinnerungen an MAW weckt. Aber möglicherweise war gerade dieser Gastauftritt der Beginn des erneuten MAW-Bestehens.

Ich würde Colin Hay wirklich gerne einmal live erleben. Ich kann mir vorstellen, dass seine Konzerte ein intime, entspannende und gleichzeitig fröhliche Angelegenheit sind. Ich glaube, dieser Mann hat Charisma und seine Texte, die meist Stimmungen und Lebenssituationen schildern, lassen eine reflektierende, freundliche und vielleicht auch ein wenig witzige Person vermuten.
Also: man vergesse die alten Men At Work Scheiben und öffne die Ohren für Colin Hays unaufdringlichen aber mit einem gewissen Etwas ausgestatten Solowerke!


Stay alive and rock on,
Harvey
(25.7.02)

 

Colin Hay

(Australien)
Seit der Auflösung von Men At Work 1986 solo
Erste VÖ 1987 "Looking for Jack"-LP

Band 1995:
Colin Hay: voc, guit
Chad Fischer: dr
Paul Gadsby: b oder
Joe Creighton: b
Gerry Hale: mandolin
Bruce Haymes: organ, piano
+
diverse Gastmusiker


Link
Business as usual
Brazil
Are you lookin' at me?

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: